Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Nun, wenn es verschlossen ist …«
»Für Paviane verschlossen. Für Menschen dürfte es kein Problem sein.«
Als Rasa in das Küchenzelt ging, stellte sie fest, daß er recht hatte. Das ›Schloß‹ war nur eine Drahtschnur, die man um den Griff der mit Sonnenenergie betriebenen Kältetruhe gezogen hatte. Warum hatte er also die Tatsache betont, daß sie die Lebensmittel unter Verschluß hielten? Vielleicht nur, um sie zu erinnern, den Behälter wieder zu verschließen.
Sie öffnete den Deckel und fand mehrere Dutzend Brotlaibe und einige andere in Stoff gehüllte Pakete mit Vorräten — gefrorenes Fleisch vielleicht? Nein, gefroren konnte es nicht sein, dafür war es in der Truhe nicht kalt genug. Sie griff hinein, öffnete eins der Pakete und fand — natürlich — Käse aus Kamelmilch. Ein widerliches Zeug — sie hatte es schon einmal gegessen, in Volemaks Haus, als sie ihn zwischen den beiden Zeiträumen, in denen sie verheiratet waren, einmal besucht hatte. »Siehst du, wie sehr ich dich geliebt habe?« hatte er sie aufgezogen. »Wir waren so lange verheiratet, und ich habe dich nie davon probieren lassen!« Aber sie wußte, daß sie nun das Protein und das Fett brauchte — den Großteil ihrer Reise über würden sie nur karge Rationen bekommen, und sie mußten alles essen, was nahrhaft war.
Sie nahm einen flachen, runden Brotlaib, brach die Hälfte davon ab, packte den Rest wieder ein und legte ein paar Brocken Käse auf den Teil, den sie essen wollte. Das Brot war so trocken und schmeckte so streng, daß es den Geschmack des Käses fast überdeckte, und daher war das Frühstück nicht so widerwärtig, wie sie befürchtet hatte. Willkommen in der Wüste, Rasa.
Sie schloß den Deckel und drehte sich zur Tür um.
»Aah!« kreischte sie, ohne es zu wollen. In der Zeltöffnung stand ein Pavian auf allen vieren, betrachtete sie eindringlich und schnüffelte.
»Husch«, sagte sie. »Verschwinde. Das ist mein Frühstück.«
Der Pavian sah ihr ungerührt ins Gesicht. Da fiel ihr ein, daß sie die Kältetruhe nicht wieder verschlossen hatte. Mit schamgerötetem Gesicht drehte sie dem Pavian den Rücken zu, verbarg mit dem Körper, was sie tat, und legte den Draht wieder vor. Angenommen, die Finger des Pavians waren nicht geschickt genug, um unter den Draht zu kommen. Aber was, wenn seine Zähne so kräftig waren, daß er ihn durchbeißen konnte, was dann? Also wollte sie ihn gar nicht erst wissen lassen, daß er wegen dieses Drahtes nicht an die Leckereien kam.
Natürlich war es durchaus möglich, daß er von allein darauf kommen würde. Hieß es nicht, daß die Paviane den Menschen auf Harmonie am ähnlichsten waren? Vielleicht hatten die ursprünglichen Besiedler dieses Planeten sie deshalb mitgebracht — denn sie stammten von der Erde und nicht von dieser Welt.
Sie drehte sich wieder um und schrie erneut leise auf, denn der Pavian stand mittlerweile direkt hinter ihr. Er hatte sich auf die Hinterläufe erhoben und betrachtete sie noch immer mit ganz ruhigem Blick.
»Das ist mein Frühstück«, sagte Rasa leise.
Der Pavian kräuselte verächtlich, fast schon entrüstet die Lippen, ließ sich wieder auf alle viere hinab und lief aus dem Zelt.
In diesem Augenblick kam Zdorab herein. »Ha«, sagte er. »Den nennen wir Jobar. Er ist gerade erst zum Stamm gestoßen, und die anderen akzeptieren ihn noch nicht. Das macht ihm aber nichts aus, weil er sich für den Boß hält, wenn alle vor ihm davonlaufen. Aber der arme Bursche ist die halbe Zeit über geil und kommt einfach nicht an die Weibchen heran.«
»Deshalb der Name«, sagte Rasa. Jobar war ein uraltes Wort für einen Mann mit einem unersättlichen Geschlechtstrieb.
»Wir nennen ihn so, um ihn zu ermutigen«, sagte Zdorab. »Und jetzt verschwinde, Jobar.«
»Ich glaube, er wollte gerade gehen, nachdem ich mich geweigert habe, Brot und Käse mit ihm zu teilen.«
»Der Käse ist schrecklich, nicht wahr?« sagte Zdorab. »Aber wenn man bedenkt, daß die Paviane kleine Eidechsen lebendig essen, wenn es ihnen einmal gelingt, sie zu fangen, wird einem klar, daß ihnen der Kamelkäse wirklich gut schmecken muß.«
»Aber wir Menschen essen ihn auch, oder?«
»Zögernd und ständig«, sagte Zdorab. »Und an den Nachgeschmack gewöhnt man sich einfach nicht. Das ist der Hauptgrund, daß wir so viel Wasser trinken und dann so oft pinkeln müssen. Ich bitte um Verzeihung.«
»Ich habe so das Gefühl, daß die städtischen Vorschriften über anständige Sprache hier draußen nicht besonders praktisch sind«, sagte Rasa.
»Aber ich sollte mich wohl mehr bemühen«, sagte Zdorab. »Nun ja, laß dir deine Mahlzeit schmecken, und ich versuche, nicht den Geruch von verbranntem Brot zu erzeugen.«
Er ging rückwärts aus dem Küchenzelt.
Rasa biß von dem Brot ab, und es war gut. Also biß sie noch einmal ab und hätte sich fast übergeben müssen — diesmal war Käse darauf. Sie zwang sich, den Bissen zu zerkauen und herunterzuschlucken. Aber sie dachte mit Freude an die jüngste Vergangenheit, als das einzige Kamelprodukt, mit dem sie sich hatte befassen müssen, Dung gewesen war und niemand von ihr erwartet hatte, ihn zu essen.
Die Zelttür wurde erneut geöffnet. Rasa erwartete halbwegs, Jobar wiederzusehen, der noch einmal versuchen wollte, sie anzubetteln. Doch es war Dol. »Wetschik sagt, wir werden uns erst versammeln, wenn die Schatten länger werden, damit es nicht mehr so elend heiß ist. Eine gute Idee, meinst du nicht auch?«
»Es tut mir nur leid, daß du den halben Tag damit verschwenden mußtest, auf mich zu warten.«
»Ach, das macht doch nichts«, sagte Dol. »Ich wollte sowieso nicht arbeiten. Ich bin keine besonders gute Gärtnerin. Ich würde wohl die Blumen gemeinsam mit dem Unkraut rupfen.«
»Es handelt sich doch wohl kaum um einen Blumengarten«, sagte Rasa.
»Du weißt schon, was ich meine«, sagte Dol.
O ja, das weiß ich genau.
Ich weiß auch, daß ich Volemak suchen und darauf bestehen muß, sofort zu einer Arbeit eingeteilt zu werden. Ich kann mir keine Ruhetage gönnen, wenn alle anderen schwer arbeiten. Ich mag zwar die Zweitälteste sein, aber das heißt noch lange nicht, daß ich alt bin. Nun, ich kann noch Kinder bekommen, und das werde ich auch, wenn ich Volja dazu bringen kann, mich als lange vermißte Ehefrau zu begrüßen, statt mich wie ein behindertes Kind zu behandeln.
Aber sie konnte es sich nicht eingestehen. Obwohl sie es wußte und verabscheute, daß sie Kinder bekommen mußte, wollte sie hier in der Wüste noch eine Rolle spielen. Denn sie fielen hier in ein primitives Stadium des menschlichen Lebens zurück, bei dem das Überleben und die Reproduktion den wichtigsten Rang einnahmen, und die Art von zivilisiertem Leben, die sie in Basilika gemeistert hatte, würde es für sie nie wieder geben. Statt dessen würde sie in diesem neuen Stamm mit jüngeren Frauen um einen Rang konkurrieren müssen, und die Währung dieses Wettstreits waren Babies. Diejenigen, die welche bekamen, würden jemand sein, und die, die keine hatten, eben nicht. Und in Rasas Alter war es wichtig, schnell damit anzufangen, denn sie hatte nicht mehr soviel Zeit wie die jüngeren Frauen.
Rasa war schon wieder wütend, obwohl sie niemanden hatte, auf den sie wütend sein konnte, von der armen, leichtfertigen Dol einmal abgesehen. Noch immer von dem Brot und dem Käse essend, verließ sie das Zelt und sah sich im Lager um. Als sie den steilen Hang in die Schlucht hinabgestiegen waren, hatte es nur vier Zelte gegeben. Nun gab es zehn. Rasa erkannte die Reisezelte und verspürte ein schwaches Schuldgefühl, weil die anderen noch in so engen Quartieren wohnten, während sie und Volja so viel Platz hatten — ein großes Zelt mit doppelten Wänden. Doch dann sah sie, daß die Zelte in zwei konzentrischen Kreisen errichtet worden waren, aber das Zelt, das sie mit Volemak teilte, lag nicht in der Mitte; und auch nicht das Küchenzelt. Statt dessen befand sich dort das kleinste der ursprünglichen vier Zelte, und nach einem Augenblick des Nachdenkens wurde Rasa klar, daß sich darin der Index befinden mußte.