Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Aber diese Gedanken der Bewunderung waren ebenfalls Lügen, und Luet konnte sich nicht lange selbst täuschen. Die wunderschöne Eiadh liebt meinen Mann noch immer, und obwohl seine Liebe zu mir im Augenblick stark ist, kommt vielleicht ein Tag, da das Primatenmännchen den zivilisierten Mann in ihm überwindet, und dann wird er Eiadh mit Verlangen betrachten, und sie wird es sehen, und in diesem Augenblick werde ich ihn bestimmt verlieren.
Sie schüttelte die Eifersucht von sich ab und ging zur Herrin Rasa, die vor Erleichterung zitterte, um ihr zu helfen, ihr Kamel zu besteigen. »Ich dachte, er wäre tot«, sagte Rasa leise und ergriff Luets Hand. »Ich dachte, ich hätte ihn verloren.«
»Einen Augenblick lang dachte ich das auch«, sagte Luet.
»Ich kann dir eins sagen«, fuhr Herrin Rasa fort. »Hätte Elemak die Sache durchgezogen, wäre er vor Anbruch der Nacht tot gewesen.«
»Auch ich habe seinen Tod in meinem Herzen geplant«, sagte Luet.
»So nahe stehen wir also den Tieren. Hast du dir so etwas je träumen lassen? Daß wir so plötzlich bereit sind, einen Mord zu begehen?«
»Wie Paviane, die die Herde beschützen«, sagte Luet.
»Das ist doch eine ziemlich große Entdeckung, meinst du nicht auch?«
Luet grinste sie an und drückte ihre Hand. »Aber wir wollen es niemandem sagen«, erwiderte sie. »Wenn die Männer wüßten, wie gefährlich wir in Wirklichkeit sind, werden sie bestimmt ziemlich nervös.«
»Das spielt jetzt keine Rolle mehr«, sagte Rasa. »Die Überseele war stärker, als ich es für möglich gehalten habe. Das ist jetzt endgültig vorbei und erledigt.«
Doch als Luet zu ihrem Kamel ging, wußte sie, daß es nicht erledigt war. Es war nur aufgeschoben worden. Es würde erneut ein Tag kommen, an dem es einen Kampf um die Macht geben würde. Und beim nächstenmal bestand keine Garantie, daß der Überseele noch einmal so ein schöner kleiner Trick gelingen würde. Hätte Elemak sich nur entschlossen, den Pulsator auszulösen, wäre es vorbei gewesen; beim nächstenmal würde er das vielleicht begreifen und sich nicht von so etwas Törichtem wie Herrin Rasas Bitte ablenken lassen, Nafai nur zu fesseln und zurückzulassen. So knapp war es gewesen, so furchtbar knapp. Und schließlich wußte Luet auch, daß Elemaks Haß auf Nafai nun stärker denn je zuvor war, obwohl er dies zumindest eine Zeitlang noch abstreiten, obwohl er sogar sich selbst vormachen würde, daß sein Haß verschwunden war. Die anderen kannst du täuschen, Elemak, aber ich werde dich im Auge behalten. Und wenn meinem Gatten irgend etwas zustößt, darauf kannst du dich verlassen, dann töte mich lieber auch. Sorge dafür, daß ich sterbe, und selbst dann werde ich, wenn ich eine Möglichkeit finde, noch zurückkehren und aus dem Grab irgendeine Rache gegen dich üben.
»Du zitterst, Lutja«, sagte Huschidh.
»Ja?« Vielleicht hatte sie deshalb solche Schwierigkeiten, sicheren Halt auf dem Sattel ihres Kamels zu finden.
»Wie die Flügel einer Libelle.«
»Die Sache ging mir sehr nah«, sagte Luet. »Ich bin wohl noch immer aufgeregt.«
»Noch immer eifersüchtig auf Eiadh, das bist du«, sagte Huschidh.
»Nicht die Bohne«, sagte Luet. »Nafai liebt mich absolut und vollkommen.«
»Ja, das tut er«, sagte Huschidh. »Aber ich sehe trotzdem, welch gewaltigen Zorn du Eiadh entgegenbringst.«
Luet wußte, daß sie in der Tat auf Eiadh eifersüchtig war. Aber Huschidh hatte es Zorn genannt, und das war ein viel stärkeres Gefühl als das, was sie in sich entdeckt hatte. »Ich bin nicht wütend, weil sie Nafai liebt«, sagte Luet, »wirklich nicht.«
»Oh, das weiß ich«, sagte Huschidh. »Oder besser gesagt, das sehe ich jetzt. Nein, ich glaube, du bist wütend und eifersüchtig auf sie, weil sie das Leben deines Gatten retten konnte, während du nicht dazu imstande warst.«
Ja, dachte Luet. Das war es. Und nun, da Huschidh es ausgesprochen hatte, spürte sie, daß die quälende Enttäuschung sie durchströmte, und heiße Tränen der Wut und Scham flössen aus ihren Augen und ihre Wangen hinab. »Na also«, sagte Huschidh und hielt sie fest. »Es ist gut, es herauszulassen. Es ist gut.«
»Das ist nett«, sagte Luet. »Denn anscheinend werde ich sowieso wie ein Dummkopf weinen, ob es nun gut ist, es herauszulassen oder nicht, und da ist es nur gut, daß es gut ist.«
Sie weinte noch immer, als Nafai zurückkam und ihr auf ihr Tier half. »Du bist die letzte«, sagte er.
»Ich wollte wahrscheinlich nur, daß du mich noch einmal anfaßt«, sagte sie. »Damit ich auch genau weiß, daß du noch lebst.«
»Ich atme noch«, sagte er. »Wirst du noch lange so weinen? Denn die Feuchtigkeit auf deinem Gesicht wird Fliegen anziehen.«
»Was ist aus diesen Banditen geworden?« sagte sie und wischte sich die Tränen mit dem Ärmel fort.
»Der Überseele ist es gelungen, sie einschlafen zu lassen, bevor sie ernsthaft damit anfing, die anderen zu beeinflussen. Sie werden in ein paar Stunden aufwachen. Warum denkst du jetzt an sie?«
»Ich dachte nur, wie dumm wir uns alle vorgekommen wären, wenn sie herbeigestürmt wären und uns alle in Stücke gehauen hätten, während wir darüber zanken, ob wir dich nun töten oder nicht.«
»Ja«, sagte Nafai. »Ich weiß, was du meinst. Dem Tod ins Gesicht zu sehen, das ist nicht besonders schwer. Aber sich wirklich dumm vorzukommen, wenn man stirbt, das wäre unerträglich.«
Sie lachte und hielt seine Hand noch einen Augenblick lang fest. Nur noch einen Augenblick, und dann noch einen langen, langen Augenblick.
»Sie warten auf uns«, sagte Nafai. »Und die Banditen werden irgendwann aufwachen.«
Also ließ sie ihn los, und als er zu seinem Kamel ging, sprang das ihre auf, und sie erhob sich hoch über den Wüstenboden. Es war, als ritte man während eines Erdbebens auf einem unsicheren Turm, und normalerweise gefiel es ihr nicht. Aber heute fühlte es sich schön an. So mußte es sich anfühlen, wenn man auf einem Thron saß. Denn dort, auf dem Kamel vor ihr, saß Nafai, ihr Mann. Was für eine Rolle spielte es schon, daß nicht sie ihn gerettet hatte? Es genügte, daß er lebte und sie noch immer liebte.
3
Jagd
Sie erreichten Volemaks Lager am Abend. Sie waren an diesem Tag länger als üblich gereist, da sie sich ganz in der Nähe befunden hatten; und doch mußten sie den gesamten Abend über arbeiten, da Volemak nicht hatte wissen können, daß sie an diesem Tag eintreffen würden. Es waren keine zusätzlichen Zelte aufgeschlagen, und Zdorab hatte bereits den Abwasch des Abendessens erledigt, das er für sich und Volemak und Issib zubereitet hatte. Die allabendliche Arbeit ging langsamer als gewohnt vonstatten, da sie sich sicherer fühlten und da es ihnen, nachdem sie das Lager nun endlich erreicht hatten, ungerecht vorkam, genauso hart zu arbeiten wie auf der Reise.
Huschidh blieb so nahe bei Luet und Nafai, wie es ihr möglich war. Sie erhaschte dann und wann einen Blick auf Issib, der auf seinem Stuhl dahinschwebte. Sein Äußeres konnte sie nicht überraschen — sie kannte ihn schon jahrelang, schließlich war er Herrin Rasas ältester Sohn und ihr Schüler gewesen, seit Huschidh in Rasas Haus lebte. Doch sie hatte ihn immer für den Verkrüppelten gehalten und ihm kaum Beachtung geschenkt. Als ihr dann damals in Basilika klar geworden war, daß sie mit Nafai und Luet in die Wüste gehen würde, hatte sie erkannt — denn sie konnte die Verbindungen zwischen Menschen immer erkennen —, daß sie bei den Zusammenfügungen von Männern und Frauen in der Expedition der Überseele für Issib bestimmt war. Die Überseele wollte, daß seine Gene — wie auch die ihren — erhalten blieben, und sie würden diesen Versuch gemeinsam unternehmen, ob er nun gelang oder nicht.