Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Aber dann ist der Speicherplatz der Zinken und nicht der Kreis«, sagte Rasa, »und damit wären wir wieder bei einem binären System.«
»Aber die Zinken können weiter oder nicht so weit hervorstehen«, sagte Issib. »Der Speicher der Überseele ist imstande, bei jedem Speicherplatz auf der Innenseite des Kreises Hunderte verschiedener Stufen der Hervorhebung zu unterscheiden.«
»Noch immer eine lineare Zunahme«, sagte Rasa.
»Aber jetzt«, sagte Issib, »mußt du die Tatsache berücksichtigen, daß die Überseele des weiteren Zinken auf jeder Hervorhebung unterscheiden kann — Hunderte verschiedener Werte auf jedem einzelnen von Hunderten von Zinken. Und auf jedem Widerhaken Hunderte von Dornen. Und auf jedem Dorn Hunderte von Haaren. Und auf jedem Haar …«
»Ich habe das Prinzip verstanden«, sagte Rasa.
»Und dann verändern die Bedeutungen sich noch dahingehend, von wo aus auf dem Kreis man anfängt, sie zu lesen — im Norden oder im Osten oder Südsüdosten. Verstehst du, Mutter, auf jedem Speicherplatz kann die Überseele gleichzeitig Billionen verschiedener Informationen ablegen«, sagte Issib. »In unseren Computern befindet sich keine vergleichbare Technik.«
»Und trotzdem ist der Speicher nicht unendlich«, sagte Rasa.
»Nein«, sagte Issib. »Nicht unendlich. Weil wir irgendwann an die kleinste Auflösung stoßen — Hervorhebungen, die so klein sind, daß die Überseele keine Hervorhebungen auf den Hervorhebungen mehr wahrnehmen kann. Vor etwa zwanzig Millionen Jahren hat die Überseele erkannt, daß ihr Speicherplatz knapp wurde — oder in etwa zehn Millionen Jahren ausgehen würde. Sie suchte nach Möglichkeiten, Informationen in einer Art Kurzschrift abzulegen, und widmete einen beträchtlichen Teil des Platzes dem Speichern von ausgeklügelten Verzeichnissen verschiedener Handlungen. Zum Beispiel könnte der Verzeichnis-Eintrag ZH-5-SHCH lauten: ›Streit mit Eltern über Ausmaß der persönlichen Freiheit, die sie gewähren, und reißt aus Heimatstadt in eine andere Stadt aus.‹ Dort, wo also die Biographie einer Person gespeichert wird, wird also nicht mehr jedes Ereignis beschrieben; der biographische Eintrag verweist statt dessen einfach auf das riesige Verzeichnis über jedes nur denkbare Ereignis im Leben eines Menschen. Dort findet sich der Eintrag ZH-5-SHCH und dann der Kode für die Stadt, in die die betreffende Person davongelaufen ist.«
»Das läßt unser Leben aber ziemlich steril erscheinen, nicht wahr? Phantasielos, meine ich. Wir alle tun immer wieder dieselben Dinge, die auch schon andere getan haben.«
»Die Überseele hat mir erklärt, daß zwar neunundneunzig Prozent des Lebens aus Ereignissen besteht, die sich bereits in den Verhaltensverzeichnissen befinden, es aber immer ein Prozent gibt, das ausgeschrieben werden muß, weil es noch keinen Eintrag dafür gibt. Keine zwei Menschenleben sind je gleich verlaufen.
»Das soll wohl ein Trost sein.«
»Du mußt einfach glauben, daß unser Leben einem ungewöhnlichen Pfad folgt. ›Von der Überseele aufgefordert, eine Reise durch die Wüste zu unternehmen und schließlich zur Erde zurückzukehren‹ — ich wette, dafür gibt es noch keinen Eintrag.«
»Oh, aber da dies mittlerweile sechzehn Personen zugestoßen ist, wird die Überseele bestimmt einen neuen Eintrag anfertigen.«
Issib lachte. »Das hat sie wahrscheinlich schon getan.«
»Aber es muß ein gewaltiges Projekt sein, all diese Verzeichnisse möglicher menschlicher Handlungen anzulegen.«
»Wenn die Überseele eins im Überfluß hatte, dann Zeit«, sagte Issib. »Doch trotz allem gibt es Verfall und Verluste.«
»Speicherplätze können unlesbar werden«, sagte Rasa.
»Davon weiß ich nichts. Ich weiß nur, daß die Überseele Satelliten verliert. Das erschwert es ihr, ein Auge auf uns zu halten. Bislang gibt es noch keine blinden Stellen — aber jeder Satellit muß weit mehr Informationen sammeln, als es ursprünglich vorgesehen war. Es gibt Engpässe im System. Manchmal kann ein Satellit einfach nicht alle Informationen, die er gesammelt hat, so schnell weitergeben, daß die Überseele die lückenlose Beobachtung der Menschen aufrechterhalten kann. Kurz gesagt, in diesem Augenblick geschieht etwas, das nicht in den Speichern abgelegt wird. Die Überseele kontrolliert die Verluste, indem sie Vermutungen trifft, die die Informationslücken ausfüllen, doch es wird immer schlimmer. Es ist noch jede Menge Speicherplatz frei, doch bald wird es Millionen Menschenleben geben, die nur noch als verschwommene Skizzen oder Umrisse eines Lebens abgespeichert werden. Eines Tages werden natürlich so viele Satelliten ausfallen, daß manche Leben gar nicht mehr aufgezeichnet werden.«
»Und irgendwann werden alle Satelliten ausfallen.«
»Genau. Aber noch wichtiger ist: Wenn diese blinden Flecken auftreten, wird es Menschen geben, die in keiner Hinsicht mehr unter dem Einfluß der Überseele stehen. Und dann werden sie wieder beginnen, Waffen zu schaffen, die die Welt vernichten können.«
»Warum setzt die Überseele nicht neue Satelliten ein?«
»Wie? Welche menschliche Gemeinschaft hat die Technologie, die Schiffe zu bauen, mit denen man Satelliten ins All befördern kann? Einmal ganz davon abgesehen, daß auch die Satelliten selbst gebaut werden müssen.«
»Wir bauen doch Computer, oder?«
»Mit der Technologie, mit der man Satelliten in den Raum bringen kann, kann man auch Waffen von einer Seite Harmonies auf die andere bringen. Wie kann die Überseele uns lehren, ihre Satelliten zu ergänzen, ohne uns gleichzeitig beizubringen, einander zu vernichten? Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, daß wir dann herausbekommen könnten, wie wir die Überseele so umprogrammieren müssen, daß wir sie beherrschen — oder, falls das nicht funktioniert, daß wir unsere eigenen kleinen Überseelen bauen können, die dann in jenen Teil unseres Gehirns greifen, über den die Überseele mit uns kommuniziert, so daß wir eine Waffe hätten, mit der wir den Feind in Panik versetzen oder dumm machen könnten.«
»Ich verstehe den springenden Punkt.«
»Die Überseele ist in einer verzwickten Lage. Sie muß repariert werden, oder sie wird die Menschheit nicht mehr schützen können; doch die einzige Möglichkeit, sie zu reparieren, besteht darin, den Menschen genau jene Kenntnisse zu geben, die sie uns unbedingt vorenthalten will.«
»Die Quadratur des Kreises.«
»Also geht es nach Hause«, sagte Issib. »Zurück zum Hüter der Erde. Um herauszufinden, was sie nun tun soll,«
»Und wenn dieser Hüter der Erde es auch nicht weiß?«
»Dann stecken wir bis zum Hals in der Scheiße, nicht wahr?« Issib lächelte. »Aber ich glaube, der Hüter weiß es. Ich glaube, er hat einen Plan.«
»Und wieso glaubst du das?«
»Weil die Menschen immer wieder Träume haben, die nicht von der Überseele kommen.«
»Die Menschen haben schon immer Träume gehabt, die nicht von der Überseele kommen«, sagte Rasa. »Wir hatten schon lange Träume, bevor es überhaupt eine Überseele gab.«
»Ja, aber wir hatten nicht identische Träume, die eindeutig die Botschaft enthalten, daß wir zur Erde zurückkehren müssen, nicht wahr?«
»Ich glaube einfach nicht, daß ein Computer, oder was auch immer es sein mag, der viele Lichtjahre von hier entfernt ist, uns einen Traum schicken kann.«
»Wer weiß schon, was auf der Erde passiert ist?« sagte Issib. »Vielleicht hat der Hüter der Erde Dinge über das Universum erfahren, die wir nicht einmal ansatzweise begreifen können. Das würde mich gar nicht überraschen, denn die Überseele hat uns immer dann dumm gemacht, wenn wir versucht haben, über wirklich gehobene Physik nachzudenken. Vierzig Millionen Jahre lang haben wir eine Ohrfeige bekommen, wann immer wir unser Gehirn zu gut benutzt haben, aber in vierzig Millionen Jahren hat der Hüter der Erde, wer oder was auch immer das ist, sich vielleicht wirklich etwas nützliches Neues einfallen lassen. Einschließlich der Möglichkeit, Menschen über Lichtjahre hinweg Träume zu schicken.«