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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Es war ihr nicht leichtgefallen, dies zu akzeptieren. Besonders in der Hochzeitsnacht, als Luet und Nafai, Elemak und Eiadh, Mebbekew und Dolja von der Herrin Rasa verheiratet wurden und dann, immer zu zweit, in ihre Brautbetten gingen, hatte Huschidh kaum den Zorn und die Furcht und die bittere Enttäuschung in ihrem Herzen ertragen können, daß sie nicht die Art von Liebe haben konnte, die ihre Schwester Luet hatte.

Als Antwort hatte die Überseele — zumindest hatte sie dies anfangs geglaubt — ihr in dieser Nacht einen Traum geschickt. Darin sah sie sich mit Issib verbunden; sie sah, wie er flog, und flog mit ihm; ihr wurde klar, daß sie von seinem Körper nicht auf sein wahres Wesen schließen konnte. Sie würde feststellen, daß die Ehe mit ihm sie nicht zerreiben, sondern erhöhen würde. Und sie sah, daß sie Kinder von ihm bekam, sah, wie sie mit ihm in der Tür eines Wüstenzeltes stand und ihre Kinder beim Spielen beobachtete, und sie sah, daß sie ihn in dieser zukünftigen Szene liebte und mit ihm durch goldene und silberne Fäden verbunden wurde, die sich schon seit Generationen in ihnen befanden und auch in die Zukunft reichten, Jahr um Jahr, Kind um Kind, Generation um Generation. Der Traum hatte auch noch andere Bestandteile gehabt, von denen einige wirklich erschreckend gewesen waren, doch in all diesen Tagen hatte sie sich an den Trost dieser Bilder geklammert. Als sie vor General Muuzh stand und gezwungen werden sollte, den Eroberer Basilikas zu heiraten, hatte sie an diesen Traum gedacht und gewußt, daß sie nicht als seine Frau enden würde, und in der Tat hatte die Überseele Huschidhs und Luets Mutter nach Basilika geführt, die Frau namens Durstig, die sie als ihre Töchter offenbarte — und Muuzh als ihren Vater. Keine Ehe, und innerhalb von ein paar Stunden waren sie in der Wüste und auf dem Weg zu Volemaks Lager.

Doch seitdem hatte sie Zeit zum Nachdenken gehabt — und Zeit, um sich an ihre Ängste zu erinnern. Natürlich nicht absichtlich; sie versuchte vielmehr, sich an den Trost des Traums zu erinnern oder an Nafais Beteuerungen, denn er hatte ihr gesagt, daß Issib sehr klug und lustig war, ein angenehmer Gefährte, was sie in der Schule natürlich nie mitbekommen hatte.

Doch trotz des Traums, trotz Nafai, waren die alten Eindrücke geblieben, die sie so lange gehabt hatte. Den gesamten Weg durch die Wüste hatte sie immer wieder vor ihrem inneren Auge gesehen, wie er auf schon fast makabre Art und Weise seine Arme und Beine benutzte, um sich in der Stadt, wo er Flossen unter seiner Kleidung tragen konnte, zu bewegen, so daß er immer durch die Luft zu hüpfen schien wie ein tanzender Geist oder wie ein — wie hatte Kokor ihn einmal genannt? —, wie ein Kaninchen unter Wasser. Wie hatten sie damals gelacht! Und wie treulos kam sie sich nun vor, obwohl Issibs eigene Schwester den Scherz gemacht hatte. Huschidh hatte nicht ahnen können, daß der Krüppel, der Geist, das Unterwasser-Kaninchen, eines Tages ihr Ehemann sein würde. Die alte Furcht und Fremdartigkeit blieb trotz all ihrer Versuche, sich zu beruhigen, als Unterströmung bestehen.

Bis sie nun, als sie ihn sah, begriff, daß sie nicht vor ihm Angst hatte. Der Traum hatte ihr dafür zuviel Hoffnung gegeben. Nein, sie fürchtete sich davor, was er von ihr halten würde — eine noch ältere und dunklere Furcht. Wußte Issib bereits, was Tante Rasa und die Überseele für ihn vorgesehen hatten? Betrachtete er sie bereits, während sie das Zelt aufbaute, schätzte er sie ab? Sollte er dies tun, würde er zweifellos sehr enttäuscht sein. Sie konnte sich seine Gedanken vorstellen: Natürlich kriegt der Krüppel die Schlichte ab, diejenige, die zu groß ist, die mit dem verdrossenen Gesicht, deren Körper noch nie einen Mann zu einem zweiten Blick veranlaßt hat. Die Fleißige, die niemanden zum Lachen bringen kann, von ihrer jüngeren Schwester Luet einmal abgesehen (ah, die ist so lebhaft! Aber sie gehört zu Nafai). Er mußte denken: Ich muß das Beste daraus machen, denn ich bin ein Krüppel und habe keine Wahl. Genau, wie Huschidh dachte: Ich muß mich mit dem Krüppel abfinden, denn kein anderer Mann würde mich haben wollen.

Wie viele Ehen waren mit solchen Gefühlen geschlossen worden? Und waren welche davon schließlich doch noch glücklich geworden?

Sie zögerte es so lange hinaus, wie sie konnte, und verweilte über dem Abendessen — das tatsächlich besser war als alles, was sie während der Reise gegessen hatten. Zdorab und Volemak hatten in diesem Tal wilde Pflanzen und Wurzeln gefunden und aus ihnen einen Eintopf zubereitet, der besser war als eine Handvoll Rosinen und an der Luft getrocknetes Fleisch, und das Brot war frisch und aus Sauerteig und viel besser als der Zwieback und das Trockenfleisch, das sie auf der Reise gegessen hatten. Bald würde es noch besser werden, denn Volemak hatte hier einen Garten angelegt, und in ein paar Wochen würde es Melonen und Kürbisse, Mohren und Zwiebeln und Rettich geben.

Alle waren müde und wußten nicht, wie sie während des Essens miteinander umgehen sollten. Die Erinnerung an Nafais Beinahe-Hinrichtung war noch frisch und nun, da sie zu Volemak zurückgekehrt waren, noch peinlicher, denn sie sahen, wie problemlos er die Befehlsgewalt über sie alle ergriff. Er war ein wahrer Anführer, und sein Auftreten war viel sicherer als Elemaks prahlerischer, einschüchternder Stil. Sie alle scheuten sich irgendwie davor, dem alten Mann Rechenschaft abzulegen, denn wie viele von ihnen — von Eiadh vielleicht einmal abgesehen, und von Nafai selbst natürlich — waren wirklich stolz darauf, wie sie sich verhalten hatten? Das Essen konnte also noch so gut sein, bis auf Huschidh verspürte niemand den Drang, am Feuer sitzen zu bleiben und zu plaudern. Es gab keine schönen Erinnerungen an die Reise, keine amüsanten Geschichten, die man jenen erzählen konnte, die hier auf sie gewartet hatten. Als das Essen weggeräumt war, gingen die Paare in ihre Zelte.

Sie gingen so plötzlich, daß Huschidh trotz ihrer Bemühungen, genau diesen Augenblick zu vermeiden, mit den letzten Töpfen, die sie gespült hatte, vom Bach zurückkam und feststellte, daß von den Frauen nur Schedemei und von den Männern nur Issib und Zdorab geblieben waren. Es herrschte bereits ein schreckliches Schweigen, denn Schedemei hatte nicht die Begabung, einfach zu plaudern, und sowohl Zdorab als auch Issib schienen fürchterlich schüchtern zu sein. Wie schwer es doch für uns alle ist, dachte Huschidh. Wir wissen, daß wir allein noch zu haben sind, daß wir zusammengeworfen wurden, weil niemand außer der Überseele uns haben wollte. Und einige von uns wollten nicht einmal sie haben, denn der arme Zdorab ist nur hier, weil Nafai ihm einen Eid abverlangt hatte, statt ihn in der Nacht, da er Gaballufix den Kopf abgeschnitten hatte, am Tor Basilikas zu töten.

»Was für eine elende Gruppe seid ihr«, sagte Volemak.

Huschidh blickte auf und sah erleichtert, daß Volemak und Rasa zum Kochfeuer zurückkehrten. Sie mußten erkannt haben, daß etwas gesagt werden mußte — daß man sie miteinander bekanntmachen mußte, zumindest Schedja und den Bibliothekar, die sich noch nie begegnet waren.

»Ich betrat das Zelt meines Gatten«, sagte Rasa, »und dachte, wie schön es ist, wieder bei ihm zu sein, als mir klar wurde, wie sehr ich meine Reisegefährtinnen Schuja und Schedja vermisse, und dann wurde mir klar, daß ich in meinen Pflichten als Herrin dieses Hauses nachlässig gewesen bin.«

»Dieses Hauses?« sagte Issib.

»Die Wände mögen aus Stein bestehen, und das Dach mag der Himmel sein, doch dies ist mein Haus, ein Ort der Zuflucht für meine Töchter und der Sicherheit für meine Söhne«, sagte Rasa.

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