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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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»Unser Haus«, sagte Volemak sanft.

»In der Tat — ich habe es nur wegen der alten Gebräuche Basilikas, wo Häuser nur Frauen gehörten, als mein Haus bezeichnet.« Rasa hob die Hand ihres Mannes an ihre Lippen, küßte sie und lächelte ihn an.

»Hier draußen«, sagte Volemak, »gehören die Häuser der Überseele, aber sie vermietet uns dieses zu einem sehr Vernünftigen Preis: Wenn wir hier fortgehen, dürfen die Paviane, die flußabwärts leben, den Garten behalten.«

»Huschidh, Schedemei, ich glaube, ihr kennt meinen Sohn Issib schon«, sagte Rasa.

»Unseren Sohn«, sagte Volemak so sanft wie zuvor. »Und das ist Zdorab, der einst Gaballufix’ Archivar war, doch nun während unserer Zwischenstation als Gärtner, Bibliothekar und Koch dient.«

»Und bei allen drei Aufgaben nicht besonders gut ist, fürchte ich«, sagte Zdorab.

Rasa lächelte. »Volja hat mir erzählt, daß Issib und Zdorab den Index erkundet haben, während sie hier warteten. Und ich.weiß, daß meine beiden lieben Nichten, Schuja und Schedja, ein grundlegendes Interesse daran haben, was sie dort gefunden haben.«

»Der Index der Überseele ist der Weg in alle Erinnerungen der Erde«, sagte Volemak. »Und da wir zur Erde reisen werden, ist das Studium dieser großen Bibliothek für uns genauso wichtig wie die Aufgabe, in dieser Wüste zu überleben.«

»Du weißt, daß wir unsere Pflicht tun werden«, sagte Schedemei.

Huschidh wußte, daß sie sich nicht nur auf die Studien bezog.

»Ach, vergessen wir das höfliche Drumherumgerede«, sagte Herrin Rasa. »Ihr wißt, daß ihr die Unverheirateten seid und daß schließlich alle heiraten müssen, wenn unsere Sache Erfolg haben soll, und damit bleibt nur ihr vier übrig. Ich weiß, es gibt keinen besonderen Grund dafür, daß ihr die Sache nicht wenigstens unter euch ausmachen könnt, aber ich will euch sagen, daß mein Alter und meine Erfahrung mir raten, Huschidh mit Issib zusammenzubringen und Schedemei mit Zdorab. Es muß nicht so kommen, aber es wäre vielleicht hilfreich, wenn ihr zumindest die Möglichkeiten erkunden würdet.«

»Die Herrin Rasa spricht aus Erfahrung«, sagte Zdorab, »aber ich muß klarstellen, daß ich ein Mann bin, der nicht die geringste Erfahrung mit Frauen hat, und ich fürchte, ich werde mit jedem Wort, das ich sage, eine Beleidigung äußern.«

Schedemei lachte kurz und spöttisch auf.

»Schedemei wollte mit ihrer einfachen Beredsamkeit sagen«, warf Rasa ein, »sie könne sich nicht vorstellen, daß du weniger Erfahrung mit Frauen hast, als sie mit Männern. Sie ist sich auch ihrer Fähigkeit ziemlich sicher, dich mit jedem Wort beleidigen zu können, und hat es deshalb vorgezogen, ohne alle Worte zu antworten.«

Die Absurdität der Situation, Schedemeis ungehobelte Reaktion und Zdorabs unbeholfene Höflichkeit war zuviel für Huschidh. Sie platzte in lautes Gelächter aus, und bald fielen die anderen ein.

»Es besteht keine Eile«, sagte Volemak. »Laßt euch Zeit, euch kennenzulernen.«

»Ich würde es lieber direkt hinter mich bringen«, sagte Schedemei.

»Die Ehe ist nichts, das man einfach hinter sich bringt«, sagte Rasa. »Man geht sie ein. Laßt euch also Zeit, wie Volemak es gesagt hat. Wenn ihr bereit seid, kommt ihr zu mir oder meinem Gatten, und wir teilen euch neuen Zelten zu und führen die angemessenen Zeremonien durch.«

»Und wenn wir nie bereit sind?« fragte Issib.

»Keiner von uns wird lange genug leben, um das Nie zu sehen«, erwiderte Volemak. »Und was die Gegenwart betrifft, so genügt es, wenn ihr versucht, euch kennenzulernen und einander zu mögen.«

Das war es, abgesehen von ein paar lobenden Worten über das Abendessen, das Zdorab zubereitet hatte. Sie gingen schnell auseinander, und Huschidh folgte Schedemei in das Zelt, das sie sich vorerst teilen würden.

»Nun, das war aber beruhigend«, sagte Schedemei.

Huschidh brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, daß Schedja es ironisch meinte; sie brauchte immer eine Weile. »Ich bin nicht sehr beruhigt«, sagte Huschidh.

»Oh, du bist doch nicht der Ansicht, es sei nett von ihnen, uns Zeit zu geben, das Unausweichliche zu tun? Genausogut könnten sie einem zum Tode verurteilten Mörder den Hebel der Galgenfalltür in die Hand drücken und sagen: ›Wann immer du bereit bist.‹«

Es war eine Überraschung, daß Schedemei darüber viel wütender als Huschidh zu sein schien. Andererseits hingegen nahm Schedemei nicht freiwillig an der Reise teil, wie es bei Huschidh der Fall war. Schedemei war nie der Meinung gewesen, der Überseele zu gehören, wie Huschidh es annahm, seit sie herausgefunden hatte, daß sie eine Entwirrerin war; oder Luet, seit sie wußte, daß sie eine Wasserseherin war. Also war für sie natürlich nichts in Ordnung; ihre gesamten Pläne waren durcheinander gebracht worden.

Huschidh glaubte, ihr zu helfen, indem sie sagte: »Zdorab ist genauso ein Gefangener dieser Reise, wie du es bist — er hat nie darum gebeten, und du hast zumindest deinen Traum gehabt.« Doch sie sah sofort — denn Huschidh sah immer die Verbindung zwischen Menschen —, daß ihre Worte für Schedemei alles andere als ein Trost waren und darüber hinaus noch einen Keil zwischen sie und Schedemei trieben, und so verstummte sie.

Verstummte und litt, denn sie erinnerte sich gut daran, daß Issib gefragt hatte: Was, wenn wir nie bereit sind? Es war schrecklich, so etwas von seinem zukünftigen Mann zu hören, einfach schrecklich, denn es bedeutete, daß er glaubte, sie niemals lieben zu können.

Doch dann kam ihr plötzlich ein Gedanke: Was, wenn Issib dies nicht gesagt hatte, weil er glaubte, er könne sie niemals begehren, sondern weil er befürchtete, sie wäre niemals bereit, ihn zu heiraten? Nun, da sie darüber nachdachte, stellte sich bei ihr die Überzeugung ein, daß er es genau so gemeint hatte, denn sie kannte Issib als freundlichen, jungen Mann, der nicht einfach etwas dahersagte, was einen anderen Menschen beleidigte. Plötzlich öffnete sich in ihr eine Schleuse, und sie sah vor ihrem inneren Auge alle Bilder, die sie von Issib hatte. Er war still und ertrug seine Gebrechlichkeit ohne Beschwerden. Er hatte auf seine Weise großen Mut und war in der Tat sehr gescheit — er war in der Schule immer von schneller Auffassungsgabe gewesen, wenn sie den Unterricht gemeinsam besucht hatten, und hatte niemals die offensichtlichen Ideen gehabt, sondern jene, die bewiesen, daß er der zur Debatte stehenden Frage immer um einen oder zwei Schritt voraus war.

Sein Körper mochte nicht voll tauglich sein, doch sein Geist ist dem meinen mindestens ebenbürtig. Und so unscheinbar ich auch bin, kann ich mir um meinen Körper doch keinesfalls solche Sorgen machen, wie er sie sich um den seinen macht. Nafai hat mir zwar versichert, daß Issib körperlich imstande ist, Kinder zu zeugen, doch das bedeutet nicht, daß er eine Vorstellung davon hat, wie es ist, mit einer Frau zu schlafen — wahrscheinlich befürchtet er sogar, daß er mich abstößt, oder ist frustriert, weil er glaubt, er könne mir kein körperliches Vergnügen bereiten. Nicht ich muß beruhigt werden, sondern er, und es wäre nur destruktiv, wenn ich mit der Vorstellung in unsere Werbezeit ginge, er müsse irgendwie meine Selbstzweifel ausräumen. Nein, wenn wir eine Freundschaft und Ehe aufbauen wollen, muß ich ihm die Zuversicht geben, daß ich ihn akzeptiere.

Diese Einsicht erfüllte Huschidh mit so großer Erleichterung, daß sie fast vor Freude geweint hätte. Erst da begriff sie, daß Ideen, die ihr so plötzlich und mit so großer Klarheit kamen, vielleicht gar nicht ihre eigenen Ideen waren. Nun wurde ihr sogar klar, daß sie sich ein Bild von Issibs Körper gemacht hatte, wie er sich sah. Aber es war gar keine Vorstellung gewesen, nicht wahr? Die Überseele hatte ihr die Gedanken und Ängste in Issibs Geist gezeigt.

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