Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand nickte ermutigend und versuchte, ihm auf diese Weise unhörbar mitzuteilen, daß alles in Ordnung sei. Moiraine war nicht wie Elaida, bei der jeder Blick eine verborgene Drohung enthielt, genau wie jedes Wort. Bist du sicher? Bist du selbst jetzt wirklich sicher?
»Ich glaube, ich werde hier bleiben«, sagte Moiraine. »Jedenfalls die kurze Zeit über, die ich mich in Caemlyn aufhalte. Und Ihr müßt mir erlauben zu bezahlen.«
Eine gescheckte Katze tapste vom Flur aus herein und rieb sich schnurrend an den Beinen des Wirts. Kaum hatte sie damit begonnen, sprang eine zerzauste graue Katze unter dem Tisch hervor, machte einen Buckel und fauchte. Die gescheckte duckte sich und knurrte drohend, worauf die graue an Lan vorbei auf den Hof flüchtete.
Meister Gill entschuldigte sich wegen der Katzen, und gleichzeitig protestierte er und sagte, daß Moiraine ihn ehren würde, wenn sie sein Gast wäre, und ob sie sicher sei, daß sie nicht doch den Palast vorziehe, was er durchaus verstünde, aber er hoffe, sie werde sein bestes Zimmer als Geschenk annehmen. Alles geriet derart durcheinander, daß Moiraine gar nicht richtig darauf achtete. Statt dessen bückte sie sich und kraulte die weiß-und orangefarbene Katze. Die verließ prompt Meister Gills Beine und wandte sich ihren zu.
»Ich habe hier schon vier andere Katzen gesehen«, sagte sie. »Habt Ihr eine Mäuseplage? Oder Ratten?«
»Ratten, Moiraine Sedai.« Der Wirt seufzte. »Ein schreckliches Problem. Wißt Ihr, nicht, daß mein Haus nicht sauber wäre. Es sind die vielen Leute. Die ganze Stadt ist voll von Menschen und Ratten. Aber meine Katzen erledigen das. Ihr werdet nicht belästigt, das verspreche ich.«
Rand und Perrin sahen sich kurz an, aber Perrin schlug sofort die Augen nieder. Es war etwas Seltsames an Perrins Augen. Und er war so schweigsam. Perrin brauchte schon immer lange, bis er etwas sagte, aber jetzt sagte er überhaupt nichts mehr. »Es könnte an den vielen Leuten liegen«, sagte Rand.
»Wenn Ihr erlaubt, Meister Gill«, sagte Moiraine ganz selbstverständlich, »es ist eine ganz einfache Sache, die Ratten von dieser Straße fernzuhalten. Wenn Ihr Glück habt, werden die Ratten überhaupt nicht bemerken, daß sie ferngehalten werden.«
Meister Gill runzelte die Stirn, als er das letztere vernahm, doch dann verbeugte er sich und nahm ihr Angebot an. »Wenn Ihr sicher seid, daß Ihr nicht im Palast wohnen wollt, Aes Sedai?«
»Wo ist Mat?« fragte Nynaeve plötzlich. »Sie sagte, er sei auch hier.«
»Oben«, sagte Rand. »Er... fühlt sich nicht wohl.«
Nynaeve hob den Kopf. »Er ist krank? Ich werde ihr die Ratten überlassen und mich um ihn kümmern. Bring mich jetzt zu ihm, Rand.«
»Ihr geht alle nach oben«, sagte Moiraine. »Ich komme in ein paar Minuten nach. Wir stehen alle in Meister Gills Küche herum, dabei wäre es das beste, wir würden uns eine Weile lang an einem ruhigen Ort aufhalten.« Es lag ein Unterton in ihrer Stimme. Bleibt versteckt. Das Versteckspiel ist noch nicht vorüber.
»Kommt«, sagte Rand. »Wir gehen die Hintertreppe rauf.«
Die Emondsfelder drängten sich hinter ihm auf die Hintertreppe und ließen die Aes Sedai und den Behüter mit Meister Gill in der Küche zurück. Rand kam nicht darüber hinweg, daß sie wieder vereint waren. Es war beinahe, als seien sie wieder zu Hause. Er konnte nicht aufhören zu grinsen.
Die gleiche beinahe freudige Erleichterung schien auch die anderen gepackt zu haben. Sie lachten in sich hinein und ergriffen immer wieder seinen Arm. Perrins Stimme schien gedrückt, und er hielt den Kopf noch immer gesenkt, aber beim Hinaufgehen fing er an zu sprechen. »Moiraine behauptete, sie könne dich und Mat aufspüren, und das gelang ihr auch. Als wir in die Stadt hineinritten, konnten wir anderen uns nicht sattsehen — na ja, außer Lan natürlich — all die vielen Leute, die Gebäude und einfach alles.« Seine dichten Locken schwangen herum, als er ungläubig den Kopf schüttelte. »Es ist alles so groß. Und so viele, viele Menschen. Einige starrten uns die ganze Zeit an und schrien ›rot oder weiß?‹, als ob das irgendeinen Sinn ergäbe.«
Egwene berührte Rands Schwert und fuhr mit dem Finger über die rote Umhüllung. »Was bedeutet das?«
»Nichts«, sagte er. »Nichts Wichtiges. Wir müssen nach Tar Valon, denk bitte daran.«
Egwene sah ihn an, doch dann nahm sie ihre Hand vom Schwert und fuhr fort, wo Perrin aufgehört hatte: »Moiraine hat sich genausowenig umgesehen wie Lan. Sie führte uns derart im Zickzack durch diese Straßen — wie ein Hund, der eine Witterung sucht -, daß ich schon dachte, ihr könntet nicht hier sein. Dann, ganz plötzlich, ging es eine Straße geradewegs hinunter, und das nächste, was ich wußte, war, daß wir die Pferde Stallburschen übergaben und in die Küche marschierten. Sie fragte nicht einmal, ob ihr hier seid. Sagte einfach zu einer Frau, die gerade Eierkuchenteig rührte, sie solle Rand al'Thor und Mat Cauthon sagen, daß sie jemand sehen wollte. Und dann warst du da« — sie grinste — »tauchtest auf, wie ein Ball aus dem Nichts in der Hand eines Gauklers auftaucht.«
»Wo ist der Gaukler?« fragte Perrin. »Ist er bei euch?«
Rand spürte einen Kloß im Magen, und das schöne Gefühl, seine Freunde um sich zu haben, schwächte sich etwas ab. »Thom ist tot. Ich glaube jedenfalls, daß er tot ist. Da war ein Blasser... « Er konnte nicht weitersprechen. Nynaeve schüttelte den Kopf und murmelte etwas in sich hinein.
Die Stille um sie herum verdichtete sich, unterdrückte das Schmunzeln, minderte die Freude, bis sie den obersten Treppenabsatz erreichten.
»Mat ist an sich nicht direkt krank«, sagte er dann. »Er ist... ihr werdet ja sehen.« Er schwang die Tür zu dem Raum auf, den er mit Mat teilte. »Schau mal, wer hier ist, Mat!«
Mat lag immer noch zur Kugel zusammengerollt auf dem Bett, wie ihn Rand verlassen hatte. Er hob den Kopf und sah sie an. »Woher weißt du, daß sie wirklich diejenigen sind, nach denen sie aussehen?« fragte er heiser. Sein Gesicht war gerötet, die Haut spannte sich über die Knochen und war schweißnaß. »Woher weißt du, daß du der bist, nach dem du aussiehst?«
»Nicht krank?« Nynaeve warf Rand einen vernichtenden Blick zu, als sie sich an ihm vorbeischob. Sie nahm bereits ihre Tasche von der Schulter.
»Jeder wandelt sich«, schnarrte Mats Stimme. »Wie kann ich sicher sein? Perrin? Bist du das? Du hast dich verändert, nicht wahr?« Sein Lachen klang mehr nach Husten. »O ja, du hast dich verändert.«
Zu Rands Überraschung ließ sich Perrin auf die Kante des anderen Betts fallen, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und blickte zu Boden. Mats beißendes Lachen ging ihm durch und durch.
Nynaeve kniete sich an Mats Bett und legte eine Hand auf sein Gesicht. Sie schob sein Kopftuch hoch. Er zuckte mit einem verächtlichen Blick vor ihr zurück. Seine Augen glänzten glasig. »Du glühst ja«, sagte sie, »aber bei einem solchen Fieber solltest du nicht so schwitzen.« Sie konnte die Sorge in ihrer Stimme nicht verbergen. »Rand, du und Perrin, besorgt mir schnell ein paar saubere Tücher und so viel kühles Wasser, wie ihr tragen könnt. Ich werde zuerst deine Temperatur senken, Mat, und... «
»Hübsche Nynaeve«, fauchte Mat. »Eine Seherin sollte sich doch nicht als Frau betrachten, oder? Nicht als hübsche Frau. Aber das tust du doch, nicht wahr? Jetzt. Du kannst nicht vergessen, daß du eine hübsche Frau bist, gerade jetzt, und das jagt dir Angst ein. Jeder verändert sich.« Nynaeve erblaßte, als er sprach — ob aus Zorn oder einem anderen Grund, konnte Rand nicht sagen. Mat stieß ein hinterhältiges Lachen aus, und sein fiebernder Blick wanderte zu Egwene. »Hübsche Egwene«, krächzte er. »So hübsch wie Nynaeve. Und ihr habt noch mehr gemeinsam, ja? Andere Träume. Wovon träumst du jetzt?« Egwene trat einen Schritt von dem Bett zurück.