Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Die Wunder des Palastes schwammen ungesehen an Rand vorbei. Er war wie betäubt. Gedankenfetzen flogen viel zu schnell durch seinen Kopf, um sie zu fassen. Du siehst nicht so aus. Dieser Mann steht im Mittelpunkt.
Die Eskorte blieb stehen. Er blinzelte und war überrascht, daß er sich im großen Vorhof des Palastes befand und vor dem hohen, vergoldeten Tor stand, das in der Sonne glänzte. Dieses Tor würde man nicht für einen einzelnen Mann öffnen, ganz bestimmt nicht für einen Eindringling, selbst wenn ihm die Tochter-Erbin Gastrecht gewährte.
Wortlos öffnete Tallanvor den Riegel eines Ausfalltores, einer kleinen Tür, die sich innerhalb eines großen Torflügels befand.
»Es ist Sitte«, sagte Elayne, »einen Gast bis zum Tor zu geleiten, aber ihm nicht nachzublicken. Es ist die Freude an der Gesellschaft eines Gastes, an die man sich erinnern sollte, und nicht der traurige Abschied.«
»Ich danke Euch, Lady Elayne«, sagte Rand. Er berührte den Schal, der immer noch als Bandage um seinen Kopf gewickelt war. »Für alles. Es ist in den Zwei Flüssen Sitte, daß ein Gast ein kleines Geschenk mitbringt. Ich fürchte, ich habe nichts. Obwohl ich«, fügte er trocken hinzu, »Euch offensichtlich etwas über die Menschen der Zwei Flüsse gelehrt habe.«
»Wenn ich Mutter gesagt hätte, daß ich dich für gut aussehend halte, dann hätte sie dich ganz sicher in eine Zelle sperren lassen.« Elayne warf ihm ein betörendes Lächeln zu. »Leb wohl, Rand al'Thor.«
Mit offenem Mund sah er ihr nach, einer jüngeren Verkörperung von Morgases Schönheit und Würde.
»Versuche nicht, dich mit Worten an Elayne zu messen.« Gawyn lachte. »Da gewinnt sie immer.«
Rand nickte abwesend. Gutaussehend? Licht, und das von der Tochter-Erbin des Thrones von Andor! Er schüttelte sich, um den Kopf wieder frei zu bekommen.
Gawyn schien auf etwas zu warten. Rand sah ihn einen Augenblick lang an.
»Lord Gawyn, als ich Euch sagte, ich käme von den Zwei Flüssen, da wart Ihr überrascht. Und auch alle anderen — Eure Mutter, Lord Gareth, Elaida Sedai« — ein Schauer rann ihm den Rücken hinunter — »keiner von ihnen... « Er konnte den Satz nicht beenden; er war sich noch nicht einmal sicher, warum er ihn begonnen hatte. Ich bin der Sohn Tam alThors, auch wenn ich nicht in den Zwei Flüssen geboren wurde.
Gawyn nickte, als habe er genau darauf gewartet. Doch er zögerte noch. Rand öffnete den Mund, um die unausgesprochene Frage zurückzunehmen, da sagte Gawyn: »Wickle eine Schufa um deinen Kopf, Rand, und du siehst aus wie ein Aielmann. Das ist seltsam, da Mutter zu glauben scheint, daß du zumindest wie ein Mann von den Zwei Flüssen klingst. Ich wünschte, wir hätten uns besser kennenlernen können, Rand al'Thor. Leb wohl.«
Ein Aielmann!
Rand stand da und beobachtete, wie Gawyn zurückging, bis ein ungeduldiges Hüsteln Tallanvors ihn wieder daran erinnerte, wo er sich befand. Er duckte sich und durchschritt das Ausfalltor. Tallanvor schlug es ihm beinahe auf die Fersen beim Schließen. Der Riegel wurde drinnen laut und vernehmlich vorgeschoben.
Der ovale Platz vor dem Palast war nun leer. Alle Soldaten waren weg, die ganze Menschenmenge, Trompeten und Trommeln waren lautlos verschwunden. Nichts war übrig, bis auf verstreute Abfälle, die der Wind über das Pflaster fegte, und ein paar Leute, die nun, da die Aufregung vorüber war, wieder ihrem Geschäft nachgingen. Er konnte nicht erkennen, ob sie Rot oder Weiß trugen.
Aielmann.
Erschreckt wurde ihm klar, daß er immer noch direkt vor dem Palasttor stand, wo Elaida ihn am leichtesten finden konnte, wenn sie ihr Gespräch mit der Königin beendet hatte. Er zog seinen Umhang enger um sich herum und trabte los — über den Platz und in die Straßen der Innenstadt hinein. Er sah sich gelegentlich um, weil er sehen wollte, ob ihm jemand folgte, doch durch die weitgeschwungenen Kurven konnte er nicht sehr weit zurückblicken. Aber er erinnerte sich nur zu gut an Elaidas Augen und stellte sich vor, daß sie ihn beobachteten. Als er schließlich die Tore zur Neustadt erreichte, rannte er.
41
Alte Freunde und neue Bedrohungen
Zu Der Königin Segen zurückgekehrt, ließ sich Rand an den Türrahmen fallen und atmete tief durch. Er war den ganzen Weg gerannt, hatte nicht darauf geachtet, ob jemand sah, daß er Rot trug, und nicht einmal geschaut, ob jemand in seinem Rennen einen Grund sah, ihn zu verfolgen. Er glaubte nicht, daß selbst ein Blasser ihn eingeholt hätte.
Lambgwin saß auf einer Bank neben der Tür und trug eine gestreifte Katze auf den Armen, als er herangerannt kam. Der Mann stand auf und sah in die Richtung, aus der Rand gekommen war, um zu erkennen, ob es Schwierigkeiten geben würde. Dabei kraulte er die Katze ganz gelassen hinter den Ohren. Da er nichts sah, setzte er sich wieder, wobei er sorgfältig darauf achtete, das Tier nicht zu stören. »Idioten versuchten vor einer Weile, einige der Katzen zu stehlen«, sagte er. Er betrachtete seine Handgelenke, bevor er sich wieder dem Kraulen widmete. »Katzen sind heutzutage eine Menge Geld wert.«
Die beiden Weiß tragenden Männer standen immer noch auf der anderen Straßenseite, wie Rand sah, doch einer hatte ein blaues Auge, und sein Unterkiefer war geschwollen. Er trug einen finsteren Gesichtsausdruck zur Schau und streichelte in mürrischem Eifer über seinen Schwertgriff, wenn er zur Schenke herübersah.
»Wo ist Meister Gill?« fragte Rand.
»In der Bibliothek«, antwortete Lambgwin. Die Katze begann zu schnurren, und er grinste. »Eine Katze läßt sich von nichts lange beeindrucken, nicht einmal, wenn jemand versucht hat, sie in einen Sack zu stecken.«
Rand eilte hinein und durchquerte den Schankraum, der nun wie gewöhnlich von Männern besetzt war, die Rot trugen und sich über ihren Bierkrügen unterhielten — über den falschen Drachen und ob die Weißmäntel Schwierigkeiten machen würden, wenn man ihn nach Norden brachte. Es interessierte keinen, was mit Logain geschah, aber sie wußten alle, daß die Tochter-Erbin und Lord Gawyn mitreisen würden, und niemand wollte, daß die beiden irgendein Risiko eingingen.
Er fand Meister Gill in der Bibliothek, wo er mit Loial ein Brettspiel spielte. Auf dem Tisch lag eine mollige Katze und beobachtete ihre Hände, wie sie sich über das gemusterte Spielbrett bewegten. Der Ogier rückte wieder einen Stein mit einer Bewegung vor, die eigenartig feinfühlig für seine dicken Finger wirkte. Meister Gill schüttelte den Kopf und benutzte Rands Erscheinen als Ausrede, um sich vom Tisch abzuwenden. Loial gewann fast immer bei diesem Spiel. »Ich habe mir schon Sorgen gemacht, wo du steckst, mein Junge. Ich dachte, du könntest Schwierigkeiten mit einigen von diesen Verrätern in Weiß bekommen haben oder diesem Bettler begegnet sein oder sowas.«
Rand stand eine Weile mit offenem Mund da. Er hatte dieses Lumpenbündel von einem Mann total vergessen. »Ich habe ihn gesehen«, sagte er schließlich, »aber das ist noch gar nichts. Ich habe auch die Königin gesehen und Elaida; da lag das Problem.«
Meister Gill lachte schnaubend. »Die Königin, eh? Was du nicht sagst. Bei uns war vor einer Stunde oder so Gareth Bryne im Schankraum und hat mit dem LordHauptmann, der die Kinder befehligt, Armdrücken gespielt. Aber natürlich die Königin... das ist schon was.«
»Blut und Asche«, grollte Rand, »jeder denkt heute, daß ich lüge.« Er warf seinen Umhang über eine Stuhllehne und ließ sich auf einen anderen Stuhl fallen. Er war zu aufgedreht, um sich zurückzulehnen. Er rutschte auf der Stuhlkante herum und wischte sich das Gesicht mit einem Taschentuch ab. »Ich sah den Bettler, und er sah mich und ich glaubte... Das ist nicht wichtig. Ich bin auf eine Mauer um einen Garten herum geklettert, wo ich den Vorplatz des Palastes überblicken konnte, als sie Logain hereinbrachten. Und ich bin runtergefallen, und zwar nach innen.«