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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Diese Erklärung ließ die Aes Sedai nun beide Augenbrauen heben. »Wie kommst du auf die Idee, daß die Weißmäntel nach euch suchen?«

»Ich hörte, wie einer sagte, sie suchten nach jemandem von den Zwei Flüssen. Schattenfreunde, sagte er. Was konnte ich denn sonst glauben? Bei all dem, was geschehen ist, bin ich froh, überhaupt denken zu können.«

»Es war sehr verwirrend, das weiß ich, Rand«, warf Loial ein, »aber du kannst schon klarer denken, als du jetzt tust. Die Kinder hassen die Aes Sedai. Elaida würde nicht... «

»Elaida?« mischte sich Moiraine mit harter Stimme ein. »Was hat Elaida Sedai mit alledem zu tun?«

Sie blickte Rand so scharf an, daß er sich beinahe zurückgelehnt hätte. »Sie wollte mich ins Gefängnis werfen«, sagte er bedächtig. »Alles, was ich wollte, war lediglich, einen Blick auf Logain zu werfen, aber sie wollte nicht glauben, daß ich nur durch einen Zufall in den Palastgarten zu Elayne und Gawyn geraten war.« Alle starrten ihn an, als sei ihm plötzlich ein drittes Auge gewachsen — alle außer Loial. »Königin Morgase hat mich laufen lassen. Sie sagte, es gäbe keinen Beweis dafür, daß ich Böses im Schild führe, und daß sie sich an das Gesetz halten wolle, gleich, was Elaida vermuten mochte.« Er schüttelte den Kopf. Die Erinnerung an Morgase in all ihrer Pracht ließ ihn für kurze Zeit vergessen, daß ihn alle ansahen. »Könnt ihr euch vorstellen, daß ich die Königin kennengelernt habe? Sie ist so schön wie die Königinnen in Märchen. Und genauso Elayne. Und Gawyn... dir würde Gawyn gefallen, Perrin. Perrin? Mat?« Sie stierten ihn immer noch an. »Blut und Asche, ich bin doch nur auf die Mauer geklettert, um den falschen Drachen zu sehen. Ich habe nichts Böses getan.«

»Das sage ich auch immer«, meinte Mat nüchtern, obwohl er plötzlich breit grinste, und Egwene fragte in betont neutralem Tonfalclass="underline" »Wer ist Elayne?«

Moiraine fluchte leise vor sich hin. »Eine Königin«, sagte Perrin kopfschüttelnd. »Du hast ja wirklich Abenteuer erlebt. Alles, was wir trafen, waren Kesselflicker und ein paar Weißmäntel.« Er vermied es so offensichtlich, Moiraine anzusehen, daß Rand es ganz deutlich bemerkte. Perrin berührte die Blutergüsse auf seinem Gesicht. »Insgesamt betrachtet hat es mehr Spaß gemacht, mit den Kesselflickern zu singen als mit den Weißmänteln.«

»Das Fahrende Volk lebt für seine Lieder«, sagte Loial. »Für alle Lieder, muß man sagen. Zumindest für die Suche nach ihnen. Ich traf vor einigen Jahren einige Tuatha'an, und sie wollten die Lieder erlernen, die wir den Bäumen singen. Tatsächlich hören die Bäume nicht mehr auf sehr viele von ihnen, und nicht viele Ogier lernen die Lieder. Ich habe ein wenig dieses Talents, und so bestand der Älteste Arent darauf, daß ich sie lerne. Ich brachte den Tuatha'an bei, was sie erfassen konnten, aber die Bäume hören niemals auf Menschen. Für das Fahrende Volk waren es eben nur Lieder, und sie kamen als solche auch gut bei ihnen an, doch keines war das Lied, nach dem sie suchen. So nennen sie auch den Anführer jedes Stammes: den Sucher. Manchmal besuchen sie das Stedding Schangtai. Sehr wenige Menschen kommen dorthin.«

»Darf ich dich unterbrechen, Loial«, sagte Moiraine, aber er räusperte sich und fuhr in einem so schnellen Grollton fort, als fürchte er, sie werde ihn zum Schweigen bringen.

»Mir ist gerade etwas eingefallen, Aes Sedai, etwas, das ich immer schon eine Aes Sedai fragen wollte, falls ich eine treffe, da ihr so viele Dinge kennt und in Tar Valon große Bibliotheken habt, und nun habe ich halt dich getroffen, und... Darf ich?«

»Wenn du dich kurz faßt«, bemerkte sie knapp.

»Kurz«, sagte er, als frage er sich, was dieses Wort bedeute. »Ja. Nun gut. Kurz. Vor kurzer Zeit kam ein Mann ins Stedding Schangtai. Das war zu der Zeit an sich nichts Außergewöhnliches, da eine große Zahl von Flüchtlingen zum Rückgrat der Welt gekommen war. Sie flohen vor dem, was ihr Menschen den Aiel-Krieg nennt.« Rand grinste. Vor kurzer Zeit — das war etwa zwanzig Jahre her. »Er war dem Tod nah, obwohl keine Wunde, kein äußeres Zeichen an ihm zu entdecken war. Die Ältesten glaubten, es könne von Aes Sedai getan worden sein« — Loial warf Moiraine einen entschuldigenden Blick zu -, »da er sich sofort erholte, nachdem er das Stedding betreten hatte. Nur ein paar Monate. Eines Nachts schlich er sich einfach davon, ohne ein Wort zu sagen, als der Mond gesunken war.« Er sah Moiraine ins Gesicht und räusperte sich wieder. »Ja. Kurz. Bevor er ging, erzählte er eine seltsame Geschichte. Er sagte, diese Nachricht wolle er nach Tar Valon bringen. Er sagte, der Dunkle König habe vor, das Auge der Welt zu blenden und die Große Schlange zu töten, also die Zeit selbst. Die Ältesten meinten, er sei geistig genauso gesund wie körperlich, aber er behauptete solche Dinge. Die Zeit selbst töten? Und das Auge der Welt? Kann er das Auge der Großen Schlange blenden? Was bedeutet das?«

Rand erwartete jede mögliche Reaktion von Moiraine, aber nicht das, was er sah. Anstatt Loial zu antworten oder ihm zu sagen, daß sie im Moment dafür keine Zeit habe, stand sie einfach da, blickte durch den Ogier hindurch und runzelte gedankenverloren die Stirn.

»Das haben uns die Kesselflicker auch erzählt«, sagte Perrin.

»Ja«, sagte Egwene. »Die Aiel-Geschichte.«

Moiraine drehte langsam den Kopf. Kein anderer Körperteil bewegte sich. »Welche Geschichte?«

Ihr Blick war ausdruckslos, aber er brachte Perrin dazu, tief einzuatmen. Als er dann sprach, klang er so bedächtig wie immer. »Einige Kesselflicker, die die Wüste durchquerten — sie sagten, das könnten sie tun, ohne etwas befürchten zu müssen — fanden Aiel, die nach einem Kampf mit Trollocs im Sterben lagen. Bevor die letzte Aiel starb — es waren offensichtlich alles Frauen — erzählte sie den Kesselflickern genau dasselbe wie Loial gerade eben. Der Dunkle König — sie nannten ihn Sichtblender -habe vor, das Auge der Welt zu blenden. Und das war vor nur drei Jahren und nicht vor zwanzig. Bedeutet es etwas?«

»Vielleicht alles«, sagte Moiraine. Ihr Gesicht verriet nichts, doch Rand hatte das Gefühl, daß der Verstand hinter diesen dunklen Augen rasend arbeitete. »Ba'alzamon«, sagte Perrin plötzlich. Der Name brachte jeden Laut im Zimmer zum Ersterben. Keiner schien auch nur zu atmen. Perrin sah Rand an und dann Mat. Seine Augen blickten eigenartig ruhig drein und waren gelber als je zuvor. »Zu der Zeit fragte ich mich, wo ich den Namen schon einmal gehört hatte... das Auge der Welt. Jetzt erinnere ich mich. Ihr auch?«

»Ich will mich an gar nichts erinnern«, sagte Mat angespannt. »Wir müssen es ihr erzählen«, fuhr Perrin fort. »Jetzt ist es wichtig. Wir können es nicht länger geheimhalten. Das siehst du doch ein, nicht wahr, Rand?«

»Was müßt ihr mir erzählen?« Moiraines Stimme klang rauh, und sie schien sich auf einen Schlag gefaßt zu machen. Ihr Blick ruhte auf Rand. Er wollte nicht antworten. Genau wie Mat wollte er sich an nichts erinnern, aber er erinnerte sich halt doch — und er wußte, daß Perrin recht hatte. »Ich habe... « Er sah seine Freunde an. Mat nickte zögernd, Perrin entschlossen, doch zumindest hatten beide zugestimmt. Er mußte ihr nicht allein gegenüberstehen. »Wir haben... Träume gehabt.« Er rieb sich den Fleck an seinem Finger, wo ihn der Dorn einst gestochen hatte, und dachte an das Blut beim Aufwachen. Mit flauem Gefühl im Magen dachte er an jenes andere Mal und das Gefühl, sein Gesicht sei von der Glut aus Ba'alzamons Augen verbrannt worden. »Allerdings waren es vielleicht doch nicht nur Träume. Ba'alzamon kam darin vor.« Er wußte, warum Perrin diesen Namen benutzt hatte: Es fiel leichter als zu sagen, der Dunkle König sei in deinen Träumen gewesen, im Inneren deines Kopfes. »Er sagte... er sagte eine ganze Menge, aber einmal sagte er eben, das Auge der Welt werde mir nie dienen.« Eine Minute lang war sein Mund staubtrocken.

»Er sagte mir dasselbe«, stellte Perrin fest, und Mat seufzte erst schwer und nickte dann. Rand merkte, daß er wieder Speichel im Mund hatte. »Du bist uns nicht böse?« fragte Perrin, und es klang überrascht. Rand sah, daß Moiraine wirklich nicht böse zu sein schien. Sie betrachtete sie, und ihre Augen blickten klar und ruhig, wenn auch eindringlich, drein.

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