Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Wir sind für eine Weile vor den Augen des Dunklen Königs sicher«, verkündete Moiraine, als sie mit Lan auf den Fersen ins Zimmer trat. Ihr Blick fiel auf Mat, gleich als sie durch die Tür kam, und sie zischte, als habe sie einen heißen Ofen berührt. »Weg von ihm!«
Nynaeve rührte sich nicht, drehte sich lediglich um und sah die Aes Sedai überrascht an. Mit zwei schnellen Schritten war Moiraine bei der Seherin, packte sie bei den Schultern und schleifte sie wie einen Sack Getreide über den Fußboden. Nynaeve wehrte sich und protestierte, aber Moiraine ließ sie nicht los, bevor sie nicht ein ganzes Stück vom Bett entfernt war. Die Seherin protestierte immer noch, als sie wieder auf den Beinen stand. Sie brachte verärgert ihre Kleidung wieder in Ordnung. Doch Moiraine beachtete sie gar nicht. Die Aes Sedai beobachtete ausschließlich Mat und sah ihn an, als betrachte sie eine Viper.
»Bleibt alle von ihm weg«, sagte sie. »Und seid ruhig.«
Mat sah sie genauso eindringlich an wie sie ihn. Er bleckte die Zähne in einem lautlosen, starren Grollen, rollte sich womöglich noch enger zusammen, doch er ließ dabei die Augen nicht von ihren. Mit einer langsamen Bewegung legte sie eine Hand ganz leicht auf ein bis zu seiner Brust hochgezogenes Knie. Bei ihrer Berührung wurde er von einem Krampf geschüttelt. Ein Schauder des Ekels erfaßte seinen ganzen Körper, und schlagartig zog er eine Hand hervor und hieb mit dem rubinverzierten Dolch nach ihrem Gesicht.
Im ersten Moment befand sich Lan an der Tür, im nächsten stand er schon neben dem Bett, als gehe ihn der Abstand dazwischen gar nichts an. Seine Hand fing Mats Arm am Handgelenk ab und hielt den Streich so plötzlich auf, als sei er auf Stein getroffen. Und immer noch blieb Mat zu einer Kugel zusammengerollt. Nur die Hand mit dem Dolch versuchte er zu bewegen. Er kämpfte gegen den eisernen Griff des Behüters an. Mat blickte unverwandt nur Moiraine an. Sein Blick glühte vor Haß.
Moiraine bewegte sich ebenfalls nicht. Sie zuckte nicht vor der Klinge zurück, die sich nur wenige Handbreit vor ihrem Gesicht befand, genausowenig, wie sie bei seinem Streich zurückgezuckt war. »Wie ist er daran gekommen?« fragte sie mit einer Stimme, die nach Stahl klang. »Ich hatte gefragt, ob euch Mordeth irgend etwas gegeben hat. Ich habe gefragt und euch gewarnt, und du sagtest, er hätte nichts bekommen.«
»Hat er auch nicht«, sagte Rand. »Er... Mat nahm ihn aus der Schatzkammer mit.« Moiraine blickte ihn an. Ihre Augen schienen genau wie die Mats zu glühen. Er wäre beinahe rückwärts gestolpert, doch dann wandte sie sich wieder dem Bett zu. »Ich wußte es nicht, bis wir voneinander getrennt wurden. Ich habe es nicht gewußt.«
»Du wußtest es nicht.« Moiraine betrachtete Mat. Er lag da mit an die Brust angezogenen Knien, knurrte sie immer noch lautlos an, und seine Hand drückte immer noch gegen die Lans, um sie mit dem Dolch zu erreichen. »Es ist ein Wunder, daß ihr soweit gekommen seid, obwohl er dies hier trug. Ich habe das Böse daran sofort gefühlt, als ich ihn sah. Es ist die Berührung Mashadars -ein Blasser könnte sie meilenweit entfernt noch spüren. Auch wenn er nicht genau wüßte, wo es ist, so wüßte er doch, es ist in der Nähe, und Mashadar würde seinen Geist anlocken, während er noch das Gefühl in den Knochen haben müßte, daß dieselbe böse Kraft eine Armee verschluckt hat — Schattenlords, Blasse, Trollocs — alles. Auch einige Schattenfreunde könnten es vermutlich spüren. Diejenigen, die wirklich und endgültig ihre Seele verkauft haben. Ohne es verhindern zu können, würden einige ein Gefühl empfinden, als jucke die sie umgebende Luft. Sie wären gezwungen, es zu suchen. Es sollte sie anziehen wie ein Magnet Eisenspäne.«
»Es kamen auch Schattenfreunde«, sagte Rand, »mehr als einmal, aber wir entkamen ihnen. Und da war ein Blasser, in der Nacht, bevor wir Caemlyn erreichten, aber der sah uns nicht.« Er räusperte sich. »Es gibt Gerüchte über fremdartige — Dinge — in der Nacht, außerhalb der Stadt. Es könnten Trollocs sein.«
»O ja, es sind Trollocs, Schafhirte«, sagte Lan trocken, »und wo Trollocs sind, gibt es auch Blasse.« Die Sehnen zeichneten sich deutlich auf seinem Handrücken ab, da er sich anstrengen mußte, Mats Handgelenk festzuhalten, aber seine Stimme klang nicht angestrengt. »Sie haben sich bemüht, ihr Kommen und Gehen zu verbergen, aber ich habe zwei Tage lang schon die Anzeichen bemerkt. Und ich habe gehört, wie die Bauern und Dorfbewohner sich über Dinge in der Nacht geäußert haben. Der Myrddraal hat es irgendwie fertiggebracht, ungesehen in den Zwei Flüssen zuzuschlagen, aber nun nähern sie sich immer mehr denjenigen, die Soldaten aussenden können, um sie zu jagen. Trotzdem lassen sie sich jetzt nicht aufhalten, Schafhirte.«
»Aber wir sind doch in Caemlyn«, sagte Egwene. »Sie können uns nicht erreichen, solange... «
»Tatsächlich?« fiel ihr der Behüter ins Wort. »Die Blassen ziehen draußen auf dem Land immer mehr von ihnen nach. Das geht ganz klar aus den Anzeichen hervor, falls du weißt, wonach du suchen mußt. Es sind bereits mehr Trollocs da, als sie brauchen, um gleichzeitig alle Wege aus der Stadt hinaus zu beobachten — mindestens ein Dutzend Fäuste. Das kann nur einen Grund haben: Wenn genug Blasse da sind, kommen sie in die Stadt, um euch zu holen. Die Folge könnte wohl sein, daß die Hälfte aller Armeen aus dem Süden in die Grenzlande geschickt wird, aber die Anzeichen sind vorhanden, daß sie bereit sind, das zu riskieren. Ihr drei seid ihnen schon zu lange entwischt. Es sieht so aus, als hättet ihr einen neuen Trolloc-Krieg nach Caemlyn gebracht, Schafhirte.«
Egwene schluchzte und schnappte gleichzeitig nach Luft, und Perrin schüttelte den Kopf, als wolle er es einfach nicht wahrhaben. Rand hatte ein flaues Gefühl im Magen, als er sich Trollocs in den Straßen Caemlyns vorstellte.
Alle diese Menschen, die sich gegenseitig an den Kragen wollten und dabei die wirkliche Bedrohung nicht erkannten, die nur darauf wartete, über die Mauern zu klettern. Was würden sie tun, wenn plötzlich Trollocs und Blasse mitten unter ihnen waren und sie töteten? Er konnte sich die brennenden Türme vorstellen, wie die Flammen durch die Kuppeln brachen, wie Trollocs durch die gewundenen Straßen und Plätze der Innenstadt wüteten. Selbst der Palast in Flammen. Elayne und Gawyn und Morgase... tot.
»Es ist noch nicht soweit«, sagte Moiraine abwesend. Sie konzentrierte sich immer noch auf Mat. »Wenn wir einen Weg aus Caemlyn hinaus finden, haben die Halbmenschen kein Interesse mehr an der Stadt. Falls. Es gibt so viele Unsicherheitsfaktoren.«
»Es wäre besser, wenn wir alle tot wären«, sagte Perrin plötzlich, und Rand fuhr zusammen, da er seine eigenen Gedanken ausgesprochen hatte. Perrin saß immer noch da und blickte zu Boden — ein böser Blick war es nun -, und seine Stimme klang bitter. »Wo immer wir hinkommen, verbreiten wir Schmerz und Leiden. Es wäre besser für alle, wären wir tot.«
Nynaeve wollte mit einem Gesichtsausdruck, aus dem zur Hälfte Zorn und zur Hälfte Besorgnis ersichtlich war, auf ihn losgehen, aber Moiraine kam ihr zuvor. »Was glaubst du denn, wäre gewonnen — sowohl für dich als auch für alle anderen — wenn ihr sterbt?« fragte die Aes Sedai. Ihre Stimme klang ruhig, war aber nicht ohne Schärfe. »Wenn der Herr der Gräber mittlerweile soviel Freiheit erlangt hat, um das Muster zu beeinflussen, wie ich fürchte, dann kann er euch jetzt im Tod noch leichter erreichen als im Leben. Tot könnt ihr niemandem mehr helfen, auch nicht den Menschen, die euch geholfen haben, auch nicht euren Freunden und Familien zu Hause in den Zwei Flüssen. Der Schatten fällt über die Welt, und keiner von euch kann ihn aufhalten, wenn er tot ist.«