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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Der Dunkle König rührt sich in Shayol Ghul«, erwiderte die Aes Sedai. »Der Schatten liegt über dem Muster, und die Zukunft balanciert auf einer Nadelspitze. Der hier ist gefährlich.«

Plötzlich rührte sich Elayne. Sie warf sich vor dem Thron auf die Knie. »Mutter, ich bitte dich, ihm nichts zu tun. Er wäre sofort wieder gegangen, hätte ich ihn nicht aufgehalten. Er wollte gehen. Ich habe ihn zum Bleiben überredet. Ich kann nicht glauben, daß er ein Schattenfreund ist.«

Morgase machte eine beruhigende Bewegung zu ihrer Tochter hin, doch ihr Blick ruhte weiter auf Rand. »Ist das eine Voraussage, Elaida? Hast du das Muster studiert? Du sagst, es käme über dich, wenn du es am wenigsten erwartest, und es vergeht so plötzlich, wie es kommt. Falls das eine Weissagung ist, Elaida, dann befehle ich dir, klar und deutlich die Wahrheit zu sagen, ohne deine sonstige Angewohnheit, es so durch Geheimnistuerei zu verschleiern, daß hinterher niemand mehr weiß, ob du ja oder nein gesagt hast. Sprich! Was siehst du?«

»Dies weissage ich«, antwortete Elaida, »und ich schwöre beim Licht, daß ich nichts Eindeutigeres sagen kann. Vom heutigen Tage an bewegt sich Andor auf eine Zeit des Schmerzes und der Spaltung zu. Der Schatten wird sich erst zu Schwarz vertiefen, doch ich kann nicht sagen, ob ihm dann das Licht nachfolgt. Wo die Welt eine Träne geweint hat, wird sie künftig tausende weinen. Dies weissage ich.«

Eine Mauer des Schweigens hing über dem Raum und wurde erst durch Morgase gebrochen, die so laut ausatmete, als sei es ihr letzter Atemzug gewesen.

Elaida sah weiterhin Rand in die Augen. Sie sprach wieder. Dabei bewegte sie die Lippen kaum und sprach so leise, daß er sie — kaum eine Armlänge von ihr entfernt -fast nicht verstehen konnte. »Auch das weissage ich: Schmerz und Spaltung kommen über die ganze Welt, und dieser Mann steht dabei im Mittelpunkt. Ich gehorche der Königin«, flüsterte sie, »und spreche es klar und deutlich aus.«

Rand fühlte sich, als habe er im Marmorboden Wurzeln geschlagen. Die Kälte und Härte des Bodens kroch ihm in die Beine und ließ ihn bis oben hin schaudern. Niemand sonst konnte das gehört haben. Aber sie sah ihn immer noch an, und er hatte es gehört.

»Ich bin Schäfer«, sagte er zu allen im Raum. »Von den Zwei Flüssen. Nur ein Schäfer.«

»Das Rad webt, wie das Rad es will«, sagte Elaida laut, und er war nicht sicher, ob ein spöttischer Unterton darin lag oder nicht.

»Lord Gareth«, sagte Morgase, »ich brauche den Rat meines Generalhauptmanns.«

Der stämmige Mann schüttelte den Kopf. »Elaida Sedai sagt, der Junge sei gefährlich, meine Königin, und wenn sie mehr dazu sagen könnte, würde ich den Henker bestellen. Aber alles, was sie sagt, ist nur das, was jeder von uns auch mit eigenen Augen sehen kann. Es gibt wohl keinen Bauern im Reich, der nicht vorhersagt, daß alles immer noch schlimmer werden wird, und dazu braucht er keine Weissagung. Ich persönlich glaube, der Junge ist nur durch puren Zufall hierhergekommen, auch wenn es für ihn ein unglücklicher Zufall war. Um sicherzugehen, meine Königin, würde ich sagen: Werft ihn in eine Zelle, bis Lady Elayne und Lord Gawyn eine Weile unterwegs sind, und dann laßt ihn laufen. Oder, Aes Sedai, habt Ihr noch mehr auf Lager, was Ihr über ihn weissagen könntet?«

»Ich habe alles gesagt, was ich im Muster über ihn gelesen habe, Generalhauptmann«, sagte Elaida. Sie lächelte Rand bitter an, ein Lächeln, das kaum ihre Lippen verzog, und spottete seiner Unfähigkeit zu behaupten, sie sage nicht die Wahrheit. »Ein paar Wochen im Gefängnis werden ihm nicht schaden, und sie könnten mir Gelegenheit geben, mehr herauszubekommen.« Gier stand in ihren Augen und ließ ihn noch mehr schaudern. »Vielleicht ergibt sich eine weitere Weissagung.«

Morgase überlegte eine Weile lang, das Kinn auf die Faust gestützt und den Ellenbogen auf der Armlehne ihres Thrones. Rand hätte sich unter ihrem Blick am liebsten hin und her bewegt, wenn er sich nur überhaupt hätte rühren können. Doch Elaidas Blick ließ ihn wie erstarrt dastehen. Schließlich sprach die Königin.

»Das Mißtrauen erstickt Caemlyn und vielleicht ganz Andor. Angst und blankes Mißtrauen. Frauen denunzieren ihre Nachbarn als Schattenfreunde. Männer kritzeln den Drachenzahn auf die Türen von Menschen, die sie schon jahrelang kennen. Ich werde das nicht mitmachen.«

»Morgase...«, begann Elaida, aber die Königin unterbrach sie.

»Ich werde das nicht mitmachen. Als ich den Thron bestieg, schwor ich, Gerechtigkeit an hochgestellten wie niedrigen Leuten zu üben, und daran werde ich mich halten, und wenn ich der letzte Mensch in Andor sein sollte, der noch Gerechtigkeit übt. Rand al'Thor, schwörst du beim Licht, daß dein Vater, ein Schäfer im Gebiet der Zwei Flüsse, dir dieses Reiherschwert gegeben hat?«

Rand bewegte die Zunge, um seinen Mund zu befeuchten, damit er sprechen konnte. »Das schwöre ich.« Da er sich plötzlich daran erinnerte, mit wem er da sprach, fügte er hastig: »Meine Königin« hinzu. Lord Gareth hob eine schwere Augenbraue, aber Morgase schien es nicht zu stören.

»Und daß du die Gartenmauer nur deshalb erklommen hast, weil du den falschen Drachen sehen wolltest?«

»Ja, meine Königin.«

»Willst du dem Thron von Andor oder meiner Tochter oder meinem Sohne Schaden zufügen?« Ihr Tonfall sagte ihm, daß im zweiten Fall mit ihm noch kürzerer Prozeß gemacht werde als im ersten.

»Ich will überhaupt niemandem schaden, meine Königin. Euch und den Euren noch weniger als allen anderen.«

»Dann will ich dir gerecht werden, Rand al'Thor«, sagte sie. »Zuerst einmal habe ich Elaida und Gareth eines voraus, denn ich habe in meiner Jugend den Dialekt der Zwei Flüsse gehört. Du siehst zwar nicht so aus, aber falls mich meine trübe Erinnerung daran nicht täuscht, trägst du die Zwei Flüsse auf der Zunge. Zum zweiten würde niemand mit deinem Haar und deinen Augen behaupten, er sei ein Schäfer von den Zwei Flüssen, wenn es nicht wahr wäre. Und daß dir dein Vater ein Reiherschwert gab, ist zu unwahrscheinlich, um eine Lüge zu sein. Und zum dritten: Die Stimme, die mir zuflüstert, daß die beste Lüge oft gerade das ist, was zu lächerlich erscheint, um erlogen zu sein... diese Stimme stellt keinen Beweis dar. Ich werde mich an die Gesetze halten, die ich selbst schuf. Ich schenke dir deine Freiheit, Rand al'Thor, aber ich rate dir, gründlich zu überlegen, bevor du in Zukunft fremden Boden betrittst. Wenn man dich noch einmal auf dem Grund und Boden des Palastes erwischt, wirst du nicht so leicht davonkommen.«

»Ich danke Euch, meine Königin«, sagte er heiser. Er konnte Elaidas Unzufriedenheit wie Hitze auf seinem Gesicht spüren. »Tallanvor«, sagte Morgase, »eskortiert diesen... den Gast meiner Tochter aus dem Palast und erweist ihm jede Höflichkeit. Ihr anderen, geht jetzt auch. Nein, Elaida, du bleibst! Und wenn Ihr bitte auch bleiben wurdet, Lord Gareth. Ich muß entscheiden, was mit diesen Weißmänteln in der Stadt zu geschehen hat.«

Tallanvor und die Gardesoldaten steckten ihre Schwerter zögernd zurück in die Scheiden, schienen aber jeden Moment bereit, sie augenblicklich zu ziehen. Trotzdem war Rand froh, als sie sich um ihn herum formierten und Tallanvor folgten. Elaida hörte der Königin nur so halb zu; er konnte ihren Blick auf seinem Rücken fühlen. Was wäre geschehen, wenn Morgase keine Aes Sedai am Hofe gehabt hätte? Bei dem Gedanken wünschte er, die Soldaten würden schneller marschieren.

Zu seiner Überraschung wechselten Elayne und Gawyn vor der Tür einige Worte und schlossen sich ihm dann an. Auch Tallanvor war überrascht. Der junge Offizier blickte von ihnen zurück zur Tür, doch die schloß sich jetzt.

»Meine Mutter«, sagte Elayne, »befahl, ihn aus dem Palast zu eskortieren, Tallanvor. In aller Höflichkeit. Worauf wartest du?«

Tallanvor blickte finster die Tür an, hinter der die Königin nun mit ihren Ratgebern beriet. »Auf nichts, Lady Elayne«, sagte er säuerlich und befahl unnötigerweise der Eskorte weiterzugehen.

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