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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Meister Gills Gesicht färbte sich bei jedem Wort dunkler. Er blies sich auf, als wolle er explodieren, und das tat er schließlich auch, als er den Weißmantel nun seinerseits unterbrach: »In meinem Haus gibt es keine Schattenfreunde! Jeder hier ist ein guter Untertan der Königin!«

»Ja, und wir wissen ja alle, wo Morgase steht« — die Stimme des Unteroffiziers triefte vor Hohn, als er ihren Namen nannte — »sie und ihre Hexe aus Tar Valon, oder?«

Das Schaben der Stuhlbeine über den Boden war laut. Plötzlich war jeder Mann im Raum auf den Beinen. Sie standen still wie Statuen, aber jeder starrte die Weißmäntel grimmig an. Der Unteroffizier schien es nicht zu bemerken, aber die vier hinter ihm blickten sich unsicher um.

»Es wird Euch vieles erleichtern, Wirt«, sagte der Unteroffizier, »wenn Ihr mithelft. Die Zeit verfährt unbarmherzig mit jenen, die Schattenfreunde beherbergen. Ich glaube kaum, daß eine Schenke mit dem Drachenzahn auf der Tür noch viele Gäste bekäme. Könntet ein wenig Probleme mit Bränden bekommen, wenn Ihr das auf der Tür habt.«

»Ihr verlaßt jetzt das Haus«, sagte Meister Gill ruhig, »oder ich lasse die königliche Garde holen, damit sie das, was von Euch noch übrig ist, auf den Abfall karren.«

Lambgwins Schwert wurde mit einem schabenden Geräusch aus der Scheide gezogen, und dieses Schaben von Stahl auf Leder wiederholte sich im ganzen Raum. Alle Hände hielten Schwerter und Dolche. Die Kellnerinnen huschten zu den Türen.

Der Unteroffizier sah sich in verächtlicher Ungläubigkeit um. »Der Drachenzahn... «

»Hilft Euch fünfen nicht«, beendete Meister Gill seinen angefangenen Satz. Er hielt eine Faust hoch und streckte den Zeigefinger aus. »Eins.«

»Ihr müßt wahnsinnig sein, Wirt, wenn Ihr die Kinder des Lichts bedroht!«

»Weißmäntel haben in Caemlyn nichts zu sagen. Zwei.«

»Glaubt Ihr wirklich, damit wäre alles für Euch ausgestanden?«

»Drei.«

»Wir kommen zurück«, brauste der Unteroffizier nochmals auf, und dann ließ er seine Männer schleunigst kehrtmachen, wobei er sich bemühte, alles nach einem geordneten Rückzug aussehen zu lassen, dessen Tempo er allein bestimmte. Allerdings wurde er durch den Eifer seiner eigenen Leute Lügen gestraft, die wohl nicht gerade rannten, aber kein Hehl daraus machten, daß sie raus wollten.

Lambgwin stand vor der Tür mit seinem Schwert in der Hand und ließ sie erst durch, nachdem Meister Gill ihm erregt zugewunken hatte. Als die Weißmäntel draußen waren, ließ sich der Wirt schwerfällig auf einen Stuhl fallen. Er rieb sich mit einer Hand die Stirn und sah die Hand dann an, als sei er überrascht, daß sie nicht schweißbedeckt war. Im ganzen Raum setzten sich die Männer wieder und lachten darüber, was sie getan hatten. Einige kamen herüber und klopften Meister Gill auf die Schulter.

Als er Rand sah, wankte der Wirt vom Stuhl weg zu ihm hin. »Wer hätte gedacht, daß ich das Zeug zum Helden habe?« sagte er staunend. »Das Licht erleuchte mich.« Plötzlich schüttelte er sich, und seine Stimme klang beinahe wieder normal. »Ihr werdet euch verbergen müssen, bis ich euch aus der Stadt herausbringen kann.« Nach einem scharfen Blick zurück in den Schankraum schob er Rand weiter in den Flur hinein. »Diese Kerle werden zurückkommen, oder sie schicken ein paar Spione herum, die für einen Tag Rot tragen. Nach dem Schauspiel, das ich ihnen geliefert habe, wird es ihnen vermutlich gleich sein, ob ihr hier seid oder nicht — sie werden sich einfach so verhalten, als wärt ihr hier.«

»Das ist doch verrückt!« protestierte Rand. Als der Wirt die Hand warnend erhob, senkte er die Stimme. »Die Weißmäntel haben doch gar keinen Grund, hinter mir her zu sein.«

»Ich weiß nichts über ihre Gründe, Junge, aber sie sind ganz todsicher hinter dir und Mat her. Was habt ihr denn nur angestellt? Elaida und die Weißmäntel!«

Rand erhob protestierend die Hände, ließ sie aber wieder fallen. Es ergab keinen Sinn, aber er hatte den Weißmantel ja gehört. »Was wird mit Euch? Die Weißmäntel werden Euch Schwierigkeiten bereiten, auch wenn sie uns nicht finden.«

»Mach dir deshalb kein Kopfzerbrechen, Junge! Die königliche Garde sorgt immer noch dafür, daß die Gesetze eingehalten werden, selbst wenn sie Verräter in Weiß herumstolzieren lassen. Und was die Nacht betrifft... na ja, Lambgwin und seine Freunde bekommen vielleicht nicht viel Schlaf, aber ich habe beinahe Mitleid mit jedem, der versucht, ein Zeichen auf meine Tür zu kritzeln.«

Gilda erschien neben ihnen und knickste vor Meister Gill. »Meister, da ist... da ist eine Dame. In der Küche!« Sie hörte sich ob dieser Tatsache schockiert an. »Sie fragt nach Meister Rand und Meister Mat — sie hat ihre Namen genannt.«

Rand und der Wirt blickten sich fragend an.

»Junge«, sagte Meister Gill, »wenn du es tatsächlich fertiggebracht hast, Lady Elayne aus dem Palast in meine Schenke zu locken, dann enden wir alle beim Henker.« Gilda quietschte auf, als er die Tochter-Erbin erwähnte, und starrte Rand mit großen Augen an. »Raus mit dir, Mädchen«, sagte der Wirt in scharfem Ton. »Und halt den Mund über das, was du gehört hast. Es geht niemanden was an.« Gilda nickte wieder und huschte durch den Flur, wobei sie sich nach hinten zu Rand umblickte. »In fünf Minuten« — Meister Gill seufzte — »wird sie den anderen Frauen erzählen, du seist ein Prinz in Verkleidung. Bei Einbruch der Nacht weiß es die ganze Neustadt.«

»Meister Gill«, sagte Rand, »ich habe Elayne gegenüber Mat nicht erwähnt. Es kann nicht sein...« Plötzlich wurde sein Gesicht von einem breiten Lächeln erhellt, und er rannte zur Küche.

»Warte!« rief ihm der Wirt nach. »Warte, bis du Bescheid weißt. Warte doch, du Narr!«

Rand riß die Tür auf, und da waren sie. Moiraine blickte ihn überlegen und ruhig an, ohne Überraschung zu zeigen. Nynaeve und Egwene rannten lachend zu ihm hin und umarmten ihn. Perrin drängte noch hinterher, und alle drei klopften ihm auf die Schultern, als wollten sie sich davon überzeugen, daß er wirklich da war. An der Tür zum Stallhof lehnte Lan, hatte einen Stiefel gegen den Türrahmen gestützt und teilte seine Aufmerksamkeit zwischen der Küche und dem Hof draußen.

Rand versuchte gleichzeitig, die beiden Frauen zu umarmen und Perrin die Hand zu schütteln, und das Ergebnis war ein Durcheinander von Armen und Gelächter, das dadurch noch verwirrender wurde, weil Nynaeve versuchte, seine Stirn zu fühlen, ob er Fieber habe. Sie sahen alle ein wenig schlechter und angestrengter aus als üblich — auf Perrins Gesicht waren Schrammen zu sehen, und er schlug die Augen auf eine Art nieder, die er nie zuvor an ihm bemerkt hatte -, aber sie lebten und waren wieder beisammen. Seine Kehle war wie zugeschnürt, und er konnte kaum sprechen. »Ich hatte gefürchtet, ich würde euch niemals wiedersehen«, brachte er schließlich heraus. »Ich hatte Angst, ihr wärt alle... «

»Ich wußte, daß du lebst«, sagte Egwene, die den Kopf an seine Brust gelegt hatte. »Ich habe es immer gewußt. Immer.«

»Ich nicht«, sagte Nynaeve. Ihre Stimme klang in diesem Augenblick scharf, doch im nächsten schon wieder besänftigt, und sie lächelte zu ihm hoch. »Du siehst gut aus, Rand. Nicht gerade gut genährt, aber doch gut, dem Licht sei Dank.«

»Na«, sagte Meister Gill hinter ihm, »es scheint, daß du diese Leute doch kennst. Sind es die Freunde, nach denen du suchtest?«

Rand nickte. »Ja, meine Freunde.« Er stellte alle einander vor. Es war immer noch ein eigenartiges Gefühl, Lan und Moiraine beim richtigen Namen zu nennen. Beide blickten ihn scharf an, als sie es hörten.

Der Wirt begrüßte alle mit einem offenen Lächeln, aber er war auch entsprechend beeindruckt, einen Behüter kennenzulernen, und dann auch noch Moiraine. Sie starrte er mit offenem Mund an — es war eine Sache, zu wissen, daß eine Aes Sedai den Jungen geholfen hatte, aber eine ganz andere, sie plötzlich in der Küche zu haben -, und dann verbeugte er sich tief. »Seid willkommen in Der Königin Segen, Aes Sedai. Seid mein Gast. Obwohl, ich glaube, Ihr werdet eher mit Elaida und den anderen Aes Sedai, die den falschen Drachen gebracht haben, im Palast wohnen wollen.« Er verbeugte sich wieder und warf Rand einen schnellen und besorgten Blick zu. Es war ja schön und gut, zu sagen, daß man nichts gegen die Aes Sedai habe, aber das hieß natürlich nicht, daß man gleich eine unter seinem Dach schlafen lassen wollte.

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