Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Perrin hob den Kopf, um sie anzusehen, und Rand fuhr zusammen. Die Pupillen seines Freundes waren eher gelb als braun. Bei seinem zerzausten Haar und der Eindringlichkeit seines Blicks war etwas an ihm... Rand war nicht in der Lage, genau festzustellen, was es war.
Perrin sprach in einer sanften Tonlosigkeit, die seinen Worten mehr Gewicht verlieh, als er mit Schreien erreicht hätte. »Lebend können wir es auch nicht mehr aufhalten, oder?«
»Ich werde mir später die Zeit nehmen, mit euch darüber zu diskutieren«, sagte Moiraine, »aber jetzt braucht euer Freund mich.« Sie trat zur Seite, so daß sie alle Mat gut beobachten konnten. Sein wuterfüllter Blick lastete immer noch auf ihr; er hatte sich nicht gerührt und seine Position auf dem Bett nicht verändert. Schweiß lief ihm übers Gesicht, und die Lippen, immer noch zu einem erstarrten Knurren verzogen, waren blutleer. All seine Kraft schien in dem Versuch aufzugehen, Moiraine mit dem Dolch zu erreichen, den Lan festhielt. »Oder hattet ihr ihn vergessen?«
Perrin zuckte beschämt die Achseln und zeigte wortlos die geöffneten Hände.
»Was stimmt nicht mit ihm?« fragte Egwene, und Nynaeve fügte hinzu: »Ist es ansteckend? Ich kann ihn immer noch behandeln. Ich stecke mich nie an, gleich, was es ist.«
»O ja, es ist ansteckend«, sagte Moiraine, »und dein... Schutz würde dich nicht retten.« Sie deutete auf den Dolch mit dem Rubingriff, hütete sich aber, ihn mit dem Finger zu berühren. Die Klinge zitterte, als Mat sie mit aller Kraft zu erreichen versuchte. »Das stammt aus Shadar Logoth. Kein noch so kleines Steinchen in jener Stadt, das nicht verdorben und gefährlich wäre, wenn man es nach draußen bringt, und das hier ist viel mehr als nur ein Steinchen. Das Böse, das Shadar Logoth abtötete, ist darin enthalten und nun auch in Mat. So starkes Mißtrauen, so starker Haß, daß selbst die am nächsten Stehenden als Feinde betrachtet werden, und das sitzt ihm so tief in den Knochen, daß am Ende der einzige übriggebliebene Gedanke sein wird, zu töten. Dadurch, daß er den Dolch aus Shadar Logoth herausbrachte, befreite er diesen Samen des Bösen, und nun ist es nicht mehr an diesen Ort gebunden. Es wird in ihm einmal stärker und einmal schwächer durchgekommen sein. Sein ganzes Wesen, sein Inneres, kämpft gegen das an, was Mashadars Gift aus ihm machen will, aber jetzt ist die Schlacht in seinem Inneren beinahe beendet und seine Niederlage besiegelt. Bald schon, falls es ihn nicht zuvor umbringt, wird er dieses Böse überall um sich verbreiten, wo er nur hingeht. So wie ein Kratzer von dieser Klinge genügt, zu infizieren und zu zerstören, so werden bald ein paar Minuten in Mats Gegenwart tödlich wirken.«
Nynaeves Gesicht war totenblaß. »Kannst du etwas dagegen tun?« flüsterte sie.
»Ich hoffe.« Moiraine seufzte. »Um der ganzen Welt willen hoffe ich, daß es nicht zu spät ist.« Ihre Hand kramte in ihrer Gürteltasche und kam mit dem in Seide gehüllten Angreal wieder heraus. »Laßt mich allein. Bleibt zusammen und findet einen Raum, in dem man euch nicht beobachten kann, aber laßt mich allein. Ich werde für ihn tun, was ich kann.«
42
Erinnerungen an Träume
Es war eine niedergeschlagene Gruppe, die Rand wieder die Treppe hinunterführte. Jetzt wollte keiner mehr mit ihm oder einem der anderen reden. Auch er hatte keine große Lust, sich zu unterhalten.
Die Sonne stand nun so tief am Himmel, daß es düster auf der Hintertreppe war, aber man hatte die Lampen noch nicht entzündet. Streifen von Sonnenschein und Schatten lagen über den Stufen. Perrins Gesicht war genauso verschlossen wie die der anderen, aber wo die anderen Sorgenfalten auf der Stirn trugen, war Perrins Stirn glatt. Rand glaubte, Perrins Gesichtsausdruck zeige Resignation. Er fragte sich, warum, und er wollte ihn danach fragen, doch wann immer Perrin durch ein Stück tieferen Schattens kam, schien sich alles Licht in seinen Augen zu sammeln, und sie glühten sanft wie polierter Bernstein. Rand schauderte und versuchte, sich auf seine Umgebung zu konzentrieren, auf die mit Walnußholz getäfelten Wände und das Treppengeländer aus Eichenholz, auf die handfesten Dinge des Alltags. Er wischte sich mehrmals die Hände an seinem Mantel ab, aber jedesmal schwitzten seine Handflächen gleich wieder. Jetzt wird schon alles gut werden. Wir sind wieder beisammen und... Licht, Mat!
Er brachte sie hinten an der Küche vorbei zur Bibliothek. Den Schankraum mied er. Nicht viele Reisende benutzten die Bibliothek — die meisten derer, die lesen konnten, wohnten in eleganteren Schenken in der Innenstadt. Meister Gill behielt sie eher zum eigenen Vergnügen als für die Handvoll von Gästen, die von Zeit zu Zeit ein Buch wollten. Rand wollte nicht darüber nachdenken, warum Moiraine wünschte, daß sie sich verbargen, aber er mußte immer wieder daran denken, daß der Weißmantel-Unteroffizier gesagt hatte, er werde wiederkommen, und er erinnerte sich an Elaidas Blick, als sie fragte, wo er wohne. Das war schon Grund genug, gleich, was Moiraine wollte.
Er machte fünf Schritte in die Bibliothek hinein, bevor ihm auffiel, daß alle anderen stehengeblieben waren, sich in der Tür zusammendrängten, die Münder offen, und mit großen Augen starrten. Im Kamin prasselte ein helles Feuer, und Loial lag lesend auf der Couch. Eine kleine schwarze Katze mit weißen Füßen lag zusammengerollt und halb schlafend auf seinem Bauch. Als sie eintraten, schloß er das Buch, wobei er einen riesigen Finger als Buchzeichen drinnenließ, und setzte die Katze sanft am Boden ab. Dann stand er auf und verbeugte sich höflich.
Rand war so an den Ogier gewöhnt, daß er eine Weile brauchte, um zu begreifen, daß er das Ziel der Blicke der anderen war. »Das sind die Freunde, auf die ich gewartet habe, Loial«, sagte er. »Das hier ist Nynaeve, die Seherin meines Dorfes. Und Perrin. Und hier ist Egwene.«
»Ah, ja«, dröhnte Loials Stimme. »Egwene. Rand hat eine Menge von dir erzählt. Ja. Ich bin Loial.«
»Er ist ein Ogier«, erklärte Rand und beobachtete, wie sich der Ausdruck des Erstaunens auf ihren Gesichtern änderte. Auch nachdem sie Trollocs und Blasse höchstpersönlich kennengelernt hatten, erstaunte es sie immer noch, eine lebende Legende anzutreffen. Er erinnerte sich an seine erste Reaktion auf den Anblick Loials und grinste verlegen. Sie hielten sich besser als er.
Loial ging über ihr neugieriges Starren ohne weiteres hinweg. Rand glaubte, daß er es kaum bemerkte, verglichen mit einem Mob, der ›Trolloc‹ schrie. »Und die Aes Sedai, Rand?« fragte Loial. »Ist oben bei Mat.«
Der Ogier hob gedankenschwer eine buschige Augenbraue. »Dann ist er wirklich krank. Ich wurde vorschlagen, daß wir uns alle setzen. Wird sie auch noch herkommen? Ja. Dann bleibt nichts anderes übrig, als zu warten.«
Das Hinsetzen schien in den Emondsfeldern eine Sperre zu lösen, als fühlten sie sich wie zu Hause, nun, da sie auf gut gepolsterten Stühlen saßen, da im Kamin ein Feuer brannte und eine Katze sich auf dem Sims zusammengerollt hatte. Sobald sie sich niedergelassen hatten, begannen alle, aufgeregt dem Ogier Fragen zu stellen. Zu Rands Überraschung war Perrin der erste, der sprach.
»Die Steddings, Loial. Sind sie wirklich solche Zufluchtsstätten, wie es in den Geschichten heißt?« Seine Stimme klang eindringlich, als habe er einen besonderen Grund zu fragen.
Loial freute sich, daß er von den Steddings erzählen konnte und wie er in Der Königin Segen aufgetaucht war und was er auf seinen Reisen alles gesehen hatte. Rand lehnte sich bald zurück und hörte nur noch teilweise zu. Er hatte das alles bereits ausführlich gehört. Loial erzählte gern und lang, wenn er nur die geringste Möglichkeit dazu sah, und außerdem schien er zu glauben, daß eine Geschichte wenigstens zwei- oder dreihundert Jahre der Vorgeschichte benötigte, damit man sie auch verstand. Sein Zeitverständnis war ganz eigenartig; für ihn waren dreihundert Jahre eine ganz normale Zeitspanne für den Verlauf einer Geschichte oder eine Erklärung. Er erzählte immer davon, wie er sein Stedding verlassen hatte, als sei das nur ein paar Monate zuvor gewesen, aber es war ihm schließlich entschlüpft, daß er schon mehr als drei Jahre von zu Hause fort war.