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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Einer der Herren, an die er diesbezüglich herangetreten ist«, sagte Forbes. Der Rechtsanwalt war groß und übergewichtig; möglich, dass die ungesunde Rötung seiner Wangen darauf zurückzuführen war und nicht auf Verärgerung. Andererseits …

»Falls ich Eurer Güte so etwas zumuten darf, Ma’am, würde ich vorschlagen, dass Ihr Einfluss auf ihn nehmt und andeutet, dass ein solcher Kurs nicht der klügste ist.«

»Zunächst einmal«, sagte ich und atmete die heiße, feuchte Luft tief ein, »was glaubt Ihr denn, was für einen Kurs er eingeschlagen hat?«

»Einen unglücklichen, Ma’am«, sagte er. »Wenn ich die Angelegenheit ins freundlichste Licht rücke, gehe ich davon aus, dass die Gewehre, die er sucht, dazu gedacht sind, seine eigene Milizkompanie zu bewaffnen, was ja legitim, wenn auch verstörend ist; wie erstrebenswert dieses Vorgehen ist, würde von seiner späteren Handlungsweise abhängen. Aber seine Beziehungen zu den Cherokee sind weithin bekannt, und es gibt Gerüchte, dass die Waffen dazu bestimmt sind, in den Händen der Wilden zu enden, um sich schließlich gegen jene Untertanen Seiner Majestät zu richten, die es wagen, Widerspruch einzulegen gegen die Tyrannei, den Amtsmissbrauch und die Korruption der offiziellen Regierung dieser Kolonie – wenn man ein solches Wort denn zur Beschreibung ihrer Tätigkeit benutzen kann.«

Ich sah ihn über die Kante meines Fächers hinweg lange an.

»Wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass Ihr Anwalt seid«, merkte ich an, »hätte diese Ansprache es mir verraten. Ich glaube, Ihr habt gerade gesagt, dass Ihr meinen Mann im Verdacht habt, die Indianer mit Gewehren bewaffnen zu wollen, und dass Euch dies missfällt. Falls er aber andererseits vorhat, seine eigene Miliz zu bewaffnen, könnte das möglicherweise rechtens sein – vorausgesetzt, besagte Miliz handelt Euren Wünschen gemäß. Habe ich recht?«

Ein Hauch von Belustigung flackerte in seinen tiefliegenden Augen auf, und er neigte mir den Kopf zu.

»Eure Auffassungsgabe erstaunt mich, Ma’am«, sagte er.

Ich nickte und schloss den Fächer.

»Schön. Und wie lauten Eure Wünsche, wenn ich fragen darf? Ich werde nicht fragen, warum Ihr glaubt, dass Jamie sie beachten soll.«

Er lachte, und sein feistes Gesicht, das schon von der Hitze gut durchblutet war, lief unter seiner Perücke noch röter an.

»Ich wünsche Gerechtigkeit, Ma’am; den Sturz der Tyrannen und den Sieg der Freiheit«, sagte er. »Das ist die Pflicht jedes aufrechten Mannes.«

… sondern die Freiheit – nur um sie, die kein aufrechter Mann aufgibt, koste es ihn auch das Leben selbst. Die Zeile hallte in meinem Kopf wider und musste in meinem Gesicht zu lesen sein, denn er musterte mich scharf.

»Ich schätze Euren Gatten zutiefst, Ma’am«, sagte er leise. »Ihr werdet ihm doch ausrichten, was ich gesagt habe?« Er verbeugte sich und wandte sich ab, ohne mein Kopfnicken abzuwarten.

Er hatte die Stimme nicht gesenkt, als er von Tyrannen und Freiheit sprach; ich sah, wie sich ringsum die Köpfe wandten und sich die Männer hier und dort dichter umeinanderdrängten und ihm murmelnd nachsahen.

Dadurch abgelenkt, trank ich einen Schluck des Zitronengebräus und war nun gezwungen, ihn auch hinunterzuschlucken. Ich wandte mich suchend nach Jamie um. Er stand nach wie vor bei Allan MacDonald, war aber ein wenig beiseitegetreten und unterhielt sich unter vier Augen mit Major MacDonald.

Die Dinge kamen viel schneller ins Rollen, als ich gedacht hatte. Ich hatte vermutet, die republikanischen Sympathisanten seien in diesem Teil der Kolonie noch eine Minderheit, doch wenn Forbes bei einer öffentlichen Zusammenkunft so offen sprach, mussten sie offensichtlich an Boden gewinnen.

Ich drehte mich wieder zurück, um dem Anwalt nachzublicken, und sah, wie sich zwei Männer vor ihm aufbauten, deren Gesichter vor Wut und Argwohn verzerrt waren. Ich war zu weit entfernt, um zu hören, was sie sagten, aber ihre Körperhaltung und ihre Mienen sprachen für sich. Es kam zu einem zunehmend erhitzten Wortwechsel, und ich spähte in Jamies Richtung; das letzte Mal, als ich einem solchen Empfang auf River Run beigewohnt hatte, im Vorfeld des Regulatorenkriegs, war es zu einem Handgemenge auf dem Rasen gekommen, und ich hatte sehr das Gefühl, dass sich Ähnliches möglicherweise erneut anbahnte. Alkohol, Hitze und Politik konnten in jeder Menschenansammlung Explosionen hervorrufen, erst recht in einer, die zum Großteil aus Highlandern bestand.

Möglicherweise wäre es zu einer solchen Explosion gekommen – es scharten sich immer mehr Männer um Forbes und seine beiden Gegner und ballten einsatzbereit die Fäuste –, wäre auf der Terrasse nicht Jocastas riesiger Gong ertönt, so dass alles erstaunt aufblickte.

Der Major stand mit erhobenen Händen auf einem umgedrehten Tabakfass und strahlte die Massen an. Sein Gesicht war rot vor Hitze, Bier und Begeisterung.

»Ceud mile fàilte!«, rief er und wurde von tosendem Applaus begrüßt. »Und ein hunderttausendfaches Willkommen unseren verehrten Gästen!«, fuhr er auf Gälisch fort und wies mit einer ausladenden Geste auf die MacDonalds, die jetzt Seite an Seite neben ihm standen und den Beifall kopfnickend und lächelnd entgegennahmen. Ihrem Verhalten nach waren sie eine derartige Aufnahme gewohnt.

Mrs. Flora strahlte in die Menge, die en masse zurückstrahlte und sich auf der Stelle beruhigte, um sie hören zu können.

Sie hatte eine klare, helle Stimme und war es offensichtlich gewohnt, vor Publikum zu sprechen – höchst ungewöhnlich für eine Frau dieser Zeit. Ich war zu weit entfernt, um jedes Wort zu hören, hatte aber keine Probleme damit, den Sinn ihrer Rede zu erfassen.

Nachdem sie sich freundlich bei ihren Gastgebern bedankt hatte, bei der schottischen Gemeinschaft, die ihre Familie so warm und großzügig willkommen geheißen hatte, und bei den Gästen, begann sie mit einer ernsten Ermahnung wider ein Phänomen, das sie Parteigeist nannte, und drängte ihre Zuhörer, sich zusammenzuschließen, um diese gefährliche Bewegung zu unterdrücken, die zwangsläufig zu großer Unruhe führen musste und den Frieden und den Wohlstand bedrohte, zu dem es so viele von ihnen in diesem schönen Land gebracht hatten, nachdem sie alles dafür riskiert hatten.

Und sie hatte, wie ich mit einem leisen Schock begriff, völlig recht. Ich hatte Brianna und Roger darüber diskutieren hören – warum überhaupt Highlander, die unter englischer Herrschaft Derartiges durchgemacht hatten, auf Seiten der Engländer gekämpft hatten, was ja viele von ihnen schließlich taten.

»Weil«, hatte Roger geduldig gesagt, »sie etwas zu verlieren und verdammt wenig zu gewinnen hatten. Und ausgerechnet sie wussten nun wirklich genau, wie es war, gegen die Engländer zu kämpfen. Glaubst du, die Leute, die Cumberlands ›Befriedung‹ der Highlands überlebt, es bis nach Amerika geschafft und ihr Leben aus dem Nichts wieder aufgebaut haben, brennen darauf, all das noch einmal durchzumachen?«

»Aber sie wollen doch sicher für die Freiheit kämpfen«, hatte Brianna eingewandt. Er warf ihr einen zynischen Blick zu.

»Sie haben doch Freiheit; viel mehr, als sie aus Schottland kannten. Im Fall eines Krieges laufen sie Gefahr, sie erneut zu verlieren – und das wissen sie sehr gut. Und dann«, fügte er hinzu, »haben sie natürlich fast alle einen Treueeid auf die Krone geschworen. Den würden sie niemals leichtfertig brechen – schon gar nicht für etwas, was aussieht wie ein weiterer hysterischer – und zweifellos kurzlebiger – politischer Aufruhr. Es ist wie –« Er hatte die Stirn gerunzelt, als er nach einem passenden Vergleich suchte.

»Wie bei den Black Panthers oder der Bürgerrechtsbewegung. Jeder konnte sehen, dass es um eine idealistische Sache ging – aber der Großteil der Mittelschicht fand das Ganze bedrohlich oder angsteinflößend und wünschte, es würde sich einfach in Luft auflösen, damit sie in Frieden leben konnten.«

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