Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Hast du irgendetwas von dem armen Manfred gehört?«
»Der arme Manfred, wie?« Er schnaubte zynisch.
»Nun, er mag ja ein unmoralischer junger Hund sein und jede Menge Ärger verursacht haben – aber das bedeutet nicht, dass er dafür sterben sollte.«
Er sah mich an, als teilte er diese Überzeugung nicht vorbehaltlos, ließ die Angelegenheit jedoch ruhen und berichtete nur, dass er sich umgehört hatte, bis jetzt aber ergebnislos.
»Aber er wird schon auftauchen«, versicherte er mir. »Wahrscheinlich dort, wo es am unpassendsten ist.«
»Oh! Oh! Oh! Dass ich das noch erleben durfte! Ich danke Euch, Sir, ich danke Euch so sehr!« Es war Mrs. Bug, rot vor Hitze, Bier und Glück. Sie fächerte sich so heftig Luft zu, dass sie fast platzte. Jamie lächelte sie an.
»Konntet Ihr denn alles hören, mo chridhe?«
»O ja, das konnte ich, Sir!«, versicherte sie ihm inbrünstig. »Jedes Wort! Arch hat einen wunderbaren Platz für mich gefunden, direkt neben einem der Blumenkübel, wo ich gut hören konnte, ohne zertrampelt zu werden.« Sie war fast gestorben vor Aufregung, als Jamie ihr angeboten hatte, sie zu dem Empfang mitzunehmen. Arch war natürlich sowieso dabei, um in Cross Creek Besorgungen zu erledigen, aber Mrs. Bug hatte Fraser’s Ridge seit ihrer Ankunft vor mehreren Jahren nicht mehr verlassen.
Trotz meiner Unruhe über die durch und durch loyalistische Atmosphäre, die uns umgab, war ihr unbändiges Entzücken ansteckend, und ich ertappte mich dabei, dass ich lächelte. Jamie und ich wechselten uns dabei ab, ihre Fragen zu beantworten – sie hatte noch nie schwarze Sklaven aus der Nähe gesehen und fand sie schön und exotisch. Waren sie sehr teuer? Und musste man ihnen beibringen, Kleider zu tragen und richtig zu sprechen? Denn sie hatte gehört, Afrika sei ein heidnischer Kontinent, wo die Menschen splitternackt herumliefen und sich gegenseitig mit Speeren umbrachten, wie man es mit einem Wildschwein machte. Und wo gerade von Nackten die Rede war – war diese Soldatenstatue auf dem Rasen nicht schockierend? Ohne einen Fetzen am Leib, hinter seinem Schild! Und warum lag nur dieser Frauenkopf zu seinen Füßen? Und hatte ich ihn mir angesehen – ihr Haar war so gemeißelt, dass es wie Schlangen aussah – ausgerechnet! Und wer war Hector Cameron, dessen Grabmal dies hier war? Und aus weißem Marmor, genau wie die Grabmäler in Holyrood, man stelle sich das vor! Oh, Mrs. Innes’ verstorbener Ehemann? Und wann hatte sie denn Duncan geheiratet, den sie bereits kennengelernt hatte, was für ein lieber, gütiger Mann er doch war, was für eine Schande, dass er seinen Arm verloren hatte, war das in einer Schlacht geschehen? Und – oh, da! Mrs. MacDonalds Ehemann – und was für ein stattlicher Mann er war – würde ebenfalls eine Rede halten!
Jamie warf einen gottergebenen Blick zur Terrasse. Tatsächlich, Allan MacDonald stellte sich … nur auf einen Hocker; zweifellos erschien ihm das Fass ein wenig extrem, und eine Reihe von Leuten – viel weniger, als seiner Frau zugehört hatten, aber zumindest noch eine respektable Anzahl – sammelten sich gebannt um ihn.
»Wollt Ihr nicht mitkommen und ihm zuhören?« Mrs. Bug war bereits in Bewegung und schwebte geradezu über dem Boden wie eine Hummel.
»Ich kann ihn von hier aus gut hören«, versicherte ihr Jamie. »Geht nur, a nighean.«
Sie schwebte davon und summte vor Aufregung. Jamie hielt sich vorsichtig beide Hände an die Ohren, als wollte er sich überzeugen, dass sie noch fest saßen.
»Es war lieb von dir, sie mitzunehmen«, sagte ich lachend. »Die alte Schachtel hat sich wahrscheinlich seit einem halben Jahrhundert nicht mehr so gut amüsiert.«
»Nein«, sagte er grinsend. »Wahrscheinlich wird sie –«
Er hielt abrupt inne und runzelte die Stirn, weil ihm hinter mir etwas ins Auge fiel. Ich drehte mich um und folgte seiner Blickrichtung, doch er war bereits an mir vorbei, und ich beeilte mich, um ihn einzuholen.
Es war Jocasta, weiß wie Milch und so verwirrt, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Sie stand unsicher schwankend in der Seitentür und wäre womöglich hingefallen, wenn Jamie nicht zu ihr getreten wäre und sie rasch gepackt hätte, indem er ihr den Arm um die Taille legte, um sie zu stützen.
»Himmel, Tante Jocasta. Was ist denn?« Er sprach leise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, und ging dabei mit ihr zurück ins Haus.
»O Gott, o gütiger Gott, mein Kopf«, flüsterte sie und breitete die Hand über ihr Gesicht wie eine Spinne, so vorsichtig, dass ihre Finger die Haut kaum berührten und ihr linkes Auge bedeckt war. »Mein Auge.«
Die Leinenbinde, die sie in der Öffentlichkeit über den Augen trug, war zerknittert und hatte feuchte Flecken; Tränen liefen darunter hervor, aber sie weinte nicht. Lakrimation; das eine Auge tränte heftig. Beide Augen nässten, das linke jedoch sehr viel schlimmer; hier war der Rand der Leinenbinde nass, und Feuchtigkeit glänzte auf ihrer Wange.
»Ich muss ihr Auge untersuchen«, sagte ich zu Jamie. Ich berührte seinen Ellbogen und sah mich vergeblich nach einem der Bediensteten um. »Bring sie in ihr Wohnzimmer.« Es lag uns am nächsten, und sämtliche Gäste waren entweder draußen oder tapsten durch den Salon, um den Spiegel des Prinzen zu besichtigen.
»Nein!« Es war fast ein Schrei. »Nein, nicht dorthin!«
Jamie sah mich an und zog eine Augenbraue verwundert hoch, sprach aber beruhigend auf sie ein.
»Nein, Tante Jocasta, es ist ja schon gut. Ich bringe dich auf dein eigenes Zimmer. Dann komm.« Er bückte sich und hob sie hoch, als sei sie ein Kind, und ihre Seidenröcke fielen ihm mit dem Geräusch rauschenden Wassers über den Arm.
»Bring sie nach oben; ich komme sofort.« Ich hatte gerade gesehen, wie die Sklavin namens Angelina den Flur am anderen Ende überquerte, und beeilte mich, sie einzuholen. Ich erteilte ihr meine Anweisungen, dann eilte ich zur Treppe zurück – und hielt unterwegs kurz inne, um einen Blick in das kleine Wohnzimmer zu werfen.
Es war niemand dort, obwohl die im ganzen Zimmer verstreuten Punschbecher und der starke Pfeifentabaksgeruch darauf hindeutete, dass Jocasta vor nicht allzu langer Zeit dort Hof gehalten hatte. Ihr Handarbeitskorb stand offen, eine angefangene Strickarbeit hing halb heraus und baumelte verlassen wie ein totes Kaninchen über seinen Rand.
Kinder vielleicht, dachte ich; es waren auch mehrere Wollknäuel herausgezogen und lagen verstreut und ausgerollt auf dem Parkettboden. Ich zögerte – kam aber nicht gegen meinen Instinkt an, und so hob ich die Knäuel hastig auf und ließ sie wieder in den Korb fallen. Ich stopfte die Strickarbeit obenauf, riss meine Hand aber mit einem Ausruf zurück.
Aus einem kleinen Schnitt an der Seite meines Daumens quoll Blut. Ich steckte ihn in den Mund und sog fest daran, um Druck auf die Wunde auszuüben; unterdessen tastete ich mit der anderen Hand vorsichtig in den Tiefen des Korbs herum, um zu sehen, woran ich mich geschnitten hatte.
Ein Messer, klein, aber praktisch. Wahrscheinlich diente es zum Abschneiden von Stickgarn; seine Lederscheide lag lose am Boden des Korbs. Ich ließ das Messer in seine Scheide zurückgleiten, ergriff das Nadeletui, das ich eigentlich gesucht hatte, und schloss den Faltdeckel des Korbs, bevor ich zur Treppe hastete.
Allan MacDonald hatte eine kurze Atempause in seiner Ansprache eingelegt; draußen erschollen lautes Klatschen und gälische Beifallsrufe.
»Verdammte Schotten«, murmelte ich vor mich hin. »Lernt ihr eigentlich nie?«
Doch ich hatte keine Zeit, um über die möglichen Folgen der Unruhestiftung durch die MacDonalds nachzudenken. Als ich das obere Ende der Treppe erreichte, folgte mir ein Sklave, der unter dem Gewicht meiner Arzttruhe ächzte, dicht auf dem Fuße, eine andere Sklavin machte sich gerade unten vor der Küche etwas vorsichtiger mit einer Schüssel heißen Wassers auf den Weg.
Jocasta saß vornübergekrümmt auf ihrem großen Sessel und stöhnte. Ihre Lippen waren so fest zusammengepresst, dass sie nicht zu sehen waren. Ihre Haube hatte sich gelöst, und sie fuhr sich unablässig mit beiden Händen durch das wirre Haar, als suchte sie hilflos nach etwas, woran sie sich festhalten konnte. Jamie strich ihr über den Rücken und murmelte auf Gälisch auf sie ein; bei meinem Eintreten blickte er sichtlich erleichtert auf.