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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Sie blickte erwartungsvoll auf, sah mir direkt in die Augen, blinzelte, und ihr Lächeln verblasste kurz. Eine Sekunde später war es wieder da, und sie verbeugte sich vor mir und ich mich vor ihr, doch ich fragte mich, was sie in meinem Gesicht gesehen hatte.

Sie wandte sich jedoch sofort ab, um Jocasta zu begrüßen und ihr ihre erwachsenen Töchter Anne und Fanny vorzustellen, ihren Sohn, ihren Schwiegersohn – und bis sie mit dieser verwirrenden Begrüßung fertig war, hatte sie sich wieder vollständig unter Kontrolle und begrüßte mich mit einem charmanten, sanften Lächeln.

»Mrs. Fraser! Welche Freude, Euch endlich zu begegnen. Ich habe so viel von Eurer Güte und Eurem Können gehört, dass ich gestehe, dass mich Eure Gegenwart mit Ehrfurcht erfüllt.«

Dies sagte sie mit solcher Wärme und Aufrichtigkeit – und sie fasste mich an den Händen –, dass ich mich dabei ertappte, es ihr abzunehmen, trotz der zynischen Frage in meinem Hinterkopf, mit wem sie sich wohl über mich unterhalten hatte. Ich war in Cross Creek und Campbelton berüchtigt, wurde aber keinesfalls von aller Welt gepriesen.

»Ich hatte die Ehre, auf dem Subskriptionsball, den man in Wilmington für uns abgehalten hat, Dr. Fentimans Bekanntschaft zu machen – so gütig, so erstaunlich gütig von allen! Man hat uns seit unserer Ankunft so gut behandelt – und er war ganz hingerissen von Eurer –«

Ich hätte gern gehört, was Fentiman hingerissen hatte – unser Verhältnis war unverdrossen von einem gewissen Argwohn geprägt, wenn wir auch ein Einvernehmen erreicht hatten –, aber an diesem Punkt flüsterte ihr Mann ihr etwas ins Ohr und wollte sie Farquard Campbell und einer Reihe anderer prominenter Herren vorstellen, und sie drückte mir mit bedauernd verzogenem Gesicht die Hände und wandte sich ab, nachdem sie ihr strahlendes öffentliches Lächeln wieder aufgesetzt hatte.

»Ha«, sagte Brianna sotto voce. »Ein Glück für sie, dass sie noch fast alle Zähne hat.«

Genau das hatte ich gerade ebenfalls gedacht, und ich lachte und ging dann hastig zu einem Hustenanfall über, als ich merkte, dass Jocasta uns abrupt den Kopf zuwandte.

»Das ist sie also.« Ian war an der anderen Seite neben mich getreten und beobachtete den Ehrengast mit einer Miene höchsten Interesses. Er war für diesen Anlass mit Kilt, Weste und Rock bekleidet und hatte sein braunes Haar ordentlich geflochten, so dass er völlig zivilisiert aussah, bis auf die Tätowierungen, die sich über seine Wangenknochen und seinen Nasenrücken zogen.

»Das ist sie«, bestätigte Jamie. »›Fionnaghal‹ – die Schöne.« Es lag ein überraschender Unterton der Nostalgie in seiner Stimme, und ich sah ihn erstaunt an.

»Nun, so heißt sie in Wirklichkeit«, sagte er geduldig. »Fionnaghal. Nur die Engländer nennen sie Flora.«

»Warst du etwa in sie verknallt, als du klein warst, Pa?«, fragte Brianna lachend.

»Was?«

»Ob du zärtliche Gefühle für sie gehegt hast«, sagte ich und klimperte ihn über meinen Fächer hinweg geziert mit den Wimpern an.

»Och, seid doch nicht dumm!«, brummte er. »Ich war sieben Jahre alt, zum Kuckuck!« Dennoch waren seine Ohrenspitzen rot angelaufen.

»Ich war verliebt, als ich sieben war«, merkte Ian sehr verträumt an. »In die Köchin. Hast du gehört, wie Ulysses gesagt hat, dass sie einen Spiegel mitgebracht hat, Onkel Jamie? Prinz Tearlach hat ihn ihr geschenkt, und auf der Rückseite ist sein Wappen. Ulysses hat ihn in den Salon gebracht und lässt ihn von zwei Stallknechten bewachen.«

Und wirklich, wer sich nicht in dem Menschenstrudel befand, der die MacDonalds umgab, schob sich durch die Flügeltüren ins Innere des Hauses, wo sich im Flur eine lebhaft plaudernde Warteschlange bildete, die bis in den Salon reichte.

»Seaumais!«

Jocastas gebieterische Stimme setzte den Neckereien ein Ende. Jamie warf Brianna einen strengen Blick zu und trat dann zu seiner Tante. Duncan wurde von einem kleinen Pulk bedeutender Männer aufgehalten, die in ein Gespräch vertieft waren – ich erkannte den Anwalt Neil Forbes neben Cornelius Harnett und Oberst Moore – und Ulysses war nirgendwo in Sicht – zweifellos kümmerte er sich hinter den Kulissen um die Logistik eines Barbecues für zweihundert Personen – so dass Jocasta vorübergehend auf sich gestellt war. Sie legte Jamie die Hand auf den Arm und schwebte von der Terrasse her auf Allan MacDonald zu, der durch die wogende Menge von seiner Frau getrennt worden war und mit leicht beleidigter Miene unter einem Baum stand.

Ich sah zu, wie sie über den Rasen schritten, und amüsierte mich über Jocastas Gespür für große Auftritte. Ihre Leibdienerin Phaedre folgte ihr pflichtbewusst – sie hätte ihre Herrin genauso gut führen können. Doch das hätte ganz und gar nicht dieselbe Wirkung gehabt. Wo die beiden zusammen auftauchten, wandten sich die Köpfe – Jocasta hochgewachsen und schlank, anmutig trotz ihres Alters und auffallend mit ihrem hoch aufgesteckten weißen Haar und ihrem blauen Seidenkleid, Jamie mit seiner Wikingergröße und dem leuchtend roten Fraser-Tartan, beide mit ihren kühnen MacKenzie-Zügen und ihrer katzenhaften Eleganz.

»Colum und Dougal wären stolz auf ihre kleine Schwester«, sagte ich und schüttelte den Kopf.

»Oh, aye?«, sagte Ian geistesabwesend, ohne mir zuzuhören. Sein Blick hing immer noch an Flora MacDonald, die gerade unter allgemeinem Applaus von einem der Enkelkinder Farquard Campbells einen Blumenstrauß entgegennahm.

»Du bist doch nicht eifersüchtig, oder, Mama?«, hänselte mich Brianna, als sie mich in dieselbe Richtung blicken sah.

»Mit Sicherheit nicht«, sagte ich mit einem gewissen Maß an Selbstzufriedenheit. »Ich habe schließlich auch noch alle Zähne.«

Im ersten Gedränge hatte ich ihn ganz übersehen, doch auch Major MacDonald befand sich unter den Festgästen. In seinem leuchtend roten Uniformrock und seinem neuen, reich mit Goldlitze verzierten Hut sah er wirklich blendend aus. Diesen zog er nun und verbeugte sich tief vor mir. Dabei sah er fröhlich drein – zweifellos, weil ich keinerlei lebende Tiere in meiner Begleitung hatte, denn Adso und die weiße Sau befanden sich sicher in Fraser’s Ridge.

»Euer Diener, Ma’am«, sagte er. »Ich habe beobachtet, dass Ihr ein paar Worte mit Miss Flora gewechselt habt – wie charmant sie ist, nicht wahr? Und eine so lebendige und schöne Frau dazu.«

»Das ist sie, in der Tat«, pflichtete ich ihm bei. »Dann kennt Ihr sie also?«

»Oh, aye«, sagte er, und ein Ausdruck tiefster Genugtuung breitete sich über sein wettergegerbtes Gesicht. »Ich würde es nicht wagen zu behaupten, dass es Freundschaft ist – aber ich glaube, ich darf bescheiden sagen, dass wir Bekannte sind. Ich habe Mrs. MacDonald und ihre Familie aus Wilmington hierher begleitet und hatte die große Ehre, ihnen beim Arrangement ihrer gegenwärtigen Situation behilflich zu sein.«

»Ach, wirklich?« Ich betrachtete ihn interessiert. Der Major war kein Mensch, der sich durch Prominenz beeindrucken ließ. Er war allerdings ein Mensch, der ihren Nutzen zu schätzen wusste. Gouverneur Martin offenbar ebenfalls.

Gerade beobachtete der Major Flora MacDonald voll Besitzerstolz und nahm zufrieden zur Kenntnis, wie sich die Menschen um sie drängten.

»Sie hat sich großzügigerweise bereit erklärt, heute eine Ansprache zu halten«, sagte er zu mir und lehnte sich ein wenig zurück. »Was glaubt Ihr, Ma’am, wo der beste Platz dafür wäre? Von der Terrasse aus, weil sie am höchsten gelegen ist? Oder vielleicht neben der Statue auf dem Rasen, weil die Leute sie dort umringen können und damit die Chancen steigen, dass jeder sie hören kann?«

»Ich glaube, sie bekommt einen Sonnenstich, wenn Ihr sie bei diesem Wetter auf den Rasen stellt«, sagte ich und schob mir meinen breitkrempigen Strohhut so zurecht, dass sein Schatten auf meine Nase fiel. Es war über dreißig Grad warm, und die Luftfeuchtigkeit war hoch, so dass mir meine dünnen Unterröcke feucht an den Beinen klebten. »Was für eine Ansprache wird sie denn halten?«

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