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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Rand starrte sie an. Das mußte Elaida sein, die Aes Sedai. Plötzlich war er froh, daß er sich nicht um Hilfe an sie gewandt hatte, ganz gleich, welcher Ajah sie angehörte. Sie strahlte eine Strenge weit jenseits der Morgases aus. Er hatte sich manchmal Moiraine als Stahl vorgestellt, der mit Samt überzogen war; bei Elaida war der Samt nur eine Illusion.

»Genug, Elaida«, sagte Morgase und runzelte zweifelnd die Stirn. »Das hat sie mehr als einmal zu hören bekommen. Das Rad webt, wie das Rad will.« Einen Augenblick lang schwieg sie und sah ihre Tochter an. »Kommen wir zu dem Fall dieses jungen Mannes« — sie deutete auf Rand, ohne ihren Blick von Elaynes Gesicht zu wenden — »wie und warum er hierherkam und warum du ihm deinem Bruder gegenüber Gastrecht gewährt hast.«

»Darf ich sprechen, Mutter?« Als Morgase zustimmend nickte, erzählte Elayne in einfachen Worten, was vorgefallen war, und zwar von dem Moment an, als sie Rand zuerst dabei beobachtete, wie er den Abhang zur Mauer hinaufgeklettert war. Er erwartete, daß sie damit enden würde, die Unschuld seiner Handlungen zu beteuern, doch statt dessen sagte sie: »Mutter, du sagst mir oft, daß ich unser Volk kennenlernen muß, die einfachen Menschen wie die hochgestellten, aber wann immer ich welche von ihnen treffe, stehen ein Dutzend Bedienstete daneben. Wie kann ich unter solchen Umständen erfahren, was wahr und wirklich ist? Im Gespräch mit diesem jungen Mann habe ich bereits mehr über die Menschen der Zwei Flüsse erfahren, welcher Menschenschlag sie sind, als ich jemals aus Büchern lernen könnte. Es sagt doch einiges aus, daß er von so weit herkommt und Rot trägt, wo so viele andere Neuankömmlinge aus Angst Weiß tragen. Mutter, ich bitte dich, einen treuen Untertanen nicht zu mißbrauchen, der mich viel über die Menschen gelehrt hat, die du regierst.«

»Ein treuer Untertan von den Zwei Flüssen«, seufzte Morgase. »Mein Kind, du solltest mehr auf diese Bücher geben. In den Zwei Flüssen war seit sechs Generationen kein Steuereintreiber mehr und die königliche Garde hat die Gegend seit sieben Generationen nicht mehr besucht. Ich wage zu behaupten, daß sie sich nicht einmal mehr daran erinnern, ein Teil des Reiches zu sein.« Rand zuckte unangenehm berührt die Achseln, als er sich an seine Überraschung erinnerte, nachdem man ihm erzählt hatte, die Zwei Flüsse seien ein Teil des Reiches von Andor. Die Königin bemerkte seine Geste und lächelte ihre Tochter bedauernd an: »Siehst du, Kind?«

Elaida hatte ihr Strickzeug weggelegt und musterte ihn, wie Rand jetzt bemerkte. Sie erhob sich von ihrem Hocker und trat langsam vom Podest herunter auf ihn zu. »Von den Zwei Flüssen?« fragte sie. Sie streckte eine Hand nach seinem Kopf aus. Er zuckte vor ihrer Berührung zurück, und sie ließ die Hand fallen. »Bei dem Rot seiner Haare und den grauen Augen? Die Menschen von den Zwei Flüssen haben dunkle Haare und Augen und sie werden selten so groß.« Ihre Hand schoß heraus und schob den Ärmel seines Mantels hoch. Seine Haut war hell und zeigte, daß sie nicht oft der Sonne ausgesetzt gewesen war. »Noch haben sie eine solche Hautfarbe.«

Es kostete ihn Mühe, nicht die Fäuste zu ballen. »Ich bin in Emondsfeld geboren«, sagte er steif. »Meine Mutter war Ausländerin, daher habe ich diese Augen. Mein Vater ist Tam al'Thor, ein Schäfer und Bauer, genau wie ich es bin.«

Elaida nickte bedächtig, sah ihm aber weiterhin ins Gesicht. Er begegnete ihrem Blick mit einer Ruhe, die das saure Gefühl in seinem Magen Lügen strafte. Er sah, daß sie seinen festen Blick wohl bemerkte. Sie sah ihm immer noch in die Augen und streckte langsam wieder die Hand nach ihm aus. Er beschloß, diesmal nicht zurückzuweichen.

Es war sein Schwert, das sie berührte, und nicht er. Ihre Hand umschloß den Knauf ganz oben am Ende. Ihre Finger verkrampften sich, und sie machte vor Überraschung große Augen. »Ein Schäfer von den Zwei Flüssen«, sagte sie leise in einem Flüsterton, den trotzdem alle verstehen sollten, »mit einem Schwert, das ein Reiherzeichen trägt.«

Diese wenigen letzten Worte hinterließen im Raum eine Wirkung, als habe sie das Kommen des Dunklen Königs gemeldet. Hinter Rand knarrten Leder und Metall, und Stiefel schoben sich über Marmorplatten. Aus dem Augenwinkel konnte er erkennen, wie sich Tallanvor und ein anderer Gardesoldat ein Stück von ihm entfernten, um Raum zu gewinnen, die Hände an den Schwertern, bereit, zu ziehen und, nach ihren Gesichtern zu schließen, zu sterben. Mit zwei schnellen Schritten stand Gareth Bryne vor dem Podest — zwischen Rand und der Königin. Selbst Gawyn schob sich mit einem besorgten Blick und einer Hand am Dolch vor Elayne. Elayne selbst blickte ihn an, als sehe sie ihn zum ersten Mal. Morgases Gesichtsausdruck änderte sich nicht, aber ihre Hände strafften sich um die vergoldeten Armlehnen ihres Throns.

Nur Elaida zeigte eine noch geringere Reaktion als die Königin. Die Aes Sedai tat so, als habe sie nichts Außergewöhnliches gesagt. Sie nahm ihre Hand vom Schwert, was die Soldaten offensichtlich in noch größere Spannung versetzte. Ihre Augen blickten ihn unverwandt an, unbeeindruckt und berechnend.

»Sicher«, sagte Morgase mit gleichmäßig ruhiger Stimme, »ist er zu jung, um sich eine Klinge mit Reiherzeichen verdient zu haben. Er kann nicht älter als Gawyn sein.«

»Es gehört zu ihm«, sagte Gareth Bryne.

Die Königin blickte ihn überrascht an. »Wie kann das sein?«

»Ich weiß nicht, Morgase«, sagte Bryne bedächtig. »Er ist zu jung, aber trotzdem gehört es zu ihm und er zu dem Schwert. Seht seine Augen an. Seht, wie er dasteht, wie das Schwert ihn ergänzt und er das Schwert. Er ist zu jung, aber das Schwert ist sein.«

Als der Generalhauptmann wieder schwieg, fragte Elaida: »Wie bist du an diese Klinge gekommen, Rand al'Thor von den Zwei Flüssen?« Sie brachte es so heraus, als zweifle sie sowohl an seinem Namen als auch an dem Ort seiner Herkunft.

»Mein Vater hat es mir gegeben«, sagte Rand. »Es war seines. Er dachte, draußen in der Welt benötigte ich ein Schwert.«

»Also noch ein Schäfer von den Zwei Flüssen mit einem Reiherschwert.« Elaidas Lächeln ließ seinen Mund austrocknen. »Wann bist du in Caemlyn angekommen?«

Er hatte es satt, dieser Frau die Wahrheit zu sagen. Er hatte vor ihr genausoviel Angst wie vor einem Schattenfreund. Es war Zeit, die Wahrheit wieder zu verbergen. »Heute«, sagte er. »Heute morgen.«

»Gerade rechtzeitig«, murmelte sie. »Wo wohnst du? Behaupte nicht, du hättest nicht irgendwo ein Zimmer gefunden. Du siehst ein wenig angegriffen aus, aber du hattest Gelegenheit, dich zu waschen. Wo?«

»Im Gasthaus Krone und Löwe.« Er erinnerte sich daran, an einer Schenke dieses Namens vorbeigekommen zu sein, als er Der Königin Segen suchte. Sie lag in der Neustadt auf der entgegengesetzten Seite von Meister Gills Schenke. »Dort habe ich ein Bett oben unter dem Dach.«

Er hatte das Gefühl, sie wisse, daß er log, aber sie nickte nur.

»Ist das nun ein Zufall?« sagte sie. »Heute bringt man den Ungläubigen nach Caemlyn. In zwei Tagen wird man ihn nach Norden, nach Tar Valon, führen, und die Tochter-Erbin reist mit, um dort ausgebildet zu werden. Und gerade an diesem Wendepunkt taucht ein junger Mann im Palastgarten auf und behauptet, ein treuer Untertan von den Zwei Flüssen zu sein... «

»Ich komme von den Zwei Flüssen!« Sie sahen ihn alle an, und doch beachteten sie ihn nicht. Alle außer Tallanvor und seinen Soldaten; deren Augen waren starr auf ihn gerichtet. »... und erzählt eine Geschichte, um Elayne zu umgarnen. Außerdem trägt er ein Schwert mit dem Reiherzeichen. Er besitzt weder Armbinde noch Abzeichen, um seine politische Bindung zu zeigen, dafür aber wickelt er das Schwert rot ein und verbirgt sorgfältig den Reiher vor neugierigen Blicken. Ist das ein Zufall, Morgase?«

Die Königin bedeutete dem Generalhauptmann, zur Seite zu gehen, und dann musterte sie Rand mit besorgtem Blick. Sie sprach dann allerdings Elaida an: »Als was willst du ihn bezeichnen? Schattenfreund? Einer von Logains Anhängern?«

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