Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand gratulierte sich schon selbst, daß ihm alles so gut gelang, da bemerkte er, daß Tallanvor — immer noch mit gesenktem Kopf — ihn unter seinem Visier hindurch von der Seite her wütend anblitzte. Hätte ich etwas anders machen sollen? Er ärgerte sich, daß Tallanvor von ihm erwartete, er wisse, wie er sich verhalten solle, obwohl niemand es ihm gesagt hatte. Und er ärgerte sich, daß er Angst vor den Gardesoldaten hatte. Er hatte nichts getan, vor dessen Folgen er sich fürchten mußte. Er wußte, daß Tallanvor nicht an seiner Angst schuld war, aber trotzdem war er wütend auf ihn.
Alle blieben wie zu Eisklötzen erstarrt in Position, als warteten sie auf das Tauwetter. Er wußte nicht, worauf sie warteten, aber er benützte die Gelegenheit, den Saal zu betrachten, in den man ihn gebracht hatte. Er behielt den Kopf unten und drehte sich nur genug, um alles sehen zu können. Tallanvors Gesicht wurde noch wütender, doch das ignorierte er.
Der quadratische Raum war etwa so groß wie der Schankraum in Der Königin Segen. Die Wände waren mit Reliefs auf Stein vom reinsten Weiß geschmückt, die Jagdszenen darstellten. Die Wandbehänge dazwischen wirkten mit ihren Bildern leuchtender Blumen und Kolibris mit glänzenden Federn sehr sanft, mit zwei Ausnahmen am hinteren Ende des Raums, auf denen der Weiße Löwe von Andor einen Mann auf scharlachrotem Feld überragte. Diese beiden rahmten ein Podest ein, und auf diesem Podest stand ein geschnitzter und vergoldeter Thron. Darauf saß die Königin. Ein derber, stämmiger Mann ohne Kopfbedeckung stand zur rechten Seite der Königin. Er trug das Rot der königlichen Garde und vier goldene Knoten auf der Schulter seines Umhangs. Das Weiß seiner Manschetten wurde von breiten Goldstreifen unterbrochen. Seine Schläfen zeigten viel Grau, doch er wirkte so stark und standhaft wie ein Fels. Das mußte Generalhauptmann Gareth Bryne sein. Auf der anderen Seite saß hinter dem Thron auf einem niedrigen Hocker eine Frau in tiefgrüner Seide und strickte etwas aus dunkler, fast schwarzer Wolle. Zuerst dachte Rand — des Strickens wegen — sie sei alt, aber auf den zweiten Blick hin konnte er sie überhaupt keiner Altersstufe mehr zuordnen. Jung, alt, er wußte es nicht. Ihre Aufmerksamkeit schien ausschließlich ihren Stricknadeln und dem Garn zu gelten, gerade so, als ob sich in Armlänge vor ihr gar keine Königin befände. Sie war eine gutaussehende Frau, nach außen ruhig, doch in ihrer Konzentration lag etwas Unheimliches. Man hörte keinen Laut im Raum außer dem Klicken ihrer Nadeln.
Er bemühte sich, alles zu sehen, aber sein Blick kehrte immer wieder zu der Frau zurück, die einen schimmernden Kranz feingewirkter Rosen auf der Stirn trug — die Rosenkrone von Andor. Eine lange rote Schärpe, über deren ganze Länge der Löwe von Andor marschierte, war um ihr Seidenkleid mit den roten und weißen Falten geschlungen, und als sie mit der linken Hand den Arm des Generalhauptmannes berührte, glitzerte daran ein Ring in Form der Großen Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlang. Aber es war nicht die Pracht ihrer Kleidung, die Rands Blicke wieder und wieder anzog: es war die Frau, die sie trug.
In Morgase zeigte sich die Schönheit ihrer Tochter, nur gereift und erwachsen. Ihr Gesicht, ihre Figur, ihre Gegenwart, beherrschten den Raum wie ein Licht, das die anderen neben ihr überstrahlte. Wäre sie eine Witwe in Emondsfeld gewesen, hätten die Freier bei ihr bis vor die Tür Schlange gestanden, selbst wenn sie die schlechteste Köchin und die schlampigste Hausfrau der ganzen Zwei Flüsse gewesen wäre. Er sah, daß sie ihn betrachtete, und duckte sich. Er fürchtete, sie könne seine Gedanken von seinem Gesicht ablesen. Licht, ich denke an die Königin, als sei sie eine Frau aus dem Dorf! Narr!
»Ihr mögt Euch erheben«, sagte Morgase mit voller, warmer Stimme, in der die Sicherheit des Gehorsams noch hundertmal stärker als bei Elayne mitschwang. Rand stand mit den anderen auf.
»Mutter...«, begann Elayne, doch Morgase unterbrach sie.
»Es scheint, du bist auf Bäume geklettert, Tochter.« Elayne strich ein einzelnes Rindenstückchen von ihrem Kleid und, da sie keinen Platz fand, wo sie es hinstecken konnte, hielt sie es in der geschlossenen Faust. »Es scheint tatsächlich«, fuhr Morgase ruhig fort, »als hättest du es im Widerspruch zu meinem Befehl fertiggebracht, doch einen Blick auf diesen Logain zu werfen. Gawyn, von dir hätte ich Besseres erwartet. Du mußt nicht nur lernen, deiner Schwester zu gehorchen, sondern sie auch vor sich selbst zu beschützen.« Der Blick der Königin wanderte kurz zu dem stämmigen Mann neben ihr, aber sie schaute schnell wieder weg. Bryne blieb unberührt, als habe er es nicht bemerkt, doch Rand glaubte, diesen Augen entgehe nichts. »Auch das, Gawyn, ist die Aufgabe des Ersten Prinzen, und nicht nur die Führung des Heeres von Andor. Wenn deine Ausbildung vielleicht etwas intensiviert wurde, fändest du weniger Zeit dafür, dich von deiner Schwester in Schwierigkeiten bringen zu lassen. Ich werde den Generalhauptmann darum bitten, daß es dir nicht an Dingen ermangele, die du zu tun hast, wenn ihr nach Norden reist.«
Gawyn trat von einem Fuß auf den anderen, als wolle er protestieren, neigte dann aber doch lieber den Kopf. »Wie Ihr befehlt, Mutter.«
Elayne verzog das Gesicht: »Mutter, Gawyn kann mich nicht vor Schwierigkeiten bewahren, wenn er nicht bei mir ist. Nur deshalb hat er seine Gemächer verlassen. Mutter, es kann doch sicher nicht schaden, einen Blick auf Logain zu werfen. Beinahe jeder in der Stadt war ihm näher als wir.«
»Jeder in der Stadt ist nicht dasselbe wie die TochterErbin.« Die Stimme der Königin klang scharf. »Ich habe diesen Burschen Logain aus der Nähe gesehen, und er ist gefährlich, Kind. Im Käfig eingesperrt und jede Minute von Aes Sedai bewacht, ist er immer noch so gefährlich wie ein Wolf. Ich wünschte, er wäre niemals auch nur in die Nähe von Caemlyn gebracht worden.«
»Man wird sich in Tar Valon um ihn kümmern.« Die Frau auf dem Hocker hob die Augen beim Sprechen nicht von ihrem Strickzeug. »Wichtig ist nur, daß die Leute sehen: Das Licht hat wieder einmal die Dunkelheit besiegt. Und sie sehen, daß Ihr ein Teil dieses Sieges seid, Morgase.«
Morgase winkte ab. »Trotzdem wäre es mir lieber, er wäre nie in die Nähe Caemlyns gekommen. Elayne, ich weiß, was du im Schilde führst.«
»Mutter«, protestierte Elayne, »ich will dir wirklich gehorchen. Ganz bestimmt!«
»Tatsächlich?« fragte Morgase in gespielter Überraschung, und dann lachte sie leise. »Ja, du bemühst dich, eine folgsame Tochter zu sein. Aber du probierst ständig, wie weit du gehen kannst. Na ja, ich habe das gleiche bei meiner Mutter gemacht. Dieser Ehrgeiz wird dir helfen, wenn du den Thron besteigst, aber noch bist du nicht Königin, Kind. Du hast mir nicht gehorcht und statt dessen deinen Blick auf Logain geworfen. Gib dich zufrieden damit. Auf der Reise nach Norden wird man dich nicht einmal auf hundert Schritt Entfernung an ihn heranlassen, weder dich noch Gawyn. Wenn ich nicht wüßte, wie schwer das ist, was an Unterricht in Tar Valon auf dich wartet, dann würde ich ja Lini mitschicken, damit sie aufpaßt, daß du gehorchst. Zumindest sie scheint in der Lage, dich dazu zu bringen, daß du tust, was du tun sollst.«
Elayne neigte schmollend den Kopf. Die Frau hinter dem Thron schien damit beschäftigt, ihre Maschen zu zählen. »Nach einer Woche«, sagte sie plötzlich, »wirst du wieder nach Hause zu deiner Mutter wollen. Nach einem Monat willst du dann mit dem Fahrenden Volk weglaufen. Aber meine Schwestern werden dich von dem Ungläubigen fernhalten. So etwas ist noch nichts für dich, noch nicht.« Plötzlich drehte sie sich auf ihrem Hocker um und sah Elayne eindringlich an. All ihre Gelassenheit war gewichen, als habe es sie nie gegeben. »Du hast die Fähigkeit, die größte Königin zu werden, die Andor je gesehen hat, die es in den letzten mehr als tausend Jahren in irgendeinem Land gegeben hat. Darauf bereiten wir dich vor, falls du stark genug dafür bist.«