Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand dachte daran, was Meister Gill über Königin Morgase erzählt hatte. Ein bißchen zornig?
Ein weiterer rot uniformierter Soldat kam den Weg heruntergerannt und schlitterte, mit einem Arm salutierend über die Brust gelegt, zum Halt. Er sprach leise mit Tallanvor, und seine Worte ließen dessen Gesicht wieder zufrieden dreinblicken.
»Die Königin, Eure Mutter«, verkündete Tallanvor, »befiehlt mir, den Eindringling unverzüglich zu ihr zu bringen. Es ist auch der Befehl der Königin, daß Lady Elayne und Lord Gawyn anwesend sein sollen. Unverzüglich!«
Gawyn verzog das Gesicht, und Elayne schluckte schwer. Ihr Gesicht war beherrscht, aber nun begann sie geschäftig, über die Flecken auf ihrem Kleid zu reiben. Abgesehen davon, daß sie ein paar Brocken Rinde wegwischte, erreichte sie nicht viel damit.
»Wenn die Lady bitte kommen würde?« sagte Tallanvor selbstzufrieden. »Lord?«
Die Soldaten formierten sich schachtelförmig um sie herum und gingen mit Tallanvor an der Spitze den Gartenweg hinunter. Gawyn und Elayne schritten jeder an einer Seite Rands einher. Beide schienen in trübe Gedanken versunken. Die Soldaten hatten ihre Schwerter wieder in die Scheiden gesteckt und die Pfeile in den Köchern verstaut, doch sie waren nicht weniger wachsam als vorher, als sie die Waffen einsatzbereit in der Hand gehalten hatten. Sie beobachteten Rand, als erwarteten sie jeden Moment, daß er sein Schwert ziehen und versuchen werde, sich den Weg in die Freiheit zu erkämpfen.
Irgendwas versuchen? Ich werde gewiß nicht irgend etwas versuchen! Unbemerkt! Ha!
Als er so die Soldaten beobachtete, wie sie seinerseits ihn beobachteten, wurde ihm plötzlich der Garten bewußt. Er hatte seit dem Sturz sein Gleichgewichtsgefühl wieder erlangt. Eins nach dem anderen war geschehen, jeder neue Schreck war gekommen, bevor der letzte noch vergangen war, und seine Umgebung hatte er nur verschwommen wahrgenommen — außer natürlich der Mauer und seinem inbrünstigen Wunsch, sich wieder auf deren anderer Seite zu befinden. Jetzt sah er das grüne Gras, das ihm vorher nur ganz vage bewußt geworden war. Grün! Hundert verschiedene Grüntöne. Bäume und Büsche waren grün und üppig, trugen Blätter und Früchte. Saftige Ranken deckten die Laubengänge über dem Weg. Überall Blumen. So viele Blumen — der Garten war von Farbtupfern übersät. Einige der Blumen kannte er: hellgoldene Rosettenblüten und winzige rosa Kerzenspitzen, blutrote Sternenscheinchen und purpurne Emondspracht, dazu Rosen in allen Farben, vom reinsten Weiß bis zu dunkelstem Rot — aber andere waren ihm neu, so zauberhaft in Form und Farbe, daß er sich fragte, ob sie wohl echt seien.
»Es ist grün«, flüsterte er. »Grün.« Die Soldaten gaben leise Kommentare ab, bis Tallanvor sie scharf über die Schulter anblickte und sie wieder schwiegen.
»Elaidas Verdienst«, sagte Gawyn abwesend.
»Es ist nicht richtig«, sagte Elayne. »Sie fragte mich, ob ich irgendeinen Bauernhof aussuchen wolle, für den sie das gleiche tun könne, während außen herum die Saat immer noch nicht aufgeht, aber es ist trotzdem immer noch nicht richtig, daß wir Blumen haben, und andere Menschen haben nicht einmal genug zu essen.« Sie holte tief Luft und fand ihre Selbstbeherrschung wieder. »Halte dich aufrecht«, raunte sie Rand zu. »Sprich klar, wenn du angeredet wirst, und ansonsten halte den Mund. Und folge mir. Alles wird dann gut.«
Rand wünschte, er könne ihre Zuversicht teilen. Es hätte geholfen, wenn Gawyn ebenso zuversichtlich gewirkt hätte.
Als Tallanvor sie in den Palast führte, blickte er zum Garten zurück, zu all den blütenübersäten Grüntönen, die von der Hand einer Aes Sedai der Königin beschert wurden. Er schwamm in tiefem Wasser, und es war kein Ufer in Sicht.
Palastdiener hasteten in roten Livreen mit weißen Krägen und Manschetten, den Weißen Löwen auf der linken Brust des Wamses, geschäftig durch die Säle und gingen ihren nicht gleich ersichtlichen Aufgaben nach. Als die Soldaten mit Elayne, Gawyn und Rand in der Mitte vorbeimarschierten, blieben sie unvermittelt stehen und starrten sie mit offenem Mund an.
Mitten durch all die Verwirrung tapste ein graugestreifter Kater unbeeindruckt den Flur hinunter und wand sich zwischen den neugierigen Dienern hindurch. Plötzlich kam der Kater Rand komisch vor. Er war lang genug in Baerlon gewesen, um zu wissen, daß selbst im miesesten Laden in jeder Ecke Katzen gewesen waren. Seit sie den Palast betreten hatten, war dieser Kater die einzige Katze, die er erspäht hatte.
»Habt Ihr keine Ratten?« fragte er ungläubig. An jedem Ort gab es Ratten. »Elaida mag keine Ratten«, murmelte Gawyn vor sich hin. Er blickte besorgt den Flur hinunter. Offensichtlich hatte er schon das bevorstehende Zusammentreffen mit der Königin vor Augen. »Wir haben niemals Ratten.«
»Seid beide ruhig.« Elaynes Stimme klang scharf, aber genauso abwesend wie die ihres Bruders. »Ich versuche nachzudenken.«
Rand beobachtete den Kater noch über seine Schulter hinweg, bis die Soldaten ihn um eine Ecke herumführten, so daß er ihn nicht mehr sehen konnte. Eine Menge Katzen, und er hätte sich besser gefühlt — es wäre nett, wenn an dem Palast irgend etwas normal gewesen wäre.
Da hätte er selbst Ratten in Kauf genommen.
Der Weg, den Tallanvor gewählt hatte, machte so viele Kurven, daß Rand jegliche Orientierung verlor. Endlich blieb der junge Offizier vor einer großen Doppeltür aus dunklem, sanft schimmerndem Holz stehen. Sie war nicht so prächtig wie ein paar andere, an denen sie vorbeigekommen waren, aber immer noch auf der ganzen Fläche mit Reihen von fein und detailliert geschnitzten Löwen geschmückt. An jeder Seite stand ein Diener in Livree.
»Wenigstens nicht im großen Saal.« Gawyn lachte unsicher. »Ich habe noch nie gehört, daß Mutter von hier aus befahl, jemandem den Kopf abzuschlagen.« Er klang, als rechne er damit, daß sie das zum ersten Mal tun könne.
Tallanvor griff nach Rands Schwert, aber Elayne trat dazwischen. »Er ist mein Gast, und Sitte und Gesetz erlauben es, daß Gäste der königlichen Familie sogar in Mutters Gegenwart bewaffnet sein dürfen. Oder willst du meinem Wort widersprechen, daß er mein Gast ist?«
Tallanvor zögerte, sah ihr in die Augen und nickte dann. »Sehr wohl, Lady Elayne.« Sie lächelte Rand an, als Tallanvor zurücktrat, aber das dauerte nur einen Moment. »Der erste Zug wird mich begleiten«, kommandierte Tallanvor. »Meldet Ihrer Majestät Lady Elayne und Lord Gawyn«, sagte er zu den Türstehern. »Dazu Gardeleutnant Tallanvor, unter Befehl Ihrer Majestät, mit dem Eindringling, der unter Bewachung steht.«
Elayne funkelte Tallanvor an, doch die Torflügel schwangen bereits auf. Eine volltönende Stimme erklang und meldete, wer angekommen war. Elayne schritt voller Würde hindurch und verdarb ihr königliches Auftreten nur ein wenig, als sie Rand bedeutete, nah hinter ihr zu bleiben. Gawyn straffte die Schultern und schritt an ihrer Seite hinein, genau um einen Schritt hinter ihr versetzt.
Rand folgte auf ihrer anderen Seite und glich seinen Schritt etwas unsicher dem Gawyns an. Tallanvor blieb in Rands Nähe, und zehn Soldaten betraten mit ihm den Saal. Die Torflügel schlossen sich lautlos hinter ihnen.
Plötzlich beugte Elayne die Knie zu einem tiefen Knicks, wobei sie auch den Oberkörper vorbeugte und ihren Rock mit den Händen ausbreitete. So verharrte sie. Rand erschrak und imitierte dann schnell Gawyn und die anderen Männer. Er stellte sich ungeschickt an, brachte es aber dann doch einigermaßen richtig hin. Runter auf das rechte Knie, den Kopf neigen, vorbeugen und die Knöchel der rechten Hand auf die Marmorplatten des Bodens pressen, die linke Hand am Griff des Schwertes. Gawyn, der kein Schwert trug, legte statt dessen die Hand genauso auf den Griff seines Dolches.