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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Genug!« fauchte Elayne. »Du hast recht, wenn du sagst, daß du mich nicht zu bevormunden hast, und es steht dir auch nicht zu, über meine Handlungsweise zu richten. Du darfst gehen. Sofort!«

Galad warf Gawyn einen wehmütigen Blick zu. Er schien gleichzeitig um Hilfe zu bitten und zu sagen, daß Elayne zu starrköpfig sei, als daß man ihr helfen könnte. Elaynes Gesicht lief dunkel an, aber als sie gerade ansetzte, den Mund wieder zu öffnen, verbeugte er sich förmlich und geschmeidig wie eine Katze, trat einen Schritt zurück, drehte sich um und schritt den gepflasterten Weg hinunter. Seine langen Beine brachten ihn schnell außer Sicht der in der Laube Verbliebenen.

»Ich hasse ihn«, hauchte Elayne. »Er ist bösartig und voll von Neid.«

»Da gehst du zu weit, Elayne«, sagte Gawyn. »Galad weiß überhaupt nicht, was Neid ist. Zweimal hat er mir das Leben gerettet, und niemand hätte etwas davon erfahren, wenn er das nicht getan hätte. Falls nicht, dann wäre er an meiner Stelle dein Erster Prinz des Schwertes.«

»Niemals, Gawyn. Ich würde jeden anderen erwählen, aber nicht Galad. Jeden anderen. Auch den letzten Stallburschen.« Plötzlich lächelte sie und warf ihrem Bruder einen gespielt ernsten Blick zu. »Du behauptest, ich gäbe gern Befehle. Also, dann befehle ich dir, auf dich aufzupassen, damit dir nichts zustößt. Ich befehle dir, mein Erster Prinz des Schwertes zu sein, wenn ich den Thron besteige — dem Licht sei Dank, wenn das noch lange dauert -, und das Heer Andors mit einer Ehrenhaftigkeit zu führen, von der Galad nur träumen kann.«

»Wir Ihr befehlt, Lady.« Gawyn lachte und parodierte Galads Verbeugung.

Elayne runzelte gedankenschwer die Stirn, als sie Rand anblickte. »Jetzt müssen wir dich schnell hier hinausschaffen.«

»Galad tut immer das Richtige«, erklärte Gawyn, »selbst wenn er das gar nicht soll. In diesem Fall, da ein Fremder im Garten aufgetaucht ist, wäre das Richtige, die Palastwache zu informieren. Und ich schätze, er befindet sich in dieser Minute auf dem Weg dorthin.«

»Dann wird es Zeit, daß ich über die Mauer zurückkomme«, sagte Rand. Ein wundervoller Tag, um unbemerkt zu bleiben. Ich könnte genausogut ein Schild um den Hals tragen! Er wandte sich der Mauer zu, aber Elayne ergriff seinen Arm.

»Nicht nach all der Mühe, die ich mir mit deinen Händen gemacht habe. Du wirst sie dir nur wieder aufs neue aufschürfen und dann irgend eine alte Hinterhofhexe irgendwas draufschmieren lassen. Es gibt eine kleine Tür auf der anderen Seite des Gartens. Sie ist überwachsen, und außer mir erinnert sich niemand daran.«

Plötzlich hörte Rand schnelle Stiefeltritte auf den Pflastersteinen des Gartenwegs, die auf sie zukamen. »Zu spät«, murmelte Gawyn. »Er muß losgerannt sein, kaum daß er außer Sichtweite war.«

Elayne stieß grollend einen Fluch aus, und Rands Augenbrauen hoben sich. Er hatte den gleichen Fluch von dem Stallburschen in Der Königin Segen gehört und war da schon schockiert gewesen. Im nächsten Moment war sie wieder kühl und beherrscht.

Gawyn und Elayne schienen es zufrieden, dort zu bleiben, wo sie waren, aber er konnte nicht einfach mit solcher Gelassenheit auf die Königliche Garde warten. Er ging wieder in Richtung Mauer los, wußte aber, daß er kaum bis zur halben Höhe hinaufkäme, bevor die Soldaten ihn erreichten. Still dastehen konnte er aber auch nicht.

Bevor er drei Schritte getan hatte, kamen die rotuniformierten Männer in Sicht. Auf ihren Brustpanzern glänzte die Sonne, als sie den Gartenweg heraufeilten. Andere fluteten wie sich brechende Wellen von Scharlachrot und glänzendem Stahl heran. Sie kamen offensichtlich aus allen Richtungen. Einige hatten die Schwerter gezogen, andere warteten nur, bis sie einen sicheren Stand hatten, und hoben dann ihre Bögen mit bereits aufgelegten gefiederten Pfeilen. Hinter den heruntergeklappten Visieren blickten grimmige Augen hervor, und jeder Breitkopfpfeil war mit sicherer Hand auf ihn gerichtet.

Elayne und Gawyn sprangen sofort zwischen ihn und die Pfeile und breiteten die Arme aus, um ihn zu decken. Er stand ganz still und ließ die Hände sichtbar und weit weg von seinem Schwert.

Während noch das Trommeln der Stiefel und das Quietschen der Bogensehnen in der Luft hing, schrie einer der Soldaten — er trug den goldenen Knoten eines Offiziersabzeichens auf der Schulter: »Lady, Lord, herunter, schnell!«

Trotz ihrer ausgestreckten Arme richtete sich Elayne majestätisch auf: »Du wagst es, in meiner Gegenwart blank zu ziehen, Tallanvor? Gareth Bryne wird dafür sorgen, daß du mit dem niedrigsten Soldaten zusammen die Ställe ausmistest, wenn du Glück hast!«

Die Soldaten sahen sich verblüfft an, und einige der Bogenschützen ließen ihre Bögen halb sinken. Erst dann nahm Elayne die Arme herunter, als habe sie sie nur hochgehalten, weil sie das eben so wünschte. Gawyn zögerte und folgte dann ihrem Beispiel. Rand konnte die Bogen zählen, die nicht gesenkt worden waren. Seine Bauchmuskeln spannten sich, als könnten sie einen Breitkopfpfeil aus zwanzig Schritt Entfernung aufhalten.

Der Mann mit dem Offiziersknoten schien am meisten überrascht von allen. »Lady, vergebt mir, aber Lord Galadedrid berichtete, daß ein schmutziger Bauer sich bewaffnet in den Gärten herumtriebe und Lady Elayne und Lord Gawyn gefährdete.« Sein Blick ging zu Rand hinüber, und seine Stimme wurde entschlossener. »Wenn die Lady und der Lord bitte zur Seite treten würden, kann ich den Übeltäter in Gewahrsam nehmen. Es treibt sich heutzutage in der Stadt zuviel Pack herum.«

»Ich bezweifle sehr, daß Galad etwas in der Art berichtet hat«, sagte Elayne. »Galad lügt nicht.«

»Manchmal wünsche ich mir, er würde gelegentlich lügen«, sagte Gawyn leise, nur für Rands Ohren bestimmt. »Wenigstens einmal. Das könnte es erleichtern, mit ihm zusammenzuleben.«

»Dieser Mann ist mein Gast«, fuhr Elayne fort, »und steht unter meinem Schutz. Du kannst dich zurückziehen, Tallanvor.«

»Ich bedaure, aber das ist nicht möglich, Lady. Wie die Lady weiß, hat die Königin, Eure Mutter, Anweisungen gegeben in bezug auf jeden, der sich ohne die Erlaubnis Ihrer Majestät im Gelände des Palastes aufhält, und die Nachricht von diesem Eindringling wurde bereits an Ihre Majestät weitergegeben.« Es lag eine gehörige Portion Befriedigung in Tallanvors Worten. Rand vermutete, daß der Offizier schon andere Befehle von Elayne erhalten hatte, die er für unangebracht hielt. Diesmal würde der Mann nicht gehorchen, wenn er schon eine perfekte Ausrede hatte.

Elayne sah Tallanvor an, und diesmal schien sie ratlos.

Rand sah Gawyn fragend an, und Gawyn verstand, was er wissen wollte. »Gefängnis«, murmelte er. Rands Gesicht wurde blaß, und der junge Mann fügte schnell hinzu: »Nur für ein paar Tage, und es wird dir nichts geschehen. Du wirst von Gareth Bryne, dem Generalhauptmann persönlich, vernommen, aber man läßt dich wieder laufen, sobald ihnen klar ist, daß du nichts Böses im Schilde führst.« Er unterbrach sich. In seinen Augen standen verborgene Zweifel. »Ich hoffe, du hast die Wahrheit gesagt, Rand al'Thor von den Zwei Flüssen.«

»Du wirst uns alle drei zu meiner Mutter begleiten«, verkündete Elayne plötzlich. Auf Gawyns Gesicht erblühte ein breites Grinsen.

Hinter den Stahlstäben seines Visiers erschien das Gesicht Tallanvors verblüfft. »Lady, ich... «

»Oder bringe uns alle drei in eine Zelle«, sagte Elayne. »Wir bleiben zusammen. Oder wirst du Befehle erteilen, daß man Hand an meine Person legen solle?« Ihr Lächeln war siegesgewiß, und so, wie Tallanvor sich umblickte, als erwarte er Hilfe aus den Bäumen, schien es, als glaube auch er, daß sie gewonnen habe.

Was gewonnen? Wie?

»Mutter ist dabei, Logain unter die Lupe zu nehmen«, sagte Gawyn leise, als habe er Rands Gedanken erraten, »und selbst wenn sie nicht beschäftigt wäre, würde Tallanvor es nicht wagen, Elayne und mich zu ihr zu bringen, als stünden wir unter Bewachung. Mutter kann manchmal ein bißchen zornig werden.«

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