Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Nicht mal Mutter«, sagte Elayne und beugte sich wieder über Rands Hände. »Sie macht Vorschläge, und er macht immer, was sie vorschlägt, aber ich habe noch nie gehört, daß sie ihn herumkommandiert.« Sie schüttelte den Kopf.
»Ich weiß nicht, warum dich das immer noch überrascht«, antwortete Gawyn. »Selbst du versuchst nicht, Gareth zu sagen, was er zu tun hat. Er hat unter drei Königinnen gedient, und bei zweien war er Generalhauptmann und Erster Prinzregent. Ich möchte behaupten, daß einige Leute glauben, er sei eher ein Symbol für den Thron Andors als die Königin selbst.«
»Mutter sollte sich einen Stoß geben und ihn heiraten«, sagte sie abwesend. Ihre Aufmerksamkeit galt Rands Händen. »Sie möchte doch — das kann sie vor mir nicht verbergen. Und es würde so viele Probleme lösen.«
Gawyn schüttelte den Kopf. »Einer von ihnen muß zuerst nachgeben. Mutter kann nicht, und Gareth will nicht.«
»Wenn sie es ihm befähle... «
»Er würde gehorchen, glaube ich. Aber das macht sie nicht. Du weißt, daß sie das nicht macht.«
Plötzlich wandten sich beide Rand zu und sahen ihn an. Er hatte das Gefühl, sie hätten vergessen, daß er da war. »Wer...?« Er mußte sich unterbrechen und seine Lippen befeuchten. »Wer ist eure Mutter?«
Elayne machte vor Überraschung große Augen, aber Gawyn sprach in ganz selbstverständlichem Ton, was seine Worte für Rand noch aufrüttelnder klingen ließ. »Morgase, durch die Gnade des Lichts Königin von Andor, Beschützerin des Reiches, Verteidiger des Volkes, Hochsitz des Hauses Trakand.«
»Die Königin«, brachte Rand heraus, und der Schreck durchfuhr ihn und betäubte ihn. Beinahe glaubte er, in seinem Kopf werde sich wieder alles drehen. »Errege keine Aufmerksamkeit. Falle nur einfach in den Garten der Königin und laß deine Wunden von der Tochter-Erbin behandeln wie von einem Kräuterweiblein.« Er wollte lachen, wußte aber, daß er sich am Rand der Panik befand.
Er holte tief Luft und rappelte sich hoch. Er beherrschte sich sehr, um nicht einfach fortzurennen, war aber vom Bewußtsein der Notwendigkeit erfüllt, zu entkommen, bevor ihn irgend jemand anders hier entdeckte.
Elayne und Gawyn beobachteten ihn ruhig, und als er aufsprang, erhoben sie sich anmutig und nicht im geringsten in Eile. Er hob die Hand, um den Schal von seinem Kopf zu nehmen, aber Elayne packte ihn am Ellenbogen. »Laß das! Du wirst sonst wieder bluten.« Ihre Stimme klang immer noch ruhig, immer noch überzeugt davon, er werde tun, was sie ihm gesagt hatte.
»Ich muß gehen«, sagte Rand. »Ich klettere einfach über die Mauer zurück und... «
»Du hast es wirklich nicht gewußt.« Zum ersten Mal schien sie genauso überrascht wie er. »Willst du sagen, du bist auf diese Mauer geklettert, um Logain zu sehen, ohne zu wissen, wo du warst? Du hättest drunten auf der Straße viel besser sehen können.«
»Ich... ich mag keine Menschenansammlungen«, murmelte er. Er verbeugte sich ein wenig vor beiden. »Wenn Ihr mich entschuldigt, äh... Lady.« In den Geschichten waren die Königshöfe immer voll von Leuten, die sich gegenseitig mit Lord und Lady und Königliche Hoheit und Majestät anredeten, aber falls er jemals die korrekte Form der Anrede für die TochterErbin gehört hatte, konnte er nicht klar genug denken, um sich daran zu erinnern. Er konnte überhaupt kaum einen klaren Gedanken fassen, außer an die Notwendigkeit, ganz weit weg zu sein. »Wenn Ihr mich entschuldigt, dann werde ich jetzt gehen. Äh... dankeschön für die...« Er berührte den Schal um seinen Kopf. »Dankeschön.«
»Ohne uns wenigstens deinen Namen zu nennen?« sagte Gawyn. »Eine dürftige Bezahlung für Elaynes Pflege. Ich habe mich schon gewundert. Du hörst dich zwar an wie ein Andorianer, aber keiner aus Caemlyn, ganz klar, doch du weichst aus... Also, du kennst unsere Namen. Die Höflichkeit verlangt, daß du uns deinen nennst.«
Rand schaute sehnsüchtig zu der Mauer hinauf und sagte dann seinen richtigen Namen, bevor ihm klar wurde, was er da tat, und dann fügte er sogar noch hinzu: »Aus Emondsfeld in den Zwei Flüssen.«
»Aus dem Westen«, murmelte Gawyn. »Sehr weit im Westen.«
Rand blickte sich unvermittelt um. Im Tonfall des jungen Mannes hatte Überraschung gelegen, und Rand bemerkte einen Moment lang auch seinen erstaunten Gesichtsausdruck, als er sich zu ihm umdrehte. Allerdings lächelte Gawyn schnell so gewinnend, daß er beinahe an seiner Wahrnehmung zweifelte.
»Tabak und Wolle«, sagte Gawyn. »Ich muß die wichtigsten Produkte aller Teile des Reiches kennen. Und auch überhaupt aller Länder. Das ist Teil meiner Ausbildung. Hauptprodukte und Dienstleistungen sowie die letzten Charaktereigenschaften der Leute. ihre Sitten, ihre Stärken und Schwächen. Man sagt, die Menschen von den Zwei Flüssen seien stur. Man kann sie führen, wenn sie glauben, daß man das Gehorchen wert ist, aber je härter man sie anpackt, desto widerspenstiger werden sie. Elayne sollte sich einen Mann von dort zum Heiraten aussuchen. Ihr Mann muß schon einen eisernen Willen haben, um bei ihr nicht total unter die Räder zu kommen.«
Rand starrte ihn an. Elayne ebenfalls. Gawyn schien kein unvernünftiger Mensch zu sein, doch er plapperte dummes Zeug daher. Warum?
»Was ist denn hier los?«
Alle drei fuhren zusammen, als plötzlich diese Stimme erklang, und sie wandten sich ihr schnell zu.
Der junge Mann, der dort stand, war der bestaussehende Mann, den Rand je gesehen hatte, beinahe zu schön, um noch männlich zu wirken. Er war groß und schlank, aber seine Bewegungen verrieten Schnelligkeit, Kraft und Selbstvertrauen. Augen und Haare waren dunkel. Er trug seine Kleidung — rot und weiß und kaum weniger auffällig als die Gawyns -, als sei sie völlig unwichtig. Eine Hand ruhte auf dem Griff seines Schwertes, und er blickte Rand unverwandt an.
»Geh ein Stück von ihm weg, Elayne«, sagte der Mann. »Du auch, Gawyn.«
Elayne stellte sich vor Rand, zwischen ihn und den Neuankömmling, den Kopf hoch erhoben und so selbstbewußt wie immer. »Er ist ein treuer Untertan unserer Mutter — ein guter Anhänger der Königin. Und er steht unter meinem Schutz, Galad.«
Rand bemühte sich, sich daran zu erinnern, was er von Meister Kinch gehört hatte und danach noch von Meister Gill. Galadedrid Damodred war Elaynes Halbbruder, das heißt natürlich Elaynes und Gawyns, wenn ihn sein Gedächtnis nicht trog. Die drei hatten den gleichen Vater. Meister Kinch hatte vielleicht Taringail Damodred nicht sehr gut leiden können — genau wie jeder andere, soweit er gehört hatte -, aber der Sohn stand sowohl bei den Roten als auch bei den Weißen in gutem Ruf, falls man nach dem Klatsch in der Stadt gehen konnte.
»Mir ist klar, wie sehr dir Streuner am Herzen liegen, Elayne«, sagte der schlanke Mann in vernünftigem Ton, »aber der Bursche ist bewaffnet und sieht außerdem kaum vertrauenswürdig aus. Heutzutage können wir nicht vorsichtig genug sein. Wenn er ein treuer Anhänger der Königin ist, was tut er dann hier, wo er gewiß nicht hingehört? Es ist leicht genug, ein Schwert mit anderer Farbe einzuhüllen, Elayne.«
»Er befindet sich hier als mein Gast, Galad, und ich bürge für ihn. Oder hast du dich selbst zu meinem Kindermädchen ernannt, damit du entscheiden kannst, wann und mit wem ich spreche?«
Ihre Stimme klang äußerst erzürnt, doch Galad schien unbewegt. »Du weißt, daß ich dich nicht bevormunden will, Elayne, aber dieser... dein Gast gehört nicht hierher, und das weißt du so gut wie ich. Gawyn, hilf mir, sie zu überzeugen. Unsere Mutter würde... «