Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Die Art, wie sie ihn ansah, verstärkte diesen Eindruck noch. Sie schien sich nicht das geringste Kopfzerbrechen darüber zu machen, daß ein Fremder in ihren Garten gefallen war. Sie zeigte eine Art von Selbstsicherheit, bei der er unwillkürlich an Nynaeve oder Moiraine denken mußte.
Er war so damit beschäftigt, darüber nachzugrübeln, ob er sich nun in Schwierigkeiten gebracht hatte oder nicht, ob sie jemand war, der die Garde der Königin selbst an einem solchen Tag herbeirufen konnte und wollte, obwohl sie ja mit ganz anderen Dingen beschäftigt war, daß er ein paar Augenblicke benötigte, um die kostbare Kleidung und adlige Haltung zu vergessen und das Mädchen selbst anzuschauen. Sie war vielleicht zwei oder drei Jahre jünger als er, groß für ein Mädchen und schön. Ihr Gesicht war ein perfektes Oval, von einer Masse sonnenstrahlenfarbiger Locken umrahmt, die Lippen voll und rot, die Augen blauer, als er glauben konnte.
Sie unterschied sich vollkommen in Größe und Gesicht und Figur von Egwene, war aber genauso schön. Er hatte ein etwas schlechtes Gewissen dabei, sagte sich dann aber, daß es Egwene auch nicht sicherer oder schneller nach Caemlyn bringen würde, wenn er leugnete, was seine Augen sahen.
Ein schabender Laut erklang aus dem Blätterwerk des Baumes heraus, und einige Stückchen Rinde fielen herunter, von einem Jungen gefolgt, der hinter ihr behende am Boden landete. Er war einen Kopf größer als sie und ein bißchen älter, aber an seinem Gesicht und Haar konnte man die nahe Verwandtschaft ablesen. Sein Umhang und Mantel waren rot und weiß und golden, bestickt und mit Brokat besetzt und — erstaunlich bei einem jungen Mann — noch mehr verziert als ihre. Das steigerte Rands Nervosität. Irgendein gewöhnlicher Mann kleidete sich höchstens an einem hohen Festtag auf diese Art, aber doch wohl nicht so prachtvoll. Dies war außerdem kein öffentlicher Park. Vielleicht war die Garde zu sehr beschäftigt, um sich mit solchen Eindringlingen zu befassen?
Der Junge betrachtete Rand über die Schulter des Mädchens hinweg und fühlte nach dem Dolch an seiner Hüfte. Es schien allerdings mehr Nervosität zu sein, als daß er ihn wirklich gebrauchen wollte. Aber vielleicht doch nicht so ganz. Der Junge wirkte genauso selbstsicher wie das Mädchen, und sie sahen ihn beide an, als sei er ein Rätsel, das gelöst werden müsse.
Er hatte das komische Gefühl, daß zumindest das Mädchen ihn regelrecht abschätzte — vom Zustand seiner Stiefel bis zur Qualität seines Umhangs.
»Wir werden niemals hören, was aus alledem geworden ist, Elayne, falls Mutter das herausfindet«, sagte der Junge plötzlich. »Sie hat uns befohlen, in unseren Zimmern zu bleiben, aber du mußtest ja unbedingt einen Blick auf Logain erhaschen, ja? Und jetzt schau, in welche Lage uns das gebracht hat.«
»Sei ruhig, Gawyn.« Sie war deutlich die jüngere der beiden, aber sie benahm sich, als sei es selbstverständlich, daß er gehorchen mußte. Im Gesicht des Jungen arbeitete es, als wolle er mehr sagen, aber zu Rands Überraschung hielt er den Mund. »Ist dir nichts passiert?« fragte sie plötzlich.
Rand brauchte eine Weile, um zu begreifen, daß sie mit ihm sprach. Als es ihm klar war, versuchte er, auf die Beine zu kommen. »Mir geht's gut. Ich werde einfach... « Er taumelte, und seine Beine gaben nach. Er plumpste schwer zum Boden zurück. Sein Kopf schwamm. »Ich werde einfach über die Mauer zurückklettern«, murmelte er. Er versuchte erneut aufzustehen, aber sie legte ihm eine Hand auf die Schulter und drückte ihn zurück. Ihm war so schwindlig, daß der leichte Druck ausreichte, um ihn am Boden festzuhalten.
»Du bist verletzt.« Anmutig kniete sie neben ihm nieder. Ihre Finger strichen sanft das blutverklebte Haar an seiner linken Kopfhälfte zur Seite. »Du mußt beim Fallen auf einen Ast aufgeschlagen sein. Du hast Glück, wenn du dir nicht mehr getan hast, als die Kopfhaut aufzureißen. Ich glaube nicht, daß ich jemals jemanden gesehen habe, der so geschickt im Klettern war wie du, aber im Fallen bist du nicht ganz so gut.«
»Du wirst dir die Hände mit Blut beschmutzen«, sagte er und wich mit dem Kopf zurück.
Energisch zog sie seinen Kopf wieder vor, damit sie ihn erreichen konnte.»Halt still!« Sie sprach nicht in scharfem Ton, aber es lag etwas in ihrer Stimme, als sei sie gewohnt, daß man ihr gehorchte. »Es sieht nicht zu schlimm aus, dem Licht sei Dank.« Aus Taschen an der Innenseite ihres Umhangs nahm sie eine Anzahl winziger Fläschchen und zerdrückter Papierbeutel heraus, gefolgt schließlich von einem aufgewickelten Verband.
Er sah die Sammlung erstaunt an. Das waren Sachen, die er bei einer Seherin erwartet hätte und nicht bei einer Person, die so angezogen war wie sie. Sie hatte Blut an die Finger bekommen, wie er bemerkte, aber das schien sie nicht zu stören.
»Gib mir deine Wasserflasche, Gawyn«, sagte sie. »Ich muß das auswaschen.«
Der Junge, den sie Gawyn nannte, schnallte eine Lederflasche von seinem Gürtel ab und gab sie ihr. Dann kauerte er sich ganz entspannt zu Rands Füßen nieder und schlang die Arme um die Knie. Elayne tat, was getan werden mußte, auf sehr professionelle Art und Weise. Er zuckte nicht zusammen, obwohl das kalte Wasser ein wenig biß, als sie den Schnitt in seiner Kopfhaut auswusch, aber sie hielt seinen Kopf mit einer Hand fest, als erwarte sie, daß er wieder zurückweichen werde, und das wollte sie verhindern. Die Tinktur, die sie anschließend in die Wunde einmassierte — aus einem der kleinen Fläschchen — linderte beinahe genauso gut die Schmerzen, wie es eine von Nynaeves Salben fertiggebracht hätte.
Gawyn lächelte, während sie arbeitete — ein beruhigendes Lächeln, so, als ob auch er erwarte, daß Rand auswich oder gar wegrannte. »Sie findet ständig verlorene Katzen und Vögel mit gebrochenen Flügeln. Du bist der erste Mensch, den sie bearbeiten kann.« Er zögerte und fügte dann hinzu: »Nimm mir das bitte nicht übel. Ich will dich nicht als Streuner bezeichnen.« Es war keine Entschuldigung, sondern einfach eine Feststellung.
»Ist schon in Ordnung«, sagte Rand förmlich. Aber die beiden benahmen sich, als sei er ein übernervöses Rennpferd. »Sie weiß schon, was sie tut«, sagte Gawyn. »Sie hatte die besten Lehrer. Also hab keine Angst, du bist in guten Händen.«
Elayne preßte ein Stück Verband an seine Schläfe und zog einen Seidenschal hinter ihrem Gürtel hervor. Er war blau und beige und goldfarben. Für jedes Mädchen in Emondsfeld wäre das ein Teil der schönsten Festtagskleidung gewesen. Elayne wickelte ihn geschickt um seinen Kopf und hielt damit die Bandage fest.
»Das ist doch zu schade dafür«, protestierte er. Sie wickelte weiter. »Ich habe dir gesagt, du solltest stillhalten«, bemerkte sie gelassen.
Rand sah Gawyn an. »Erwartet sie immer von jedem, daß er tut, was sie will?«
Auf dem Gesicht des jungen Mannes zeigte sich einen Moment lang Überraschung, und sein Mund verzog sich amüsiert. »Die meiste Zeit über schon. Und meistens gehorchen ihr auch alle.«
»Halt das mal«, sagte Elayne. »Drücke mit der Hand hier drauf, während ich es zubinde... « Sie stockte, als sie seine Hände sah, und rief: »Das ist aber nicht beim Fallen passiert. Eher durch Klettern, wo du nicht hättest herumklettern dürfen.« Sie verknotete den Schal schnell, drehte seine Hände so, daß die Handflächen nach oben zeigten, und brummte in sich hinein, wie wenig Wasser nur noch da sei. Das Auswaschen bewirkte, daß seine Abschürfungen brannten, aber ihre Berührung war überraschend sanft. »Halt diesmal wirklich still.«
Wieder holte sie das Fläschchen mit der Tinktur hervor. Sie verteilte sie dünn über die Schürfwunden und konzentrierte sich dabei ganz darauf, sie eindringen zu lassen, ohne ihm dabei wehzutun. Kühle verbreitete sich in seinen Handflächen, als reibe sie die aufgerissenen Stellen einfach weg.
»Meistens machen alle genau das, was sie will«, fuhr Gawyn mit einem wohlwollenden Grinsen in Richtung ihres Kopfes fort. »Die meisten Leute jedenfalls. Natürlich Mutter nicht. Oder Elaida. Und auch Lini nicht. Lini war ihr Kindermädchen. Man kann niemandem Befehle geben, der einen als kleines Kind übers Knie gelegt hat, weil man Feigen klaute. Und selbst, als sie nicht mehr so klein war... « Elayne hob den Kopf lang genug, um ihn böse anzufunkeln. Er räusperte sich und bemühte sich um einen ganz neutralen Gesichtsausdruck, während er weitersprach: »Und natürlich Gareth. Niemand kommandiert Gareth herum.«