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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Das Essen war entweder furchtbar schlecht oder furchtbar gut«, hatte Claire gesagt, als sie ihre Abenteuer in der Vergangenheit beschrieb. »Das liegt daran, dass man nichts frisch halten kann; alles, was man isst, ist entweder gepökelt oder in Schmalz konserviert, wenn es nicht halb ranzig ist – oder es stammt frisch von der Keule oder aus dem Garten, in welchem Fall es absolut phantastisch sein kann.«

Die Pastete war absolut phantastisch, entschied Brianna, auch wenn ihr pausenlos Krümel in den Ausschnitt fielen. Sie strich sich möglichst unauffällig über den Busen, doch die Menge hatte ihre Aufmerksamkeit verlagert – jetzt sah ihr niemand mehr zu.

Oder fast niemand. Ein schmaler, blonder Mann in einem schäbigen Rock war neben ihr aufgetaucht und machte kleine, nervöse Bewegungen, als wollte er sie am Ärmel zupfen, hätte aber nicht ganz den Mut dazu. Unsicher, ob er ein Bettler oder ein weiterer unverfrorener Freier war, sah sie ihn argwöhnisch von oben herab an.

»Ja?«

»Ihr – Ihr braucht einen Diener, Ma’am?«

Sie gab ihre Zurückhaltung auf, denn ihr wurde klar, dass er aus der Menge der Zwangsarbeiter gekommen sein musste.

»Oh. Tja, ich würde nicht sagen, dass ich wirklich einen brauche, aber es sieht so aus, als würde ich trotzdem einen bekommen.« Sie blickte zu Jamie herüber, der gerade ein untersetztes Individuum mit Käferbrauen und den Schultern eines Dorfschmiedes befragte. Sie blickte wieder auf den kurzen Mann vor ihr; mit Jamies Maß gemessen, machte er nicht viel her, doch mit ihrem …

»Seid Ihr interessiert?«, fragte sie.

Der Ausdruck abgehärmter Nervosität wich nicht aus seinem Gesicht, doch in seinen Augen erschien ein flüchtiges Hoffnungsleuchten.

»Es – ich – also – nicht ich, nein. Aber könnt Ihr – vielleicht darüber nachdenken – würdet Ihr meine Tochter nehmen?«, sagte er schließlich. »Bitte!«

»Eure Tochter?« Erschrocken blickte Brianna zu ihm herab und vergaß die halb gegessene Pastete.

»Ich bitte Euch, Ma’am!« Zu ihrer Überraschung standen Tränen in den Augen des Mannes. »Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich Euch anflehe oder wie dankbar ich Euch wäre!«

»Aber – äh …« Brianna strich sich die Krümel aus dem Mundwinkel und fühlte sich furchtbar verlegen.

»Sie ist ein kräftiges Mädchen trotz ihrer Erscheinung, und sehr willig! Sie wird mit Freuden jeden Dienst für Euch erledigen, Ma’am, wenn Ihr ihren Vertrag übernehmt!«

»Aber warum sollte – also, wo ist das Problem?«, sagte sie, und Neugier und Mitleid mit seinem offensichtlichen Unbehagen überwanden ihre Verlegenheit. Sie ergriff seinen Arm und zog ihn in den Schutz einer Ecke, wo der Lärm etwas schwächer war.

»Also, warum seid Ihr so wild darauf, dass ich Eure Tochter einstelle?«

Sie konnte sehen, wie sich seine Halsmuskeln bewegten, als er krampfhaft schluckte.

»Es gibt da einen Mann. Er – er will sie. Nicht als Dienstmädchen. Als seine – als seine – Konkubine.« Die Worte kamen als heiseres Flüstern, und ein tiefes Rot verfärbte sein Gesicht.

»Mmpfm«, sagte Brianna und entdeckte plötzlich, wie praktisch dieser zweideutige Ausdruck war. »Ich verstehe. Aber Ihr müsst Eure Tochter doch nicht zu ihm schicken, oder?«

»Ich habe keine Wahl.« Seine Qualen waren unübersehbar. »Mr. Ransom – der Makler – hat ihren Vertrag gekauft.« Er fuhr mit dem Kopf zurück und wies auf einen zäh aussehenden Herrn mit einer Zopfperücke, der sich gerade mit Jamie unterhielt. »Er kann ihn überschreiben, auf wen er will – und er wird sie ohne Zögern diesem … diesem …« Die Verzweiflung überwältigte ihn, und die Worte blieben ihm im Hals stecken.

»Hier, nehmt das.« Hastig löste sie das große Halstuch von ihrem Mieder und gab es ihm. So sah sie zwar nicht mehr ganz schicklich aus, doch dies schien ein Notfall zu sein.

Jedenfalls war es für ihn eindeutig einer. Er tupfte sich blindlings über das Gesicht, bevor er das Tuch sinken ließ und ihre freie Hand zwischen die seinen nahm.

»Er ist ein Viehhändler; er ist zum Viehmarkt gegangen, um seine Tiere zu verkaufen. Wenn er damit fertig ist, kommt er mit dem Geld für ihren Vertrag zurück und nimmt sie in sein Haus in Aberdeen mit. Als ich gehört habe, wie er das zu Ransom sagte, wurde ich furchtbar verzweifelt. Ich habe zum Herrn dringend um ihre Erlösung gebetet. Und dann …« Er schluckte.

»Dann habe ich Euch gesehen – und Ihr saht so stolz und edel und freundlich aus –, und ich dachte, vielleicht sind meine Gebete erhört worden. Oh, Ma’am, ich bitte Euch, ignoriert das Flehen eines Vaters nicht. Nehmt sie!«

»Aber ich fahre nach Amerika! Ihr würdet sie nie …« Sie biss sich auf die Lippe. »Ich meine, Ihr würdet sie – sehr lange nicht mehr wiedersehen.«

Jetzt wurde der verzweifelte Vater vollständig weiß. Er schloss die Augen und schien leicht zu schwanken und in die Knie zu gehen.

»Die Kolonien?«, flüsterte er. Dann öffnete er die Augen wieder und biss die Zähne zusammen.

»Mir ist lieber, sie verlässt mich für immer und geht in die Wildnis, als dass sie vor meinen Augen entehrt wird.«

Brianna hatte keine Ahnung, was sie darauf erwidern sollte. Sie blickte hilflos über den Kopf des Mannes hinweg auf das Meer der auf und ab wippenden Köpfe.

»Äh … Eure Tochter … welche …?«

Das Flackern der Hoffnung in seinen Augen wurde zu einer offenen Flamme von erschreckender Intensität.

»Gott segne Euch, meine Dame! Ich bringe sie sofort zu Euch!«

Er drückte ihr heftig die Hand und schoss dann in die Menge. Sie blieb zurück und starrte ihm nach. Im nächsten Augenblick zuckte sie hilflos mit den Achseln und bückte sich, um ihr am Boden liegendes Halstuch aufzuheben. Wie war das nur gekommen? Und was, in Gottes Namen, würde ihr Onkel und ihr Vetter sagen, wenn sie …

»Das ist Elizabeth«, verkündete eine atemlose Stimme. »Tu, was sich bei einer Dame gehört, Lizzie.«

Brianna sah nach unten und stellte fest, dass ihr die Entscheidung abgenommen war.

»Oje«, murmelte sie beim Anblick des ordentlichen Scheitels in der Mitte des kleinen Kopfes, der sich tief vor ihr verneigte. »Eine Welpe.«

Der Kopf kam wieder hoch, und sie sah sich einem schmalen, ausgehungert aussehenden Gesicht gegenüber, in dem angstvolle, graue Augen den Großteil des vorhandenen Platzes einnahmen.

»Eure Dienerin, Ma’am«, sagte der kleine, blasslippige Mund. Oder zumindest sah es so aus, als hätte sie das gesagt; das Mädchen sprach so leise, dass sie bei all dem Lärm nicht zu hören war.

»Sie wird Euch eine gute Dienerin sein, Ma’am, wirklich!« Die eifrige Stimme des Vaters war besser verständlich. Sie sah ihn an; es bestand eine starke Ähnlichkeit zwischen Vater und Tochter, beide hatten das gleiche feine, blonde Haar, die gleichen schmalen, verschreckten Gesichter. Sie waren beinahe gleich groß, doch das Mädchen war so schmal, dass sie wie der Schatten ihres Vaters wirkte.

»Äh … hallo.« Sie lächelte das Mädchen an und versuchte, einen beruhigenden Eindruck zu machen. Das Mädchen legte angstvoll den Kopf zurück und sah zu ihr hinauf. Sie schluckte sichtbar und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

»Ah … wie alt bist du, Lizzie? Darf ich dich Lizzie nennen?«

Der kleine Kopf nickte auf einem Hals, der aussah wie der Stengel eines Wildpilzes; lang, farblos und grenzenlos zerbrechlich. Das Mädchen flüsterte etwas, das Brianna nicht hörte; sie sah den Vater an, der bereitwillig antwortete.

»Vierzehn, Ma’am. Aber sie kann außerordentlich gut kochen und nähen, ist sehr sauber, und Ihr werdet keine gehorsamere und willigere Seele finden!«

Er stand hinter seiner Tochter, hatte die Hände auf ihre Schultern gelegt, und sein Griff war so fest, dass seine Fingerknöchel weiß durchschienen. Sein Blick traf Briannas. Seine Augen waren blassblau und flehend. Seine Lippen bewegten sich – tonlos, doch sie hörte ihn deutlich.

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