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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Eine wilde Gegend, hatte Jenny gesagt. Und eine gefährliche Gegend, wo das Leben von einem Pulsschlag zum nächsten vom komischen Problem eines Schweins in der Vorratskammer in die unmittelbare Bedrohung durch einen gewaltsamen Tod umschlagen konnte.

»Und ich hatte gedacht, das hier wäre primitiv«, murmelte sie mit einem Blick auf das Torffeuer in der Feuerstelle.

Also doch nicht so primitiv, dachte sie, als sie Ian über den Scheunenhof und an den Nebengebäuden vorbei aufs freie Feld folgte. Alles war gut in Schuss und ordentlich, die Trockenmauern und Gebäude in gutem Zustand, wenn auch ein bisschen schäbig. Die Hühner waren sorgsam in ihren eigenen Hof gesperrt, und eine Wolke aus Fliegen, die hinter der Scheune schwebte, zeigte die geziemende Position eines Misthaufens in ausreichender Entfernung vom Haus an.

Der einzige Unterschied, den sie zwischen diesem Bauernhof und einem modernen hatte sehen können, war das Fehlen vor sich hinrostender Geräte; eine Schaufel lehnte an der Scheune, und in einem Verschlag standen zwei oder drei zerbeulte Pflugscharen, doch es gab keinen klapprigen Traktor, kein Kabelgewirr und keine verstreuten Metallteile.

Die Tiere waren gesund, wenn auch etwas zierlicher als ihre modernen Gegenstücke. Ein lautes »Bäääh!« verriet die Anwesenheit einer kleinen Herde gut genährter Schafe auf einer Koppel am Hang. Die Tiere trabten neugierig an den Zaun, als sie vorbeikamen; ihre Wollrücken wackelten, und ihre gelben Augen glänzten erwartungsvoll.

»Verwöhnte Biester«, sagte Ian, lächelte aber dabei. »Ihr glaubt auch, jeder, der hier heraufkommt, kommt euch füttern, was? Die gehören meiner Frau«, fügte er, an Brianna gewandt, hinzu. »Sie gibt ihnen die ganzen Abfälle aus dem Gemüsegarten, bis man meint, sie müssten platzen.«

Der Hammel, ein majestätisches Geschöpf mit großen, gewundenen Hörnern, streckte seinen Kopf über den Zaun und gab ein gebieterisches »Beheheh!« von sich, das seine getreue Herde unverzüglich aufgriff.

»Verdrück dich, Hughie«, sagte Ian im Tonfall nachsichtiger Verachtung. »Noch bist du keine Hammelkeule, aber der Tag wird kommen, aye?« Er verabschiedete den Hammel mit einer Handbewegung und wandte sich mit schwingendem Kilt hügelwärts.

Brianna fiel einen Schritt zurück und beobachtete ihn fasziniert beim Gehen. Ian trug seinen Kilt mit einer Aura, die für sie völlig neu war; nicht als Kostüm oder Uniform – er war sich des Kleidungsstückes bewusst, doch eher so, als wäre es ein Teil seines Körpers denn ein Bekleidungsgegenstand.

Dennoch wusste sie, dass es alles andere als alltäglich für ihn war, ihn zu tragen; Jenny hatte die Augen weit aufgerissen, als er zum Frühstück heruntergekommen war; dann hatte sie den Kopf gesenkt und ihr Lächeln in ihrer Tasse versteckt. Der kleine Jamie hatte mit einer schwarzen Augenbraue in Richtung seines Vaters gezuckt, sich einen verständnislosen Blick eingefangen und sich mit einem leichten Achselzucken und einem jener leisen, unterirdischen Geräusche, die man bei schottischen Männern so häufig hört, seinem Würstchen gewidmet.

Der Stoff des Plaids war alt – sie konnte sehen, dass er in den Kniffen verblichen und am Saum verschlissen war –, doch er war sorgsam aufbewahrt worden. Nach Culloden hatten sie ihn wahrscheinlich versteckt, zusammen mit ihren Pistolen und Schwertern, den Dudelsäcken und ihren Melodien – all den Symbolen ihres unterworfenen Stolzes.

Nein, nicht ganz unterworfen, dachte sie und spürte ein merkwürdiges, leichtes Ziehen im Herzen. Sie dachte an Roger Wakefield, wie er unter dem grauen Himmel auf dem Schlachtfeld von Culloden neben ihr hockte, sein Gesicht hager und dunkel, die Augen vom Wissen um die Toten ringsum überschattet.

»Schotten haben ein langes Gedächtnis«, hatte er gesagt, »und sie sind kein sehr nachsichtiges Volk. Da draußen steht ein Clanstein, auf dem der Name MacKenzie steht, und darunter liegt eine Menge meiner Verwandten.« Dann hatte er gelächelt, doch es war nicht im Scherz gewesen. »Ich nehme das nicht so persönlich wie manch anderer, aber ich habe es auch nicht vergessen.«

Nein, nicht unterworfen. Nicht in tausend Jahren voll Zwist und Verrat, und nicht jetzt. Besiegt, verstreut, aber immer noch lebendig. Wie Ian, verstümmelt, aber aufrecht. Wie ihr Vater, vertrieben, aber immer noch ein Highlander.

Mit einiger Anstrengung schob sie den Gedanken an Roger von sich und beeilte sich, um mit Ians langen, hinkenden Schritten mitzuhalten.

Sein hageres Gesicht hatte vor Freude aufgeleuchtet, als sie ihn gebeten hatte, ihr Lallybroch zu zeigen. Sie hatten abgesprochen, dass Jamie sie in einer Woche nach Inverness bringen und dafür sorgen würde, dass sie einen Platz auf einem Schiff in die Kolonien fand, und sie hatte vor, diese Zeit auszunutzen.

Sie wanderten – eiligen Schrittes trotz Ians Bein – durch die Felder zu den niedrigen Hügeln, die das Tal im Norden begrenzten und zu dem Pass in den schwarzen Felsen hin anstiegen. Es war wunderschön hier, dachte sie. Die blassgrünen Hafer- und Gerstenfelder wogten im wechselnden Licht, Wolkenschatten jagten durch die Frühlingssonne, getrieben vom Wind, der die sprießenden Grasstengel niederbeugte.

Ein Feld lag in langen, dunklen Furchen aus nackter, aufgehäufter Erde da. Am Rand des Feldes lag ein großer Haufen grober Steine ordentlich aufgestapelt.

»Ist das ein Grabhügel?«, fragte sie Ian und senkte ehrfurchtsvoll die Stimme. Solche Hügel dienten dem Gedenken der Toten, hatte ihre Mutter ihr gesagt – manche seit uralter Zeit –, und jeder Besucher fügte im Vorübergehen einen neuen Stein hinzu.

Er sah sie überrascht an, folgte ihrer Blickrichtung und grinste.

»Ah, nein, Kleine. Das sind die Steine, die im Frühling beim Pflügen zum Vorschein gekommen sind. Jedes Jahr holen wir sie aus dem Boden, und jedes Jahr kommen neue. Hol mich der Teufel, wenn ich weiß, woher sie kommen«, fügte er hinzu und schüttelte resigniert den Kopf. »Ich schätze, die Steinfeen kommen des Nachts und säen sie aus.«

Sie wusste nicht, ob das ein Witz war oder nicht. Unsicher, ob sie lachen sollte, stellte sie stattdessen eine Frage.

»Was werdet ihr hier pflanzen?«

»Oh, es ist schon gepflanzt.« Ian beschattete seine Augen und blinzelte voller Stolz über das langgezogene Feld hinweg. »Das ist unser Erdäpfelfeld. Ende des Monats sind die neuen Ranken da.«

»Erdäpfel – oh, Kartoffeln!« Sie betrachtete das Feld mit neu erwachtem Interesse. »Mama hat mir davon erzählt.«

»Aye, es war Claires Idee – und zwar eine gute. Die Kartoffeln haben uns schon mehr als einmal vor dem Verhungern gerettet.« Er lächelte kurz, sagte aber nichts mehr und schritt weiter auf die wilden Hügel jenseits der Felder zu.

Es war ein langer Weg. Der Tag war windig, aber warm, und Brianna schwitzte, als sie endlich mitten auf dem groben Pfad in der Heide anhielten. Der enge Pfad schien unentschlossen zwischen einem steilen Berghang und einem noch steiler abfallenden Felsvorsprung zu schweben, der in einem plätschernden Bächlein endete.

Ian blieb stehen, wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn und bedeutete ihr, sich zwischen die aufgehäuften Granitbrocken zu setzen. Von diesem Aussichtspunkt aus lag das Tal unter ihnen, der Hof sah klein und deplaziert aus, seine Felder eine schwache Einmischung der Zivilisation in die umliegende Wildnis aus Felsgipfeln und Heide.

Er holte eine Steingutflasche aus dem Sack, den er bei sich trug, und entkorkte sie mit den Zähnen.

»Daran ist auch deine Mutter schuld«, sagte er grinsend und gab ihr die Flasche. »Dass ich meine Zähne noch habe, meine ich.« Er fuhr sich nachdenklich mit der Zungenspitze über die Schneidezähne und schüttelte den Kopf.

»Hat es wirklich mit dem Grünzeug, deine Mutter, aber ich kann mich nicht beschweren, was? Die meisten Männer in meinem Alter essen jetzt nur noch Porridge.«

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