Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Hier und dort standen ein Mann oder eine Frau aufrecht inmitten der Gruppe und drängten sich nach vorn, das Kinn vorgestreckt und die Schultern gerade, um ihre gute Gesundheit und geistige Kraft unter Beweis zu stellen. Doch der größte Teil dieser Menschen, die sich selbst zum Verkauf anboten, betrachtete die Vorbeigehenden argwöhnisch mit pfeilschnellen Blicken, deren Ausdruck zwischen Hoffnung und Angst erstarrt war – und sie allzu sehr an die Hunde im Tierheim erinnerte, in das ihr Vater sie mitgenommen hatte, damit sie sich ein Haustier aussuchte.
Es hockten auch mehrere Familien mit Kindern dort, die sich an ihre Mütter klammerten oder ausdruckslos neben ihren Eltern verharrten. Brianna versuchte, den Blick abzuwenden; es waren schon immer die Welpen gewesen, die ihr das Herz gebrochen hatten.
Der kleine Jamie umkreiste die Gruppe langsam und hielt den Hut gegen seine Brust gepresst, damit er nicht von der Menge zerdrückt wurde. Er hatte die Augen halb geschlossen, während er das Angebot studierte. Ihr Onkel Ian war zum Schifffahrtsbüro gegangen, um ihre Überfahrt nach Amerika zu arrangieren, und hatte es ihrem Vetter überlassen, einen Bediensteten auszusuchen, der sie auf der Reise begleiten sollte. Sie hatte vergeblich eingewandt, dass sie keinen Bediensteten brauchte; schließlich war sie – nach allem, was sie wussten – auch allein von Frankreich nach Schottland gereist und dabei in keinerlei Gefahr gewesen.
Die Männer hatten genickt und gelächelt und alle Zeichen höflicher Aufmerksamkeit an den Tag gelegt – und hier war sie nun und folgte Jamie gehorsam durch die Menschenmenge wie eins von Jennys Schafen. Langsam wurde ihr klar, was genau ihre Mutter gemeint hatte, als sie die Frasers mit »stur wie Felsbrocken« beschrieben hatte.
Trotz des Aufruhrs, der sie umgab, und ihrer Verärgerung über ihre männlichen Verwandten tat ihr Herz bei dem Gedanken an ihre Mutter einen kleinen, aufgeregten Sprung. Erst jetzt, da sie mit Sicherheit wusste, dass es ihrer Mutter gutging, konnte sie sich eingestehen, wie schmerzlich sie sie vermisst hatte. Und ihren Vater – jenen unbekannten Highlander, der für sie so plötzlich und unmittelbar lebendig geworden war, als sie seine Briefe gelesen hatte. Die Tatsache, dass ein Ozean zwischen ihnen lag, schien kaum mehr als eine kleine Unannehmlichkeit zu sein.
Ihr Vetter Jamie unterbrach ihre verträumten Gedanken, indem er ihren Arm ergriff und sich zu ihr hinüberbeugte, um ihr ins Ohr zu rufen.
»Der Kerl da drüben mit der Augenklappe«, sagte er in einem gedämpften Bellton und zeigte mit dem Kinn auf den fraglichen Herrn. »Was hältst du von ihm, Brianna?«
»Ich würde sagen, er sieht aus wie der Würger von Boston«, murmelte sie, dann rief sie lauter in das Ohr ihres Vetters: »Er sieht aus wie ein Ochse! Nein!«
»Er ist kräftig, und er sieht ehrlich aus!«
Brianna fand, dass der fragliche Herr zu dumm aussah, um unehrlich zu sein, doch sie sah davon ab, es auszusprechen, und schüttelte nur nachdrücklich den Kopf.
Jamie zuckte stoisch mit den Achseln und nahm seine Betrachtung der potentiellen Leibeigenen wieder auf. Er umkreiste diejenigen, die ihn besonders interessierten, und betrachtete sie eingehend auf eine Weise, die ihr wahrscheinlich extrem unhöflich vorgekommen wäre, hätten sich nicht diverse andere potentielle Arbeitgeber genauso verhalten.
»Pastetchen! Heiße Pastetchen!« Ein schrilles Kreischen durchschnitt den tosenden Lärm in der Halle, und als Brianna sich umdrehte, sah sie eine alte Frau, die sich unerschütterlich mit den Ellbogen ihren Weg bahnte. Ein dampfendes Tablett hing ihr um den Hals, und sie hatte einen Holzschieber in der Hand.
Der himmlische Duft von frischem, heißem Teig und würzigem Fleisch durchschnitt die anderen, beißenden Gerüche in der Halle. Er war genauso auffällig wie die Rufe der Frau. Das Frühstück war schon lange her, und Brianna grub in ihrer Tasche nach, während ihr das Wasser im Mund zusammenlief.
Ian hatte ihren Geldbeutel mitgenommen, um ihre Überfahrt zu bezahlen, doch sie hatte ein paar lose Münzen; sie hielt eine davon hoch und schwenkte sie hin und her. Die Pastetenverkäuferin sah das Silber aufblitzen, wechselte unverzüglich den Kurs und lavierte durch die schnatternde Menge. Vor Brianna drehte sie bei und streckte die Hand in die Höhe, um die Münze zu ergattern.
»Himmel, hilf, eine Riesin!«, sagte sie und entblößte grinsend ihre kräftigen, gelben Zähne, während sie den Kopf zurücklegte, um Brianna anzusehen. »Am besten nimmste zwei, Kleine. Eine reicht niemals für’n langes Luder wie dich!«
Köpfe wandten sich um, und Gesichter grinsten zu ihr hoch. Sie überragte die meisten Männer in ihrer Nähe um einen halben Kopf. Etwas verlegen über die Aufmerksamkeit, die sie erregte, warf Brianna dem nächstbesten Übeltäter einen kalten Blick zu. Dies schien den jungen Mann extrem zu amüsieren; er stolperte rückwärts gegen seinen Freund, fasste sich an die Brust und tat so, als sei er überwältigt.
»Mein Gott!«, sagte er. »Sie hat mich angesehen! Mir bleibt das Herz stehen!«
»Och, tu dich weg«, spottete sein Freund und zog ihn hoch. »Sie hat mich angesehen; wer würde denn dich ansehen, wenn es auch anders geht?«
»Gar nicht wahr«, protestierte sein Freund. »Ich war’s – stimmt’s nicht, Süße?« Er schmachtete sie mit Kuhaugen an und sah dabei so lächerlich aus, dass sie gemeinsam mit der umstehenden Menge lachte.
»Und was würd’ste mit ihr anfangen, wenn du sie hättest, häh? Sie würde Kleinholz aus dir machen. Und jetzt ab mit dir, Junge«, sagte die Pastetenverkäuferin und knallte dem jungen Mann beiläufig ihren Holzschieber über den Hintern. »Vielleicht hast du ja nichts zu tun, aber ich schon. Und die junge Frau verhungert noch, wenn du nicht aufhörst, dich zum Narren zu machen, und sie etwas zu essen kaufen lässt, aye?«
»Sie sieht mir ganz wohlgenährt aus, Oma.« Briannas Verehrer ignorierte sowohl die Beleidigung als auch die Ermahnung und begaffte sie schamlos. »Und was den Rest angeht – hol mir ’ne Leiter, Bobby, ich hab keine Höhenangst.«
Unter tobendem Gelächter wurde der junge Mann von seinen Freunden fortgezerrt. Er machte laute Kussgeräusche über seine Schulter hinweg, während er widerstrebend von dannen zog. Brianna nahm ihr Restgeld in Kupfermünzen entgegen und zog sich in eine Ecke zurück, um ihre beiden heißen Rindfleischpasteten zu essen. Ihr Gesicht war immer noch rot vom Lachen und vor Befangenheit.
Seit sie eine schlaksige Siebtklässlerin gewesen war, die all ihre Klassenkameraden überragte, war sie sich ihrer Größe nicht mehr so bewusst gewesen. Bei ihren hochgewachsenen Vettern hatte sie sich wohl gefühlt, doch es stimmte; hier stach sie hervor wie ein verletzter Daumen, obwohl sie Jennys Drängen nachgegeben und ihr Männergewand gegen ein Kleid ihrer Cousine Janet eingetauscht hatte, das hastig geändert und am Saum ausgelassen worden war.
Ihr Gefühl der Befangenheit wurde dadurch nicht besser, dass es zu dem Kleid keine Unterwäsche gab außer dem langen Hemd. Niemand schien etwas dabei zu finden, doch sie war sich des ungewohnten Gefühls der Luftigkeit in ihren unteren Gefilden genauso bewusst wie des merkwürdigen Gefühls, das ihre nackten Oberschenkel erzeugten, wenn sie beim Gehen aneinanderstreiften, denn ihre Seidenstrümpfe endeten knapp über dem Knie in einem Strumpfband.
Ihre Verlegenheit und das luftige Gefühl waren vergessen, als sie in die erste heiße Pastete biss. Es war ein dickes, halbmondförmiges, heißes Küchlein, gefüllt mit Hacksteak und Talg und mit Zwiebeln gewürzt. Eine Explosion aus heißem, schmackhaftem Saft und lockerem Pastetenteig erfüllte ihren Mund, und sie schloss selig die Augen.