Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Sie hat immer gesagt, ich müsste mein Gemüse aufessen, als ich klein war. Und nach jeder Mahlzeit Zähne putzen.« Brianna nahm ihm die Flasche ab und kippte den Inhalt in ihren Mund; das Ale war kräftig und bitter, aber angenehm kühl nach dem langen Weg.
»Als du klein warst, was?« Belustigt musterte Ian sie der Länge nach. »So ein Prachtmädchen habe ich noch nicht oft gesehen. Ich würde sagen, deine Mutter hat ihre Sache gut gemacht, aye?«
Sie lächelte und gab ihm die Flasche zurück.
»Zumindest war sie so klug, einen großen Mann zu heiraten«, sagte sie sarkastisch.
Ian lachte und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Er sah sie liebevoll an, und Wärme lag in seinen braunen Augen.
»Ah, es ist eine Freude, dich anzusehen, Schätzchen. Du bist ihm sehr ähnlich, das ist wahr. Himmel, was würde ich darum geben, dabei zu sein, wenn Jamie dich sieht!«
Sie blickte zu Boden und biss sich auf die Lippen. Der Boden war dicht mit Farnen bestanden, und ihr Weg hügelaufwärts war deutlich daran zu verfolgen, dass sie die grünen Farnwedel, die den Pfad überwuchert hatten, zertreten und zur Seite gedrückt hatten.
»Ich weiß nicht, ob er Bescheid weiß oder nicht«, platzte sie heraus. »Über mich.« Sie sah zu ihm auf. »Er hat euch nichts gesagt.«
Ian lehnte sich ein wenig zurück und runzelte die Stirn.
»Nein, das stimmt«, sagte er langsam. »Aber ich denke, er hatte wohl keine Zeit, davon zu sprechen, selbst wenn er es wusste. Er ist nicht lange geblieben, das letzte Mal, als er hier war mit Claire. Und dann war es ein solches Durcheinander, mit allem, was passiert ist …« Er hielt inne, spitzte die Lippen und sah sie an.
»Deine Tante macht sich deswegen große Sorgen«, sagte er. »Sie meint, du machst ihr vielleicht Vorwürfe.«
»Vorwürfe?« Sie starrte ihn verwundert an.
»Wegen Laoghaire.« Seine braunen Augen fixierten die ihren gebannt.
Ein leiser Schauer überkam Brianna bei dem Gedanken an diese blassen Augen, kalt wie Murmeln, und die hasserfüllten Worte der Frau.
Sie hatte sie als schlichte Bosheit abgetan, doch der »Zuhälter« und der »Betrüger« klangen ihr noch unangenehm in den Ohren.
»Was hat denn Tante Jenny mit Laoghaire zu tun gehabt?«
Ian seufzte und strich sich eine dichte Strähne seines braunen Haars zurück, die ihm ins Gesicht gefallen war.
»Sie hat dafür gesorgt, dass Jamie die Frau geheiratet hat. Sie hat es wirklich gut gemeint«, sagte er warnend. »Wir haben Claire schließlich die ganzen Jahre lang für tot gehalten.«
Sein Tonfall war fragend, doch Brianna nickte nur, den Blick auf den Boden gerichtet, und zog den Stoff über ihrem Knie glatt. Dies waren gefährliche Gefilde; besser, nichts zu sagen, wenn es möglich war. Einen Moment später fuhr Ian fort.
»Das war, als er aus England heimgekommen war – er hat dort nach dem Aufstand ein paar Jahre als Gefangener gelebt …«
»Ich weiß.«
Ians Augenbrauen fuhren überrascht in die Höhe, doch er sagte nichts und schüttelte nur den Kopf.
»Aye, gut. Als er zurückkam, war er – verändert. Na ja, das ist verständlich, aye?« Er lächelte kurz und senkte dann den Blick, während seine Finger den Stoff seines Kilts in Falten legten.
»Es war, als redete man mit einem Geist«, sagte er leise. »Er sah einen an und lächelte und antwortete – aber eigentlich war er nicht da.« Er holte tief Luft, und sie sah die Falten zwischen seinen Augen, tief eingegraben vor Konzentration.
»Vorher – nach Culloden – da war es anders. Er war schwer verletzt – und er hatte Claire verloren …« Er sah sie kurz an, doch sie schwieg immer noch, und er sprach weiter.
»Das war eine furchtbare Zeit. Viele Menschen sind damals gestorben; im Kampf, durch Krankheiten oder vor Hunger. Die englischen Soldaten sind mordend und brandschatzend durchs Land gezogen. In so einer Zeit kann man ans Sterben nicht einmal denken, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, zu überleben und seine Familie am Leben zu erhalten.«
Ein schwaches Lächeln umspielte Ians Lippen, und seine persönliche Belustigung tauchte den Kummer der Erinnerung in ein seltsames Licht.
»Jamie hat sich versteckt«, sagte er und wies mit einer abrupten Geste auf den Berghang über ihnen. »Da. Hinter dem großen Ginsterbusch auf halbem Weg zum Gipfel ist eine kleine Höhle. Ich wollte sie dir zeigen, deshalb habe ich dich hergebracht.«
Ihr Blick folgte seinem Finger den mit Heide und Felsbrocken übersäten Hang hinauf, auf dem Unmengen winziger Blumen wuchsen. Sie sah keine Spur von einer Höhle, doch der Ginsterbusch mit seinen flammend gelben Blüten war unübersehbar und leuchtete wie eine Fackel.
»Einmal bin ich heraufgekommen, um ihm etwas zu essen zu bringen, als er Fieber hatte. Ich habe ihm gesagt, er müsste mit mir zum Haus herunterkommen, weil Jenny Angst hatte, er würde hier oben ganz allein sterben. Er hat seine Augen aufgemacht, die vor Fieber glänzten, und seine Stimme war so heiser, dass ich ihn kaum hören konnte. Er sagte, Jenny sollte sich keine Sorgen machen; es sähe zwar so aus, als hätte sich alle Welt vorgenommen, ihn umzubringen, doch er hätte nicht vor, es ihnen leichtzumachen. Dann hat er seine Augen wieder zugemacht und ist eingeschlafen.«
Ian sah sie voll Ironie an. »Ich war mir nicht sicher, ob er wirklich das letzte Wort behalten würde, wenn es darum ging, ob er sterben würde oder nicht. Also bin ich über Nacht bei ihm geblieben. Aber er hatte recht; er ist ziemlich stur, weißt du?« In seinem Tonfall lag der leise Anflug einer Entschuldigung.
Brianna nickte, doch der Kloß in ihrem Hals hinderte sie am Sprechen. Stattdessen stand sie auf und ging den Berg hinauf. Ian protestierte nicht, sondern blieb auf seinem Felsen sitzen und beobachtete sie.
Es war ein steiler Aufstieg, und kleine, dornige Pflanzen verfingen sich in ihren Strümpfen. Als sie sich der Höhle näherte, musste sie auf allen vieren aufwärtsklettern, um auf dem steilen Granithang das Gleichgewicht zu behalten.
Der Höhleneingang war kaum mehr als eine Spalte im Felsen, deren Öffnung sich nach unten hin zu einem kleinen Dreieck verbreiterte. Sie kniete sich hin und steckte Kopf und Schultern hinein.
Die Kühle traf sie unvermittelt; sie spürte, wie die Feuchtigkeit auf ihren Wangen kondensierte. Es dauerte einen Augenblick, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, doch es sickerte genug Licht an ihren Schultern vorbei in die Höhle, dass sie etwas sehen konnte.
Sie war vielleicht zweieinhalb Meter lang und zwei Meter breit, eine halbdunkle Höhlung, deren Boden aus Erde bestand und deren Decke so niedrig war, dass man nur in der Nähe des Eingangs aufrecht stehen konnte. Wenn man sich längere Zeit darin aufhielt, musste man sich vorkommen, als wäre man eingemauert.
Sie zog schnell den Kopf heraus und atmete die frische Frühlingsluft in tiefen Zügen ein. Ihr Herz klopfte heftig.
Sieben Jahre! Sieben Jahre hier gelebt zu haben, in Schmutz und Kälte und nagendem Hunger. Ich würde es keine sieben Tage aushalten, dachte sie.
Wirklich nicht?, fragte ein anderer Teil ihres Verstandes. Und da war es wieder, das winzige Klicken des Wiedererkennens, das sie verspürt hatte, als sie Ellens Porträt betrachtet und dabei das Gefühl hatte, dass sich ihre Finger um einen unsichtbaren Pinsel schlossen.
Sie drehte sich langsam um und setzte sich mit dem Rücken zur Höhle hin. Es war sehr still hier auf dem Berghang, doch still in der Art der Berge und Wälder, eine Stille, die alles andere als lautlos war, sondern sich aus permanenten Einzelgeräuschen zusammensetzte.
In dem Ginsterbusch neben ihr erklang das leise Summen der Bienen, die die gelben Blüten abarbeiteten und mit Pollen bestäubt waren. Weit unten rauschte der Bach, ein tiefer Ton, der wie ein Echo das Rauschen des Windes aufgriff, der hier oben an die Blätter rührte, in den Zweigen klapperte und über die schroffen Felsen hinwegseufzte.
Sie saß still und lauschte und glaubte zu wissen, was Jamie Fraser hier gefunden hatte.