Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Lizzie stand stocksteif da und hatte die Arme fest um sich selbst geschlungen. Ihre Ohren waren groß und durchsichtig, ihr feines, dünnes Haar lag glatt an ihrem Schädel. Ihre Ohren standen ab wie die eines Mäuschens, zart und zerbrechlich im sanften, gedämpften Licht der niedrigen Nachtsonne.
Brianna hob die Hand und wischte die Tränen weg, die sie ertasten konnte. Ihre Augen waren trocken und ihre Zähne fest zusammengebissen, als sie über Lizzies Kopf hinweg zum Festland hinübersah, doch das kalte Gesicht und die zitternden Lippen, die sie mit der Hand spürte, hätten genauso gut ihre eigenen sein können.
Sie standen noch eine Zeitlang schweigend da, bis das Land vollständig verschwunden war.
Kapitel 36
Es gibt kein Zurück
Inverness
Juli 1769
Roger ging langsam durch die Stadt und sah sich mit einer Mischung aus Faszination und Entzücken um. Inverness hatte sich in den letzten zweihundert Jahren ziemlich verändert, kein Zweifel, und doch war es eindeutig dieselbe Stadt; sicher, es war ein ganzes Stück kleiner, und die Hälfte seiner schlammigen Straßen war ungepflastert, und doch kannte er die Straße, die er gerade entlangspazierte, war sie schon hundert Mal entlangspaziert.
Es war die Huntly Street, und während die meisten der kleinen Geschäfte und Gebäude ihm neu waren, stand am anderen Flussufer die Old High Church – zurzeit noch nicht ganz so alt –, und ihr stämmiger Turm war so kantig wie eh und je. Wenn er jetzt eintreten würde, würde doch bestimmt gerade Mrs. Dunvegan, die Frau des Pfarrers, die Blumen für den Sonntagsgottesdienst auf der Kanzel arrangieren, oder? Nein, das würde sie nicht – Mrs. Dunvegan mit ihren dicken Wollpullovern und den fürchterlichen Napfkuchen, mit denen sie die kranken Gemeindemitglieder traktierte, gab es noch gar nicht. Und doch stand die kleine Steinkirche fest und vertraut da, in der Obhut eines Fremden.
Die Kirche seines Vaters war noch nicht da; sie war – würde? – 1837 gebaut worden. Ebenso hatte man das Pfarrhaus, das ihm immer so alt und gebrechlich vorgekommen war, erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gebaut. Er war an dem Grundstück vorbeigekommen; im Augenblick befand sich dort nur ein Dickicht aus Fingerkraut und Ginster, und ein einzelner Ebereschenschössling spross aus dem Unterholz hervor und ließ sein Laub im sanften Wind flattern.
Dieselbe feuchte Kühle lag in der Luft, frisch und kribbelnd – doch der allgegenwärtige Gestank der Autoabgase fehlte und war einem schwachen Abwassergeruch gewichen. Was ihm am meisten auffiel, war das Fehlen der Kirchen; dort, wo eines Tages beide Ufer von vornehmen Türmen und Spitzdächern nur so wimmeln würden, verteilten sich jetzt nur kleine Häuser.
Es gab nur die eine, steinerne Fußgängerbrücke, doch der River Ness war ganz der alte. Der Fluss war nicht tief, in den Stromschnellen saßen die gleichen Möwen und kreischten sich gegenseitig zu, während sie zwischen den Steinen, die gerade eben unter der Wasseroberfläche lagen, kleine Fische fingen.
»Viel Glück, Kumpel«, sagte er zu einer feisten Möwe, die auf der Brücke saß, und ging über den Fluss in die Stadt.
Hier und dort stand ein elegantes Anwesen, abgeschirmt durch ein großes Grundstück, eine Dame von Welt, die ihre Röcke ausbreitete und die Anwesenheit des umstehenden Pöbels ignorierte. In einiger Entfernung von ihm stand Mountgerald; das große Haus sah exakt so aus, wie er es in Erinnerung hatte, nur dass die großen Rotbuchen, die es später umgeben würden, noch nicht gepflanzt waren; stattdessen lehnte sich eine Reihe spindeldürrer, italienischer Zypressen traurig an die Gartenmauer und machten ganz den Eindruck, als hätten sie Heimweh nach ihrem sonnigen Geburtsland.
Trotz seiner Eleganz sagte man Mountgerald nach, das Haus sei in der denkbar ältesten Tradition gebaut worden – indem man das Fundament über einem Menschenopfer errichtete. Der Sage nach hatte man einen Arbeiter in das Kellerloch gelockt und ihm von der neu gebauten Mauer aus einen Stein auf den Kopf fallen lassen, der ihn erschlug. Er war – so besagte die Lokalgeschichte – dort im Keller begraben worden, sein Blut ein Sühneopfer für die hungrigen Erdgeister, welche somit zufriedengestellt gestattet hatten, dass das Gebäude die Jahre blühend und unbehelligt überstand.
Im Augenblick konnte das Haus nicht älter sein als zwanzig oder dreißig Jahre. Es war gut möglich, dass noch Menschen in der Stadt lebten, die an seiner Errichtung mitgearbeitet hatten; die genau wussten, was in diesem Keller geschehen war, wem und warum.
Doch er hatte anderes zu tun; Mountgerald und sein Geist würden ihr Geheimnis für sich behalten müssen. Mit einem leisen Stich des Bedauerns ließ er das große Haus hinter sich und wandte seine Historikernase der Straße zu, die flussabwärts zu den Docks führte.
Mit einem Gefühl, das man nur als Déjà-vu bezeichnen konnte, schob er die Tür einer Kneipe auf. Der Fachwerkeingang mit dem Steinfußboden war derselbe, den er noch vor einer Woche gesehen hatte – und in zweihundert Jahren –, und der vertraute Geruch von Hopfen und Gerste in der Luft tröstete seine Lebensgeister. Der Name hatte sich verändert, doch der Biergeruch nicht.
Roger trank einen tiefen Schluck aus seinem Holzbecher und verschluckte sich fast. »Alles in Ordnung, Mann?« Der Wirt blieb stehen, einen Eimer Sand in der Hand, und sah Roger an.
»Klar«, sagte Roger heiser. »Alles klar.«
Der Wirt nickte und streute weiter seinen Sand aus, doch er behielt Roger aus Erfahrung im Blick für den Fall, dass dieser drohte sich auf den frisch gekehrten und mit Sand bestreuten Boden zu übergeben.
Roger hustete und räusperte sich, dann probierte er vorsichtig noch einen Schluck. Der Geschmack war in Ordnung; er war sogar sehr gut. Es war der Alkoholgehalt, mit dem er nicht gerechnet hatte; dieses Zeug hatte es in sich wie kein modernes Bier, das Roger je untergekommen war. Claire hatte gesagt, Alkoholismus sei typisch für diese Zeit, und Roger konnte gut sehen, warum. Wenn allerdings Alkoholismus das größte Problem gewesen wäre, dem er sich gegenübersah, dann hätte er damit umgehen können.
Er saß still an der Feuerstelle, trank und genoss das dunkle, bittere Gebräu, während er beobachtete und die Ohren spitzte.
Es war eine Hafenkneipe, und sie war gut besucht. Da sie so nah an den Docks am Moray Firth lag, beherbergte sie Schiffskapitäne und Kaufleute ebenso wie Matrosen von den Schiffen, die im Hafen vor Anker lagen, und Hafenarbeiter und Arbeiter aus den umliegenden Lagerhäusern. Auf den bierfleckigen Oberflächen ihrer zahlreichen Tische wurde eine Vielzahl von Geschäften besiegelt.
Mit halbem Ohr konnte Roger hören, wie ein Vertrag für die Verschiffung von dreihundert Ballen billigen Drogettstoffes aus Aberdeen in die Kolonien abgeschlossen wurde, der gegen eine Schiffsladung Reis und Indigo aus Carolina ausgetauscht werden sollte. Hundert Gallowayrinder, sechs Zentner Kupfer, Fässer mit Schwefel, Melasse und Wein. Mengen und Preise, Lieferdaten und -bedingungen trieben durch das Gerede und den Biergeruch der Kneipe wie die dichten, blauen Tabakrauchwolken, die knapp unter den niedrigen Deckenbalken schwebten.
Doch es wurde nicht nur mit Waren gehandelt. In einer Ecke saß ein Schiffskapitän, wie man an seinem langschößigen Rock und dem feinen, schwarzen Dreispitz erkennen konnte, der neben seinem Ellbogen auf dem Tisch lag. Ein Gehilfe assistierte ihm, und Hauptbuch und Geldkassette lagen vor ihm auf dem Tisch, während er einen unablässigen Strom von Menschen anhörte, Emigranten, die für sich und ihre Familien eine Möglichkeit zur Überfahrt in die Kolonien suchten.