Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Herr im Himmel, du bist wie mein Bruder.«
Als sie allein war, wandte sich Brianna wieder dem Brief zu, las noch einmal langsam den Anfang und ließ den Raum um sie herum verblassen, verschwinden, als Jamie Fraser in ihren Händen lebendig wurde, seine Stimme so lebendig in ihrem inneren Ohr, dass er hätte vor ihr stehen können, das rote Haar glänzend in der Sonne, die durch das Fenster schien.
Samstag, 1. Oktober
Große Überraschung heute. Zwei Gäste sind aus Cross Creek gekommen. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich Dir von Lord John Grey erzählt habe, den ich aus Ardsmuir kenne. Ich habe Dir nicht erzählt, dass ich ihn zwischenzeitlich auf Jamaika getroffen hatte, wo er der Gouverneur der Krone war.
Er ist vielleicht der letzte Mensch, den man in dieser entlegenen Gegend erwarten würde. So weit entfernt von allen Spuren der Zivilisation, ganz zu schweigen von den luxuriösen Amtsgebäuden und dem Prunk und Pomp, den er gewohnt ist. Jedenfalls waren wir höchst erstaunt über sein Erscheinen, obwohl wir ihn sofort herzlich empfangen haben.
Leider muss ich sagen, dass es ein trauriges Ereignis ist, welches ihn hergeführt hat. Seine Frau, die mit ihrem Sohn aus England unterwegs war, hat sich unterwegs eine fiebrige Erkrankung zugezogen und ist noch auf See daran gestorben. Aus Angst, dass sich die Miasmen der Tropen für den Jungen genauso tödlich wie für seine Mutter erweisen könnten, beschloss Lord John, dass der Junge nach Virginia gehen sollte, wo Lord Johns Familie beachtlichen Landbesitz hat, und er entschloss sich, ihn selbst dorthin zu begleiten, da er sehen konnte, dass der Junge vom Verlust seiner Mutter schwer getroffen war.
Ich drückte ihm mein Erstaunen wie auch meine Zufriedenheit darüber aus, dass sie sich zu dem Umweg entschlossen haben, der nötig war, um diesen entlegenen Ort aufzusuchen, doch Lord John will nichts davon hören und sagt, es sei sein Wunsch, dass der Junge etwas von den verschiedenen Kolonien sieht, damit er den Reichtum und die Vielfalt dieses Landes schätzen lernt. Der Junge kann es nicht abwarten, den Indianern zu begegnen – und erinnert mich in dieser Beziehung an Ian vor nicht allzu langer Zeit.
Er ist ein hübscher Junge, hochgewachsen und wohlgeformt für sein Alter, welches, so glaube ich, ungefähr zwölf ist. Er trauert immer noch um den Tod seiner Mutter, doch er ist ein angenehmer Gesprächspartner und hat gute Manieren, denn schließlich ist er ein Graf (Lord John ist sein Stiefvater, glaube ich; sein Vater ist der Graf von Ellesmere gewesen). Sein Name ist William.
Brianna drehte das Blatt um und erwartete eine Fortsetzung, doch die Passage endete abrupt an dieser Stelle.
Es gab eine Unterbrechung von mehreren Tagen, bevor der Brief am vierten Oktober weiterging.
Dienstag, 4. Oktober
Der Indianer im Maisspeicher ist heute Morgen gestorben, obwohl Claire alles versucht hat, um ihn zu retten. Sein Gesicht, sein Körper und seine Gliedmaßen waren völlig mit einem schlimmen Ausschlag überzogen, was ihm ein höchst grauenvolles und gesprenkeltes Aussehen gab. Claire glaubt, dass er die Masern hatte, und ist sehr in Sorge, da dies eine heimtückische Seuche ist, die sich schnell ausbreitet. Sie hat niemand anderen in die Nähe der Leiche gelassen – sie sagt, sie selbst ist durch irgendeinen Zauber davor sicher –, doch wir haben uns alle gegen Mittag versammelt, worauf ich eine passende Bibelstelle gelesen habe und wir ein Gebet für seinen Seelenfrieden gesprochen haben – denn ich vertraue darauf, dass selbst ungetaufte Wilde ihre Ruhe in Gottes Gnade finden können.
Wir sind uns allerdings nicht sicher, wohin wir mit seinen irdischen Überresten sollen. Normalerweise würde ich Ian losschicken, damit er seine Freunde holt und sie ihm das bei den Indianern übliche Begräbnis zuteilwerden lassen können.
Doch Claire sagt, das dürfen wir nicht, denn die Leiche könnte die Seuche unter dem Volk des Mannes verbreiten, eine Katastrophe, die er sicher nicht gern über seine Freunde bringen würde. Sie ist dafür, dass wir die Leiche selbst beerdigen oder verbrennen, und doch zögere ich, dies zu tun, da die Begleiter des Mannes glauben könnten, dass wir so versucht haben, eine Mittäterschaft an seinem Tod zu vertuschen.
Ich habe unseren Gästen nichts von diesem Problem erzählt. Falls Gefahr zu drohen scheint, muss ich sie fortschicken. Dennoch widerstrebt es mir, auf ihre Gesellschaft zu verzichten, so abgeschieden ist unsere Lage. Für den Augenblick haben wir die Leiche in eine kleine, trockene Höhle in dem Abhang über dem Haus gelegt, in der ich vorhatte, einen Stall oder einen Lagerraum zu bauen.
Ich muss Dich um Verzeihung bitten, dass ich meine Seele so erleichtere, auf Kosten Deines eigenen Friedens. Ich glaube, dass am Ende alles gut wird, doch ich gestehe, dass ich mir im Augenblick ein paar Sorgen mache. Sollte es so aussehen, dass Gefahr droht – entweder von den Indianern oder der Krankheit, dann werde ich diesen Brief unverzüglich unseren Gästen mitgeben, damit er Dich auch sicher erreicht.
Wenn alles gut ist, schreibe ich schnell und sage es Dir.
In Liebe, Dein Bruder,
Jamie Fraser
Briannas Mund fühlte sich trocken an, und sie schluckte, um den Speichel herbeizuzwingen. Der Brief hatte noch zwei Seiten; sie klebten einen Augenblick lang zusammen und widerstanden ihren Bemühungen, sie zu trennen, doch dann gaben sie nach.
Postscriptum. 20. Oktober
Wir sind alle in Sicherheit, obwohl unsere Rettung eine sehr traurige Angelegenheit ist; ich werde Dir später davon erzählen, da mir im Moment der Sinn nicht sehr danach steht.
Ian hatte die Masern, genau wie Lord John, doch sie sind beide wieder gesund, und Claire bittet mich, Dir zu sagen, dass es Ian ausgezeichnet geht. Du brauchst Dich um ihn nicht zu ängstigen. Er schreibt Dir selbst, damit Du siehst, dass es wahr ist.
– J.
Auf dem letzten Blatt stand eine andere Handschrift, diesmal ordentlich und sorgsam zu einer ebenmäßigen Schräglage ausgebildet, obwohl hier und dort ein Klecks die Seite entstellte, vielleicht, weil der Schreiber krank war, vielleicht auch, weil sein Schreibwerkzeug beschädigt war.
Liebe Mama –
Ich bin krank gewesen, aber es geht mir wieder gut. Ich hatte Fieber mit ganz merkwürdigen Träumen voll seltsamer Dinge. Ein großer Wolf ist gekommen und hat mit einer Männerstimme zu mir gesprochen, doch Tante Claire sagt, das muss Rollo gewesen sein, der die ganze Zeit bei mir war, als ich krank war, er ist ein sehr lieber Hund und beißt nicht sehr oft.
Die Masern sind in kleinen Pocken unter meiner Haut ausgebrochen und haben fürchterlich gejuckt. Ich hätte glauben können, ich hätte mich in einen Ameisenhaufen gesetzt oder wäre in ein Hornissennest spaziert. Mein Kopf fühlte sich doppelt so groß an wie sonst, und ich habe heftig geniest.
Heute habe ich drei Eier und Porridge zum Frühstück gegessen, und ich bin zweimal allein zum Abort gegangen, also geht es mir ganz gut, obwohl ich zuerst dachte, ich wäre von der Krankheit blind geworden – ich konnte nur gleißendes Licht sehen, als ich hinausgegangen bin, doch Tante Claire hat gesagt, das wird bald besser, und so war es auch.
Ich schreibe später mehr – Fergus wartet darauf, dass er den Brief mitnehmen kann.
Dein sehr gehorsamer und ergebener Sohn,
Ian Murray
PS: Der Stachelschweinschädel ist für Henry und Matthew, ich hoffe, er gefällt ihnen.
Brianna blieb noch eine Zeitlang auf dem Hocker sitzen, die weißgetünchte Wand kühl in ihrem Rücken. Sie glättete die Seiten des Briefes und starrte abwesend auf das Bücherregal. Robinson Crusoe fiel ihr ins Auge, als sich das Licht in dem goldenen Titel auf dem Bücherrücken fing.