Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
»Du meinst, das würde funktionieren?«, fragt Beetee.
»Ich weiß nicht. Nur so eine Idee«, sagt Gale. »Vielleicht wären sie auch zu clever.«
»Gut möglich. Du baust auf ihren natürlichen Fluchtinstinkt. Denke wie deine Beute … und du findest ihre Schwachstelle«, sagt Beetee.
Mir fällt etwas ein, an das ich mich nicht gern erinnere. Damals bei der Vorbereitung auf das Jubel-Jubiläum habe ich in der Aufzeichnung einer früheren Ausgabe der Hungerspiele gesehen, wie Beetee, damals noch ein Junge, zwei Drähte miteinander verband. Der Stromschlag tötete die anderen Tribute, die hinter ihm her waren. Ihre zuckenden Körper, der groteske Ausdruck in ihren Gesichtern. Und Beetee, der nunmehrige Sieger, sah ihnen beim Sterben zu. Es war nicht seine Schuld.
Reiner Selbstschutz. Wir alle haben versucht, uns selbst zu schützen …
Plötzlich möchte ich nur noch raus aus dem Raum mit den Kolibris, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, eine Falle aufzustellen. »Plutarch meinte, du hättest was für mich, Beetee.«
»Richtig, habe ich. Deinen neuen Bogen.« Er drückt einen Knopf auf der Rollstuhllehne und fährt hinaus. Während wir ihm durch die verschachtelten Gänge der Abteilung folgen, erklärt er uns, was es mit dem Rollstuhl auf sich hat. »Ich kann schon wieder ein bisschen gehen. Aber ich ermüde schnell. Es ist einfacher, wenn ich mich damit fortbewege. Wie geht’s Finnick?«
»Er … er hat Konzentrationsprobleme«, antworte ich. Ich möchte nicht herumerzählen, dass er einen richtigen Nervenzusammenbruch gehabt hat.
»Konzentrationsprobleme, was?« Beetee lächelt grimmig. »Wenn du wüsstest, was Finnick in den letzten Jahren durchgemacht hat, dann wüsstest du auch, wie bemerkenswert es ist, dass er überhaupt noch unter uns weilt. Aber sag ihm doch, ich hätte einen neuen Dreizack für ihn entwickelt, ja? Vielleicht lenkt ihn das eine Zeit lang ab.« Ablenkung scheint mir zwar das Letzte, was Finnick nötig hat, aber ich verspreche trotzdem, die Botschaft zu überbringen.
Vier Soldaten bewachen den Eingang zu einer Halle mit der Kennzeichnung GEHEIMWAFFEN. Als Erstes werden die Tagespläne auf unseren Unterarmen kontrolliert, aber das ist nur der Anfang. Fingerabdrücke, Iris und DNA-Sequenzen werden ebenfalls geprüft und dann werden wir noch durch spezielle Metalldetektoren geschickt. Beetee muss seinen Rollstuhl draußen lassen, bekommt aber einen anderen, sobald wir den Sicherheitscheck hinter uns haben. Ich finde das alles ziemlich seltsam, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer, der in Distrikt 13 aufgewachsen ist, eine Bedrohung darstellt, vor der sich die Regierung schützen müsste. Oder wurden diese Maßnahmen als Reaktion auf den jüngsten Zustrom von Flüchtlingen eingerichtet?
Am Eingang zum Arsenal müssen wir uns erneut umfassend ausweisen - als hätte sich mein Erbgut in der Zeit, die wir für die zwanzig Meter Flur benötigt haben, verändert - und dürfen dann endlich die Waffensammlung betreten, bei der es mir, das muss ich zugeben, den Atem verschlägt. Reihe um Reihe Schusswaffen, Raketenwerfer, Sprengstoff, gepanzerte Fahrzeuge. »Die Luftwaffe ist natürlich woanders untergebracht«, erläutert Beetee.
»Natürlich«, sage ich, als läge das auf der Hand. Ich frage mich, wo unter all diesem Hightech-Gerät mein schlichter Pfeil und Bogen eingeordnet worden sein mag, bis wir auf eine Wand mit den tollsten Bogenwaffen stoßen. Im Vorfeld der Spiele habe ich viel mit den Waffen des Kapitals trainiert, aber keine davon war für den Kriegseinsatz entwickelt worden. Ich konzentriere mich auf einen tödlich aussehenden Bogen, der so mit Zielvorrichtungen und sonstigem Zubehör befrachtet ist, dass ich ihn bestimmt nicht hochheben und noch viel weniger damit schießen kann.
»Möchtest du vielleicht mal einen davon ausprobieren, Gale?«, fragt Beetee.
»Im Ernst?«, erwidert Gale.
»Zum Kämpfen bekommst du natürlich irgendwann ein Gewehr. Aber in den Propos, wenn du als Mitglied von Katniss’
Team in Erscheinung trittst, wäre so einer vielleicht ein bisschen auffälliger. Ich dachte, du möchtest dir vielleicht einen aussuchen, der zu dir passt«, erklärt Beetee.
»Und ob.« Gales Hand schließt sich um den Bogen, der kurz zuvor meine Aufmerksamkeit erregt hat. Er hievt ihn sich auf die Schulter, schaut durchs Visier und zielt im Raum umher.
»Das scheint mir nicht sehr fair gegenüber dem Hirsch«, sage ich.
»Auf Hirsche würde ich damit auch kaum schießen, oder?«, antwortet er.
»Bin gleich wieder da«, sagt Beetee. Er tippt einen Nummerncode in ein Bedienfeld ein und eine schmale Tür öffnet sich. Ich schaue ihm nach, bis die Tür sich hinter ihm geschlossen hat.
»Das könntest du so einfach? Damit auf Menschen schießen?«, frage ich.
»Das habe ich nicht gesagt.« Gale lässt den Bogen sinken. »Aber wenn ich eine Waffe gehabt hätte, mit der ich das, was ich in Distrikt 12 gesehen habe, hätte beenden können … Wenn ich eine Waffe gehabt hätte, mit der ich dich vor der Arena hätte bewahren können … ich hätte sie benutzt.«
»Ich auch«, gebe ich zu. Doch ich weiß nicht, wie ich ihm erklären soll, wie es hinterher ist, nachdem man einen Menschen getötet hat. Dass man die Toten nie mehr loswird.
Beetee kommt zurückgerollt. Zwischen der Fußstütze und seiner Schulter balanciert er mehr schlecht als recht einen großen schwarzen Kasten. Er hält vor mir an und lässt ihn auf mich zukippen. »Für dich.«
Ich lege den Kasten auf den Boden und öffne die Verschlüsse an der Seite. Lautlos klappt der Deckel auf. Darin liegt auf einem Bett aus weinrotem Knautschsamt ein fantastischer schwarzer Bogen. »Oh«, flüstere ich voller Ehrfurcht. Vorsichtig hebe ich ihn heraus, um die Harmonie der Form, das elegante Design und den Schwung der Arme zu bewundern, die an die Schwingen eines fliegenden Vogels erinnern. Da ist noch etwas. Ich muss ganz stillhalten, um sicherzugehen, dass ich es mir nicht nur einbilde. Nein, der Bogen lebt in meinen Händen. Ich drücke ihn gegen die Wange und spüre das leise Summen in meinen Gesichtsknochen. »Was macht er da?«, frage ich.
»Er sagt Guten Tag«, erklärt Beetee grinsend. »Er hat deine Stimme gehört.«
»Er erkennt meine Stimme?«, frage ich.
»Nur deine Stimme«, erläutert Beetee. »Eigentlich sollte ich bloß einen Bogen entwerfen, der gut aussieht. Als Teil deines Kostüms, weißt du? Aber ich dachte mir die ganze Zeit: So eine Verschwendung! Was, wenn du ihn mal gebrauchen musst? Nicht nur als modisches Accessoire, meine ich. Also habe ich sein Äußeres eher schlicht gestaltet und meine Fantasie auf sein Innenleben gerichtet. Am besten lässt sich das in der Praxis erklären. Wollt ihr sie mal ausprobieren?«
Gesagt, getan. Eine Zielscheibe für uns hängt schon da. Die Pfeile, die Beetee entworfen hat, sind genauso ungewöhnlich wie der Bogen. Ich kann damit auf hundert Meter punktgenau treffen. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Pfeile - rasiermesserscharf, entzündlich, explosiv - verwandelten den Bogen in eine Mehrzweckwaffe. Die jeweilige Eigenschaft erkennt man an der Färbung des Schafts. Ich kann die Pfeile jederzeit durch einen Befehl stoppen, aber ich kann mir nicht vorstellen, wieso ich das tun sollte. Um den Bogen zu deaktivieren, muss ich nur »Gute Nacht« sagen. Dann geht er schlafen, bis ihn meine Stimme wieder weckt.
Als ich Beetee und Gale zurücklasse und mich auf den Weg zu meinem Vorbereitungsteam mache, bin ich bester Laune. Geduldig lasse ich die Schminkprozedur über mich ergehen und ziehe mein Kostüm an, das nun um einen blutigen Verband über der Narbe an meinem Unterarm ergänzt ist: Er soll darauf hinweisen, dass ich frisch vom Schlachtfeld komme. Venia steckt mir die Spotttölpelbrosche über dem Herzen an. Ich nehme meinen Bogen und den Köcher mit den normalen Pfeilen aus Beetees Produktion, denn mit den Spezialpfeilen würde man mich hier niemals herumspazieren lassen. Anschließend gehen wir ins Filmstudio, wo ich stundenlang dastehe, während sie Make-up, Beleuchtung und Rauchdichte einrichten. Irgendwann werden die Kommandos, die über eine Gegensprechanlage von unsichtbaren Personen in dem geheimnisvollen verspiegelten Kabuff gegeben werden, weniger und weniger. Fulvia und Plutarch schauen mich jetzt bloß noch an und müssen kaum mehr Anweisung zum Nachbessern geben. Schließlich wird es still am Set. Volle fünf Minuten lang werde ich nur gemustert. Dann sagt Plutarch: »So wird’s gehen, denke ich.«