Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Ich werde zu einem Monitor gewinkt. Dort sind die letzten fünf Minuten zu sehen und ich betrachte die Frau auf dem Bildschirm. Ihr Körper wirkt größer, imposanter als meiner. Ihr Gesicht ist schmutzig, aber sexy. Die Brauen schwarz und in einem trotzigen Winkel nachgezeichnet. Aus der Kleidung steigen kleine Rauchfahnen und suggerieren, dass die Frau entweder eben erst gelöscht wurde oder im nächsten Augenblick in Flammen aufgeht. Ich kenne diese Person nicht.
Finnick, der sich schon seit Stunden am Set herumtreibt, tritt hinter mich und sagt in einem Anflug seines alten Humors: »Entweder wollen sie dich töten oder küssen oder du sein.«
Alle sind so aufgekratzt, so zufrieden mit ihrem Werk. Eigentlich ist es bald Zeit fürs Abendessen, aber sie bestehen darauf, dass wir weitermachen. Morgen werden wir uns auf die Reden und Interviews konzentrieren, in denen ich behaupte, Seite an Seite mit den Rebellen zu kämpfen. Heute brauchen sie nur einen Slogan, eine Zeile, die sie in einen kurzen Propo einbauen und Coin vorführen können.
»Volk von Panem, wir kämpfen, wir wagen, wir wollen endlich Gerechtigkeit!« So lautet der Text. An der Art, wie sie ihn präsentieren, kann ich erkennen, dass sie Monate, vielleicht Jahre daran gefeilt haben und richtig stolz darauf sind. Aber auf mich wirkt er wie ein Zungenbrecher. Und steif dazu. Ich kann mir nicht vorstellen, so etwas im echten Leben zu sagen - höchstens ironisch, mit Kapitolakzent. Wie damals, als Gale und ich Effie Trinkets Standardspruch »Möge das Glück stets mit euch sein!« nachgeäfft haben. Doch jetzt stellt Fulvia sich vor mich hin und erzählt mir von der Schlacht, die ich gerade geschlagen habe, meine Kameraden liegen allesamt tot da, und ich soll mich der Kamera zuwenden und meinen Text aufsagen, um die Lebenden um mich zu scharen!
Ich werde zurück an meinen Platz gezerrt, die Rauchmaschine wird eingeschaltet. Ruhe wird geboten, die Kameras laufen, dann ruft jemand: »Action!« Ich halte den Bogen über meinen Kopf und brülle, so zornig ich kann: »Volk von Panem, wir kämpfen, wir wagen, wir machen unserem Hunger nach Gerechtigkeit ein Ende!«
Stille senkt sich über das Set. Und es bleibt still. Totenstill.
Schließlich krächzt es in der Gegensprechanlage und Haymitchs ätzendes Lachen hallt durchs Studio. Er muss so lachen, dass er Mühe hat, den Satz herauszubringen: »Und damit, Freunde, wäre die Revolution gestorben!«
6
Der Schock gestern, Haymitchs Stimme zu hören, die Erkenntnis, dass er nicht nur wieder im Einsatz ist, sondern in gewissem Maß erneut über mein Leben bestimmt, hat mich wahnsinnig wütend gemacht. Ich bin schnurstracks aus dem Studio gerannt, und heute habe ich mich erst mal geweigert, seine Kommentare aus dem Kabuff zu beherzigen. Obwohl ich sofort wusste, dass er recht hat, was meinen Auftritt betrifft.
Den ganzen Vormittag hat es gebraucht, bis er die anderen davon überzeugt hatte, dass meine Möglichkeiten begrenzt sind. Dass ich es nicht hinkriege. Ich kann nicht geschminkt und verkleidet und in einer künstlichen Rauchwolke in einem Fernsehstudio stehen und die Distrikte auf den Sieg einschwören. Es ist schon irre, dass ich überhaupt so lange vor der Kamera bestanden habe. Dieses Verdienst gebührt natürlich Peeta. Allein kann ich nicht der Spotttölpel sein.
Wir versammeln uns um den großen Tisch in der Kommandozentrale. Coin und ihre Leute. Plutarch, Fulvia und mein Vorbereitungsteam. Haymitch, Gale und ein paar andere aus 12, deren Anwesenheit ich mir nicht recht erklären kann, wie Leevy und Greasy Sae. Kurz bevor es losgeht, schiebt Finnick Beetee herein, begleitet von Dalton, dem Viehzuchtexperten aus Distrikt 10. Diese seltsame Gesellschaft hat Coin wohl einberufen, damit sie mein Scheitern bezeugt, denke ich.
Doch dann ist es Haymitch, der die anderen begrüßt und ihnen dankt, dass sie seiner Einladung gefolgt sind. Zum ersten Mal, seit ich ihm das Gesicht zerkratzt habe, sitzen wir gemeinsam in einem Raum. Ich vermeide es, ihn direkt anzusehen, aber auf einer der polierten Schalttafeln an der Wand erhasche ich sein Spiegelbild. Seine Haut sieht gelblich aus, und er hat viel Gewicht verloren, wodurch er geschrumpft wirkt. Auf einmal habe ich Angst, er könnte nicht mehr lange leben, aber sofort sage ich mir, dass mir das egal sein kann.
Zunächst zeigt Haymitch noch einmal die Aufnahmen, die wir gestern gemacht haben. Unter Plutarchs und Fulvias Anleitung habe ich ganz offensichtlich einen neuen Tiefpunkt erreicht. Stimme und Körper wirken fahrig, unkoordiniert, wie eine Puppe, die von unsichtbaren Kräften gelenkt wird.
»Möchte einer der Anwesenden die Meinung vertreten, dass uns das dabei hilft, den Krieg zu gewinnen?«, fragt Haymitch, als es vorbei ist. Keiner möchte. »Gut. Das spart Zeit. Dann lasst uns jetzt einen Moment innehalten. Ich möchte, dass jeder von euch in sich geht und an ein Ereignis zurückdenkt, bei dem Katniss Everdeen euch wirklich berührt hat. Nicht, weil sie so eine tolle Frisur hatte oder weil ihr Kleid in Flammen aufging oder weil sie passabel einen Pfeil abgeschossen hat. Nicht, weil Peeta euch dazu gebracht hat, sie zu mögen. Mich interessieren die Momente, in denen sie ein echtes Gefühl bei euch ausgelöst hat.«
Es wird still, und ich denke schon, diese Stille wird nie enden, als Leevy das Wort ergreift. »Bei der Ernte, als sie freiwillig vortrat, um an Prims Stelle in die Arena zu gehen. Weil ich sicher war, dass sie dachte, sie würde sterben.«
»Gut. Hervorragendes Beispiel«, sagt Haymitch. Mit einem lila Filzstift schreibt er Meldet sich freiwillig für Schwester bei Ernte auf einen Block und schaut in die Runde: »Der Nächste.«
Es überrascht mich, dass sich als Nächster Boggs meldet. Ich hatte ihn für einen muskelbepackten Roboter gehalten, der nur dazu da ist, Coins Befehle auszuführen. »Als sie das Lied sang. Während das kleine Mädchen starb.« Irgendwo in meinem Kopf steigt ein Bild auf: Boggs, der einen kleinen Jungen auf der Hüfte trägt. Im Speisesaal, glaube ich. Vielleicht ist er gar kein Roboter.
»Wen hätte das kaltgelassen, was?«, sagt Haymitch und schreibt es auf.
»Als sie Peeta betäubte, damit sie Medikamente für ihn besorgen konnte, und ihm einen Abschiedskuss gab, da musste ich weinen!«, platzt Octavia heraus. Dann schlägt sie sich die Hand vor den Mund, als wäre ihr plötzlich bewusst geworden, dass sie einen schlimmen Fehler gemacht hat.
Doch Haymitch nickt nur. »Ach ja. Betäubt Peeta, um sein Leben zu retten. Sehr schön.«
Jetzt erinnern sich alle wild durcheinander an solche Momente. Als ich Rue zur Verbündeten nahm. Chaff am Abend der Interviews die Hand hinstreckte. Mags zu tragen versuchte. Und immer wieder, als ich diese Beeren hochhielt - ein Akt, der ganz unterschiedlich gedeutet wird: als Liebe zu Peeta. Als Weigerung, in aussichtsloser Lage nachzugeben. Als Widerstand gegen die Unmenschlichkeit des Kapitols.
Haymitch hält seinen Block hoch. »Die Frage ist jetzt, was haben all diese Momente gemeinsam?«
»Sie gehörten Katniss«, sagt Gale ruhig. »Niemand hat ihr gesagt, was sie tun oder sagen soll.«
»Improvisiert, ja!«, ruft Beetee. Er greift nach meiner Hand und tätschelt sie. »Vielleicht sollten wir dich einfach in Ruhe machen lassen, was?«
Ein paar lachen. Ich lächele sogar ein wenig mit.
»Nun, das ist ja alles schön und gut, aber es hilft uns nicht weiter«, sagt Fulvia gereizt. »Hier in Distrikt 13 sind die Gelegenheiten für sie, toll dazustehen, leider ziemlich begrenzt. Also, falls hier keiner vorschlägt, dass wir sie mitten im Kampfgebiet aussetzen …«