Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Mat sah ihn finster an. Er lag zusammengerollt auf seinem Bett. »Nimm doch den Trolloc mit, den du so gut leiden kannst.«
»Blut und Asche, Mat, er ist kein Trolloc! Du stellst dich einfach dumm und stur an. Wie oft sollen wir uns noch deswegen streiten? Licht, du hast doch schließlich früher schon von Ogiern gehört!«
»Ich habe nicht gehört, daß sie wie Trollocs aussehen.« Mat steckte das Gesicht ins Kopfkissen und rollte sich noch enger zusammen.
»Sturer Dummkopf«, murmelte Rand. »Wie lange willst du dich hier noch verstecken? Ich werde dir nicht die ganze Zeit über dein Essen all diese Treppen hochschleppen. Du könntest auch einmal baden.« Mat zappelte auf dem Bett herum, als wolle er sich noch tiefer eingraben. Rand seufzte und ging zur Tür. »Die letzte Chance, gemeinsam zu gehen, Mat. Ich breche jetzt auf.« Er schloß die Tür langsam und hoffte immer noch, daß Mat seinen Entschluß ändere, doch sein Freund rührte sich nicht. Die Tür fiel ins Schloß.
Im Flur lehnte er sich gegen den Türrahmen. Meister Gill hatte gesagt, zwei Straßen weiter wohne eine alte Frau, Mutter Grubb, die Kräuter und Tinkturen verkaufte, Kinder zur Welt brachte, Kranke pflegte und die Zukunft voraussagte. Das klang ein wenig nach einer Seherin. Mat brauchte Nynaeve oder vielleicht Moiraine, aber er hatte eben nur Mutter Grubb. Wenn er sie in Der Königin Segen brachte, würde das vielleicht die falsche Art von Aufmerksamkeit erregen, falls sie überhaupt käme. Das könnte für sie genau wie für ihn und Mat unangenehme Folgen haben.
Kräuterweiblein und Quacksalber hielten sich zur Zeit in Caemlyn sehr zurück. Jede Art von Heilkunst oder Weissagung war gerade verrufen. Jede Nacht wurde großzügig der Drachenzahn auf Türen gekritzelt, manchmal sogar im hellen Tageslicht, und die Leute vergaßen schnell, wer sie vom Fieber geheilt oder ihre Zahnschmerzen beseitigt hatte, wenn der Ruf ›Schattenfreund‹ ertönte. So war die Stimmung in der Stadt.
Es war ja nicht so, daß Mat wirklich krank war. Er aß alles, was ihm Rand aus der Küche heraufbrachte -allerdings nahm er nichts von anderen an -, und er klagte auch nie über Schmerzen oder Fieber. Er weigerte sich einfach, das Zimmer zu verlassen. Aber Rand war sich so sicher gewesen, daß er an diesem Tag herauskommen würde.
Er legte seinen Umhang über die Schultern und schob den Schwertgürtel so herum, daß sein Schwert mit dem herumgewickelten roten Tuch besser verborgen war.
Am Fuß der Treppe traf er auf Meister Gill, der gerade hinaufgehen wollte. »Jemand hat euch in der Stadt gesucht«, sagte der Wirt. Er behielt dabei den Pfeifenstiel im Mund. Rand fühlte Hoffnung in sich aufkeimen. »Hat nach euch und euren Freunden gefragt und sogar die Namen genannt. Von euch Jünglingen jedenfalls. Er scheint vor allem euch drei Jungen zu suchen.«
Angst verdrängte die Hoffnung. »Wer?« fragte Rand. Er konnte nicht umhin, den Flur nach beiden Seiten hin zu beobachten. Außer ihnen beiden befand sich niemand darinnen. Er war leer — vom Hinterausgang bis zur Tür in den Schankraum.
»Ich kenne seinen Namen nicht. Habe nur von ihm gehört. Ich weiß meist schnell alles, was in Caemlyn herumgeht. Bettler.« Der Wirt knurrte. »Halb verrückt, wie man mir gesagt hat. Aber trotzdem könnte er Der Königin Spende im Palast in Empfang nehmen, selbst in so schweren Zeiten. An Feiertagen spendet die Königin mit eigener Hand den Armen, und keiner wird mit leeren Händen weggeschickt. In Caemlyn muß niemand betteln. Selbst ein Mann, der von der Garde gesucht wird, könnte nicht festgenommen werden, während er Der Königin Spende entgegennimmt.«
»Ein Schattenfreund?« fragte Rand zögernd. Falls die Schattenfreunde unsere Namen kennen...
»Ihr habt Flausen im Hirn mit Euren Schattenfreunden, mein Junge. Natürlich sind sie da, aber bloß, weil die Weißmäntel alles aufhetzen, braucht ihr nicht zu glauben, daß die Stadt voll davon ist. Weißt du, welches Gerücht diese Idioten als neuestes in die Welt gesetzt haben?
›Fremdartige Gestalten.‹ Kannst du so was begreifen? Fremdartige Gestalten, die sich in der Nacht außerhalb der Stadt herumtreiben.« Der Wirt lachte, bis sein Bauch wackelte.
Rand war nicht nach Lachen zumute. Hyam Kinch hatte von solch eigenartigen Gestalten erzählt, und es war ja dann auch ein Blasser dort gewesen. »Was für Gestalten?«
»Welche Art? Ich weiß es nicht. Fremdartige Figuren. Möglicherweise Trollocs. Der Schattenmann. Lews Therin Brudermörder selbst, aber diesmal fünfzig Fuß groß. Was glaubst du denn, was sich die Leute alles vorstellen, wenn sie nun einmal solche Flausen im Kopf haben? Das sollte dich nicht kümmern.« Meister Gill musterte ihn einen Moment lang. »Du willst ausgehen, nicht wahr? Na ja, ich kann nicht behaupten, daß ich mich darum reiße — selbst heute nicht -, aber es ist außer mir kaum noch jemand da. Dein Freund kommt nicht mit?«
»Mat fühlt sich nicht wohl. Vielleicht kommt er später nach.«
»Na ja, wie auch immer. Paß aber gut auf dich auf. Selbst heute werden die guten Anhänger der Königin dort draußen in der Minderheit sein. Das Licht versenge den Tag, an dem dieser Zustand begann. Am besten verläßt du das Haus durch die Gasse. Zwei von diesen verfluchten Verrätern sitzen auf der anderen Straßenseite und beobachten meinen Vordereingang. Sie wissen genau, wo ich stehe, beim Licht!«
Rand steckte den Kopf hinaus und sah sich nach beiden Seiten um, bevor er in die Gasse hinausschlüpfte. Ein grobschlächtiger Mann, den Meister Gill dafür bezahlte, stand am Ende der Gasse, stützte sich auf einen Speer und beobachtete gelangweilt die vorbeihastenden Leute. Das war aber nur der Schein, wie Rand wußte. Der Bursche -er hieß Lambgwin — sah alles mit diesen von schweren Lidern halbbedeckten Augen, und trotz seiner unförmigen Gestalt bewegte er sich wie eine Katze. Er glaubte ebenfalls, Königin Morgase sei das fleischgewordene Licht, oder jedenfalls so ähnlich. Es gab etwa ein Dutzend solcher Männer, die sich um Der Königin Segen herum verteilten.
Lambgwins Ohr zuckte, als Rand den Ausgang der Gasse erreichte, aber er wandte seine Aufmerksamkeit nicht von der Straße ab. Rand wußte, daß ihn der Mann hatte kommen hören.
»Haltet Euch heute den Rücken frei, Mann.« Lambgwins Stimme klang wie Kieselsteine in einer Pfanne. »Wenn die Ausschreitungen beginnen, seid Ihr der richtige Mann, um hier zu helfen, aber nicht, wenn Ihr irgendwo ein Messer in den Rücken bekommt.«
Rand sah den bulligen Mann an, doch seine Überraschung war gedämpft. Er bemühte sich immer, das Schwert nicht sichtbar zu tragen, aber dies war nicht das erste Mal, daß einer von Meister Gills Männern angenommen hatte, er könne damit in einem Kampf umgehen. Lambgwin sah ihn nicht mehr an. Der Mann sollte die Schenke bewachen, und das tat er auch.
Rand schob sein Schwert noch ein bißchen weiter unter seinen Umhang und schloß sich der strömenden Menge an. Er sah die beiden Männer, die der Wirt erwähnt hatte. Sie standen auf umgedrehten Fässern auf der Straßenseite gegenüber der Schenke, so daß sie über die Köpfe der Menge hinwegsehen konnten. Er glaubte nicht, daß sie ihn bemerkten, als er aus der Gasse heraustrat. Sie machten kein Hehl aus ihrer politischen Bindung. Nicht nur, daß ihre Schwerter in Weiß gehüllt und mit roter Kordel gebunden waren, sie trugen auch weiße Armbinden und weiße Abzeichen an den Hüten.
Er hatte sich noch nicht lange in Caemlyn aufgehalten, da wurde ihm klar, daß ein rot umhülltes Schwert, eine rote Armbinde oder ein rotes Abzeichen bedeutete, daß man Königin Morgase unterstützte. Weiß zeigte, daß die Königin und ihre Verbindung mit den Aes Sedai und Tar Valon schuld an allem waren, was unglücklich verlaufen war: am Wetter, an der Mißernte... vielleicht sogar an dem falschen Drachen.
Er wollte sich nicht in die politischen Probleme Caemlyns verwickeln lassen. Aber nun war es zu spät. Nicht nur, daß er bereits die Seite gewählt hatte — wohl mehr durch Zufall, aber immerhin. Die Lage in der Stadt ließ es kaum noch zu, daß man neutral blieb. Selbst Ausländer trugen Abzeichen und Armbinden oder verhüllten ihre Schwerter, und die Mehrheit von ihnen trug Weiß, nicht Rot. Vielleicht glaubten einige davon überhaupt nicht daran, aber sie waren weit von zu Hause entfernt, und so hatte sich eben die politische Meinung in Caemlyn entwickelt. Männer, die die Königin unterstützten, liefen zum eigenen Schutz in Gruppen umher, wenn sie überhaupt ausgingen.