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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Shyleen.

Im gleichen Moment schrie Garth neben ihm ihren Namen, schaufelte die Menschen mit den Armen zur Seite und rannte auf sie zu. Auch Torian stemmte sich gegen den Sog der Menge und bahnte sich, mit den Ellenbogen brutal einen Weg, um die Abzweigung zu erreichen. Er stolperte über irgend etwas und wäre um ein Haar gestürzt, als ein neuerliches Beben durch den Boden lief. Von jäher Angst gepackt, klammerte er sich an dem Mann vor ihm fest. Er wußte, daß ein Sturz einem Todesurteil gleichgekommen wäre. Die Menge hätte ihn zu Tode getrampelt. Mühsam konnte er das Gleichgewicht halten, und dann hatte er den Nebengang erreicht. Mit einem knappen Blick überzeugte er sich, daß Shyleen unverletzt war, und ließ sich wie die anderen von ihr eine Fackel geben. Er wollte weiterrennen, als er hörte, wie hinter ihm jemand seinen Namen schrie. Es war eine Stimme, die er unter tausenden erkannt hätte: Warlon.

Torian fuhr herum. Sein Bruder war wie er zuvor zwischen den anderen Flüchtenden eingekeilt und versuchte ebenfalls, den Nebengang zu erreichen.

Mit einem urwelthaften Donnern brach die Decke des Haupteinganges ein. Eine tonnenschwere Gesteinsplatte stürzte dort herab, wo Warlon stand, und begrub ihn und die anderen Flüchtenden unter einem Mantel aus Schwärze und ewigem Schweigen. Wie gelähmt starrte Torian in den Schleier aus aufwölkendem Staub und Gestein. Warlon hatte ihm fast alles genommen, was ihm etwas bedeutete, und eine Weile hatte nur der Haß auf diesen Mann Torian am Leben erhalten, aber dennoch spürte er in diesem Moment einen schmerzhaften Stich. Trotz allem war Warlon doch sein Bruder gewesen.

Innerhalb der wirbelnden Schleier begann es rötlich zu glosen, dann schoß eine weißglühende Feuerlohe aus dem gezackten Loch, das einmal der Durchgang gewesen war. Ihr folgte ein Strom einer zähflüssigen, rotglühenden Masse, die sich in den Gang ergoß und langsam näher kroch. Die Lavaglut riß Torian aus seiner Benommenheit. Der Boden hob und senkte sich jetzt beinahe ununterbrochen in schnellen, krampfartigen Stößen. Auch hier lösten sich erste kleine Steinchen aus Decke und Wänden und erinnerten ihn unmißverständlich daran, daß er längst noch nicht in Sicherheit war.

Garth und die anderen waren bereits vorausgeeilt und ein ganzes Stück entfernt. Kalte Wut packte Torian bei dem Gedanken an Faron. Er hatte die Katastrophe vorausgeahnt, ja ganz sicher gewußt, daß sich ein Vulkanausbruch nicht planen und in Grenzen halten ließ. Er hatte den Nork gewarnt, aber Faron hatte nicht auf ihn hören wollen. Jetzt erst begriff Torian, daß dieses Inferno von Anfang an beabsichtigt gewesen war. Das Schicksal der Gefangenen war Faron völlig egal. Nahezu alle wichtigen Personen Scrooths waren nach Moran-Dur gekommen. Es gab keine günstigere Gelegenheit, beinahe die ganze verhaßte Führungsspitze des gesamten Landes auf einen Schlag zu töten, auch wenn gleichzeitig Hunderte von Unschuldigen sterben mußten; ganz abgesehen davon, daß gleichzeitig auch die größte Erzmine Scrooths vernichtet wurde. In ohnmächtiger Wut ballte Torian die Fäuste, während er rannte, so schnell er nur konnte. Alles war so klar und offensichtlich gewesen, daß er im nachhinein nicht begriff, wie er sich derart hatte täuschen lassen können. Er war als Werkzeug mißbraucht worden, doch Faron würde für alles büßen. Eines verstand Torian allerdings immer noch nicht, warum der Nork nicht nur sich selbst, sondern auch ihn und Shyleen zu retten versuchte.

Aber im Grunde war ihm das auch egal. Er wußte nur, daß Faron damit seinen vielleicht einzigen, auf jeden Fall aber entscheidenden Fehler begangen hatte.

Denn Torian schwor sich, ihn zu töten, sobald sie dieser Hölle entkommen waren. Das Grollen und Beben folgte ihm mit der Unerbittlichkeit eines Schweißhundes, und es schien näher zu kommen, so schnell er auch lief. Es klang fast wie ein fernes Gewitter im ersten Augenblick. Aber wenn man genauer hinhörte, dachte Torian, dann konnte man es auch für das Brüllen eines zornigen Drachen halten oder für das Bersten zusammenstürzender Berge, das es in Wahrheit auch war. Risse durchzogen die Felswände zu beiden Seiten des Stollens und ließen sie wie riesige, steinerne Spinnennetze aussehen. Das Gestein stöhnte und ächzte wie unter Schmerzen. Selbst hier unten brachen noch kleine Splitter und Steinchen aus der Decke: huschende, angstmachende Schatten im flackernden Licht seiner Fackel.

Staub hing dicht wie körniger grauer Nebel in der Luft und brachte Torian zum Husten. Immer wieder warf er furchtsame Blicke über die Schulter zurück, doch hinter ihm gab es nur undurchdringliche Schwärze, und das rötliche Glühen, das er gelegentlich zu sehen glaubte, entsprang nur seiner eigenen Einbildung. Vor sich sah Torian die tanzenden Lichtpunkte der anderen Fackeln. Sie hatten die Minen bereits hinter sich gelassen und hasteten durch gewundene, endlos lange Stollen, gewaltige Höhlen, die wie unterirdische Felsdome wirkten, über Treppen und durch schmale Spalten, die manchmal gerade breit genug waren, daß sie sich hindurchzwängen konnten, tiefer, immer tiefer in den Leib der Erde hinein. Manchmal stieg die Hitze für ein kurzes Stück heftig an, und das Gestein begann fast zu glühen. Als Torian wieder einmal stolperte und sich an der Wand abstützen wollte, riß er die Hand mit einem Schmerzensschrei zurück. Er taumelte weiter. Bei jedem Schritt fuhr ein stechender Schmerz durch seine Beine, und er wußte selbst nicht, wie er es noch schaffte, immer wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen. Er glaubte, das Gewicht der Tausende und Abertausende Tonnen von Gestein über seinem Kopf zu spüren, so daß es ihm den Atem nahm, und er holte das letzte aus seinem geschundenen Körper heraus, um die anderen endlich einzuholen. Er hatte es fast geschafft, als ein weiterer Erdstoß den Boden erschütterte. Dicht vor seinen Füßen wölbte sich das Gestein über die gesamte Breite des Stollens auf und zerriß mit peitschendem Knall. Ein gezackter Blitz fuhr durch den Boden und verbreitete sich in rasendem Tempo zu einer Schlucht voll brodelnder Schwärze, deren Grund in düsterem Rot glühte.

Shyleen fuhr herum. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie sah, was geschah.

»Spring, Torian!« schrie sie.

Er stieß sich im gleichen Moment ab, in dem auch unter seinen Füßen der Boden zerbarst. Der Abgrund gähnte plötzlich wie ein gierig aufgerissenes Maul unter ihm. Verzweifelt ließ er die Fackel fallen und warf die Arme nach vorne, um zusätzlichen Schwung zu bekommen, und wußte doch, daß er es nicht mehr schaffen konnte. Die gegenüberliegende Seite des Stollens schien im gleichen Tempo vor ihm zurückzuweichen, in dem er auf sie zuflog. Unter sich sah er die Fackel in einem Funkenregen immer noch tiefer fallen. Hitze loderte wie feuriger Höllenatem zu ihm herauf.

Irgendwie bekam er die Felskante zu packen. Er spürte, wie mehrere seiner Fingernägel auf einmal abbrachen. Ein entsetzlicher Ruck schien ihm die Arme aus den Schultern zu reißen. Seine Hände schienen in Flammen zu stehen. Die Schmerzen explodierten in seinem Rücken, und dann prallte sein Körper durch die Wucht des Sprunges gegen die Felswand. Er hatte das Gefühl, jeder Knochen in seinem Leib würde mehrfach gebrochen. Die scharfkantigen Felszacken gruben sich wie spitze Zähne in seine Haut, ließen die Brandblasen aufplatzen und fügten den unzähligen Wunden, die er bereits davongetragen hatte, weitere hinzu.

Torian schrie vor unerträglichem Schmerz. Die Erde bebte noch immer, als wollte sie ihn abschütteln, und seine Finger glitten von dem Gestein ab; Stück für Stück, immer weiter. Er hatte das Gefühl, als ob die Tiefe mit gierigen Klauen an ihm zerrte, und krallte sich mit der Kraft der Verzweiflung an der Kante fest; er schloß die Augen. Die Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten, bis sich endlich grobe Hände um seine Arme schlössen und ihn mit einem Ruck in die Höhe rissen, dann spürte er wieder festen Boden unter sich. Garths breitflächiges Gesicht formte sich aus den Schleiern vor seinen Augen.

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