Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian nickte langsam. Die Ruinenstadt Rador, der vor tausend Jahren begonnene Traum der Schwarzen Magier, ihre Dämonengötzen in die Welt zurückzuholen, und der Verlust von Shyleens Unsterblichkeit – niemand außer Garth konnte davon wissen. Sein Mißtrauen schmolz dahin, vielleicht allein deshalb, weil er daran glauben wollte, daß Faron die Wahrheit gesagt hatte. Die Neugier auf dem Gesicht des Norks war nicht zu übersehen, doch Torian dachte gar nicht daran, ihm Garths Botschaft zu erklären. Ihn beschäftigte etwas ganz anderes. »Hast du auch etwas von Shyleen erfahren? Weißt du, wo sie sich befindet?«
»Barul-Konos hat sie in einen anderen Block bringen lassen. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Wenn es dich beruhigt, werde ich dafür sorgen, daß sie bei der Flucht in deiner Nähe ist. Alles wird so gut wie möglich vorbereitet. Wir haben nur diese eine Chance. Ich wäre bestimmt nicht freiwillig zurückgekommen, wenn ich nicht selbst an einen Erfolg glauben würde. Was ist nun? Hilfst du uns?«
Torian zögerte. Alles ging ihm zu schnell. Er hatte das Gefühl, in die Ecke gedrängt und von den Ereignissen überrollt zu werden, und er brauchte Zeit, um über alles nachzudenken. Es gefiel ihm nicht, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, so daß er keinerlei Einfluß mehr ausüben, sondern nur noch zustimmen oder den ganzen Plan ablehnen konnte. Es gab eine ganze Menge Ungereimtheiten, die er nicht miteinander in Verbindung bringen konnte. Moran-Dur wurde seit Hunderten von Jahren als Kerker genutzt. Natürlich hatte es immer wieder kleinere Gefangenenaufstände gegeben, aber niemals einen großangelegten — und vor allem erfolgreichen – Massenaufstand der Gefangenen. Ausgerechnet jetzt, kaum zwei Wochen, seit er hierhergebracht worden war, sollte gelingen, was niemand zuvor geschafft hatte? Daß der Zufall ihm so schnell zu Hilfe kommen sollte, kam ihm allein schon unbegreiflich vor, aber es war nicht das einzige. Es hatte die ganze Zeit über nicht eine einzige ernste Schwierigkeit gegeben, alles, aber auch wirklich alles ging so glatt, wie man es sich besser nicht vorstellen konnte. Von den Dutzenden von Gefangenengruppen kam er ausgerechnet in die, zu der auch Faron, der Initiator des Plans, gehörte und wo ein zwar starker, aber geistloser Schläger wie Kawilas der Favorit –für die Spiele war – jemand, der auf Dauer keinen ernsthaften Gegner für ihn darstellte, so daß es fast schien, als wollte man, daß Torian an den Spielen teilnahm.
Und er hatte auch nicht vergessen, was Kawilas vor seinem Tod indirekt zugegeben hatte: Der von vorneherein zum Scheitern verurteilte Aufstand wäre von Barul-Konos inszeniert worden, gerade so, als hätte der Kommandant Torians Konkurrenten aus dem Weg räumen und gleichzeitig Faron die Gelegenheit geben wollen, mit seinen Helfern außerhalb von Moran-Dur Kontakt aufzunehmen. Natürlich war dieser Gedanke völlig abwegig. Welchen Grund sollte ausgerechnet Barul-Konos- haben, ihnen indirekt zu helfen, wo eine solche Massenflucht – wenn sie tatsächlich gelingen sollte — die größte Niederlage seines Lebens wäre? Torian verdrängte den Gedanken. Vielleicht versuchte er Verbindungen aufzuspüren, wo es keine gab, vielleicht bezogen sich Kawilas’ Worte auf etwas ganz anderes, als er glaubte, vielleicht...
Er merkte, daß seine Spekulationen wieder ins Uferlose abzugleiten drohten. Er rief sich selbst zur Ordnung, doch ein Rest Mißtrauen blieb trotzdem. Er wandte sich wieder Faron zu, der immer noch auf eine Antwort wartete. »Ich werde es mir überlegen«, erklärte er ausweichend, obwohl er wußte, daß die Entscheidung eigentlich längst gefallen war. Er hatte so gut wie nichts zu verlieren, aber dafür eine ganze Menge zu gewinnen.
Als die Wächter sie am nächsten Morgen wieder in die Minen trieben, sagte er Faron, daß er ihm helfen würde. In der Nacht vor den Kämpfen fand Torian kaum Schlaf und wälzte sich stundenlang nur unruhig auf seinem Lager hin und her. Er war den Plan in allen Einzelheiten mehrfach mit Faron durchgegangen, und der Nork hatte ihn damit zu beruhigen versucht, daß sich bislang alles planmäßig entwickelte, weil er gar nicht ahnte, daß er Torians Nervosität gerade dadurch eher noch verstärkte. Der wäre beruhigter gewesen, wenn es wenigstens ein paar kleine, unbedeutende Pannen gegeben hätte, aber nicht einmal das war der Fall. Faron mußte ein wahres Genie sein, daß er niemals den Überblick verlor, und wie es ihm gelang, mit den Norks in den anderen Blöcken Kontakt zu halten, blieb Torian ein Rätsel. Zudem gefiel es ihm nicht, sich einem anderen so völlig auszuliefern. Zuviel hing von diesem Tag ab, und trotz aller Vorbereitungen ließen sich die Risiken nicht einmal richtig einschätzen. Immer noch hatte er das Gefühl, einen entscheidenden Punkt in ihren Planungen übersehen zu haben, aber selbst wenn er gewollt hätte, wäre es für einen Rückzieher längst schon zu spät gewesen.
Sehr früh am nächsten Morgen wurde Torian von zwei Wächtern geweckt und aus dem Schlafraum in eine kleine Kammer geführt, in der ein Tisch und ein Stuhl standen. Das Frühstück, das man ihm gleich darauf brachte, sah wesentlich appetitlicher aus als sonst; frisches Brot, sogar ein Fetzen Fleisch und ein Krug Wein, wenn dieser auch stark verwässert war. Trotzdem aß Torian kaum etwas. Sicherlich war es nicht besonders gut, mit leerem Magen in die Kämpfe zu gehen, aber er erinnerte sich an Farons Worte, daß man den als Sieger ausgewählten Kämpfern – zu denen er mit absoluter Sicherheit nicht gehörte – besondere stärkende Mittel verabreichte. Es war gut möglich, daß man ihn im Gegenzug schwächen wollte und ihm betäubende Drogen ins Essen gemischt hatte.
Nach einer Weile kam ein Wächter und brachte ihm einen Schild und ein Messer mit armlanger, aber stumpfer Klinge. »Damit soll ich tatsächlich kämpfen?« fragte Torian zweifelnd. Er bekam keine Antwort. Ohne ein Wort schloß der Wächter die Tür wieder hinter sich. Unschlüssig betrachtete Torian das Messer. Die Kämpfe sollten möglichst unblutig verlaufen. Mit dieser stumpfen, vorne abgerundeten Klinge konnte er einem Gegner höchstens unbedeutende Verletzungen zufügen – zumindest, solange er sich an die Regeln hielt. Wenn er es bewußt darauf anlegte, konnte aber auch das stumpfe Messer zu einer tödlichen Waffe werden.
Ungeduldig wartete Torian und versuchte dabei sich vorzustellen, wie Hunderte der einflußreichsten Männer und Frauen Scrooths, von denen er wahrscheinlich einen Teil kannte, in dem Vulkankessel zusammenströmten, um den Kämpfen zuzusehen und grölend ihre Favoriten anzufeuern. Ihm wurde fast übel bei dem Gedanken, daß er rechtmäßig ebenfalls auf den Tribünen sitzen, statt in der Arena kämpfen müßte, und für einen winzigen Moment war er Warlon fast dankbar, daß er ihn wenigstens davor bewahrt hatte, aber der Gedanke verflog ebenso schnell wieder, wie er gekommen war. Es gab zu vieles, für das er Warlon keineswegs dankbar war.
Endlich wurde die Tür wieder geöffnet. Der gleiche Wächter, der ihm Schild und Messer gebracht hatte, forderte ihn mit einer knappen Geste auf mitzukommen. Einen Augenblick lang dachte Torian daran, er könnte ihn leicht überwältigen. Vielleicht wäre es ihm sogar gelungen, aber er verwarf die Idee sofort wieder, als er sich an Kawilas’ erfolglosen Fluchtversuch erinnerte. Einen einzelnen Flüchtling würden die Wächter ohne Schwierigkeiten wieder einfangen. Da erschien ihm selbst Farons Fluchtplan trotz aller Risiken erfolgversprechender.
Vor einem eisernen Fallgitter ließ der Wächter ihn allein. Wieder mußte sich Torian einige Minuten gedulden. Durch die Gitterstäbe konnte er einen kleinen Teil der Arena überblicken, wo zwei Unbekannte gegeneinander kämpften. Er schaute nicht hin, um sich nicht ablenken zu lassen, sondern versuchte sich ganz auf den bevorstehenden Kampf zu konzentrieren. Faron hatte ihm nicht verraten, worin das Zeichen bestand, sondern nur gesagt, er würde es schon erkennen, wenn es soweit wäre. Torian hoffte, daß es möglichst früh kam, damit er nicht zuviel Kraft im Kampf gegen seinen Gegner vergeuden mußte. Er würde sie bei der Flucht noch dringend brauchen.