Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Völlig ausgelaugt blieb Torian liegen und schnappte keuchend nach Luft. Jeder Atemzug brannte wie Feuer in seiner Lunge. Der Boden vibrierte und wellte sich in Schlangenlinien unter ihm, und das Grollen der einstürzenden Felsmassen klang mit jeder Sekunde näher und bedrohlicher. Faron war bereits ein Stück vorausgeeilt, wartete aber entgegen aller Logik auf sie. Wieder hatte Torian das Gefühl, die ganze Wahrheit noch längst nicht erkannt zu haben.
»Wir müssen weiter«, drängte Shyleen und rüttelte ihn an der Schulter. Ihr Gesicht war zu einer Grimasse verzerrt. Panische Angst stand in ihren Augen. »Komm schon hoch, jetzt komm doch endlich!«
»Ich kann nicht«, stöhnte Torian. Übelkeit stieg in ihm auf, und in seinem Mund war ein säuerlicher Geschmack wie nach Erbrochenem, aber er konnte nicht einmal brechen, da er nichts gegessen hatte. Er spie Staub und bittere Galle aus und versuchte sich hochzustemmen, doch die Arme knickten unter dem Gewicht seines Körpers ein. Ein Stück hinter ihm löste sich ein Felsbrocken von der Decke und stürzte mit ohrenbetäubendem Krachen zu Boden, Schutt und kleinere Steine unter sich zermalmend. Erneut wallte Staub in einer dichten Wolke auf.
»Ich ... kann nicht«, stammelte Torian noch einmal. »Ihr... ihr müßt allein weiter!«
Wortlos packte Garth ihn und zog ihn hoch. Sein Gesicht war schweißüberströmt. Auch an dem hünenhaften Dieb waren die Anstrengungen nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch schaffte er es, Torian auf seine Schulter zu wuchten und mit der zusätzlichen Last weiterzulaufen, während ihnen das Grollen wie ein unsichtbarer Verfolger nacheilte, zornig, daß das sicher geglaubte Opfer ihm doch noch zu entkommen schien.
Torian kämpfte gegen die Ohnmacht an, die seinen Geist zu umnebeln begann. Es schien keine Stelle an seinem Körper zu geben, die nicht weh tat, doch er erkannte mit unerbittlicher Grausamkeit, daß sie zu langsam waren. Garths Lauf ging mehr und mehr in ein erschöpftes Taumeln über, bis er Torian schließlich von seiner Schulter gleiten ließ.
»Es geht nicht mehr«, keuchte er. »Du mußt laufen. Schaffst du es?«
Torian nickte mühsam, obwohl er durchaus nicht davon überzeugt war. Er machte ein paar Schritte und zwang sich, weiterzulaufen. Die Todesangst half ihm, noch einmal Kraftreserven zu mobilisieren, von denen er selbst nichts gewußt hatte, obwohl ihn jeder Schritt über glühende Kohlen zu führen schien; im wahrsten Sinne des Wortes. Es war so heiß, daß er kaum atmen konnte.
Irgendwann blieb Faron stehen und hob in einer beschwörenden Geste die Hand. Er hatte es als einziger geschafft, den ganzen Weg über sogar noch ein Schwert mit sich zu schleppen. Sein Gesicht war eingefallen und verbrannt, aber in seinen Augen brannte selbst jetzt noch ein fanatisches Feuer.
Torian nahm es kaum wahr. Er war im Moment sogar zu erschöpft, um Haß gegen ihn zu empfinden. Sein ganzer Körper schien nur noch aus Schmerz zu bestehen. Obwohl die Beine sein Gewicht kaum noch zu tragen vermochten, blieb er stehen und lehnte sich nur gegen eine Wand. Er wußte, daß er nicht mehr aufstehen würde, wenn er sich jetzt setzte. Gierig schnappte er nach Luft, obwohl jeder Atemzug in seinen Lungen brannte. Wenigstens war es hier nicht mehr ganz so heiß, und auch die Erschütterungen des Bodens hatten aufgehört. Seine Augen tränten. Er hob die Hand, um die Tränen fortzuwischen, und zog sie schnell wieder zurück, als er an eine der unzähligen Brandblasen auf seiner Stirn stieß, die unter der Berührung sofort aufplatzte.
Shyleen lehnte sich neben ihn und musterte ihn besorgt. Ihr Gesicht glänzte vor Schweiß. Ihr lockiges, schwarzes Haar war mehr als zur Hälfte verkohlt, und ihr Gesicht so von Brandblasen entstellt, daß es kaum noch menschlich aussah. Einige der Blasen waren bereits aufgeplatzt, und darunter kam rohes Fleisch zum Vorschein, aber über etwas anderes erschrak Torian viel mehr. Shyleen war gealtert. Nicht um wenige Monate oder Jahre, so wie zuvor, sondern um Jahrzehnte. Es mußte an den Anstrengungen liegen, daß sie ihre verbliebene Lebensenergie schneller verbrauchte, sehr viel schneller. Sie sah aus wie eine Sechzigjährige, das war trotz der Entstellungen durch das Feuer deutlich zu sehen. Und der Prozeß setzte sich immer noch weiter fort. Sie würde sterben, wenn kein Wunder geschah und sie den Tempel der verbotenen Träume nicht schnellstens fanden, begriff Torian mit jäher Deutlichkeit. Nicht in ein paar Wochen, wie sie bisher geglaubt hatten, auch nicht in ein paar Tagen, sondern jetzt und hier. Ihr blieben nur noch Minuten, höchstens Stunden. Er wollte etwas sagen, doch sie kam ihm zuvor. Die verbrannte Öffnung, die einmal ihr Mund gewesen war, öffnete sich, und sie stieß einige unartikulierte Laute aus, bis es ihr gelang, verständliche Worte zu formen. »Wo ... sind wir hier?«
Auch Garth mußte die Frage verstanden haben und trat auf Faron zu. »Was soll das alles bedeuten?« zischte er. »Das ist doch nicht der Gang, durch den wir gekommen sind. Wo sind die anderen Gefangenen?«
»Er... hat alle betrogen«, stöhnte Torian. Sein Mund war trocken, und das Sprechen bereitete ihm Mühe, aber es fiel ihm schließlich nicht so schwer, wie er befürchtet hatte. »Uns und die anderen. Sie sollten... sterben. Alle ... wichtigen Leute von Scrooth.«
»Die anderen Gefangenen waren mir von Anfang an egal«, gab Faron zu. »Aber es ging mir auch nicht um die Ehrengäste. Politik war mir schon immer egal. Ich wollte nur euch hierherbringen, alles andere ist unwichtig. Diese Sache geht nur uns vier etwas an.«
Der zweite Nork begriff einen Augenblick zu spät, was das bedeutete, um noch zu reagieren. Faron tötete ihn mit einem einzigen wuchtigen Hieb. Einen Moment wog er die blutige Klinge in seiner Hand, dann warf er sie achtlos fort. Der kaltblütige Mord schockierte Torian, und dann loderte der Haß heiß wie eine Stichflamme in ihm hoch und ließ ihn sogar seine Schwäche vergessen. Wieder ein Toter, wieder ein unschuldiges Opfer mehr, das Faron vertraut hatte und sinnlos gestorben war, nur weil es das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.
»Warum?« schrie Torian. »Warum hast du das getan, verfluchter Mörder?« Er machte ein paar unsichere Schritte, dann überwältigte der Haß sein Denken vollends, und er warf sich auf Faron. Wenn er schon keine Waffe hatte, würde er den Nork eigenhändig erwürgen. Es war ihm plötzlich egal, welche Gründe Faron für sein Tun hatte. Er wollte keine Erklärungen hören, sondern sich nur noch für den grausamen Verrat rächen, und wenn es das letzte war, was er in seinem Leben tat.
Faron schaute ihn fast belustigt an. Sein Gesicht war so verunstaltet, daß eine Grimasse daraus wurde. Mühelos schlug er Torians Hände beiseite und versetzte ihm einen Stoß, der ihn zurücktaumeln ließ.
»Noch immer der gleiche temperamentvolle Dummkopf wie damals«, sagte Faron amüsiert. »Ich hatte gehofft, du wärest in den letzten Jahren vernünftiger geworden.«
Seine Worte ernüchterten Torian etwas. Er musterte den Nork genauer und kramte vergeblich in seinem Gedächtnis, aber er war sicher, Faron noch nie gesehen zu haben, bevor er nach Moran-Dur kam. Und doch... Er spürte instinktiv, daß Faron weder log noch daß es sich um einen Irrtum handelte. »Was ... meinst du?« fragte er verwirrt.
Faron lachte: leise und böse und ohne eine Spur von Gefühl in der Stimme. »Ich habe lange darauf warten müssen, daß du zurückkommst, aber ich wußte, daß es eines Tages geschehen würde. Vielleicht hast du es vergessen, aber ich habe es dir gesagt, vor mehr als vier Jahren.«
»Nein!« stöhnte Torian. Ein Verdacht keimte in ihm auf, doch er schien zu phantastisch, um weiter darüber nachzudenken. »Es ist unmöglich«, murmelte er, aber das war jetzt nur noch ein schwacher Versuch, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Alles war Lüge, Teil eines grausamen Plans. Nichts von dem, was in den vergangenen Wochen — und vielleicht auch davor — passiert war, war Zufall gewesen. Er hatte geglaubt, den Sinn hinter Farons Handeln bereits durchschaut zu haben, doch jetzt begriff er, wie sehr er sich die ganze Zeit über getäuscht hatte. Mit einem Mal wunderte es ihn überhaupt nicht mehr, daß alle Vorbereitungen so problemlos geklappt hatten. Manche Geheimnisse offenbaren ihren wahren Schrecken erst, wenn man sie lüftet, das wurde ihm in diesem Moment bewußt.