Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Auch wenn du mir vielleicht nicht geglaubt hast, ist alles eingetreten, was ich geplant hatte«, fuhr Faron (Faron???) ungerührt fort. »Du schuldest mir noch etwas, Torian: dein Leben. Und jetzt bin ich gekommen, um meinen Lohn von dir zu fordern. Sieh mich an.«
Torian wollte den Kopf abwenden, um die Augen noch ein paar Sekunden länger vor der Wahrheit zu verschließen, aber er konnte es nicht. Gegen seinen Willen hielt er den Blick unverwandt auf das Wesen gerichtet, das bislang die Gestalt eines Norks hatte. Nun verwandelte er sich in seine ursprüngliche Gestalt zurück. Seine Konturen verschwammen, das verbrannte Fell löste sich in Nichts auf, und an seiner Stelle zeigte sich die faltige, von Runzeln übersäte Haut eines Greises, in dessen Augen ein fanatisches, böses Feuer glomm, das allein noch an Faron erinnerte.
»Kelysar«, murmelte Torian mit brüchiger Stimme. Schweigen hing wie eine schwere, beinahe greifbare Spannung in der Luft. Torian konnte seinen Blick nicht von dem Heiler abwenden. Auch Kelysar hatte sich verändert und war seit ihrer letzten Begegnung gealtert, wenn auch längst nicht so stark wie Shyleen. Mehr denn je sah er wie ein lebender Leichnam aus, aber er wirkte zugleich auch stärker als damals. Macht umgab ihn wie eine unsichtbare, aber deutlich spürbare Aura, die Torian mehr als alles andere erschreckte. Er hatte das Gefühl, sie berühren zu können, wenn er nur die Hand danach ausstreckte.
»Ich will eure Wiedersehensfeier ja nicht stören«, brach Garth schließlich das Schweigen und ballte angriffslustig die Fäuste. »Aber es wäre nett, wenn mir endlich mal jemand erklären würde, was überhaupt los ist. Natürlich nur, wenn es euch nicht zuviel Mühe macht«, fügte er nach ein paar Sekunden hinzu. Seine Stimme bebte und zeigte, daß seine Nerven trotz des schwachen Scherzes bis zum Zerreißen gespannt waren.
Torian beachtete ihn nicht. »Warum?« fragte er bitter. »Warum das alles, Kelysar? All diese Toten ... Es war so unnötig, so ...«, er stockte einen Moment und suchte nach Worten, »... so sinnlos. Wir waren ohnehin auf dem Weg zu dir. Du hättest –«
»Nichts war unnötig«, unterbrach ihn Kelysar. »Und nichts war Zufall. Nicht einmal meine erste Prophezeiung. Ich habe für den Überfall der Norks gesorgt, damals, als du mit Marubur zu mir kamst, und dann brachte ich dich dazu, zu mir zurückzukommen. Warlon hat deinen Vater nicht getötet. Ich tat es in seiner Maske, weil ich wußte, daß man dich verdächtigen würde und du nur zu mir flüchten konntest. Ich mußte dich zu einem flüchtigen Mörder und Gejagten werden lassen, um dich vollends in meine Hand zu bekommen. Nur so konnte ich hoffen, daß du jemals zum Tempel der verbotenen Träume gehen würdest. Ich hätte dich zwingen können, aber dann wärst du keine wirkliche Hilfe gewesen.«
Was er hörte, überraschte Torian jetzt nicht mehr besonders. Er hatte all die einzelnen Mosaiksteinchen mühsam zu einem stimmigen Bild zusammengesetzt, und nun warf Kelysar sie mit wenigen Worten wieder durcheinander und formte ein ganz anderes Muster daraus. Hätte er behauptet, eigenhändig die Welt erschaffen zu haben, so hätte Torian ihm auch das geglaubt. »Aber du hast mich fortgehen lassen, statt mich zu zwingen, dir zu helfen«, wandte er verständnislos ein.
Kelysar lachte leise.
»Ich habe dich niemals ganz gehen lassen, sondern dich bewußt gegen die Schwarzen gehetzt. Was glaubst du, wer den Tremonen und ihrem Magier den Hinweis gab, wo sie deine Abteilung finden konnten, bei dem Kampf um den Paß an den Geistersümpfen, als du Garth kennenlerntest? Ich wußte, daß du dem Magier begegnen, und hoffte, daß du ihn besiegen würdest. Es war eine Art Probe, wenn du so willst, eine Prüfung.«
»Und?« knurrte Torian. »Habe ich sie bestanden?«
»Besser, als ich gedacht hatte. Mit dem, was dann geschah, habe ich allerdings nichts zu tun. Daß du bis in die Schattenburg vordringen und Ch’tuon befreien würdest, konnte ich nicht vorhersehen, und es fällt mir auch heute noch schwer, es zu glauben. Aber es ist nur ein Beweis mehr, daß ich die richtige Wahl getroffen habe. Gemeinsam werden wir bis in den Tempel der verbotenen Träume vordringen, und ich werde das Geheimnis des Lebens erfahren. Durch euch habe ich meine Unsterblichkeit verloren, aber durch euch werde ich sie auch wiedererlangen.«
»Du kannst sie haben!« schrie Torian. »Du hättest sie auch haben können, ohne all die Menschen umzubringen. Du siehst doch, daß auch Shyleen altert. Ihretwegen wollten wir zum Tempel und waren bereits auf dem Weg zu dir. Verdammt noch mal, wir hätten alles freiwillig getan, begreifst du das nicht?«
»Und du glaubst, wir hätten nur die Karte zu nehmen brauchen und einfach so hingehen können, wie?« höhnte Kelysar. »Es gibt keinen normalen Weg in das Tal hinein. Um die Berge zu überwinden, brauchtet ihr schon Flügel.« Er schüttelte verächtlich den Kopf. »Die Karte war nur dazu gedacht, dich neugierig zu machen. Der einzige Weg zum Tempel beginnt hier.« Er drehte sich um und trat durch eine schmale Öffnung in der Wand, ohne sich einmal umzusehen, ob sie ihm folgten.
Es war auch nicht nötig.
Er wußte genausogut wie Torian, daß sie ihm nachgehen würden, weil es keine andere Möglichkeit für sie gab. Torian wechselte einen raschen Blick mit Shyleen und Garth. »Ich habe von Anfang an gesagt, daß es Wahnsinn ist«, stieß der Dieb hervor. »Ein Magier! Und ich hatte gehofft, wir hätten endlich Ruhe vor ihnen. Wir sollten ihn töten, bevor er uns umbringt.« Er bückte sich nach dem Schwert, das Kelysar weggeworfen hatte, und versuchte es aufzuheben. Es ging nicht. Die Waffe lag so fest am Boden, als wäre sie damit verwachsen. Garth fluchte wütend, doch sein Gesicht verriet, daß auch er nichts anderes erwartet hatte. Kelysar war schließlich kein Dummkopf.
Torian wandte sich zu Shyleen um. »Du hast uns belogen«, sagte sie leise. Sie sprach leidenschaftslos, ohne jedes Gefühl in der Stimme, doch in ihrem Blick lag ein stummer Vorwurf, der Torian schlimmer traf, als jedes Wort es gekonnt hätte. Fast wünschte er sich, sie würde schreien oder ihn verfluchen. Statt dessen schüttelte sie nur traurig den Kopf. »Warum hast du uns nicht gesagt, was er wirklich ist? Es war doch völlig klar, daß durch den Verlust seiner Unsterblichkeit der Tempel auch für ihn die einzige Hoffnung darstellt. Hättest du uns gesagt, daß er ebenfalls ein Magier ist, hätten wir die Falle vielleicht früher durchschaut.«
Einen Moment hielt Torian ihrem Blick noch stand, dann senkte er den Kopf und wandte sich ab. Es war sinnlos, zu versuchen, ihr zu erklären, daß er selbst vergessen hatte, daß Kelysar ein Magier war und seine Lebenskraft wie die anderen nur Ch’tuon zu verdanken hatte, auch wenn er sich vom Orden der Schwarzen losgesagt hatte. Kelysar war für Torian nur ein harmloser, greiser Heiler gewesen, und er hatte nicht einmal mehr an ihn gedacht, seit sie nach Moran-Dur gekommen waren – und schon gar nicht hatte er ihn mit ihrem Hiersein oder mit Faron in irgendeine Verbindung gebracht. Aber er wußte, daß er sein Verhalten damit nicht entschuldigen konnte. Er hatte sich nicht erinnern wollen, wer Kelysar war, und selbst wenn es anders gewesen wäre, hätte er es nicht gesagt, weil Garth wahrscheinlich lieber auf direktem Wege in die Staubwüste zurückgerannt wäre, statt sie unter diesen Umständen noch zu begleiten. Garth haßte die Schwarzen ebenso wie er, aber er fürchtete sie sogar noch mehr.