Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Also gut«, fauchte Kelysar. »Jetzt ist es für euch ohnehin zu spät, noch etwas zu ändern. Die bisherigen Toten waren nötig, um das Tor zu erwecken, aber damit allein gibt es sich nicht zufrieden. Es fordert noch ein Opfer für die Benutzung. Einen von euch wird es nicht wieder freigeben.« Er riß die Arme beschwörend in die Höhe. Bläuliche Funken zuckten aus seinen Fingerspitzen und schlugen in das wabernde Feld. »Nichts wird mich mehr daran hindern, die Unsterblichkeit wiederzuerlangen!« schrie Kelysar. Er wollte noch mehr sagen, konnte es aber plötzlich nicht mehr. Nur ein Schwall Blut kam aus seinem Mund.
Alles war so schnell gegangen, daß Torian nicht einmal richtig mitbekommen hatte, was überhaupt geschehen war. Der Griff eines Dolches ragte aus Kelysars Kehle. Haltlos taumelte der Magier zurück. Eine weitere Feuerlohe schlug aus dem Tor, hüllte ihn ein und riß ihn mit sich fort, direkt in den brodelnden Schlund hinein.
Nein, dachte Torian. Nicht das! Es war Wahnsinn, einen Magier während einer Beschwörung zu töten, eine besonders sichere Methode, Selbstmord zu begehen.
Wie betäubt wandte er sich um. »Ich mußte es tun«, stieß Shyleen hervor, die Hand, mit der sie die Waffe geschleudert hatte, noch erhoben. »Ich habe den Dolch heimlich einem Soldaten abgenommen und ...«
Ihre weiteren Worte wurden von einem gewaltigen Donner verschluckt. Das Tor verwandelte sich schlagartig in eine Miniatursonne. Unerträglich grelle Helligkeit zerriß das Halbdunkel der Höhle. Torian fühlte sich mit grausamer Wucht in die Höhe gerissen und wie eine Puppe umhergeschleudert. Er öffnete den Mund zu einem Schrei, aber kein Laut kam über seine Lippen. Verzweifelt versuchte er, sich irgendwo festzuklammern. Es gelang ihm nicht. Die unsichtbare Titanenhand hielt ihn gepackt und riß ihn unbarmherzig mit sich fort.
Direkt auf das wie eine Sonne lodernde Tor zu...
Ich sterbe! dachte er. Das war sein letzter Gedanke, ehe er in die sengende Glut eintauchte und spürte, wie die Flammen seinen Körper binnen eines Sekundenbruchteils verzehrten.
Und um ihn herum erlosch die Welt.
Der Tempel der verbotenen Träume
(Mit Frank Rehfeld)
Prolog
Torian wußte nicht, wie lange der Sturz dauerte. Es konnten ebensogut Sekunden wie Jahre sein; er hatte jedes Gefühl für Zeit verloren. Um ihn herum war das absolute Nichts, eine so vollkommene Schwärze, wie er sie noch niemals erlebt hatte. Nicht einfach nur Leere, sondern wirklich NICHTS. Er versuchte, sich zu bewegen, doch es ging nicht. Sein Körper war taub und gefühllos, erfüllt von nichts anderem als einer eisigen Kälte, die auch seine Gedanken zu lahmen drohte. Er hatte Angst.
Vielleicht ist das der Tod, dachte er. Seltsam — dieser Gedanke erschreckte ihn nicht einmal. Alles erschien ihm seltsam unwirklich, irgendwie,.. traumhaft. Nur flüchtig erinnerte er sich auch, wer er gewesen war, wie er in den Katakomben unter Moran-Dur von dem auseinanderberstenden Tor aufgesogen und in diese zeitlose Unendlichkeit geschleudert worden war. Er war müde und wollte nur noch schlafen und mit diesem Nichts verschmelzen, um ewigen Frieden zu finden, aber irgend etwas tief in ihm sträubte sich noch dagegen.
Und dann, von einem Augenblick zum anderen, rissen die Nebel um seinen Geist ein wenig auf, und er erkannte die Gefahr, in der er schwebte. Die samtene Schwärze um ihn herum erschien ihm plötzlich nicht mehr beruhigend, sondern kalt und abstoßend, und er begriff, daß ihre Verlockung nichts weiter als den Tod — den wirklichen Tod — verbarg.
Er war verloren, wenn er sich weiterhin nur treiben ließ, mit jeder Sekunde ein bißchen weiter ins Nichts abglitt. Vielleicht war es schon zu spät, den Rückweg zu finden.
Verzweifelt versuchte er, sich zu erinnern. Ununterbrochen wiederholte er in Gedanken seinen Namen, klammerte sich daran, wie an den rettenden Strohhalm. Er zwang sich, an wichtige Ereignisse seines Lebens zu denken, an die Begegnung mit Garth und Shyleen und ihren Kampf gegen Kelysar, den wahnsinnigen Magier, dessen Tod schließlich dazu geführt hatte, daß das Tor außer Kontrolle geriet und sie verschlang.
Torian meinte zu fühlen, daß sich sein Sturz verlangsamte, aber es war nur ein vages Gefühl, da es um ihn herum nichts gab, woran er sich orientieren konnte. Er verstärkte seine Bemühungen noch. Wieder glaubte er, ein böses Lachen zu hören, doch es klang nicht mehr triumphierend wie zuvor, sondern wütend, fast enttäuscht. Unsichtbare Hände griffen nach ihm, kalt und körperlos und unmenschlich stark. Die Dunkelheit um ihn herum zerfloß, formte sich neu, gerann zu dämonischen Fratzen: Wesen mit aufgedunsenen Leibern und Papageienschnäbeln und viel zu vielen Armen, die in mörderischen Klauen endeten, Bestien, die nur in seiner Phantasie existierten und ihn trotz dieses Wissens bis ins Mark erschreckten, denn es waren seine gestaltgewordenen Urängste, gegen die er wehrlos war.
Torian wollte schreien und sich herumwerfen, aber sein Körper gehorchte ihm immer noch nicht.
Er wiederholte seinen Namen wie ein Gebet, wieder und immer wieder.
Irgendwo vor ihm glomm ein winziger roter Punkt auf und wurde rasend schnell größer. Blitze zuckten durch die Schwärze, griffen nach ihm und rissen ihn vorwärts. Der rote Lichtfleck wuchs zu wabernder Glut heran, unter deren Oberfläche es unablässig zuckte und wallte. Flammenfinger tauten die eisige Kälte auf, die Torian erfüllt hatte.
Dann stürzte er direkt durch den Vorhang aus Flammen und Hitze.
Als er urplötzlich wieder festen Boden unter den Füßen spürte, gelang es ihm nicht, das Gleichgewicht zu halten. Instinktiv versuchte er, den Sturz mit vorgestreckten Armen abzufangen, aber seine Reaktion kam zu spät. Mit entsetzlicher Wucht prallte er auf den steinernen Boden. Er überschlug sich ein paarmal, sah die Felswand wie einen gigantischen schwarzen Schatten auf sich zu rasen, und dann löschte ein harter Schlag gegen die Schläfe sein Bewußtsein endgültig aus.
Eine kühle Hand lag auf seiner Stirn, als er erwachte. Sein Körper schien nur aus pochendem Schmerz zu bestehen. Er mußte tot sein, dachte er, aber wenn dies hier das Jenseits war, dann war es ein verdammt ungemütlicher Ort, und die Unsterblichkeit der Seele vielleicht doch nicht ganz so erstrebenswert. Jemand flüsterte mit sehr leiser, angenehmer Stimme Worte. Worte, deren Wahl nicht zum Klang der Stimme paßte. Torian verstand ihren Sinn nicht, aber sie wirkten auf sonderbare Weise beruhigend. Trotzdem dämpften sie den Schmerz und vor allem die Angst, die ihn aus dem Schlaf in diesen Dämmerzustand zwischen Traum und Wachsein hinüberbegleitet hatte. Seine Furcht verschwand fast augenblicklich und machte einem Gefühl wohligen Behütetseins Platz. Nur langsam, fast widerwillig lichteten sich die Schleier, die sich um sein Bewußtsein gelegt hatten, und aus den verschwommenen Umrissen vor seinen Augen schälte sich das Gesicht Shyleens.
Torian richtete sich auf. Und im gleichen Moment erwachte der Schmerz in seinem Kopf wieder zu neuem Leben, als hätte er nur auf eine unvorsichtige Bewegung gewartet. Stöhnend ließ sich Torian zurücksinken und massierte seine Schläfen. Als er die Hand zurückzog, klebte halb geronnenes Blut an seinen Fingerspitzen. Er blinzelte ein paarmal, als könnte er die Benommenheit auf diese Art vertreiben, kämpfte die Übelkeit und das sie begleitende Schwindelgefühl nieder und setzte sich erneut auf, diesmal wesentlich vorsichtiger als beim ersten Mal. »Was ist passiert?« fragte er mühsam.
»Du wolltest wieder einmal mit dem Kopf durch die Wand«, erwiderte Garth spöttisch. »Aber du mußt noch etwas üben, du hast nämlich verloren, weißt du?«