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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Wortlos folgte Torian dem Magier durch den Riß in der Wand und gelangte in eine kleinere Höhle. Was er sah, traf ihn wie ein Schlag. Er schrie auf, konnte den Blick aber nicht von dem wabernden Ding abwenden, das die hintere Wand der Höhle bildete. Es war ein gigantisches Portal mit Säulen aus finsterem Feuer, zwischen denen vielfarbige Blitze unablässig zuckten und wirbelten; ein Schlund, der wie ein unendlich langer Tunnel direkt ins Nichts zu führen schien, gemalt in den Farben des Wahnsinns. Schattenhafte Nebel trieben durch den Schlund, ohne daß die Umrisse genau zu erkennen waren, aber wenn es sich wirklich um Schatten handelte, so waren es nicht die Schatten von Menschen oder irgend etwas, das einer menschlichen Gestalt auch nur nahekam. Torian meinte peitschende, tentakelartige Fühler zu sehen, die wie gereizte Schlangen blindlings hin und her zuckten, Kreaturen mit unförmig aufgedunsenen Leibern und viel zu vielen Armen und Beinen.

Noch einmal schrie er auf und schlug die Hände vor die Augen, um den Anblick nicht länger ertragen zu müssen.

»Ein Tor«, flüsterte Shyleen hinter ihm schaudernd. Torian nickte; er brachte kein Wort heraus. Es war nicht das erste Mal, daß er ein Tor sah, einen unersättlichen Moloch, der alles verschlang, was in seine Nähe geriet, selbst eine ganze Stadt. Eines dieser Tore hatte den Untergang der Stadt Armar verursacht, und um es zu stoppen, waren sie überhaupt erst in die Schattenburg vorgedrungen.

»Ganz recht, ein Tor«, sagte Kelysar. »Es erfordert gewaltige Kräfte, es zu erwecken, Kräfte, die die meinen um ein Vielfaches übersteigen. Deshalb ließ ich den Vulkan ausbrechen. Ich brauchte die Lebenskraft der Menschen, um es zu erwecken.«

»Du willst sagen, sie ... sie sind alle nur wegen dieses Dinges gestorben?« keuchte Torian fassungslos.

»Genau das«, erwiderte Kelysar ungerührt. »Es war die einzige Möglichkeit. Aber wenn es dein albernes Gewissen beruhigt: Moran-Dur wurde nicht ganz zerstört, und es gab auch nicht so viele Tote, wie du vielleicht befürchtest. Nur etwa hundert.«

»Nur?« schrie Torian. »Sagtest du wirklich nur hundert?« Er versuchte sich diese Zahl vorzustellen: hundert einzelne Schicksale, hundert Menschen, die wie er gelebt, die gedacht, gefühlt und gehofft hatten und von diesem wahnsinnigen alten Mann skrupellos ermordet worden waren. Die Zahl ging über sein Vorstellungsvermögen und blieb für ihn nur eine abstrakte Ziffer. Hilflos hob er die Arme und ließ sie gleich darauf wieder sinken. »Hundert«, wiederholte er noch einmal leise. Ein bitterer Geschmack war in seinem Mund. »Du sprichst von ihnen, als ob es Tiere oder leblose Spielfiguren wären. Aber es geht um Menschen.«

»Eben«, sagte Kelysar und lächelte. Es war ein so eisiges, so unmenschliches Lächeln, daß es Torian mit namenlosem, lähmendem Entsetzen erfüllte. Er wollte einfach nicht wahrhaben, daß Kelysar so zynisch über die Menschen dachte, aber er gestand sich ein, daß er sich selbst etwas vormachte. Sie hatten es mit einem Schwarzen Magier zu tun, gleichgültig, ob er sich von den anderen getrennt hatte oder nicht. Skrupel an den Machenschaften des Ordens waren sicherlich der allerletzte Grund dafür gewesen. Kelysar hatte seine Worte ganz bewußt gewählt, um ihn zu verletzen. Und das Schlimmste war, daß der Magier genau das meinte, was er sagte.

»Es ging nicht anders«, ergänzte Kelysar. »Sie mußten sterben, damit ich leben kann. Wie viele Menschen hast du schon getötet, um zu überleben, Torian? Oh, ich weiß, das war etwas völlig anderes. Du hast sie im ehrlichen Kampf getötet, aber frag doch die Menschen, die du erschlagen hast, ob sie diesen Unterschied auch machen. Wenn sie antworten könnten, würden sie dir sicherlich zustimmen und sich freuen, im fairen Kampf von deiner Hand gefallen zu sein, nicht wahr? Oder vielleicht doch nicht?«

Torian schwieg. Die Worte des Magiers hatten einen wunden Punkt in seinem Inneren getroffen. Es stimmte, er hatte diese Frage schon mehrfach gehört, ein paarmal zu oft, um sich nicht selbst mit Zweifeln zu plagen, ob er wirklich etwas anderes als nur ein Mörder war. Er spürte unbewußt, daß es einen Unterschied zwischen seinem und Kelysars Tun gab, aber er war unfähig, diese Ahnung in Worte zu kleiden, und wie schon oft zuvor fragte er sich, ob er sich diesen Unterschied nicht vielleicht doch nur einbildete, um sein Gewissen zu beruhigen. Nervös leckte er sich mit der Zungenspitze über die Lippen.

»Ich verstehe es trotzdem nicht«, sagte er mit mühsam erzwungener Ruhe und bemühte sich zu vergessen, was er gerade gehört hatte. Er durfte sich nicht auf die Wortspielereien des Magiers einlassen. Dies war ein Gebiet, auf dem er nur verlieren konnte. »Was hat das Tor mit dem Tempel zu tun?«

»Es ist der Weg dorthin, du Narr, der einzige Weg, der in das Tal führt. Das Tor wird uns hinbringen.«

Hinter ihm stieß Garth ein ersticktes Keuchen aus, fast wie ein Schrei. Torian brauchte ein paar Sekunden länger, um zu begreifen, was die Worte des Magiers bedeuteten.

»Du meinst, wir sollen durch dieses ... dieses Ding gehen?« fragte er fassungslos. »Du mußt doch selbst am besten wissen, daß es unmöglich ist. Es wird uns verschlingen und alle umbringen – wenn nicht Schlimmeres.«

Wie zur Bestätigung seiner Worte flackerte das wabernde Feld hinter dem Magier plötzlich stärker. Glutfäden leckten wie gierige Zungen daraus hervor, lösten sich aber wieder in Nichts auf, bevor sie Schaden anrichten konnten.

»Das Tor, das Armar vernichtet hat, war eine Ausnahme«, erklärte Kelysar mit der scheinbar geduldigen Stimme eines Erwachsenen, der die törichten Fragen eines Kindes zu beantworten versuchte. »Es wurde bewußt zum Zerstören erschaffen. Aber in Wahrheit sind die Tore etwas ganz anderes. Niemand weiß, wer sie geschaffen hat und wie viele es noch gibt; sie sind Überbleibsel aus der Zeit der Alten Rasse, vielleicht sogar noch älter. Eine Art Transportsystem, um Entfernungen von Hunderten oder gar Tausenden von Meilen binnen eines Sekundenbruchteils zurückzulegen. Korridore durch den Raum und vielleicht sogar durch die Zeit. Auch ich habe ihr Geheimnis noch längst nicht ergründen können. Aber man kann sie benutzen, selbst ein Mensch. Dieses Tor hier führt in das Tal, in dem der Tempel der verbotenen Träume liegt, aber ich kann es nicht mehr lange aufrechterhalten. Wenn wir noch länger hier herumstehen und schwatzen, dann wird es wirklich höchstens noch in den Tod führen.«

Hilflos wandte sich Torian um und schaute Shyleen an. Ihr Vater war ebenfalls ein Magier gewesen, und sie selbst immerhin eine Tempelpriesterin Ch’tuons. Vielleicht verstand sie nicht so viel von Magie wie Kelysar, aber jedenfalls eine ganze Menge. Sie würde wissen, wenn Kelysar log, doch sie wich seinem Blick aus. Nach zwei, drei Sekunden nickte sie. »Es stimmt«, flüsterte sie kaum hörbar. Dann ging ein sichtlicher Ruck durch ihren Körper. »Trotzdem verschweigt er uns etwas«, fügte sie wesentlich lauter und bestimmter hinzu. »Etwas stimmt nicht. Ich spüre, daß er noch etwas anderes im Schilde führt, von dem wir nichts wissen sollen.«

Wütend fuhr Torian herum. Er hatte schon mehrfach erlebt, daß es unmöglich war, Shyleen zu belügen. Sie konnte zwar keine Gedanken lesen, aber sie spürte instinktiv, wenn jemand nicht die Wahrheit sagte. »Was ist es, Kelysar?« schnappte er. »Was wird noch geschehen, wenn wir durch das Tor gehen?«

»Nichts«, sagte Kelysar eine Spur zu schnell, um noch glaubhaft zu wirken. Plötzlich war er nervös. »Ihr täuscht euch. Ich habe –«

Torian sprang. Die Bewegung kam so schnell, daß sie nicht einmal im Ansatz zu erkennen war, und doch reagierte Kelysar noch schneller. Eine unsichtbare Faust traf Torian im Sprung und schleuderte ihn zurück. Mit einem Schmerzensschrei stürzte er zu Boden.

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