Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Sie haben recht“, stimmte der Ingenieur zu. „Der Bathyskaph steuert jetzt den Roboter an und wird langsam abgebremst, bis seine Geschwindigkeit ungefähr achthundert Stundenkilometer beträgt. Der Bremsvorgang verläuft ziemlich ruckartig, deshalb müssen Sie angeschnallt bleiben.“
„Verstanden. Wie lange noch?“
„Einige Stunden lang. Aber die Belastung ist auszuhalten.“
Rich wandte sich mit einer Frage an den Ingenieur.
„Was passiert, wenn das Schiff den Roboter überfliegt, bevor die Geschwindigkeit genügend verringert worden ist, Mister Sakiiro? Wie reagiert dann der Autopilot? Steuert er geradewegs nach unten?“
„Ganz bestimmt nicht. Schließlich handelt es sich hier nicht um eine unbemannte Rakete. Der Bathyskaph beschreibt in diesem Fall einige weite Kurven um das angegebene Ziel, bis die Geschwindigkeit auf achthundert Stundenkilometer abgesunken ist. Im Notfall wird die Landung automatisch durchgeführt; aber wir hoffen, daß wir das vermeiden können.“
„Wie? Sie erwarten doch nicht etwa, daß Easy das Schiff fliegt?“
„Nein, sie braucht es nicht zu steuern. Aber wenn der Bathyskaph seine Reisegeschwindigkeit erreicht hat, sind die Auftriebtanks mit Luft gefüllt. Dann muß sie nur noch die Elektrolyse in Gang setzen, damit in den Tanks Wasserstoff entsteht, wodurch das Schiff so hoch in der Atmosphäre schwebt, daß die Triebwerke benutzt werden können. Als nächstes trimmt sie dann unter meiner Anweisung das Schiff so, daß das Heck auf Tenebra gerichtet ist, und zündet die Triebwerke. Wir brauchen dann nur noch hier oben auf sie zu warten.“
„Ich dachte, die Triebwerke seien noch nicht angeschlossen!“
Sakiiro schwieg einen Augenblick lang.
„Sie haben recht; das hatte ich ganz vergessen. Unter diesen Umständen ist die Sache komplizierter.“
„Soll das heißen, daß die beiden dort unten bleiben müssen?“
„Nicht unbedingt. Wir müssen unsere Pinasse nur mit den gleichen Triebwerken ausrüsten, damit wir das andere Schiff erreichen können, wenn es so hoch wie möglich schwebt. Schließlich müssen die Triebwerke auf jeden Fall in dieser Höhe arbeiten, für die sie gebaut worden sind — die Konstruktion des Schiffes, an dem sie angebracht werden, spielt dabei keine Rolle.“
„Dann ist die Rettung also möglich.“ Diese Feststellung war eigentlich mehr eine Frage. Sakiiro war zu ehrlich, um sofort antworten zu können. Aber nach einem kurzen Blick auf das besorgte Gesicht von Easys Vater entschloß er sich doch zu einer Antwort.
„Wir müßten die beiden retten können. Aber ich will Ihnen keineswegs falsche Hoffnungen machen, indem ich verschweige, daß das Rettungsmanöver ziemlich riskant ist. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie schwierig es für einen unserer Ingenieure ist, den Bathyskaphen zu erreichen, der wie ein Ballon schwebt, um dort die Verdrahtung der Triebwerke zu beenden, bevor er wieder zu der Pinasse zurückkehrt.“
„Warum können die Kinder nicht einfach in die Pinasse umsteigen?“
„Weil ihre Raumanzüge nicht für den Druck gebaut sind, der in dieser Höhe über Tenebra herrscht“, antwortete Sakiiro. „Ich kenne die Konstruktion der Drommianer nicht, aber unsere sind jedenfalls zu wenig widerstandsfähig.“
„Mister Sakiiro.“ Easys Stimme drang aus dem Lautsprecher.
„Ja, Easy?“
„Kann ich nicht etwas tun? Ich mag nicht einfach nur warten — und ich habe ein bißchen Angst.“
Rich warf dem Ingenieur einen fragenden Blick zu.
Als Diplomat war er zudem ein ausgezeichneter Psychologe und kannte seine Tochter. Easy war nicht von Natur aus hysterisch, aber für eine Zwölfjährige war die nervliche Belastung schwer zu ertragen. Er selbst konnte nichts vorschlagen, womit Easy sich ablenken durfte; aber Sakiiro sah zum Glück ein, daß das Mädchen beschäftigt werden mußte.
„Auf der linken Seite des Instrumentenbretts sehen Sie einige Manometer. Wenn Sie uns die gemessenen Werte durchgeben können, ist uns schon viel geholfen. Und Ihr Freund beobachtet vielleicht die Sterne, damit wir wissen, wann sie dunkler werden. Allerdings werdet ihr den Andruck bald so stark spüren, daß die Beobachtung zu schwierig wird.“
Rich nickte ihm dankend zu; falls Aminadabarlee ein ähnliches Gefühl der Dankbarkeit empfand, ließ er sich nichts anmerken. In den nun folgenden Minuten waren nur die Stimmen der beiden Kinder zu hören, die Meßinstrumente ablasen und die Sterne beschrieben.
Dann berichtete Easy, daß der Bathyskaph wieder heftig zu schwanken begonnen hatte.
„Alles in bester Ordnung“, beruhigte Sakiiro sie.
„Das bedeutet nur, daß ihr jetzt über dem Roboter seid. Von jetzt an wird die Geschwindigkeit allmählich verringert, wobei der Andruck sich erhöht. Ihre Liege nimmt automatisch die beste Stellung ein, aber sie werden trotzdem darunter leiden. Ihr Freund spürt wahrscheinlich weniger davon, aber er soll sich trotzdem nach Möglichkeit nicht bewegen.“
„Verstanden.“
„Die Sterne verschwinden langsam“, warf Aminadorneldo ein.
„Danke. Was zeigen die Manometer an?“
Das Mädchen las die Instrumente ab, obwohl sie die Zeiger kaum noch erkennen konnte. Bisher war das Schiff senkrecht nach unten gesunken, aber jetzt beschrieb es verhältnismäßig enge Kurven. Die Ingenieure begriffen nicht, warum der Bathyskaph so ruhig in der Luft lag, denn seine Geschwindigkeit war noch immer wesentlich höher als erwartet.
Sakiiro, der sich nur auf Vermutungen verlassen konnte wollte Easy bereits beschreiben, wie die Elektrolyse in Gang gebracht wurde, als die gleichmäßige Bewegung sich plötzlich in ein hartes Stampfen und Schwanken verwandelte. Das Mädchen blieb angeschnallt auf ihrem Sitz und wurde nur abwechselnd gegen die Gurte gedrückt oder in die Polster geworfen; aber der junge Drommianer rutschte haltlos von einer Ecke in die andere. Die Ingenieure waren völlig verblüfft; die Diplomaten hatten zuviel Angst um ihre Kinder, als daß sie imstande gewesen wären, ein vernünftiges Wort herauszubringen. Aber Raeker glaubte zu wissen, was sich ereignet hatte.
„Regentropfen!“ rief er.
Später stellte sich heraus, daß er recht gehabt hatte; aber im Augenblick war diese Erkenntnis nicht viel wert. Der Autopilot versuchte einen geraden Kurs zu steuern, was sich aber als kaum möglich erwies, da der Bathyskaph immer wieder mit riesigen Tropfen mit einem Durchmesser von über fünfzehn Metern zusammenprallte.
Wenige Minuten später ging das Schiff jedoch wieder in den freien Fall über. Da der Bathyskaph aus einem sechzig Meter langen Hohlkörper bestand, der die kugelförmige Steuerzentrale umschloß, sank er so langsam, daß er vermutlich selbst durch eine harte Landung nicht beschädigt worden wäre. Ein glücklicher Zufall wollte es jedoch, daß das Schiff im Wasser landete.
In einem wirklichen Meer: nicht in der Mischung aus Gasen und Flüssigkeiten, mit der Tenebra nachts zum größten Teil bedeckt war.
Der Bathyskaph landete auf dem Rücken, aber sein Schwerpunkt lag so tief, daß das Schiff sich selbsttätig aufrichtete. Die Beobachter sahen, daß der junge Drommianer sich vorsichtig aufrichtete, zu der Liege des Mädchens hinüberging und es an der Schulter rüttelte. Easy bewegte sich und versuchte sich aufzusetzen.
„Ist bei euch alles in Ordnung?“ Beide Väter stellten diese Frage gleichzeitig. Aminadorneldo, der sich an den Befehl seines Vaters erinnerte, wartete geduldig darauf, daß Easy antwortete.
„Ja“, sagte sie schließlich. „Tut mir leid, daß ich vorher geheult habe, Dad; ich hatte plötzlich Angst.
Aber ich wollte ›Mina‹ bestimmt nicht erschrecken.“
„Ich bin dir deswegen nicht böse, Easy, und glaube nicht, daß dein Freund sich davon hat beeinflussen lassen. Wir müssen froh sein, daß ihr heil gelandet seid — wenn der Bathyskaph beschädigt wäre, würdet ihr wahrscheinlich nicht mehr leben.“