Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Deine Vorwürfe verschlimmern dein Verbrechen nur«, sagte Elemak. »Verabschiede dich von deiner Mutter und deiner Frau — von dort aus, wo du stehst. Komm nicht näher!«
»Elemak, das ist doch nicht dein Ernst!« sagte Rasa.
»Du hast mir beigepflichtet, Rasa, daß unser Überleben davon abhängt, dem Gesetz der Wüste zu gehorchen.«
»Du bist boshaft und …«
»Vorsicht, Herrin Rasa. Ich werde tun, was getan werden muß, selbst wenn ich auch dich zurücklassen und dem Tode überantworten muß.«
»Mach dir keine Sorgen, Mutter«, sagte Nafai. »Die Überseele steht zu uns, und Elemak ist hilflos.«
Luet begriff allmählich, was Nafai vorhatte. Er wirkte ganz ruhig — unglaublich ruhig. Daher mußte er ziemlich sicher sein, daß die Überseele ihn irgendwie schützen würde. Er mußte einen Plan haben, und Luet sollte wohl besser schweigen und die Ereignisse ihren Lauf nehmen lassen, ganz gleich, wie groß ihre Angst war.
Aber es wäre nett, wenn du mich in deinen Plan einweihen würdest, sagte sie zu der Überseele.
›Plan?‹ antwortete die Überseele.
Luets Hände begannen zu zittern.
»Wir werden sehen, wie hilflos du bist«, sagte Elemak. »Mebbekew, nimm ein Stück Packschnur — die leichte, aber mehrere Meter — und fessele seine Hände. Binde einen sicheren, engen Knoten und mache dir keine Sorgen darüber, daß du die Blutzirkulation in seinen Händen unterbrichst.«
»Seht ihr?« sagte Nafai. »Er wagt es nicht einmal, einen Ungefesselten zu töten.«
Nicht! rief Luet in ihrem Herzen. Provoziere ihn nicht, bringe ihn nicht dazu, dich zu erschießen. Wenn du dich fesseln läßt, hast du noch eine Chance.
Elemak warf Mebbekew einen Blick zu, und daraufhin ging Meb zu den wartenden Kamelen und kam mit einem Strick zurück.
Als er Nafai die Hände auf den Rücken fesselte und das Seil immer wieder um seine Gelenke schlang, trat Huschidh vor.
»Bleib, wo du bist«, sagte Elemak. »Aus Respekt vor der Herrin Rasa fessele ich ihn und lasse ihn zurück, aber ich bringe es genausogern schnell hinter mich und benutze den Pulsator.«
Huschidh blieb, wo sie war; sie hatte sowieso, was sie wollte, nämlich die Aufmerksamkeit der Gruppe. »Elemak hat dies von Anfang an vorgehabt«, sagte sie zu den anderen, »denn er will Nafai töten. Er wußte genau, entscheidet er sich zur Umkehr, blieb Nafai keine andere Wahl, als sich ihm zu widersetzen. Er hat alles so arrangiert, daß er eine legale Entschuldigung für einen Mord hat.«
Elemaks Auge zuckte. Luet sah, daß die Wut in ihm immer größer wurde und bald außer Kontrolle geraten würde. Was tust du, Huschidh, meine Schwester? Bringe ihn nicht dazu, meinen Gatten hier an Ort und Stelle zu töten!
»Warum sollte Elja das tun?« sagte Eiadh. »Du behauptest, mein Elemak ist ein Mörder, und das stimmt nicht!«
»Eiadh, armer Schatz«, sagte Huschidh. »Elemak will Nafai tot sehen, weil er weiß, hättest du heute die Wahl, würdest du ihn verlassen und dich für Nafai entscheiden.«
»Eine Lüge!« rief Elemak. »Antworte nicht darauf, Eiadh! Sag nichts!«
»Weil er es nicht erträgt, die Wahrheit zu hören«, sagte Huschidh. »Er wird sie in deiner Stimme hören.«
Nun verstand Luet. Huschidh setzte die Begabung ein, die die Überseele ihr verliehen hatte, wie sie es auch getan hatte, als Raschgallivak in Rasas Haus stand und seinen Soldaten befahl, Rasas Töchter zu entführen. Huschidh sprach die Worte, die die Loyalität von Elemaks Gefolgschaft zerstören, die ihm alle Unterstützung nehmen würden. Sie entfesselte sie, und wenn sie nur noch ein paar weitere Sätze sprechen konnte, würde sie Erfolg haben.
Leider war Luet nicht die einzige, die dies begriff. »Bringt sie zum Schweigen!« sagte Sevet. Ihre Stimme war hart und heiser, denn sie hatte sich noch nicht von der Verletzung erholt, die Kokor ihr zugefügt hatte. Aber sie konnte laut genug sprechen, um sich Gehör zu verschaffen, und der Schmerz in ihrer Stimme brachte ihr nur noch mehr Aufmerksamkeit ein. »Laßt Huschidh nicht sprechen. Sie ist eine Entwirrerin, und wenn sie genug sagt, kann sie jeden gegen jeden anderen richten. Ich habe gesehen, wie sie es bei Raschgallivaks Männern gemacht hat, und es wird ihr auch hier gelingen, wenn ihr es zulaßt!«
»Sevet hat recht«, sagte Elemak. »Noch ein Wort von dir, Huschidh, und ich werde Nafai töten.«
Fast hätte Huschidh den Mund geöffnet, um noch etwas zu sagen, Luet sah es genau. Aber irgend etwas — vielleicht die Überseele — hielt sie zurück. Sie drehte sich um und ging dorthin zurück, wo sie gerade gestanden hatte, trat neben Rasa und Schedemei. Wie Luet es sah, war ihre letzte Hoffnung damit verloren. Die Überseele konnte willensschwache Menschen für kurze Zeit dumm oder furchtsam machen, aber sie hatte nicht die Macht, einen Mann aufzuhalten, der zu einem Mord entschlossen war. Sie hatte nicht die Macht, die Banditen plötzlich dazu zu bewegen, Nafai zu helfen, sollten sie ihn finden. Und sie konnte ganz bestimmt nicht verhindern, daß die Tiere der Wüste ihn fanden und fraßen. Huschidhs Versuch war die letzte Möglichkeit gewesen, und er war gescheitert.
Nein, ich werde nicht verzweifeln, dachte Luet. Wenn wir ihn hier zurücklassen, kann ich mich vielleicht von den anderen entfernen, hierher zurückkehren und ihn losbinden. Oder ich töte Elemak, während er schläft, und …
Nein, nein. Sie war nicht zu einem Mord fähig, und das wußte sie auch. Nicht einmal, wenn die Überseele ihn befahl, wie sie Nafai befohlen hatte, Gaballufix zu töten. Nicht einmal dann wäre sie dazu imstande gewesen. Und sie würde sich auch nicht davonschleichen und Nafai rechtzeitig helfen können. Es war vorbei. Es bestand keine Hoffnung mehr.
»Er ist gefesselt«, sagte Mebbekew.
»Ich überprüfe den Knoten«, sagte Elemak.
»Glaubst du, ich weiß nicht, wie ich jemanden fesseln muß?« fragte Mebbekew.
»Dieser Computer, den sie verehren, hat angeblich die Macht, Menschen dümmer zu machen, als sie es gewöhnlich sind«, sagte Elemak. »Stimmt das nicht, Nafai?« . Nafai sagte nichts. Luet war dafür stolz auf ihn, hatte aber auch Angst um ihn. Denn sie wußte, daß die Macht der Überseele über einen langen Zeitraum hinweg sehr groß, aber in jedem beliebigen kurzen Augenblick sehr gering war.
Elemak stand nun dicht hinter Nafai und richtete den Pulsator auf dessen Rücken. »Knie nieder, kleiner Bruder.«
Nafai kniete nicht, aber wie aus einem Reflex machte Meb dazu Anstalten.
»Du doch nicht, du Narr. Njef.«
»Der zum Tode Verurteilte«, sagte Nafai.
»Ja, du, kleiner Bruder. Knie nieder.«
»Wenn du den Pulsator benutzen willst, sterbe ich lieber stehend.«
»Mach nicht so ein Schauspiel daraus«, sagte Elemak. »Ich will deine Hände an deine Füße binden, also knie nieder.«
Langsam und behutsam sank Nafai zuerst auf ein Knie, dann auf beide.
»Setz dich auf den Hintern«, sagte Elemak. »Die Füße flach auf den Boden. Ja, so. Nun zieh die Enden des Seils zwischen seinen Knöcheln hindurch, Meb, dann nach oben und über seine Beine, und binde sie zusammen — vor seinen Handgelenken, ja, genau so, damit er den Knoten nicht mit den Fingern erreichen kann. Sehr gut. Spürst du etwas in deinen Händen, Nafai?«
»Nur das Pochen meines Blutes, das versucht, an den Tauen um meine Gelenke vorbeizukommen.«
»Stricke, nicht Taue, Nafai, aber sie könnten genauso gut aus Stahl sein.«
»Du schneidest nicht mein Blut ab, Elemak, sondern dein eigenes«, sagte Nafai. »Denn dein Blut wird auf der Erde unbekannt sein, während das meine tausend Generationen lang weiterleben wird.«
»Das reicht«, sagte Elemak.
»Ich sage, was mir paßt«, erwiderte Nafai, »denn du hast dich schon entschlossen, mich zu töten. Was sollte sich ändern, wenn ich jetzt die Wahrheit sage? Muß ich befürchten, daß du mich trittst oder bespuckst, wenn ich dem Tod schon ins Antlitz schaue?«