Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, man lässt sie sich einzeln von seiner Frau entfernen.« Er winkelte den Arm an und verbeugte sich mit hochgezogener Augenbraue vor mir. »Wenn Ihr so freundlich wärt, meine Dame?«
Er hatte es zwar im Scherz gesagt, doch sie einzeln abzuzupfen, war tatsächlich die einzige Methode, sich effektiv von Läusen zu befreien. Auch ich kämmte mir morgens und abends das Haar – das ganze Haar – mit einem feinen Kamm, wusch es mit Schafgarbe, wenn wir an einem Gewässer hielten, das tief genug zum Baden war, und hatte bis jetzt jeden ernsthaften Befall vermieden. Da mir klar war, dass ich nur läusefrei bleiben würde, solange das auch für Jamie galt, ließ ich ihm dieselbe Behandlung angedeihen, wann immer ich ihn dazu bringen konnte, lange genug stillzusitzen.
»Paviane machen es auch so«, stellte ich fest, während ich ihm vorsichtig eine borstige Grasähre aus der dichten roten Mähne zog. »Ich glaube allerdings, sie fressen die Früchte ihrer Mühen auf.«
»Lass dich nicht von mir abhalten, wenn dir danach ist, Sassenach«, erwiderte er. Er zog wohlig die Schultern hoch, während der Kamm durch die dichten, glänzenden Strähnen glitt. Der Feuerschein füllte meine Hände mit einer Kaskade von Funken und goldenen Feuerstreifen. »Mm. Kaum zu glauben, dass es so schön ist, die Haare gekämmt zu bekommen.«
»Warte nur, bis ich zum Rest komme«, sagte ich und kniff ihn vertraulich, so dass er kicherte. »Obwohl ich ja versucht bin, stattdessen Murtaghs Methode auszuprobieren.«
»Wenn du mit einer Flamme in die Nähe meiner Sackhaare kommst, blüht dir dieselbe Behandlung«, drohte er. »Was meinte Louise de La Tour, wie kahle Frauen wirken?«
»Erotisch.« Ich beugte mich vor und zwickte ihn mit den Zähnen in die Oberkante seines Ohrs.
»Mmpfm.«
»Nun ja«, sagte ich. »Chacun à son gout, wie es so schön heißt.«
»So etwas kann auch nur ein Franzose sagen.«
»Nicht wahr?«
Ich wurde durch ein lautes, gedehntes Knurren bei der Arbeit unterbrochen. Ich legte den Kamm beiseite und blickte demonstrativ in die bewaldete Dunkelheit.
»Entweder«, sagte ich, »gibt es Bären in diesem Wald, oder … warum hast du nichts gegessen?«
»Ich war mit den Pferden beschäftigt«, antwortete er. »Eins der Ponys hat einen Hufspalt, und ich musste es verbinden. Nicht, dass ich nach all dem Gerede über Läuse großen Appetit hätte.«
»Womit verbindet man denn einen Pferdehuf?«, fragte ich, ohne auf den letzten Satz einzugehen.
»Verschiedenes; frischer Pferdemist mit Essig und Salz ist ein altes Hausmittel. Ich habe zerquetschte Platterbsenblätter mit Honig benutzt.«
Die Satteltaschen lagen an unserem eigenen Feuer am Rand der kleinen Lichtung, wo die Männer mein Zelt errichtet hatten. Ich wäre zwar bereit gewesen, genau wie sie unter den Sternen zu schlafen, musste aber eine gewisse Dankbarkeit über das bisschen Zurückgezogenheit gestehen, das mir die Leinenplane gewährte. Und wie Murtagh in seiner üblichen direkten Art festgestellt hatte, als ich mich für seine Hilfe beim Aufbau des Unterschlupfs bedankt hatte, hatte man diesen nicht nur in meinem Interesse arrangiert.
»Und wenn er sich einmal nachts zwischen deinen Beinen erleichtert, wird es ihm niemand verübeln«, hatte der schmächtige Schotte gesagt und dabei mit dem Kopf auf Jamie gewiesen, der in ein Gespräch mit mehreren anderen Männern vertieft war. »Schließlich muss man das Augenmerk der anderen ja nicht übermäßig auf Dinge lenken, die sie im Moment nicht haben können, nicht wahr?«
»Ah«, hatte ich mit etwas gereiztem Unterton gesagt. »Sehr rücksichtsvoll von dir.«
Ein Lächeln – eine echte Seltenheit – hatte seine Mundwinkel gekräuselt.
»Ach ja«, hatte er gesagt.
Eine rasche Suche in den Satteltaschen brachte ein Stück Käse und ein paar Äpfel zutage. Diese gab ich Jamie, der sie skeptisch betrachtete.
»Kein Brot?«, fragte er.
»Kann sein, dass in der anderen Tasche etwas ist. Aber iss erst die Äpfel; sie sind gut für dich.« Wie die anderen Highlander hegte auch er diesen angeborenen Argwohn gegen frisches Obst und Gemüse, obwohl sein Appetit so groß war, dass er im Notfall beinahe alles aß.
»Mm«, sagte er und biss in einen Apfel. »Wenn du das sagst, Sassenach.«
»Das sage ich. Schau her.« Ich zog die Lippen zurück und entblößte die Zähne. »Wie viele Frauen in meinem Alter kennst du, die noch alle Zähne haben?«
Ein Grinsen entblößte seine eigenen ausgezeichneten Zähne.
»Nun, ich gebe zu, dass du dich gut gehalten hast, Sassenach, für so ein altes Hutzelweiblein.«
»Ich habe mich gesund ernährt«, gab ich zurück. »Die Hälfte der Menschen auf deinem Anwesen leidet an leichtem Skorbut, und nach allem, was ich unterwegs gesehen habe, ist es anderswo noch schlimmer. Mit Vitamin C kann man dem vorbeugen, und Äpfel sind voll davon.«
Er nahm den Apfel aus dem Mund und betrachtete ihn stirnrunzelnd.
»Tatsächlich?«
»Ja, tatsächlich«, sagte ich entschlossen. »Genau wie die meisten anderen Pflanzen – Orangen und Zitronen sind am besten, aber die bekommt man hier natürlich nicht – aber Zwiebeln, Kohl, Äpfel … wenn du jeden Tag so etwas isst, bekommst du keinen Skorbut. Sogar grüne Kräuter und Wiesengras enthalten Vitamin C.«
»Mmpfm. Und das ist der Grund, warum Rotwild die Zähne nicht verliert, wenn es alt wird?«
»In der Tat.«
Er drehte den Apfel hin und her und betrachtete ihn kritisch, dann zuckte er mit den Schultern.
Ich hatte mich gerade abgewandt, um Brot zu holen, als mir ein leises Knistern auffiel. Aus dem Augenwinkel sah ich eine verschwommene Bewegung in der Dunkelheit, und der Feuerschein spiegelte sich in einem Gegenstand dicht neben Jamies Kopf. Ich fuhr mit einem Aufschrei zu ihm herum und sah gerade noch, wie er sich rückwärts von seinem Baumstamm fallen ließ und in der Schwärze der Nacht verschwand.
Die Nacht war mondlos, und mein einziger Hinweis auf das, was sich abspielte, waren heftiges Rascheln im trockenen Erlenlaub und die Geräusche von Männern, die angestrengt, aber leise miteinander rangen und dabei grunzten, keuchten und hin und wieder gedämpft fluchten. Es folgte ein kurzer, scharfer Aufschrei, dann völlige Stille, die zwar vermutlich nur ein paar Sekunden dauerte, für mich aber endlos zu sein schien.
Ich stand immer noch erstarrt am Feuer, als Jamie aus der Finsternis des Waldes zurückkehrte. Er schob einen Gefangenen vor sich her, dem er den Arm auf den Rücken gedreht hatte. Jetzt ließ er ihn los, drehte die Gestalt um und stieß sie abrupt von sich, so dass sie rückwärts gegen einen Baum prallte. Der Mann traf mit voller Wucht vor den Stamm, so dass es Blätter und Eicheln regnete, und glitt langsam zu Boden, bis er benommen im Laub liegen blieb.
Von den Geräuschen angezogen, tauchten Murtagh, Ross und ein paar der anderen Fraser-Männer am Feuer auf. Sie zerrten den Eindringling hoch und zogen ihn unsanft in den Feuerschein. Murtagh packte den Gefangenen am Haar und riss ihm den Kopf zurück, so dass wir sein Gesicht sehen konnten.
Es war ein schmales, feinknochiges Gesicht mit großen, lang bewimperten Augen, die verwirrt auf die Männer blickten, die es umdrängten.
»Aber er ist doch noch ein Junge!«, rief ich aus. »Er kann nicht mehr als fünfzehn sein!«
»Sechzehn«, sagte der Junge. Er schüttelte den Kopf und kam langsam wieder zu sich. »Nicht, dass das etwas ändern würde«, fügte er hochmütig mit sehr englischer Aussprache hinzu. Hampshire, dachte ich. Er war weit von zu Hause fort.
»Das würde es nicht tun«, pflichtete ihm Jamie grimmig bei. »Ob sechzehn oder sechzig; er hat gerade einen sehr achtbaren Versuch unternommen, mir die Kehle durchzuschneiden.« Jetzt fiel mir das gerötete Taschentuch auf, das er sich an den Hals hielt.
»Ich werde Euch nichts verraten«, sagte der Junge. Seine Augen waren dunkle Becken in seinem bleichen Gesicht, nur sein Haar glänzte hell im Feuerschein. Er hielt sich den einen Arm fest an den Körper; ich hatte den Eindruck, dass er verletzt war. Der Junge bemühte sich sichtlich angestrengt, aufrecht unter den Männern zu stehen, und hielt die Lippen fest aufeinandergepresst, um sich keinen Angst- oder Schmerzenslaut entweichen zu lassen.