Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Doch es war der siebzehnte September, und wenn meine bruchstückhaften Kenntnisse der jakobitischen Geschichte zutrafen, würde in wenigen Tagen tatsächlich Krieg herrschen.
»Erzähl es mir noch einmal, Sassenach«, hatte Jamie vorhin zum dutzendsten Mal gesagt, während wir auf verschlungenen Pfaden und unbefestigten Straßen unterwegs waren. Ich ritt Donas, und Jamie schritt neben mir her, doch jetzt ließ ich mich aus dem Sattel gleiten, um ebenfalls zu Fuß zu gehen und mich besser unterhalten zu können. Im Allgemeinen verstand ich mich zwar mit Donas, aber er war ein Pferd, das die volle Konzentration seines Reiters erforderte, hatte er doch zum Beispiel eine große Vorliebe dafür, unachtsame Reiter an tiefhängenden Ästen abzustreifen.
»Ich habe dir schon wiederholt gesagt, dass ich nicht so viel weiß«, sagte ich. »In den Geschichtsbüchern stand nicht viel darüber, und ich habe damals auch nicht besonders darauf geachtet. Alles, was ich dir sagen kann, ist, dass die Schlacht in der Nähe der Ortschaft Preston ausgetragen wurde – äh, ausgetragen wird – und deshalb die Schlacht von Prestonpans heißt, obwohl die Schotten sie die Schlacht von Gladsmuir genannt haben – nennen werden –, einer alten Prophezeiung wegen, der zufolge der zurückkehrende König in Gladsmuir siegreich sein wird. Weiß der Himmel, wo das echte Gladsmuir liegt, falls es existiert.«
»Aye. Und?«
Ich runzelte die Stirn und versuchte, mich auch noch an den letzten Fetzen Information zu erinnern. Ich konnte im Kopf das kleine, eselsohrige Exemplar von Englands Geschichte für Kinder vor mir sehen, das ich in einer Lehmhütte irgendwo in Persien beim flackernden Licht einer Kerosinlampe gelesen hatte. Während ich es im Geiste umblätterte, erinnerte ich mich an die zwei Seiten, die der Autor für den zweiten Jakobiten-Aufstand übrig gehabt hatte, der unter Historikern als »der ’45er« bekannt war. Und an den winzigen Abschnitt im Rahmen dieser zwei Seiten, der sich mit der Schlacht befasste, die uns bevorstand.
»Die Schotten gewinnen«, sagte ich hilfsbereit.
»Nun, das ist natürlich das, was zählt«, pflichtete er mir ein wenig sarkastisch bei, »aber es wäre durchaus hilfreich, ein bisschen mehr zu wissen.«
»Wenn du Prophezeiungen willst, hättest du dir eine Seherin besorgen sollen«, fuhr ich ihn an, dann lenkte ich ein. »Es tut mir leid. Es ist nur, dass ich so wenig weiß, und das ist einfach frustrierend.«
»Aye, das ist es.« Er nahm meine Hand und drückte sie. Dabei lächelte er mich an. »Mach dir keine Gedanken, Sassenach. Du kannst nicht mehr sagen, als du weißt, aber erzähl mir alles noch ein einziges Mal.«
»Also schön.« Ich erwiderte den Händedruck, und wir gingen Hand in Hand weiter. »Es war ein bemerkenswerter Sieg«, begann ich, von der Seite in meinem Kopf abzulesen, »weil die Jakobiten so hoffnungslos in der Unterzahl waren. Sie überraschten General Copes Armee im Morgengrauen – sie hatten die aufgehende Sonne im Rücken, daran erinnere ich mich noch –, und es wurde eine Schlappe für die Königstreuen. Bei ihnen gab es Hunderte von Toten und nur ein paar auf Seiten der Jakobiten – dreißig Mann, das war es. Nur dreißig Mann sind ums Leben gekommen.«
Jamie sah sich nach den Männern aus Lallybroch um, die sich als weit auseinandergezogene Kolonne über die Straße zogen und sich in Grüppchen unterhielten oder sangen. Dreißig Männer, das war die Zahl, die wir aus Lallybroch mitgebracht hatten. Wenn man sie ansah, schienen es gar nicht so wenige zu sein. Doch ich hatte die Orte der Kämpfe im Elsass gesehen und die riesigen Wiesen, die durch Tausende Tote in schlammige Gräberfelder verwandelt worden waren.
»Im Großen und Ganzen«, sagte ich und kam mir vor, als müsste ich mich entschuldigen, »war es leider ziemlich unbedeutend. Historisch gesehen.«
Jamie atmete mit gespitzten Lippen aus und blickte mich trostlos an.
»Unbedeutend. Aye, nun ja.«
»Es tut mir leid«, sagte ich.
»Nicht deine Schuld, Sassenach.«
Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass es irgendwie doch meine Schuld war.
Nach dem Abendessen saßen die Männer um das Feuer und genossen träge ihre vollen Bäuche, erzählten sich gegenseitig Geschichten und kratzten sich. Das Kratzen grassierte; durch die Enge und die schlechte Hygiene waren Läuse so häufig, dass niemand ein Wort darüber verlor, als einer der Männer jetzt ein typisches Exemplar von seinem Plaid entfernte und es ins Feuer warf. Die Laus flammte auf, mischte sich unter die Funken des Feuers und verschwand.
Der junge Mann, den sie Kincaid nannten – er hieß Alexander, doch es gab so viele Alexander, dass die meisten nur mit Spitznamen oder Zweitnamen angesprochen wurden –, schien heute Abend besonders schlimm unter der Plage zu leiden. Er wühlte heftig unter einem Arm, in seinem braunen Lockenhaar und dann – nach einem raschen Blick, um zu sehen, ob ich in seine Richtung schaute – in seinem Schritt.
»Dich hat’s ja schlimm erwischt, was, Junge?«, merkte Ross, der Schmied, mitfühlend an.
»Aye«, antwortete er, »sie fressen mich lebendig auf.«
»Aus den Haaren am Sack bekommt man sie kaum fort«, sagte Wallace Fraser und kratzte sich ebenfalls voller Mitgefühl. »Mich juckt es ja schon vom Zusehen, Junge.«
»Weißt du, wie man die kleinen Viecher am besten loswird?«, fragte Sorley McClure hilfsbereit, und als Kincaid verneinend den Kopf schüttelte, beugte er sich vor und zog vorsichtig ein brennendes Stöckchen aus dem Feuer.
»Heb kurz den Kilt hoch, Junge, dann räuchere ich sie für dich aus«, bot er unter dem spöttischem Johlen und Gelächter der anderen Männer an.
»Verflixter Bauer«, brummte Murtagh. »Was weißt du schon davon?«
»Weißt du es denn besser?« Wallace zog skeptisch die Augenbrauen hoch, so dass sich seine sonnengebräunte Halbglatze in Falten legte.
»Natürlich.« Mit einer ausladenden Handbewegung zog Murtagh seinen Dolch. »Der Junge ist jetzt Soldat. Soll er es auch genauso machen wie die Soldaten.«
Kincaids unverstelltes Gesicht war arglos und wissbegierig. »Und wie?«
»Oh, ganz einfach. Du nimmst deinen Dolch, hebst dein Plaid und rasierst dir die Hälfte der Haare am Sack ab.« Murtagh hob warnend den Dolch. »Allerdings nur die Hälfte.«
»Die Hälfte? Aber …« Kincaids Miene war skeptisch, doch er hörte genau zu. Ich konnte sehen, wie sich vorfreudiges Grinsen in den Gesichtern der Männer am Feuer breitmachte, aber noch lachte niemand.
»Dann …« Murtagh zeigte auf Sorley und sein Stöckchen. »Dann, Junge, zündest du die andere Hälfte an, und wenn die Biester herausgerannt kommen, spießt du sie mit dem Dolch auf.«
Der Kreis der Männer brach in brüllendes Gelächter aus, und Kincaid wurde so rot, dass man es selbst im schwachen Feuerschein sehen konnte. Einige der Männer taten so, als wollten sie die Feuerkur gegenseitig bei sich ausprobieren und schwenkten brennende Holzstücke. Just als das Gerangel auszuarten drohte und sich eine echte Schlägerei anzubahnen schien, kam Jamie von den Pferden zurück. Er trat in den Kreis und warf Kincaid eine Steingutflasche zu, die er unter dem Arm hatte. Eine weitere ging an Murtagh, und das Gerempel hörte auf.
»Ihr seid alle dumm«, verkündete er. »Die zweitbeste Methode, sich von Läusen zu befreien, ist, sie mit Whisky zu übergießen und sie betrunken zu machen. Wenn sie alle schnarchen, steht man auf, dann fallen sie einfach herunter.«
»Die zweitbeste, ja?«, sagte Ross. »Und was ist die beste, wenn ich fragen darf?«
Jamie ließ den Blick geduldig lächelnd über den Kreis hinwegschweifen wie ein Vater, der sich über die Streiche seiner Kinder amüsiert.