Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Fertig?«, fragte Jamie.
»Fertig.« Ians Stimme war ruhig, doch seine Augen glänzten unter den dünnen Augenbrauen.
Augenblicklich spannten sie die Muskeln an, die der Länge nach auf beiden Armen sichtbar wurden, und sie setzten sich etwas anders hin, um den besten Hebelpunkt zu finden.
Jenny fing meinen Blick auf und verdrehte die Augen. Was auch immer sie von Jamie erwartet hatte, das hier war es nicht.
Beide Männer konzentrierten sich so sehr auf den Knoten aus ringenden Fingern, dass sie nichts anderes wahrnahmen. Beide Gesichter waren rot vor Anstrengung, die Haare an den Schläfen feucht vom Schweiß, und ihre Augen quollen ein wenig vor. Plötzlich gab Jamie die Konzentration auf die ineinandergekrallten Fäuste auf, weil er sah, dass Ian die Lippen fester aufeinanderpresste. Ian spürte die Veränderung, blickte auf, sah Jamie in die Augen … und die beiden Männer brachen in Gelächter aus.
Die Hände verharrten noch einen Moment krampfhaft ineinander verschränkt, dann lösten sie sich voneinander.
»Unentschieden«, sagte Jamie und schob eine schweißnasse Haarsträhne zurück. Er sah Ian gutmütig an und schüttelte den Kopf.
»Also schön, Mann. Wenn ich es dir befehlen könnte, würde ich es nicht tun. Aber fragen kann ich, oder? Wirst du mit mir kommen?«
Ian betupfte sich den Hals an der Stelle, wo ihm ein Schweißrinnsal den Kragen befeuchtete. Sein Blick schweifte durch das Zimmer und ruhte einen Moment auf Jenny. Ihr Gesicht war zwar nicht blasser als sonst, doch ich konnte den hastigen Puls sehen, der just in ihrer Kinnbeuge schlug. Ian sah sie gebannt an, während er sich mit Bedacht den Ärmel wieder hinunterrollte. Ich konnte sehen, wie ihr die tiefe Röte aus dem Halsausschnitt stieg.
Ian rieb sich das Kinn, als überlegte er, dann wandte er sich Jamie zu und schüttelte den Kopf.
»Nein, Mann«, sagte er leise. »Du brauchst mich hier, und hier bleibe ich auch.« Sein Blick ruhte auf Jenny, die Katherine an ihrer Schulter liegen hatte, und auf der kleinen Maggie, die sich mit schmutzigen Händen an den Rock ihrer Mutter klammerte. Und auf mir. Ians breiter Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln. »Ich werde hierbleiben«, wiederholte er. »Und deine schwache Seite schützen, Mann.«
»Jamie?«
»Aye?« Die Antwort kam prompt; ich wusste, dass er noch nicht schlief, obwohl er so still dalag wie eine Marmorfigur auf einem Grab. Es war mondhell im Zimmer, und ich konnte sein Gesicht sehen, als ich mich auf meinen Ellbogen erhob; er blickte nach oben, als könnte er jenseits der schweren Deckenbalken in die offene Nacht und weiter in die Sterne schauen.
»Du hast doch nicht vor zu versuchen, mich zurückzulassen, oder?« Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, das zu fragen, wäre die Szene mit Ian vorhin am Abend nicht gewesen. Denn sobald feststand, dass Ian bleiben würde, hatte sich Jamie mit ihm niedergesetzt, um seine Anordnungen zu treffen – zu wählen, wer gemeinsam mit dem Herrn marschieren würde, um dem Prinzen zur Seite zu stehen, und wer zurückbleiben würde, um sich um Vieh und Feld und den Betrieb von Lallybroch zu kümmern.
Ich wusste, dass es herzzerreißende Entscheidungen gewesen waren, obwohl er sich nichts hatte anmerken lassen und in aller Ruhe mit Ian besprochen hatte, ob man auf Ross, den Schmied, verzichten und er gehen konnte … und beschlossen hatte, dass man es konnte, obwohl die Pflugscharen, die für das Frühjahr gebraucht wurden, bis zum Aufbruch alle in gutem Zustand sein mussten. Ob Joseph Fraser Kirby gehen konnte, und beschlossen hatte, dass er es nicht tun sollte, weil er nicht nur die wichtigste Stütze seiner eigenen Familie war, sondern auch der Familie seiner verwitweten Schwester. Brendan war der älteste Junge in beiden Familien, und mit neun Jahren konnte er seinen Vater wohl kaum ersetzen, sollte Joseph nicht heimkehren.
Es war eine Sache, die genau durchdachter Planung bedurfte. Wie viele Männer sollten gehen, um den Verlauf des Krieges beeinflussen zu können? Denn Jenny hatte recht; Jamie hatte jetzt keine Wahl – keine Wahl, als Charles Stuart siegen zu helfen. Und zu diesem Zweck sollten ihm so viele Männer und Waffen, wie aufzutreiben waren, zur Verfügung stehen.
Doch auf der anderen Seite gab es mich und mein tödliches Wissen – und den Mangel daran. Wir hatten erfolgreich verhindert, dass Charles Stuart Geld zur Finanzierung seiner Rebellion bekam, und doch war der Bonnie Prince ohne Rücksicht, ohne Können, nur mit der Entschlossenheit, Anspruch auf sein Erbe zu erheben, in Glenfinnan gelandet, um die Clans zusammenzutrommeln. Aus einem weiteren Brief von Jared hatten wir erfahren, dass Charles den Kanal und die Irische See mit zwei kleinen Fregatten überquert hatte, die ihm ein gewisser Antoine Walsh zur Verfügung gestellt hatte, der gelegentlich mit Sklaven handelte und einen guten Blick für günstige Gelegenheiten hatte. Anscheinend war Charles’ Unterfangen in seinen Augen weniger riskant als eine Sklavenfahrt, ein Spiel, das sich als lohnend herausstellen konnte oder auch nicht. Eine Fregatte war in einen englischen Hinterhalt geraten, die andere hatte Charles sicher auf die Insel Eriskay gebracht.
Charles war nur mit sieben Begleitern gelandet, darunter der Besitzer einer kleinen Bank namens Aeneas MacDonald. Da er nicht die ganze Expedition finanzieren konnte, hatte MacDonald die Mittel für einen kleinen Vorrat an Breitschwertern zur Verfügung gestellt, die nun Charles’ gesamte Bewaffnung darstellten. Jared klang zugleich bewundernd und entsetzt über die Unbesonnenheit des ganzen Unterfangens; doch als treuer Jakobit, der er nun einmal war, tat er sein Bestes, um seine dunklen Vorahnungen herunterzuschlucken.
Und bis jetzt war Charles erfolgreich gewesen. Durch die Gerüchte, die sich in den Highlands verbreiteten, erfuhren wir, dass er auf Eriskay gelandet war, nach Glenfinnan übergesetzt war und dort allein in Begleitung mehrerer großer Fässer Branntwein abgewartet hatte, ob die Clans dem Ruf zu seiner Standarte folgen würden. Und nach mehreren Stunden, die nervenaufreibend gewesen sein mussten, waren dreihundert Mann des Cameron-Clans über die Engpässe der steilen Hügel gekommen, angeführt nicht von ihrem Häuptling, der nicht zu Hause war – sondern von seiner Schwester Jenny Cameron.
Die Camerons waren die Ersten gewesen, doch wie die Deklaration auf dem Flugblatt zeigte, waren andere dazugestoßen.
Wenn Charles nun allen Mühen zum Trotz der Katastrophe entgegenging, wie viele Männer Lallybrochs konnten dann entbehrt werden, daheim gelassen werden, um wenigstens etwas vor der Vernichtung zu retten?
Ian selbst würde sicher sein; so viel stand fest, und es war Balsam für Jamies Seele. Aber die anderen – die sechzig Familien, die in Lallybroch lebten? Zu wählen, wer gehen und wer bleiben würde, musste je nach Sichtweise so erscheinen, als wählte man aus, wer geopfert werden konnte. Es war nicht das erste Mal, dass ich einen Kommandeur dabei beobachtete; jene Männer, die der Krieg zu solchen Entscheidungen zwang – und ich wusste, was es sie kostete.
Jamie hatte es getan – ihm blieb keine andere Wahl –, doch in zwei Fragen war er standhaft geblieben; es würden keine Frauen seine Truppe begleiten, und es würden keine Jungen gehen, die jünger als achtzehn Jahre waren. Ian hatte ein wenig überrascht darüber ausgesehen – zwar war es normal, dass die meisten Frauen mit kleinen Kindern zurückbleiben würden, doch es war alles andere als ungewöhnlich, dass die Highlandfrauen ihren Männern in den Krieg folgten, um für sie zu kochen und zu sorgen und an ihren Armeerationen teilzuhaben. Und die Jungen, die sich mit vierzehn als Männer betrachteten, würden sich furchtbar gedemütigt fühlen, weil man sie bei der Musterung überging. Doch Jamie hatte seine Anordnungen in einem Ton erteilt, der keine Widerrede duldete, und Ian hatte nach kurzem Zögern nur genickt und sie niedergeschrieben.
Ich hatte ihn nicht in Ians und Jennys Gegenwart fragen wollen, ob sein Frauenbann auch mich mit einbezog. Denn ob es so war oder nicht, ich würde mit ihm gehen, und damit, so dachte ich, basta.