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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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Beim letzten Hieb ließ Jamie den Riemen an seine Seite sinken. Er schwitzte heftig, und das schmutzige Leinen seines Hemds klebte ihm am Rücken fest. Er entließ die McClures mit einem Kopfnicken und wischte sich das feuchte Gesicht am Ärmel ab, während sich einer der beiden bückte, um die Hemden aufzuheben, auf der anderen Seite gestützt von seinem Bruder, dem ebenfalls die Knie zitterten.

Die Männer auf der Lichtung schienen während der Bestrafung sogar das Atmen eingestellt zu haben. Jetzt lief ein Beben durch die Gruppe, als hätten sie gemeinsam erleichtert aufgeatmet.

Jamie betrachtete sie mit leichtem Kopfschütteln. Der Nachtwind hob ihm das Haar vom Scheitel.

»Wir können uns keine Achtlosigkeit erlauben, Männer«, sagte er leise. »Von niemandem.« Er holte tief Luft, und sein Mund verzog sich ironisch. »Und das schließt auch mich mit ein. Es war mein ungeschütztes Feuer, das den Jungen angelockt hat.« Auf seiner Stirn hatte sich frischer Schweiß gebildet, und er wischte sich mit der Hand über das Gesicht und trocknete sie an seinem Kilt ab. Er nickte Murtagh zu, der grimmig abseits der anderen Männer stand, und hielt ihm den Lederriemen hin.

»Wenn Ihr mir den Gefallen tun könntet, Sir?«

Nach kurzem Zögern streckte Murtagh die knorrige Hand aus und ergriff den Riemen. Ein Ausdruck, der Belustigung hätte sein können, flackerte in den glänzenden schwarzen Augen des schmächtigen Schotten auf.

»Mit Vergnügen … Sir.«

Jamie drehte seinen Männern den Rücken zu und begann, sein Hemd zu öffnen. Sein Blick fiel auf mich, die ich reglos zwischen den Bäumen stand, und er zog ironisch fragend die Augenbraue hoch. Wollte ich zusehen? Ich schüttelte hektisch den Kopf, fuhr herum und holperte durch die Bäume davon, um verspätet seinem Rat zu folgen.

Doch ich kehrte nicht in das Zelt zurück. Ich konnte den Gedanken an die drückende Enge nicht ertragen; ich konnte nicht atmen, und ich brauchte Luft.

Diese fand ich gleich hinter dem Zelt auf der Kuppe einer kleinen Anhöhe. Ich kam auf einer schmalen Lichtung stolpernd zum Halten, warf mich der Länge nach zu Boden und legte mir beide Arme über den Kopf. Ich wollte nicht das leiseste Echo dessen hören, was sich hinter mir am Feuer als letzter Akt des Dramas abspielte.

Das borstige Gras unter mir war kalt auf meiner nackten Haut, und ich zog die Schultern hoch, um mich in den Umhang zu wickeln. In diesem Kokon lag ich lautlos da und lauschte dem Hämmern meines Herzens, während ich darauf wartete, dass sich der Tumult in meinem Inneren beruhigte.

Etwas später hörte ich die Männer in kleinen Gruppen zu viert oder fünft vorübergehen und zu ihren Schlafplätzen zurückkehren. In den dichten Stoff gehüllt, konnte ich zwar ihre Worte nicht ausmachen, doch sie klangen kleinlaut und vielleicht ein wenig ehrfürchtig. Einige Zeit verstrich, ehe ich begriff, dass er da war. Er sagte nichts und verhielt sich auch sonst geräuschlos, doch ich wusste plötzlich, dass er in der Nähe war. Als ich mich umdrehte und mich hinsetzte, konnte ich seinen schattenhaften Umriss auf einem Felsen sehen, den Kopf auf die Unterarme gestützt, die er auf den Knien verschränkt hatte.

Hin- und hergerissen zwischen dem Impuls, ihm den Kopf zu streicheln, und dem Drang, ihn mit einem Stein zu zertrümmern, tat ich keins von beidem.

»Geht es dir gut?«, fragte ich nach kurzer Pause, so neutral ich konnte.

»Aye, ich werd’s überleben.« Er richtete sich langsam auf und reckte sich vorsichtig mit einem tiefen Seufzer.

»Tut mir leid um dein Kleid«, sagte er kurz darauf. Ich begriff, dass er meine blanke Haut schwach im Dunklen schimmern sehen konnte, und ich zog abrupt die Ränder meines Umhangs zusammen.

»Oh, um das Kleid?«, sagte ich mehr als nur schwach gereizt.

Er seufzte erneut. »Aye, um alles andere auch.« Er hielt inne, dann sagte er: »Ich dachte, du würdest vielleicht bereit sein, deinen Anstand zu opfern, um zu verhindern, dass ich dem Jungen etwas antun musste, aber unter den Umständen hatte ich keine Zeit, dich um Erlaubnis zu fragen. Wenn ich mich geirrt habe, bitte ich um Verzeihung.«

»Du meinst, du hättest ihn noch weiter gefoltert?«

Er war gereizt und versuchte erst gar nicht, es zu verbergen. »Folter, also wirklich! Ich habe dem Jungen doch kein Haar gekrümmt.«

Ich zog die Falten meines Umhangs fest um mich. »Oh, du meinst also, ein Armbruch und eine Brandmarke sind kein ›gekrümmtes Haar‹?«

»Nein, das meine ich nicht.« Er überquerte die paar Meter Gras, die uns trennten, und packte mich beim Ellbogen, um mich zu sich herumzuziehen. »Hör mir zu. Er hat sich den verflixten Arm selbst gebrochen, als er versucht hat, sich mit Gewalt aus einem unentrinnbaren Griff zu befreien. Er ist so mutig wie der Beste meiner Männer, aber er hat keine Erfahrung im Nahkampf.«

»Und das Messer?«

Jamie prustete. »Ach! Er hat eine kleine rote Stelle unter einem Ohr, die er morgen nach dem Abendessen schon nicht mehr spüren wird. Wahrscheinlich hat es ein bisschen weh getan, aber ich wollte ihm Angst machen und ihn nicht verletzen.«

»Oh.« Ich löste mich von ihm und wandte mich dem dunklen Wald zu, um unser Zelt zu suchen. Seine Stimme folgte mir.

»Ich hätte ihn brechen können, Sassenach. Aber es wäre sehr unschön geworden und hätte vermutlich bleibenden Schaden hinterlassen. Ich würde lieber nicht zu solchen Methoden greifen, wenn ich es nicht muss. Allerdings, Sassenach«, kam seine Stimme warnend aus dem Schatten, »ist es möglich, dass es eines Tages nicht anders geht. Ich musste wissen, wo seine Kameraden waren, wie sie bewaffnet sind und all das. Mit Angst war er nicht dazu zu bewegen; ich musste ihn entweder überlisten oder ihn brechen.«

»Er hat doch gesagt, nichts, was du ihm antust, könnte ihn zum Reden bringen.«

Jamies Stimme klang erschöpft. »Himmel, Sassenach, natürlich hätte ich das gekonnt. Man kann jeden Menschen brechen, wenn man bereit ist, ihn genug zu quälen. Das weiß ich wohl am besten.«

»Ja«, sagte ich leise. »Da hast du vermutlich recht.«

Eine Weile bewegte sich keiner von uns, und wir sagten kein Wort. Ich konnte das Gemurmel der Männer hören, die sich allmählich zum Schlafen niederlegten, und hin und wieder stampften Stiefel auf den festen Boden, und Blätter wurden raschelnd zu einer Barriere gegen die Herbstkälte aufgehäuft. Meine Augen hatten sich jetzt so weit an die Dunkelheit gewöhnt, dass ich den Umriss unseres Zeltes erkennen konnte, das etwa zehn Meter entfernt im Schutz einer großen Lärche stand. Auch Jamie konnte ich sehen, eine schwarze Gestalt vor dem helleren Hintergrund der Nacht.

»Also schön«, sagte ich schließlich. »Also schön. Wenn ich wählen soll zwischen dem, was du getan hast, und dem, was du hättest tun können … ja, gut.«

»Danke.« Ich konnte nicht sehen, ob er lächelte, doch es hörte sich so an.

»Du bist ein verdammt großes Risiko eingegangen«, sagte ich. »Was hättest du denn getan, wenn ich dir keine Entschuldigung dafür geliefert hätte, ihn nicht umzubringen?«

Seine kräftige Gestalt bewegte sich achselzuckend, und aus dem Dunklen gluckste es leise.

»Ich weiß es nicht, Sassenach. Ich bin davon ausgegangen, dass du dir schon etwas einfallen lässt. Wenn nicht – nun ja, dann hätte ich den Jungen wohl erschießen müssen. Konnte ihn ja nicht enttäuschen, indem ich ihn einfach gehen lasse, oder?«

»Du verflixter schottischer Mistkerl«, sagte ich ohne Erregung.

Er stieß einen tiefen, ungeduldigen Seufzer aus. »Sassenach, seit dem Abendessen – das ich nicht beenden konnte – bin ich angestochen, gebissen, geohrfeigt und ausgepeitscht worden. Ich gebe nicht gern den Kinderschreck, und ich peitsche nicht gerne Männer aus, aber ich musste beides tun. Ich habe drei Meilen von hier ein Lager mit zweihundert Engländern und keine Ahnung, was ich diesbezüglich tun soll. Ich bin müde, ich habe Hunger, und mir tut alles weh. Wenn du auch nur über einen Hauch von weiblichem Mitgefühl verfügst, könnte ich ein bisschen davon brauchen.«

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