Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Jamie!«, schrie ich.
Erneut ließ er die Pistole sinken und wandte sich mit einem Ausdruck übertriebener Geduld zu mir um. »Ja?«
Ich holte tief Luft, um zu verhindern, dass meine Stimme vor Wut zitterte. Ich konnte nur raten, was er im Schilde führte, und hoffte, dass ich das Richtige tat. Richtig oder nicht, wenn das hier vorbei war … Ich würgte eine außerordentlich zufriedenstellende Vision ab, in der sich Jamie am Boden wand, während mein Fuß auf seinem Adamsapfel stand, und konzentrierte mich stattdessen auf meine gegenwärtige Rolle.
»Du hast doch überhaupt keinen Beweis dafür, dass er ein Spion ist«, sagte ich. »Er sagt, er ist zufällig auf dich gestoßen. Wer würde denn nicht neugierig werden, wenn er ein Feuer im Wald sähe?«
Jamie folgte meiner Argumentation kopfnickend. »Aye, und was ist mit versuchtem Mord? Spion oder nicht, er hat versucht, mich umzubringen, das gibt er ja selber zu.« Vorsichtig befingerte er den roten Kratzer an seinem Hals.
»Natürlich hat er das«, sagte ich aufgebracht. »Er sagt, er wusste, dass du vogelfrei bist. Sie haben ein verdammtes Kopfgeld auf dich ausgesetzt, zum Kuckuck!«
Jamie rieb sich skeptisch das Kinn, ehe er sich schließlich an den Gefangenen wandte. »Nun, das ist ein Argument«, sagte er. »William Grey, Eure Advokatin verteidigt Euch gut. Weder Seine Hoheit Prinz Charles noch ich selbst exekutieren in der Regel ungesetzmäßig Menschen, auch wenn es Feinde sind.« Mit einer Handbewegung rief er Kincaid herbei.
»Kincaid, du und Ross, geht mit diesem Mann in die Richtung, von der er behauptet, dass sich sein Lager dort befindet. Falls sich die Information, die er uns gegeben hat, als zutreffend herausstellt, bindet ihn eine Meile vom Lager entfernt in Marschrichtung an einen Baum. Seine Freunde werden ihn morgen dort finden. Wenn das, was er uns gesagt hat, nicht zutrifft«, er hielt inne und betrachtete den Gefangenen kalt, »schneidet ihm die Kehle durch.«
Er sah dem Jungen ins Gesicht und sagte ohne jeden Hauch von Spott: »Ich schenke Euch Euer Leben. Ich hoffe, Ihr werdet es weise nutzen.«
Er trat hinter mich und löste mir die Handfessel. Als ich wütend herumfuhr, wies er auf den Jungen, der sich abrupt unter der Eiche auf den Boden gesetzt hatte. »Vielleicht wärst du so gut, dich um den Arm des Jungen zu kümmern, ehe er geht?« Die gespielte finstere Miene war aus seinem Gesicht verschwunden und hatte es so ausdruckslos wie eine Wand zurückgelassen. Er hielt die Augenlider gesenkt, so dass ich ihn nicht direkt ansehen konnte.
Ohne ein Wort ging ich zu dem Jungen und sank neben ihm auf die Knie. Er machte einen benommenen Eindruck und widersetzte sich weder meiner Untersuchung noch der folgenden Behandlung, obwohl jede Berührung schmerzhaft sein musste.
Das zerrissene Mieder rutschte mir immer wieder von den Schultern, und ich schimpfte leise vor mich hin, während ich die eine oder andere Seite zum dutzendsten Mal wieder hochschob. Die Knochen des Jungen waren leicht und kantig und kaum dicker als die meinen. Ich schiente den Arm und verband ihn mit Hilfe meines Halstuchs. »Es ist ein sauberer Bruch«, sagte ich in neutralem Ton zu ihm. »Versucht, ihn mindestens zwei Wochen stillzuhalten.« Er nickte, ohne mich anzusehen.
Jamie hatte wortlos auf einem Baumstamm gesessen und meiner Behandlung zugesehen. Heftig atmend ging ich auf ihn zu und ohrfeigte ihn, so fest ich konnte. Der Schlag hinterließ einen weißen Fleck auf seiner Wange und trieb ihm die Tränen in die Augen, doch er bewegte sich weder, noch verzog er eine Miene.
Kincaid zog den Jungen hoch, legte ihm die Hand in den Rücken und schob ihn zum Rand der Lichtung. Am Rand der Dunkelheit blieb Grey stehen und wandte sich zurück. Ohne mich anzusehen, sprach er allein Jamie an.
»Ich schulde Euch mein Leben«, sagte er förmlich. »Ich würde es vorziehen, wenn es nicht so wäre, doch da Ihr mir dieses Geschenk aufgezwungen habt, muss ich es als Ehrenschuld betrachten. Ich hoffe, dass ich diese Schuld irgendwann einlösen kann, und wenn sie eingelöst ist …«, die Stimme des Jungen bebte sacht vor unterdrücktem Hass und verlor jetzt in der unverhüllten Aufrichtigkeit seiner Gefühle jede Formalität, »dann bringe ich Euch um.«
Jamie erhob sich von dem Baumstamm zu voller Größe. Sein Gesicht war ruhig und frei von jeder Belustigung. Ernst neigte er den Kopf in Richtung seines Gefangenen. »In diesem Fall, Sir, muss ich hoffen, dass wir uns nicht noch einmal begegnen.«
Auch der Junge richtete sich auf und erwiderte die Verneigung steif. »Ein Grey vergisst seine Verpflichtungen nicht, Sir«, sagte er und verschwand an Kincaids Seite in der Dunkelheit.
Es folgte eine diskrete Zeitspanne atemlosen Wartens, während sich die im Laub raschelnden Schritte im Dunklen entfernten. Dann begann das Gelächter, erst als leises Zischen in den Nasenlöchern eines Mannes, dann als zögerliches Glucksen eines anderen. Es war zwar nicht hemmungslos, doch es wurde immer lauter, als es im Kreis der Männer reihum ging.
Jamie trat einen Schritt in den Kreis und sah seine Männer an. Das Lachen verstummte abrupt. Er blickte auf mich hinunter und sagte knapp: »Geh ins Zelt.«
Durch meine Miene gewarnt, packte er mein Handgelenk, ehe ich die Hand heben konnte.
»Wenn du vorhast, mich noch einmal zu ohrfeigen, lass mich wenigstens die andere Wange hinhalten«, sagte er trocken. »Außerdem kann ich dir die Mühe, glaube ich, ersparen. Aber ich rate dir auf jeden Fall, ins Zelt zu gehen.«
Er ließ meine Hand los, schritt an den Rand des Feuers und ließ die verstreuten Männer mit einer entschiedenen Kopfbewegung vor sich Aufstellung nehmen. Ihre widerstrebenden, halb argwöhnischen Gesichter blickten ihm mit großen Augen entgegen, deren Höhlen mit Dunkelheit gefüllt waren.
Ich verstand nicht alles, was er sagte, da er eine seltsame Mischung aus Gälisch und Englisch sprach, doch ich bekam immerhin mit, dass er sich in leisem, gemessenem Ton, der seine Zuhörer zu versteinern schien, nach den diensthabenden Wachen des Abends erkundigte.
Flüchtige Blicke machten die Runde, und die Männer, die sich angesichts der drohenden Gefahr noch dichter umeinander zu drängen schienen, traten beklommen auf der Stelle. Doch dann teilten sich die geschlossenen Ränge, und zwei Männer traten vor, blickten – kurz – auf und hastig wieder zu Boden, um Seite an Seite mit gesenkten Köpfen außerhalb des Schutzes ihrer Kameraden stehen zu bleiben.
Es waren die McClure-Brüder, George und Sorley. Sie waren beide etwa Mitte dreißig und standen nun mit hängenden Schultern nebeneinander, während die Finger ihrer rauhen Hände zuckten, als hätten sie sich am liebsten an den Händen genommen, um sich vor dem heraufziehenden Sturm zu schützen.
Es folgte eine kurze, wortlose Pause, während Jamie die beiden nachlässigen Wachtposten betrachtete. Dann fünf unangenehme Minuten, in deren Verlauf er seinen leisen, gemessenen Ton nicht ein einziges Mal änderte. Aus der Gruppe der Männer kam kein Ton, und die McClures, beide kräftige Männer, schienen unter dem Druck zu schrumpfen. Ich wischte mir die verschwitzten Handflächen an meinem Rock ab und war froh, dass ich nicht alles verstand, während ich zu bedauern begann, dass ich Jamies Anordnung, ins Zelt zurückzukehren, nicht befolgt hatte.
Im nächsten Moment bedauerte ich das noch mehr, als sich Jamie nämlich an Murtagh wandte, der den Befehl bereits erwartete und mit einem vielleicht sechzig Zentimeter langen Lederriemen bereitstand. An seinem Ende befand sich ein Knoten, der einen simplen Griff darstellte.
»Zieht eure Hemden aus und stellt euch vor mich, alle beide.« Die McClures setzten sich unverzüglich in Bewegung, und ihre dicken Finger kämpften mit den Verschlüssen ihrer Hemden, als könnten sie es gar nicht abwarten zu gehorchen, erleichtert, dass das Vorgeplänkel vorüber war und die Bestrafung nahte.
Ich dachte, ich würde mich vielleicht übergeben, obwohl die Strafe anscheinend relativ leicht war. Auf der Lichtung war nichts zu hören außer dem Klatschen des Riemens und dem gelegentlichen Aufkeuchen oder Stöhnen der Ausgepeitschten.