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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Dich zurücklassen?«, sagte er jetzt, und ich sah, wie sich sein Mund zu einem schiefen Grinsen verzog. »Meinst du denn, ich hätte eine Chance?«

»Nein«, sagte ich und schmiegte mich in plötzlicher Erleichterung an ihn. »Die hättest du nicht. Aber ich dachte, du würdest vielleicht darüber nachdenken.«

Er prustete leise und zog meinen Kopf auf seine Schulter. »Oh, aye. Und wenn ich glauben würde, dass ich dich hierlassen könnte, würde ich dich ans Treppengeländer ketten; sonst würde dich ja wohl kaum etwas aufhalten.« Ich konnte spüren, wie er über mir den Kopf schüttelte. »Nein, ich muss dich mitnehmen, Sassenach, ob ich will oder nicht. Es könnte unterwegs Dinge geben, die du weißt – selbst wenn sie jetzt nicht von Bedeutung zu sein scheinen, ändert sich das vielleicht später. Und du bist eine Heilerin, wie es sie nur selten gibt, Sassenach – ich kann den Männern dein Können nicht vorenthalten, wenn es gebraucht wird.«

Seine Hand tätschelte meine Schulter, und er seufzte. »Ich würde alles geben, a nighean donn, wenn ich dich hier in Sicherheit lassen könnte, aber das kann ich nicht. Also wirst du mit mir gehen – du und Fergus.«

»Fergus?« Das überraschte mich. »Aber ich dachte, du würdest keine Kinder mitnehmen!«

Er seufzte erneut, und ich legte meine flache Hand auf die Mitte seiner Brust, wo sein Herz langsam und gleichmäßig unter der kleinen Vertiefung schlug.

»Nun, mit Fergus ist es etwas anders. Die anderen Jungen – ich werde sie nicht mitnehmen, weil sie hierhergehören; wenn alles ein schlimmes Ende nimmt, werden sie noch hier sein und dafür sorgen, dass ihre Familien nicht verhungern, die Felder bestellen und für die Tiere sorgen. Sie werden vermutlich schnell erwachsen werden müssen, falls es geschieht, doch wenigstens können sie es hier tun. Aber Fergus … das ist nicht sein Zuhause, Sassenach. Frankreich ist es allerdings ebenso wenig, sonst würde ich ihn zurückschicken. Aber dort gibt es auch keinen Platz für ihn.«

»Sein Platz ist bei dir«, sagte ich leise, denn ich verstand. »Genau wie der meine.«

Lange Zeit schwieg er, dann drückte seine Hand mich sacht.

»Aye, so ist es«, sagte er leise. »Schlaf jetzt, a nighean donn, es ist spät.«

Das jammernde Quengeln holte mich zum dritten Mal aus dem Schlaf. Die kleine Katherine zahnte, und wenn es nach ihr ging, konnten das gern alle mitbekommen. Aus ihrem Zimmer ein Stück weiter den Flur entlang hörte ich Ians schläfriges Murmeln, dann Jennys höhere Stimme, resigniert, als sie aufstand, um das Kind zu trösten.

Dann hörte ich die vorsichtigen, schweren Schritte im Flur und begriff, dass Jamie, der immer noch nicht schlief, barfuß im Haus unterwegs war.

»Jenny?« Seine Stimme, leise, um niemanden zu stören, war in der ächzenden Stille des Gutshauses dennoch deutlich zu hören.

»Ich habe die Kleine weinen gehört«, sagte er. »Wenn sie nicht schlafen kann … ich kann es auch nicht, aber du kannst es. Wenn sie gefüttert und gewickelt ist, können wir uns vielleicht gegenseitig ein bisschen Gesellschaft leisten, und du kannst wieder ins Bett gehen.«

Jenny unterdrückte ein Gähnen, und ich konnte das Lächeln in ihrer Stimme hören.

»Jamie, mein Lieber, du bist ein Segen für eine Mutter. Aye, sie ist satt, und ich habe sie gerade gewickelt. Nimm sie nur, ich wünsche euch viel Freude miteinander.« Eine Tür schloss sich, und wieder hörte ich die schweren Schritte, die jetzt auf unser Zimmer zukamen, und Jamies leise Stimme, die beruhigend auf das Baby einmurmelte.

Ich kuschelte mich tiefer in das gemütliche Gänsefederbett und wandte mich wieder zum Schlafen, während ich mit halbem Ohr das Baby weinen hörte, unterbrochen von japsenden Schluchzern, und Jamies tiefes, tonloses Summen, ein tröstender Klang, der an Bienenstöcke in der Sonne erinnerte.

»Hm, kleine Kitty, ciamar a tha thu? Ist, mo naoidheachan, ist

Die Geräusche bewegten sich im Flur auf und ab, und ich sank weiter dem Schlaf entgegen, hielt mich aber halb wach, um sie zu hören. Vielleicht würde er eines Tages sein eigenes Kind so halten, das kleine runde Köpfchen in seinen großen Händen wiegen, den kleinen festen Körper an seine Schulter gedrückt. Und so für seine eigene Tochter singen, ein tonloses Lied, ein warmer, sanfter Gesang in der Dunkelheit.

Der ständige leise Schmerz in meinem Herzen ging in einer Flut aus Zärtlichkeit unter. Ich hatte einmal ein Kind empfangen; ich konnte es wieder tun. Dieses Wissen hatte mir Faith geschenkt, Jamie den Mut und die Mittel, es zu benutzen. Meine Hände ruhten leicht auf meinen Brüsten, umfassten ihre tiefe Rundung, und ich wusste über jeden Zweifel erhaben, dass sie eines Tages das Kind meines Herzens nähren würden. Ich sank in den Schlaf, den Klang von Jamies Gesang in den Ohren.

Etwas später trieb ich wieder an die Oberfläche. Als ich die Augen öffnete, war das Zimmer von Licht erfüllt. Der Mond war aufgegangen, voll und leuchtend, und alles im Zimmer war deutlich zu sehen, wenn auch auf jene flache, zweidimensionale Weise, in der die Dinge erscheinen, wenn man sie ohne Schatten sieht.

Das Baby war verstummt, doch ich konnte Jamies Stimme im Flur hören. Er sprach immer noch, doch sehr viel leiser, kaum mehr als ein Murmeln. Auch sein Tonfall hatte sich verändert; es war nicht die rhythmische Art, mit der man einem Baby halben Unsinn erzählt, sondern die gebrochenen, stockenden Worte eines Mannes, der den Weg durch die Wildnis seines eigenen Herzens sucht.

Neugierig schlüpfte ich aus dem Bett und schlich mich leise zur Tür. Ich konnte sie sehen, am Ende des Flurs. Jamie saß an die Seite der Fensterbank gelehnt. Er war nur im Hemd und hatte die nackten Beine hochgezogen, so dass sie eine Rückenlehne für die kleine Katherine Mary bildeten, die ihm auf seinem Schoß gegenübersaß und ihn mit ihren pummeligen Beinchen unablässig in den Bauch trat.

Das Gesicht des Babys war ausdruckslos und hell wie das des Mondes, ihre Augen dunkle Bassins, die seine Worte absorbierten. Mit einem Finger zeichnete er die Rundung ihrer Wange nach, wieder und wieder, und sein Flüstern war so zärtlich, dass es mir das Herz brach.

Er sprach Gälisch, und das so leise, dass ich nicht hätte hören können, was er sagte, selbst wenn ich es verstanden hätte. Doch die flüsternde Stimme war belegt, und das Mondlicht aus dem Fenster hinter ihm fiel auf die Spuren der Tränen, die auch ihm unbeachtet über die Wangen liefen.

Es war eine Szene, die keine Störung duldete. Ich kehrte in das noch warme Bett zurück, in meinem Kopf das Bild des Herrn von Lallybroch, wie er halbnackt im Mondlicht einer unbekannten Zukunft sein Herz ausschüttete und das Versprechen seines Blutes auf dem Schoß wiegte.

Als ich am Morgen erwachte, hatte ich einen warmen, unvertrauten Duft neben mir, und etwas war in meinem Haar verknotet. Als ich die Augen öffnete, sah ich Katherine Marys schmatzende Rosenknospenlippen dicht vor meiner Nase, und ihre fetten Fingerchen klammerten sich über meinem linken Ohr an meine Haare. Ich befreite mich vorsichtig, und sie bewegte sich, drehte sich aber auf den Bauch, zog die Knie hoch und schlief weiter.

Jamie lag auf der anderen Seite des Kindes, das Gesicht halb in seinem Kissen vergraben. Er öffnete ein Auge, klar und blau wie der Morgenhimmel.

»Guten Morgen, Sassenach«, sagte er. Er sprach leise, um die kleine Schläferin nicht zu stören. Ich setzte mich im Bett hin, und er lächelte mich an. »Es hat sehr süß ausgesehen, wie ihr beide da so Nase an Nase geschlafen habt.«

Ich fuhr mir mit der Hand durch das verworrene Haar und lächelte meinerseits über Kittys Hintern, der so absurd in die Luft zeigte.

»Das sieht gar nicht bequem aus«, stellte ich fest. »Aber sie schläft noch, also kann es auch nicht so schlimm sein. Wie lange bist du letzte Nacht mit ihr noch auf gewesen? Ich habe nicht gehört, wie du ins Bett gekommen bist.«

Er gähnte und fuhr sich mit der Hand durch das Haar, um es aus seinem Gesicht zu streichen. Er hatte zwar Schatten unter den Augen, doch er schien friedvoll und gelassen zu sein.

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