Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye, nun ja, du weißt es also«, sagte er. »Und trotzdem willst du, dass ich ihn mitnehme?«
»Ja.« Sie putzte sich die Nase und wischte sie energisch ab, dann steckte sie sich das Taschentuch in die Tasche.
»Er weiß genau, dass er ein Krüppel ist, Jamie. Weiß es viel zu genau. Aber mit dir käme er zurecht. Es gibt ein Pferd für ihn; er müsste ja nicht gehen.«
Er winkte ungeduldig an.
»Ob er zurechtkäme, ist nicht die Frage, oder? Ein Mann kann tun, was er tun zu müssen glaubt – warum glaubst du, dass er es muss?«
Jetzt wieder gefasst, fischte sie das Werkzeug aus der Maische und schüttelte es. Braune Tropfen spritzten in das Fass.
»Er hat dich nicht gefragt, oder? Ob du ihn brauchst oder nicht?«
»Nein.«
Sie stieß den Stampfer wieder in das Fass und setzte ihre Arbeit fort.
»Er glaubt, du wirst ihn nicht wollen, weil er lahm ist, und dass er dir nichts nützen würde.« Jetzt blickte sie auf, und ihre sorgenvollen dunkelblauen Augen waren ein Spiegelbild der Augen ihres Bruders. »Du hast Ian doch vorher gekannt, Jamie. Er ist jetzt anders.«
Er nickte zögernd und setzte sich wieder auf den Eimer.
»Aye. Nun ja, aber das war doch zu erwarten, oder? Und es scheint ihm gutzugehen.« Er blickte seine Schwester an und lächelte.
»Er ist glücklich bei dir, Jenny. Bei dir und den Kindern.«
Sie nickte, und ihre schwarzen Locken hüpften auf und ab.
»Aye, das ist er«, sagte sie leise. »Aber nur, weil er für mich ein ganzer Mann ist und es auch immer sein wird.« Sie sah ihren Bruder direkt an. »Aber wenn er glaubt, dass er dir nichts nützt, wird er für sich selbst kein ganzer Mann sein. Und das ist der Grund, warum ich will, dass du ihn mitnimmst.«
Jamie verschränkte die Hände ineinander, stützte die Ellbogen auf die Knie und legte das Kinn auf seine Fingerknöchel auf.
»Das hier wird anders als Frankreich«, sagte er leise. »Dort hat man im Kampf nicht mehr riskiert als das eigene Leben. Hier …« Er zögerte, dann fuhr er fort: »Jenny, das hier ist Hochverrat. Wenn es misslingt, werden die, die den Stuarts folgen, vermutlich auf dem Schafott enden.«
Ihre ohnehin bleiche Gesichtsfarbe wurde noch weißer, doch ihre Bewegungen behielten ihr Tempo bei.
»Für mich gibt es keine Wahl«, fuhr er fort und sah sie unverwandt an. »Aber willst du uns beide aufs Spiel setzen? Willst du, dass Ian vom Galgen aus auf das Feuer blickt, das auf seine Gedärme wartet? Du würdest es riskieren, deine Kinder ohne ihren Vater aufzuziehen – um seinen Stolz zu retten?« Sein Gesicht war fast genauso bleich wie das ihre und schimmerte im Zwielicht des Brauhauses.
Der Stampfer kreiste jetzt langsamer ohne die Wut, die ihre Bewegungen anfangs getrieben hatte, doch ihre Stimme war so unbeirrbar wie ihr langsames Rühren.
»Ich will einen ganzen Mann«, sagte sie ruhig. »Oder keinen.«
Einen langen Moment saß Jamie reglos da und beobachtete den dunklen, über die Arbeit gebeugten Kopf seiner Schwester.
»Also schön«, sagte er schließlich leise. Sie blickte weder auf, noch änderte sie ihren Rhythmus, aber das weiße Häubchen schien sich sacht in seine Richtung zu neigen.
Er seufzte explosionsartig, dann erhob er sich und wandte sich abrupt zu mir um.
»Nichts wie ins Freie, Sassenach«, sagte er. »Himmel, ich muss betrunken sein.«
»Wie kommst du darauf, dass du mich herumkommandieren kannst?« Die Ader in Ians Schläfe pochte heftig. Jennys Hand legte sich fester um die meine.
Jamies Ankündigung, dass Ian ihn begleiten und sich mit ihm der Armee der Stuarts anschließen würde, war zunächst auf Unglauben gestoßen, dann auf Argwohn und – als Jamie nicht nachgab – auf Wut.
»Du bist ein Narr«, erklärte Ian geradeheraus. »Ich bin ein Krüppel, das weißt du ganz genau.«
»Ich weiß, dass du ein guter Kämpfer bist, und es gibt keinen, den ich in der Schlacht lieber an meiner Seite hätte«, sagte Jamie entschlossen. Seinem Gesicht waren weder Zweifel noch Zögern anzusehen; er hatte Jennys Bitte zugestimmt und würde sie unter allen Umständen ausführen. »Du hast oft genug dort gekämpft; willst du mich jetzt im Stich lassen?«
Ian tat Jamies Schmeichelei mit einer ungeduldigen Handbewegung ab. »Wie auch immer. Wenn ich das Bein verliere oder es umknickt, werde ich herzlich wenig zu kämpfen haben – ich werde auf dem Boden liegen wie ein Wurm und darauf warten, dass mich der erste Rotrock, der des Weges kommt, aufspießt. Außerdem«, sagte er mit einem finsteren Blick auf seinen Schwager, »was glaubst du denn, wer sich um den Hof kümmern wird, bis du zurückkommst, wenn ich mit dir in den Krieg ziehe?«
»Jenny«, erwiderte Jamie prompt. »Ich werde genug Männer hierlassen, dass die Arbeit getan wird; sie kann sich um die Bücher kümmern.«
Ians Augenbrauen fuhren in die Höhe, und er sagte etwas sehr Unflätiges auf Gälisch.
»Pòg mo thòn! Du willst, dass ich sie hier allein lasse, mit drei kleinen Kindern am Schürzenband und halb so vielen Männern, wie sie braucht? Mann, du hast den Verstand verloren!« Ian warf beide Hände in die Luft und fuhr zur Anrichte herum, wo der Whisky aufbewahrt wurde.
Jenny, die mit Katherine auf dem Schoß neben mir auf dem Sofa saß, stieß einen unterdrückten Laut aus. Ihre Hand suchte unter unseren Röcken verborgen erneut nach der meinen, und ich drückte ihre Finger.
»Wie kommst du darauf, dass du mich herumkommandieren kannst?«
Jamie betrachtete den angespannten Rücken seines Schwagers einen Moment mit finsterer Miene. Plötzlich zuckte ein Muskel in seinem Mundwinkel.
»Weil ich größer bin als du«, sagte er kampflustig und immer noch finster.
Ian fuhr herum und baute sich vor ihm auf, und der Unglaube war ihm ins Gesicht geschrieben. Es dauerte weniger als eine Sekunde, bis die Unentschlossenheit in seinem Blick wieder verflogen war. Er richtete sich auf und hob das Kinn.
»Ich bin älter als du«, sagte er mit demselben finsteren Blick.
»Ich bin stärker.«
»Nein, das bist du nicht!«
»Aye, das bin ich!«
»Nein, ich!«
Das Gelächter in ihren Stimmen hatte einen todernsten Unterton; man hätte diese kleine Konfrontation zwar für einen Spaß halten können, doch sie waren so unerbittlich aufeinander konzentriert, wie nur sie es von Kindesbeinen auf kannten, und in Jamies Stimme hallte die Herausforderung wider, als er mit einem Ruck seine Manschette öffnete und seinen Hemdsärmel zurückriss.
»Beweise es«, sagte er. Mit einer achtlosen Handbewegung räumte er den Schachtisch frei, setzte sich und stützte den Ellbogen auf die Intarsien der Oberfläche, die Finger zum Angriff gekrümmt. Tiefblau funkelte er in Ians dunkelbraune Augen hinauf, in denen dieselbe Wut brannte.
Ian benötigte eine halbe Sekunde, um die Lage einzuschätzen, dann nahm er an, indem er so ruckartig nickte, dass ihm der schwere dunkle Haarschopf in die Augen schlug.
In aller Seelenruhe strich er sich das Haar zurück, öffnete seine Manschette und rollte den Ärmel bis zur Schulter auf, alles, ohne den Blick ein einziges Mal von seinem Schwager abzuwenden.
Von der Couch aus konnte ich Ians Gesicht sehen, ein wenig gerötet unter seiner Sonnenbräune, das lange, schmale Kinn entschlossen angespannt. Jamies Gesicht konnte ich nicht sehen, doch auch ihm sprach Entschlossenheit aus der Haltung seines Rückens und seiner Schultern.
Die beiden Männer positionierten sorgfältig ihre Ellbogen, suchten nach einer guten Stelle und rieben mit den Ellbogenspitzen hin und her, um sicherzugehen, dass die Oberfläche nicht rutschig war.
Jamie spreizte feierlich die Finger und wandte Ian die Handfläche zu. Vorsichtig legte Ian seinerseits die Handfläche dagegen. Die perfekt passenden Finger berührten einander einen Moment lang wie ein Spiegelbild, dann verschoben sie sich, so dass sie sich abwechselnd ineinander verschränkten.