Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Fuß des Blattes war mit den Namen der schottischen Clanführer unterzeichnet, die vor aller Welt ihre Loyalität deklarierten und ihr Leben und ihren Ruf für Charles Stuarts Erfolg aufs Spiel setzten. Clanranald war dort und Glengarry. Stewart of Appin, Alexander MacDonald von Keppoch, Angus MacDonald von Scotus.
Und ganz unten auf der Liste stand »James Alexander Malcolm MacKenzie Fraser von Broch Tuarach«.
»Ach, du großer Gott«, flüsterte ich und wünschte, ich könnte etwas Kräftigeres sagen, um mir Erleichterung zu verschaffen. »Der Mistkerl hat deinen Namen daruntergesetzt!«
Jamie war zwar immer noch bleich und angespannt, doch allmählich fand er die Fassung wieder.
»Aye, das hat er«, sagte er knapp. Seine Hand griff mit einem Ruck nach dem ungeöffneten Brief, der noch auf dem Tisch lag – schweres Pergament, auf dessen Wachssiegel das Stuart-Wappen prangte. Jamie öffnete den Brief so ungeduldig, dass das Papier riss. Er las ihn rasch, dann ließ er ihn auf den Tisch fallen, als hätte er sich die Finger verbrannt.
»Eine Entschuldigung«, sagte er heiser. »Weil er keine Zeit hatte, mir das Dokument zu senden, damit ich es persönlich unterzeichnen konnte. Und seine Dankbarkeit für meine Treue und Unterstützung. Himmel, Claire! Was mache ich nur?«
Seine Worte kamen aus tiefster Seele, und ich hatte keine Antwort darauf. Ich sah hilflos zu, wie er auf einen Hocker sank und erstarrt in das Feuer blickte.
Jenny, die das Drama reglos beobachtet hatte, trat jetzt an den Tisch, um die Briefe und das Flugblatt zu ergreifen. Ihre Lippen bewegten sich leicht, während sie alles sorgfältig durchlas, dann legte sie die Papiere sanft auf die polierte Tischplatte. Sie warf noch einen stirnrunzelnden Blick darauf, dann ging sie zu ihrem Bruder und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
»Jamie«, sagte sie. Ihr Gesicht war sehr bleich. »Es gibt nur eines, was du tun kannst, mein Herz. Du musst gehen und für Charles Stuart kämpfen. Du musst ihm helfen zu gewinnen.«
Die Wahrheit ihrer Worte drang langsam durch die Schichten des Schocks, der mich umhüllte. Die Veröffentlichung dieser Erklärung brandmarkte die Unterzeichner als Rebellen und als Verräter an der englischen Krone. Es spielte keine Rolle mehr, wie Charles es geschafft hatte oder woher er die Mittel hatte; er war wahrhaft in die See der Rebellion gestochen, und Jamie – und ich – waren dabei, ob wir wollten oder nicht. Es gab, wie Jenny gesagt hatte, keinen Ausweg.
Mein Blick fiel auf Charles’ Brief, der dort lag, wohin er gefallen war. »… Auch wenn es viele gibt, die mir sagen, dass es töricht von mir ist, dies Wirk ohne Hilfe von Louis zu beginnen – oder zumindest seiner Banken! –, so denke ich nicht daran zurückzukehren, woher ich gekommen bin«, stand dort. »Freu dich mit mir, mein lihber Frend, denn ich bin Heim Gekehrt.«
Kapitel 35
Mondlicht
Als dann die Vorbereitungen für den Aufbruch ihren Lauf nahmen, durchliefen Erregung und Spekulation das ganze Anwesen wie eine Strömung. Waffen, die seit dem Aufstand von ’15 verstaut gewesen waren, wurden vom Dachboden, dem Heuschober oder aus dem Kamin geholt und poliert und geschärft. Männer, die sich im Vorübergehen begegneten, blieben in ernsten Gruppen stehen, um unter der heißen Augustsonne die Köpfe zum Reden zusammenzustecken. Und die Frauen, die sie beobachteten, wurden still.
Jenny teilte Jamies Fähigkeit zur Undurchschaubarkeit, dazu, sich nicht die Spur davon anmerken zu lassen, was sie dachte. Da ich selbst so transparent wie eine Glasscheibe war, beneidete ich sie sehr um dieses Talent. Als sie mich also eines Morgens bat, Jamie zu ihr ins Brauhaus zu holen, hatte ich keine Ahnung, was sie von ihm wollen könnte.
Jamie trat hinter mir ein und blieb just innerhalb der Tür stehen, um zu warten, bis sich seine Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten. Er holte tief Luft, und es war unübersehbar, wie sehr er den bitteren, feuchten, durchdringenden Duft genoss.
»Ahh«, sagte er und seufzte verträumt. »Ich könnte hier betrunken werden, indem ich einfach nur atme.«
»Nun, dann halt einen Moment die Luft an, denn ich brauche dich nüchtern«, riet ihm seine Schwester.
Gehorsam sog er sich die Lungen voll und blies seine Wangen auf, dann wartete er. Jenny stieß ihm energisch den Griff ihres Stampfers in den Bauch, und er klappte vornüber und atmete explosionsartig aus.
»Clown«, sagte sie ohne Groll. »Ich wollte mit dir über Ian reden.«
Jamie nahm einen leeren Eimer aus dem Regal, drehte ihn um und setzte sich darauf. Ein schwaches Leuchten aus dem Ölpapierfenster über ihm tauchte sein Haar in tiefen Kupferglanz.
»Was ist mit Ian?«, fragte er.
Jetzt war es an Jenny, tief Luft zu holen. Das große Kleiefass vor ihr strömte die feuchte Wärme der Fermentation aus, angefüllt mit dem Hefearoma von Getreide, Hopfen und Alkohol.
»Ich möchte, dass du Ian mitnimmst, wenn du gehst.«
Jamies Augenbrauen fuhren in die Höhe, doch er sagte nicht sofort etwas. Jennys Blick war auf die Bewegungen des Stampfers gerichtet und beobachtete das glatte Kreisen der Maische. Er sah sie nachdenklich an und ließ die kräftigen Hände lose zwischen seinen Oberschenkeln hängen.
»Du hast wohl das Eheleben satt, wie?«, fragte er im Konversationston. »Vermutlich wäre es einfacher, wenn ich ihn schlicht in den Wald bringe und ihn für dich erschieße.« Sofort blitzten blaue Augen über dem Maischefass auf.
»Wenn ich möchte, dass jemand erschossen wird, Jamie Fraser, dann tue ich das selbst. Und Ian wäre als Ziel auch nicht meine erste Wahl.«
Er prustete flüchtig, und sein Mundwinkel verzog sich nach oben.
»Oh, aye? Nun gut, und warum?«
Ihre Schultern bewegten sich rhythmisch, und eine Bewegung ging nahtlos in die nächste über.
»Weil ich dich darum bitte.«
Jamie spreizte die rechte Hand auf seinem Knie und strich zerstreut über die Kanten der Narbe, die sich im Zickzack über seinen Mittelfinger zog.
»Es ist gefährlich, Jenny«, sagte er leise.
»Das weiß ich.«
Er schüttelte langsam den Kopf, ohne den Blick von seiner Hand zu heben. Sie war gut verheilt, und er konnte sie problemlos benutzen, doch der steife Ringfinger und das knotige Narbengewebe auf dem Handrücken verliehen ihr ein seltsam krummes Aussehen.
»Du glaubst, dass du es weißt.«
»Ich weiß es, Jamie.«
Da hob er den Kopf. Seine Miene war ungeduldig, doch er rang darum, besonnen zu bleiben.
»Aye, ich weiß, dass dir Ian bestimmt Geschichten vom Soldatenleben in Frankreich erzählt hat. Aber du hast keine Ahnung, wie es wirklich ist, Jenny. Mo chridhe, es geht hier nicht darum, ein paar Rinder zu stehlen. Es ist Krieg, und wahrscheinlich wird es ein verdammt chaotischer Krieg werden. Es ist …«
Der Stampfer stieß mit einem Klack an die Wand des Fasses und sank in die Maische.
»Sag mir nicht, dass ich keine Ahnung habe, wie es ist!« Jenny funkelte ihn an. »Geschichten, wie? Was meinst du denn, wer Ian gesund gepflegt hat, als er mit einem halben Bein aus Frankreich kam und solches Fieber hatte, dass es ihn beinahe umgebracht hätte?«
Sie schlug mit der flachen Hand auf die Bank. Ihre überreizten Nerven waren gerissen.
»Keine Ahnung? Ich? Ich habe ihm die Maden aus dem rohen Fleisch gezogen, weil sich seine eigene Mutter nicht dazu überwinden konnte! Ich habe ihm das heiße Messer an das Bein gehalten, um die Wunde zu versiegeln! Ich habe gerochen, wie sein Fleisch verbrannt ist wie ein Schwein auf dem Feuer, und ich habe ihn dabei schreien gehört! Wage es nicht, dazustehen und mir zu sagen, ich … hätte keine … AHNUNG, wie es ist!«
Tränen der Wut liefen ihr über das Gesicht. Sie rieb darüber und suchte in ihrer Tasche nach einem Taschentuch.
Mit fest zusammengepressten Lippen stand Jamie auf, zog sich ein Taschentuch aus dem Ärmel und reichte es ihr. Er war nicht so unklug, sie zu berühren oder zu versuchen, sie zu trösten. Einen Moment stand er da und sah sie an, während sie sich aufgebracht über die Augen und die tropfende Nase wischte.