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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Es freut mich, daß du mich wenigstens noch erkennst«, sagte Warlon. Es klang weder boshaft noch spöttisch; Torian glaubte höchstens einen schwachen Triumph aus Warlons Stimme herauszuhören. »Ich hätte dich nicht für so dumm gehalten, hierher zurückzukommen, aber es war abzusehen, nachdem du den Soldaten in dem Gasthaus getötet hast.«

»Woher weißt du ...«

Warlon schnitt ihm mit einer knappen Handbewegung das Wort ab. »Du dürftest allmählich gelernt haben, daß man mich nicht unterschätzen sollte. Ich habe viele Augen und Ohren, selbst in Tremon. Ich wußte, daß du dich mit Garth und diesem Mädchen zusammengetan hast. Dann der Vorfall in der Schenke: ein vermummter Mann, ein Mädchen und ein Hüne, dessen Beschreibung genau auf Garth, die Hand, paßte — es war nicht schwer, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich brauchte nur noch auf euch zu warten.«

Widerwillig mußte Torian nicken. Das Gefühl, direkt in eine Falle zu reiten, hatte ihn also nicht getrogen, aber Warlon hatte er bei seinen Überlegungen völlig vergessen. Ein einziger Fehler nur, doch dieser würde sie das Leben kosten. Er stellte es ruhig fest und spürte dabei nicht einmal mehr Angst. Sie hatten verloren, und alles, was er noch fühlte, war Leere. Es fiel ihm mit jeder Sekunde schwerer, sich zu beherrschen. Unauffällig schloß er die Faust noch fester um den Griff seines Schwertes und hoffte, daß niemand es bemerkte. Natürlich war ein Kampf völlig aussichtslos, doch trotzdem würde er sich nicht einfach ergeben. Auch war er längst über die heroischen Heldenmärchen hinweg, daß es so etwas wie einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld gäbe. Aber es war wenigstens ein schneller und schmerzloser Tod, während sein Bruder ihm nicht einmal diese Gnade gönnen würde. Nein, wenn er schon sterben mußte, würde er wenigstens Warlon und ein paar seiner Speichellecker mit in den Tod nehmen. Wenn schon nicht für sich, konnte er damit vielleicht wenigstens noch etwas für die Menschen dieses Landes tun.

»Was soll das alles bedeuten?« fragte Garth scharf.

»Das bedeutet, daß ihr sterben werdet«, erwiderte Warlon leichthin. »Nicht jetzt sofort, das wäre zu einfach. Ich werde euch nach Moran-Dur bringen. In der Arena des Todes könnt ihr zeigen, wie gut ihr kämpfen könnt.«

»Du warst schon immer ein Ungeheuer«, stieß Torian hervor. Gleichzeitig machte er mit seiner linken Hand, die Warlon nicht sehen konnte, einige knappe Gesten. Er konnte nur hoffen, daß Garth sie bemerkte und die richtigen Schlüsse zog. »Aber in den letzten Jahren scheinst du eher noch schlimmer geworden zu sein«, fuhr er fort. »Du wolltest mich und hast mich bekommen, aber laß wenigstens Garth und Shyleen frei. Sie haben mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun.«

Amüsiert verzog Warlon das Gesicht. »So würde ich das nicht sagen«, entgegnete er gedehnt. »Es ist mir gelungen, zwei tremonische Spione zu fangen, zwei Landesverräter. Einer davon ist auch noch Garth, die Hand, ein ebenfalls steckbrieflich gesuchter Dieb und Deserteur. Die Strafe für Spionage ist die gleiche wie für Mord. Und jetzt werft endlich eure Waffen weg.«

Torian starrte ihn haßerfüllt an und tat so, als würde er zögern. Dann nickte er, senkte das Schwert, als wollte er es fallen lassen, riß es aber urplötzlich wieder hoch – und ließ es mit fürchterlicher Wucht auf Warlons Schulter herabfahren. Die Klinge glitt an der Panzerung ab, doch allein die Wucht des Hiebes reichte aus, Warlon aus dem Sattel zu schleudern. Torian hämmerte seinem Pferd die Absätze in die Flanken. Schmerzerfüllt kreischte das Tier auf, stieg hoch und schlug mit den Vorderhufen aus. Zwei Soldaten wurden getroffen und sanken reglos zu Boden.

Shyleen und Garth reagierten sekundenschnell und sprengten auf die Reihen der Gegner zu. Zwei, drei Soldaten und einige Norks wurden einfach niedergeritten, aber gleich darauf geriet ihr Angriff ins Stocken. Sie hatten den bisherigen Erfolg nur dem Überraschungsmoment zu verdanken, doch nun schlössen sich die Reihen ihrer Gegner wieder. Torian sah nur noch Schemen, metallene Uniformen und die zottigen Gestalten der Norks. Wie besessen hieb er mit dem Schwert um sich. Auch Garth wütete wie ein Berserker unter den Norks, und für einen Moment sah es sogar so aus, als hätte er Erfolg, als es ihm gelang, den Ring ihrer Gegner zu durchbrechen. Er trieb sein Pferd an und jagte in halsbrecherischem Galopp den Weg zurück, den sie gekommen waren.

Torian sah noch, wie sich ein Dutzend Norks, die bislang abseits geblieben waren, ihre Bögen von den Schultern rissen und auf den Dieb anlegten. Er wollte eine Warnung schreien, doch es war schon zu spät. Mehr als die Hälfte der Pfeile trafen ihr Ziel. Haltlos stürzte Garth aus dem Sattel. Trotz des Klirrens der Waffen hörte Torian seinen gellenden Schrei.

Das war seine letzte bewußte Wahrnehmung. Das Schwert eines Soldaten durchbrach seine Deckung und riß ihm den Arm vom Ellbogen bis zur Hand auf. Er stürzte zur Seite, und noch während er fiel, traf ihn ein weiterer Schlag und löschte sein Denken endgültig aus. Ich bin tot! dachte Torian.

Er mußte tot sein, es gab keine andere Möglichkeit. In ihm wühlte immer noch der unvorstellbar grausame Schmerz, mit dem ihn irgend etwas getroffen hatte. Es hatte etwas mit Warlon zu tun und mit seinem Vater und mit Lyn, aber der Gedanke entglitt ihm fast sofort wieder. Mühsam versuchte er sich zu erinnern, wo er war und wie er hiergekommen war, doch seine verzweifelten Anstrengungen liefen ins Leere. Wo seine Erinnerungen sein sollten, gähnte nur dunkles Nichts, als hätte jemand eine undurchdringliche Wand in seinem Geist errichtet.

Dann, von einer Sekunde zur anderen, rissen die Nebel um seinen Verstand ein wenig auf. »Kelysar«, murmelte er. Er wußte nicht, warum er ausgerechnet diesen Namen nannte. Er bedeutete ihm nichts; es gab kein Gesicht dazu in seiner Erinnerung, kein Bild, kein Gefühl. Es war nur ein Name.

Und doch ...

Er war wichtig.

Stöhnend richtete er sich in eine halbwegs bequeme Lage auf. Der Schmerz war ein wenig abgeklungen, erwachte durch die Bewegung jedoch sofort zu neuem Leben. Er glaubte, sich übergeben zu müssen. Dennoch zwang sich Torian mit ungeheurer Kraft, die Augen zu öffnen. Im ersten Moment sah er nur Nebelschlieren vor seinen Augen wallen, aus denen sich langsam das Gesicht eines Mannes schälte, der ganz und gar nicht so aussah, wie sich Torian einen Gott vorstellte – abgesehen davon, daß er ohnehin nicht an Götter glaubte. Das Gesicht war vom Alter gezeichnet, und tiefe Falten hatten sich hineingegraben. Der Greis lächelte flüchtig.

»Bleib liegen, oder willst du dich umbringen?« fragte er mit krächzender Stimme. »Du mußt dich schonen.«

Der Alte streckte die Hand nach ihm aus und berührte mit den Fingerspitzen seine Schläfen. Ein angenehmer Schauer durchfuhr Torian, eine Woge wohltuender Schläfrigkeit. Er ließ sich zurücksinken und schloß die Augen, als sich das Gesicht des Greises vor seinen Augen verzerrte und zu verschwimmen begann. Auch jetzt konnte er sich noch an nichts erinnern und wußte nicht, wer der Alte war, aber er spürte instinktiv, daß ihm keine Gefahr drohte.

Wieder glitt er in einen tiefen, von Fieberträumen gequälten Schlaf. Er wußte nicht, wie lange er ohne Bewußtsein war, bis er das nächste Mal aufwachte, aber er ahnte, daß es sehr lange gewesen sein mußte. Er war immer noch müde und erschöpft, doch es war diese Art scheinbarer Müdigkeit, die durch zuviel Schlaf hervorgerufen wird. Seine Glieder waren taub und beinahe gefühllos, als hätte er sich seit Tagen nicht mehr bewegt. Die Wunden schmerzten kaum noch, dagegen spürte er den festen Druck eines Verbandes. Wieder wurde es Torian schwindelig, als er sich aufrichtete, doch nicht so schlimm wie beim letzten Mal, und es gelang ihm, gegen die Übelkeit anzukämpfen. Seine Augen waren verklebt, und in seinem Mund schmeckte es, als hätte er in einen verschimmelten Apfel gebissen.

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