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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Warlon wurde eine Spur blasser im Gesicht. Ohne ein weiteres Wort fuhr er herum und verließ den Kerker. In Gedanken legte ihm Torian die Hände um den Hals und drückte genüßlich zu, bis auch der letzte Lebensfunke in diesem Ungeheuer erloschen war. Leider war das im Moment nur ein Wunschtraum.

Barul-Konos schaute ihn noch einen Moment bedauernd an. Sein Mitleid wirkte fast echt. »An deiner Stelle würde ich nicht so große Töne spucken«, sagte er dann kalt. »Wir haben lange auf dich warten müssen. Wir sehen das so, daß du eigentlich noch vier Jahre nachzuholen hast.« Sein Gesicht wurde steinern. »Ab morgen werdet ihr ebenfalls in den Minen arbeiten. Wir werden sehen, ob du dein Maul in ein paar Tagen immer noch so weit aufreißen wirst.« Mit einer übertrieben energischen Bewegung wandte er sich ab und folgte Warlon. Die Tür schlug hinter ihm zu.

Wie erstarrt blieb Torian auf seinem Lager sitzen. Die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf, und er war dankbar, daß Shyleen nichts sagte. Es gab keine Worte, um auszudrücken, was er empfand, keine Worte, die dem entsetzlichen Schmerz gerecht wurden, der in seiner Seele wütete.

Garth – tot?

Etwas in ihm weigerte sich standhaft, daran zu glauben. Mit aller Verzweiflung klammerte er sich an die Hoffnung, daß dies nur eine weitere Lüge war, mit der Warlon ihn quälen wollte, doch er wußte gleichzeitig, daß er sich damit selbst etwas vormachte. In rasendem Tempo schössen die Erinnerungen an alles, was er mit dem Dieb zusammen erlebt hatte, durch seinen Kopf. Sie kannten sich erst seit wenigen Wochen, und doch kamen sie ihm wie Jahrzehnte vor. Genau wie er hatte sich Garth vor seinen Verfolgern in die Armee geflüchtet, wo man nicht viele Fragen nach der Herkunft stellte, allerdings war es bei ihm das tremonische Heer. Torian sah noch einmal, wie sie sich am Anfang gegenseitig fast umgebracht hätten und dann allmählich Freundschaft schlössen, war noch einmal mit Garth zusammen in der Ruinenstadt Rador, in den Katakomben der Letzten Nacht, befreite mit ihm zusammen Shyleen aus der Gewalt der Schwarzen Magier, überwand die Straße der Ungeheuer und rettete Garth aus der Schattenburg, wobei sie gleichzeitig die jahrtausendealte Herrschaft der Schwarzen Magier und ihres Götzen Ch’tuon endgültig brachen. Sie hatten einfach zuviel zusammen durchgestanden, und der Tod war zu einem fast vertrauten Begleiter geworden, dem sie ein paarmal zuviel in letzter Sekunde ein Schnippchen geschlagen hatten, als daß der Gedanke an den Verlust eines von ihnen irgendwie im Bereich des Möglichen zu liegen schien. So gefährlich, wie sie gelebt hatten, war ihnen beiden klar gewesen, daß sie nicht irgendwann als tatterige Greise vor einem gemütlichen Kaminfeuer an Altersschwäche sterben würden. Aber trotzdem konnte sich Torian einfach nicht damit abfinden, daß Garth tot sein sollte – wie ein fliehendes Tier hinterrücks von Soldaten, die eigentlich ihm dienen sollten, aus dem Sattel geschossen. Nein, es durfte einfach nicht wahr sein, daß Warlon ihm nach allem nun auch noch einen der letzten beiden Menschen genommen hatte, die ihm wirklich etwas bedeuteten.

Seine Augen brannten, halb von Tränen, die er nicht ganz zurückhalten konnte, halb von abgrundtiefem Haß auf seinen Bruder. Es waren keine leeren Worte gewesen, daß er Warlon umbringen würde, sobald er nur Gelegenheit dazu hätte, und wenn er nur noch für die Rache lebte, wie er es vor Jahren schon einmal gewollt hatte. Dieser Tag würde kommen, und diesmal gab es keinen Kelysar, der ihn mit großspurigen Worten davon abbringen würde.

Torian wußte nicht, wie lange er nur dasaß und seinen Erinnerungen nachhing, als die Tür erneut geöffnet wurde. Eine Gruppe zerlumpter Gestalten kam herein, unter ihnen auch drei Frauen und einige Norks. Abschätzende Blicke trafen Shyleen und Torian, doch die meisten Gefangenen waren so müde, daß sie sich sofort auf ihr Lager fallen ließen. Nur einer der Männer kam auf sie zu und musterte Shyleen auf so abwertende und entwürdigende Art, daß Torian heißen Zorn in sich aufsteigen fühlte. Nach einigen Sekunden wandte sich der Mann ihm zu. Ungerührt erwiderte Torian seinen Blick. Sein Gegenüber war etwas kleiner als er selbst, dafür außerordentlich muskulös. Sein Gesicht war grobschlächtig, die Nase an mehreren Stellen gebrochen und nicht mehr richtig zusammengewachsen.

»Ich bin Kawilas«, sagte der Mann mit kaum verhohlener Provokation in der Stimme.

»Torian. Und das ist Shyleen.«

»Der große Torian Carr Conn, sieh an. Ich habe schon von dir gehört. Wir können gut miteinander auskommen, wenn ihr ein paar ganz einfache Regeln befolgt«, fuhr Kawilas fort und streckte kampfeslustig das Kinn vor. »Die erste davon ist, daß ihr tut, was ich sage. Ich bin nämlich der Anführer dieses großartigen Haufens hier.«

»Und wohl auch mächtig stolz darauf, wie?« Torian spürte die Blicke der anderen Gefangenen fast körperlich. Selbst hier in Moran-Dur, wo sie alle Gefangene und den Wächtern mehr oder weniger hilflos ausgeliefert waren, gab es einen, der versuchte, sich auf Kosten der anderen einige kleine Freiheiten zu verschaffen und sich zum Anführer aufzuspielen, und wie überall war es natürlich der Stärkste. Hier herrschten allerdings nur noch die einfachsten Regeln des Überlebens. Torian legte es nicht auf einen Streit an, aber er wußte, daß er untergehen würde, wenn er sich jetzt einschüchtern ließ. Jedes Nachgeben würde ihm in Zukunft als Schwäche ausgelegt werden. Er kannte Menschen wie Kawilas. Viel Muskeln und wenig Gehirn. »Deine Spielregeln interessieren mich nicht«, fügte er hinzu. »Wenn du unbedingt den großen Meister spielen willst, dann tu es meinetwegen, aber laß mich in Ruhe, in Ordnung?«

Totenstille breitete sich aus. Es dauerte einige Sekunden, bis Kawilas überhaupt begriff, daß diese Antwort ganz und gar nicht die war, die er erwartet hatte. Wütend trat er einen weiteren Schritt vor und ballte die Hände zu Fäusten. »Du bist wohl lebensmüde, wie?« zischte er. Gleichzeitig schlug er zu.

Torian reagierte fast ohne zu denken. Sein Arm zuckte hoch und blockte den Schlag ab. Ein grausamer Schmerz lahmte ihn fast, als die Faust über seinen Verband schrammte, doch er kämpfte gegen den Schmerz an und packte den Arm seines Gegners. Er versuchte, Kawilas über seine Hüfte zu schleudern, aber es war, als wollte er ein Gebirge mit bloßen Händen bewegen. Mit seiner puren Muskelkraft blockte Kawilas den Griff ab. Torian keuchte und konnte sich kaum vorstellen, wie er dieses Kraftpaket im direkten Kampf besiegen sollte.

Aber Kawilas war von der seltsamen Art des Angriffs überrascht worden, deshalb setzte er nicht sofort nach, sondern riß sich lediglich los. Doch schon allein durch dieses Losreißen wurde Torian von den Beinen gerissen und einige Schritte weit durch die Luft gewirbelt. Durch eine halbe Rolle verwandelte er seinen Sturz in einen halbwegs zielgerichteten Sprung. Gleichzeitig riß er seinen Fuß hoch, beschrieb einen Halbkreis und traf seinen Gegner mit ungeheurer Wucht an der Brust.

Kawilas taumelte zurück und keuchte schmerzerfüllt, doch sofort ging sein Keuchen in ein wütendes Brüllen über, und wie ein gereizter Stier stürzte er wieder vor.

Seinem nächsten Schlag konnte Torian nicht mehr richtig ausweichen. Kawilas’ Faust traf ihn an der Schulter, wirbelte ihn herum und schleuderte ihn hart gegen die Wand. Torians Versuch, den Schwung abermals in eine Drehung und einen Tritt zu verwandeln, scheiterte, weil er den Fuß um einen Sekundenbruchteil zu spät hochriß. Kawilas wich dem Tritt mühelos aus und bekam sein Bein zu packen. Ein heftiger Ruck warf Torian zu Boden. Schmerzhaft schlug er mit dem Kopf auf den Steinen auf und war für mehrere Sekunden benommen. Er hörte auf, klar zu denken, und versuchte nicht mehr, seine Bewegungen bewußt zu steuern. Statt dessen ließ er sich von seinen Reflexen treiben.

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