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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Im Gegensatz zum ersten Erwachen war es diesmal Tag. Durch ein kleines Fenster fiel grelles Sonnenlicht herein und blendete ihn so stark, daß er die Augen gequält zusammenkniff. Es dauerte Minuten, bis er sie wieder öffnen und sich umsehen konnte. Er befand sich in einem kleinen Raum, vollgestopft mit Möbeln, denen das Wort Müll noch geschmeichelt hätte. Eine vage Erinnerung blitzte in ihm auf. Er war schon einmal hiergewesen, vor einer Zeit, die ihm wie eine Ewigkeit erschien. Da war ein Gehölz gewesen, von tanzenden Schatten erfülltes Unterholz ... ein schmaler Pfad ... der Greis ...

Torian schaute sich noch einmal um, sorgfältiger als beim erstenmal. Er war allein, von dem Greis war nichts zu sehen. Kelysar. Torian erinnerte sich plötzlich, daß das der Name des Alten war. Aber wie – und vor allem warum war er hergekommen?

Neben seinem notdürftigen Lager aus Stroh und Moos stand eine Schale mit Wasser. Erst bei ihrem Anblick spürte er, wie durstig er war. Seine Lippen waren rauh und gesprungen; die Zunge lag wie ein pelziger Lappen in seinem Mund. Vorsichtig trank er ein paar Schlucke und wartete, bis sich die Verkrampfung in seinem Hals löste, dann trank er die Schale gierig leer. Das Wasser hatte einen eigenartig bitteren Geschmack, es mußten sich Krauter darin befinden.

Es fiel Torian nun etwas leichter, sich zu konzentrieren. Die unsichtbare Mauer in seinem Gedächtnis bekam Risse, die sich immer mehr vergrößerten. Er erinnerte sich wieder, wer er war, unter welch sonderbaren Umständen er Kelysar zum ersten Mal begegnet war, daß das Gehölz an der Straße nach Burg Pa’an lag, wo Lyn wohnte —

- und dann, so plötzlich, daß die Erkenntnis fast körperlich weh tat und ihn gequält aufstöhnen ließ, fiel ihm auch alles andere wieder ein.

Die Geburtstagsfeier, der feige Mord Warlons, die Falle, in die er blindlings hineingetappt war, schließlich Lyns Tod ... Wieder stöhnte Torian auf. Er war nicht in der Lage, einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen. Minutenlang starrte er einfach nur vor sich hin ins Leere. Er war auf dem Höhepunkt des Glücks gewesen, als Warlon zugeschlagen und alles mit einem so einfachen, so durchsichtigen Plan zerstört hatte. Alles war ihm wie Sand zwischen den Fingern zerronnen, weil er Warlons Haß und Skrupellosigkeit unterschätzt und nicht auf Marubur gehört hatte. Marubur und Fürst Limahrt waren tot, und indirekt durch seine Schuld auch Lyn, der einzige Mensch, den er jemals wirklich geliebt hatte – aber wie er den Schmerz über ihren Tod während der Flucht nicht wirklich gespürt hatte, spürte er auch jetzt bei dem Gedanken an sie nur Leere. Und dann begriff er, daß es Kelysars sonderbare Kräfte waren, die ihn davor bewahrten, schlichtweg wahnsinnig zu werden, sich vor Schmerz und Trauer selbst aufzugeben. Vielleicht hätte er sich einfach in sein Schwelt gestürzt, wenn Kelysar nicht gewesen wäre, aber er wußte auch, daß der Heiler ihn höchstens für eine gewisse Zeit schützen konnte. Dann würde er mit sich selbst ins reine kommen müssen.

Mühsam stemmte er sich hoch. Ihm wurde schwarz vor Augen, und beinahe wäre er wieder zurückgefallen, aber mit eiserner Willenskraft hielt er sich aufrecht. Eine Armee von Ameisen schien über seine Beine zu kriechen. Torian wartete, bis das Kribbeln nachließ, dann taumelte er mit ungelenken Schritten auf die Tür zu und öffnete sie. Wieder blendete ihn das Sonnenlicht im ersten Moment so stark, daß er die Augen mit der Hand abschirmen mußte. Vorsichtig blinzelte er zwischen den Fingern hindurch, bis sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten.

Auch die Lichtung schien sich seit seinem ersten Besuch nicht verändert zu haben. Alles machte einen so friedlichen und idyllischen Eindruck, daß es für sein Empfinden schon fast zu schön war, um wahr zu sein.

Doch das war nur der erste Eindruck. Vielleicht war es nichts weiter als Einbildung, aber die braungrüne, etwas mehr als mannshohe Wand aus Gebüsch, die die knapp fünfzig Schritte durchmessende freie Fläche umschloß, schien um ein vielfaches dichter, ja fast massiv geworden zu sein. Wo nach seiner Erinnerung blühende Büsche gestanden hatten, erhob sich nun dorniges Gestrüpp, das einen nahezu undurchdringlichen Wall um die Lichtung bildete. Unbehaglich schaute Torian in die Richtung, aus der er damals gekommen war, doch den Pfad entdeckte er •nicht. Auch dort streckte sich ihm das verschlungene, dornenge-spickte Unterholz wie eine stachelige Barriere entgegen. Sein Blick reichte kaum zwei Schritte weit, dann wurde er von den düsteren Schatten verschluckt.

Torian blinzelte ein paarmal und wischte sich mit der Hand über das Gesicht, als könne er so seine Benommenheit vollends vertreiben, dann begann er, die Hütte zu umrunden. Das mit Moos durchsetzte Gras der Lichtung federte sanft unter seinen Füßen, und er hatte das Gefühl, auf einem weichen Polster zu gehen. Wieder spürte er einen Herzschlag lang, daß alles beinahe zu schön war, um Teil der wirklichen Welt zu sein, aber der Gedanke entglitt ihm sofort wieder.

Hinter der Hütte teilte ein Bach die Lichtung in zwei Hälften, und dort fand er auch Kelysar. Der Heiler saß zusammengesunken am Ufer des Baches, in der Hand eine selbstgebastelte Angelrute: ein Stock mit einer Schnur daran, an deren Ende ein gebogenes Stück Draht mit einer Brotkrume ins Wasser hing. Er schien eingeschlafen zu sein, doch als Torian näher trat, sah er, daß der Heiler die Augen weit geöffnet hatte. Langsam wandte der ihm den Kopf zu. »Wie fühlst du dich?«

»Es geht«, antwortete Torian – was wirklich eine schamlose Übertreibung war – und setzte sich neben ihn. »Wie lange habe ich geschlafen?«

Kelysar zögerte einen Moment mit der Antwort. »Acht Tage«, sagte er schließlich leise.

»Acht Tage?« Ungläubig schaute Torian den alten Mann an.

»Viel hat nicht gefehlt, und du hättest noch sehr viel länger geschlafen«, sagte Kelysar mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. »Es ist das reinste Wunder, daß du lebend hier angekommen bist.«

Acht Tage. Obwohl es Torian gerade noch erschreckt hatte, daß er so lange geschlafen hatte, kam ihm diese Zeit mit einemmal sehr kurz vor. Kelysar hatte recht. Er war mehr tot als lebendig aus der Burg geflohen. »Und du hast mich in acht Tagen soweit geheilt, daß ich wieder aufstehen kann«, sagte er nachdenklich. Es war eine Feststellung, keine Frage, trotzdem nickte Kelysar. Ein wehmütiger Ausdruck trat in sein Gesicht.

»Es hat lange gedauert, ich weiß. Früher hätte ich nur drei oder vier Tage gebraucht, aber ich habe vieles vergessen und verlernt.«

Torian schüttelte fassungslos den Kopf. Er hatte das genaue Gegenteil gemeint. Kelysar blieb ein Rätsel für ihn. Rasch wechselte er das Thema, weil er befürchtete, sonst doch noch den Verstand zu verlieren. »Warum machst du das?«

»Angeln ? Ich dachte mir, du hättest vielleicht Appetit auf einen kräftigen Happen.«

»Das meine ich nicht«, entgegnete Torian unwirsch. Kelysar war nicht nur ein wandelndes Rätsel, sondern auch wirklich mindestens so verrückt, wie es bei ihrer ersten Begegnung geschienen hatte, wenn er glaubte, daß es in dem kristallklaren, kaum knöcheltiefen Bach auch nur einen einzigen Fisch gab. »Ich meine, warum du mir überhaupt geholfen hast.«

»Ich habe es schon einmal getan, wie du dich wohl noch erinnerst. Wer mich um Hilfe bittet, der erhält sie auch.«

»Du hast mich damals davongejagt.«

»Und dir prophezeit, daß wir uns schon bald wiedersehen würden.«

»Danach wollte ich als nächstes fragen. Aber das beantwortet meine erste Frage noch nicht. Warum hast du mir geholfen?«

»Allmählich frage ich mich das auch«, erwiderte Kelysar mürrisch. »Wahrscheinlich wollte ich mal wieder mit jemandem sprechen, der nur dumme Fragen stellt, statt sich zu freuen, daß er noch am Leben ist. Vielleicht werde ich sie dir irgendwann einmal beantworten. Jetzt solltest du lieber schon mal ein Feuer machen. Holz findest du neben dem Eingang.«

Einen Moment lang schaute Torian ihn noch zornig an und überlegte, ob er Kelysar einfach packen und zum Antworten zwingen sollte, aber dann dachte er daran zurück, was passiert war, als er zum erstenmal versucht hatte, Gewalt gegen den Greis anzuwenden. Gleichzeitig schämte er sich, diese Möglichkeit überhaupt erwogen zu haben. Immerhin verdankte er Kelysar sein Leben. So stand er kopfschüttelnd auf und ging zur Hütte zurück. Er hatte wirklich bohrenden Hunger.

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