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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Er verdrängte diese Gedanken. Es half ihnen nicht, darüber nachzugrübeln, was sie besser getan hätten. Er sollte sich lieber Gedanken darüber machen, was sie jetzt tun konnten. Verzweifelt schaute er sich um. Wenn sie so nur blindlings weiterflohen, konnten sie sich genausogut selbst in ihre Schwerter stürzen. Sie brauchten ein Versteck, um die Soldaten von ihrer Spur abzubringen.

»Dort hinüber!« rief er und deutete auf einen Einschnitt zwischen zwei hohen Hügeln. Verbissen versuchte er sich an die Umgebung zu erinnern, aber er war zu selten in diesem Teil Scrooths gewesen, um sich zurechtzufinden, und bei dem planlosen Querfeldeinritt hatte er die Orientierung vollends verloren.

Sie jagten in das schmale Tal hinein, das schon bald zu einer engen Schlucht zusammenlief. Steile, meterhohe Steinwände ragten seitlich von ihnen auf und schienen sich nach oben gegeneinander zu neigen, so daß vom Himmel nur ein schmaler, dunkler Strich zu sehen war, in dessen Mitte das helle Rund des Mondes wie ein großes, böses Auge auf sie herabstarrte. Sein Licht reichte bis auf den Grund des Felsspaltes herab und schuf unheimliche geisterhafte Schatten. Unbehaglich schaute sich Torian um. Die Schlucht machte eine Biegung – und dann endete der Weg plötzlich vor einer massiven, lotrecht aufsteigenden Wand. Torian fluchte lauthals, hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt und sprang aus dem Sattel. »Wir müssen zu Fuß weiter. Jagt die Tiere weg!« rief er und hieb selbst auf sein Pferd ein, das erschrocken davonstob, den gleichen Weg zurück, den sie gekommen waren. »Vielleicht bringt sie das von unserer Spur ab. Mit ein wenig Glück kommen die Tiere noch aus dem Talkessel heraus und führen die Soldaten in die Irre.«

»Mittlerweile gefallen mir deine Ideen immer besser«, maulte Garth, tat es ihm und Shyleen aber gleich. Mühsam begannen sie, an einer der steilen Wände hinaufzuklettern. Immer wieder gab lockeres Geröll unter ihren Füßen nach, und mehr als einmal entgingen sie nur um Haaresbreite einem Sturz. Trotzdem kletterten sie verbissen weiter, bis Garth schließlich auf eine kleine, halb hinter Dorenenranken verborgene Höhle deutete, die erst aus unmittelbarer Nähe zu entdecken war. Das Loch im Berg war kaum groß genug, sie aufzunehmen, doch im Moment wäre Torian auch mit einem Kaninchenbau zufrieden gewesen, solange sie sich nur darin verkriechen konnten.

Es dauerte fast eine Stunde, bis sie Hufschlag vernahmen, ein Zeichen, daß sein Plan aufgegangen war. Die Soldaten waren nur den Spuren der Pferde gefolgt, und die Tiere schienen noch eine ganze Weile gelaufen zu sein. Torians Nerven waren zum Zerreißen gespannt, als er die gepanzerten Krieger aus der Deckung der Dornenranken heraus beobachtete. Es waren sechs Soldaten, schwarze Schattenrisse in der Dunkelheit, die langsam näherkamen und nicht den Eindruck machten, als glaubten sie noch an einen Erfolg ihrer Suche. Dennoch ließen sie ihre Blicke mißtrauisch an den steilen Felswänden entlangwandern, und einen schrecklich langen Augenblick glaubte Torian den Blick des Anführers auf sich zu spüren. Er verkrampfte sich noch mehr, doch dann wandte der Mann den Kopf wieder ab, beobachtete einige Sekunden lang scharf die gegenüberliegende Wand und gab schließlich das Zeichen zum Rückzug. Torian atmete erleichtert auf, als die Soldaten die Schlucht langsam wieder verließen.

»Das war’s dann wohl«, flüsterte er leise, doch etwas sagte ihm, daß diese Worte mehr einem Wunschdenken entsprangen. Er hatte nicht irgendeinen dahergelaufenen Mann erschlagen, sondern einen Soldaten, und die Suche würde nicht so einfach im Sande verlaufen. Man würde in den nächsten Tagen verstärkt nach zwei Männern und einer Frau Ausschau halten, und zumindest Garths und Shyleens Aussehen war bekannt.

Keinei von ihnen schlief in dieser Nacht, und schon vor dem Morgengrauen brachen sie auf. Während der nächsten zwei Tage hielten sie sich noch weiter von allen befestigten Straßen fern und ernährten sich nur von Beeren und einigen wildwachsenden Früchten. Sie entdeckten ein einsam gelegenes Gehöft, wo sie drei frische Pferde stahlen, auf denen sie fortan wieder etwas schneller vorwärtskamen.

Trotzdem aber legte sich Torians Furcht und Nervosität nicht, sondern wuchs im Gegenteil mit jeder Meile, die sie zurücklegten. Für seinen Geschmack ging alles etwas zu einfach, zu glatt, wenn er die Umstände bedachte, unter denen sie sich durch die Gegend schlichen. Er wurde das Gefühl nicht los, daß sie direkt in eine Falle ritten und mit jeder Sekunde tiefer und tiefer in die Maschen eines vorerst noch unsichtbaren, aber dennoch sehr straff gespannten Netzes gerieten, obwohl es keinen einzigen wirklichen Hinweis darauf gab. Das Gefühl war einfach da und ließ sich durch logische Überlegungen nicht verscheuchen.

Gerne hätte er mit jemandem darüber gesprochen, doch Shyleen würde ihm kaum zuhören und seine Befürchtungen nur zu zerstreuen versuchen, während ihm Garth eifrig zustimmen und erneut auf eine sofortige Umkehr drängen würde. Freunde, dachte er resignierend.

Gegen Abend des dritten Tages erreichten sie unbehelligt die Gegend um Burg Conn. Sein Land, schoß es Torian durch den Sinn. Sein Land und seine Burg. Sie waren noch einige Dutzend Meilen von der Festung entfernt, doch wie unmöglich das auch war, glaubte er, die Zinnen und Türme hinter den Hügeln und Bergen sehen zu können. War das alles? dachte er bitter. War die Rückkehr wirklich so einfach, und war er deshalb jahrelang auf der Flucht gewesen?

Sie ritten durch ein schmales Tal, als die Felsbrocken zu beiden Seiten des Weges plötzlich lebendig wurden. Jedenfalls war dies Torians erster Eindruck, doch gleich darauf erkannte er, daß es sich um Norks handelte, die hinter den Felsen gelauert hatten und ihnen nun den Weg verstellten. Es mußten annähernd zwanzig der affenartigen Wesen sein, und bei ihnen befanden sich noch einmal halb so viele Soldaten, gekleidet in die beiden blauen Umhänge Conns.

»Eine Falle! Zurück!« schrie Torian, riß sein Pferd brutal am Zügel herum und griff gleichzeitig nach seinem Schwert. Sie kamen nicht einmal zehn Schritte weit, bevor ihnen auch auf dieser Seite Dutzende von Norks und Soldaten den Weg verstellten. Torians Pferd bäumte sich auf, und er mußte alle Kraft aufbringen, nicht abgeworfen zu werden. Gehetzt blickte er sich um. Es gab keinen Fluchtweg mehr, und das Schwert in seiner Hand kam ihm auf einmal wie ein Spielzeug vor.

Sie hätten vielleicht gegen eine zwei- oder dreifache Übermacht kämpfen können, aber auf jeden von ihnen kamen mehr als zwanzig Gegner! Kein besonders faires Kräfteverhältnis, fand Torian.

Noch griffen Warlons Schergen nicht an, sondern beschränkten sich darauf, mit gezogenen Waffen dazustehen und ihnen den Weg zu versperren, als warteten sie auf jemanden. Dann plötzlich teilten sich ihre Reihen, um einem Mann auf einem besonders prächtigen schwarzen Hengst Platz zu machen. Er war von Kopf bis Fuß in eine schimmernde Rüstung gehüllt, deren übertriebener Prunk fast schon lächerlich war. Selbst sein Gesicht war hinter einem geschmückten Visier verborgen, doch Torian wußte auch so, wen er vor sich hatte. Gebannt starrte er dem Reiter entgegen, bis dieser sein Pferd dicht vor ihnen zugehe, sich an den Kopf griff und das Visier mit einem Ruck nach oben klappte. Torian stöhnte leise auf.

»Wer ist das?« fragte Garth gepreßt.

»Der Herr von Schloß Conn«, antwortete Torian fast lautlos und ohne den Blick auch nur eine Sekunde vom Gesicht seines Gegenübers abzuwenden. Die Worte klangen nicht halb so ironisch, wie sie klingen sollten. »Das ist Warlon. Mein Bruder.«

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